EIne Frau wird gegen Covid-19 in einer Sporthalle in Cartagena geimpft.
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In einer Sporthalle in Cartagena werden 500 Pfleger und Ärzte geimpft.

Impfkampagne in Murcia

Skandal beim Impfen in Murcia: Erst vorgedrängelt, dann zurückgetreten

  • vonSandra Gyurasits
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Beim Impfen in der Region Murcia halten sich nicht alle an die Reihenfolge. Der Landesgesundheitsminister, höhere Angestellte seines Ministeriums und des Gesundheitsdienstes sowie eine Bürgermeisterin ließen sich vorzeitig immunisieren - mit Folgen. 

  • Murcias Landesgesundheitsminister Manuel Villegas rechtfetigt seine Impfung und die seiner Ehefrau mit dem Argument, sie seien beide Ärzte.
  • Aber keiner arbeitet in einem Krankenhaus an vorderster Corona-Front.
  • Molinas Bürgermeisterin Esther Clavero ließ sich aus der Reihe impfen, weil sie Krebspatientin sei, obwohl andere Patienten mit der gleichen Krankheit warten müssen.

Murcia – Mitten in die sich verschärfende Coronavirus-Krise in der Region Murcia ist ein Impf-Skandal geplatzt. Murcias Landesgesundheitsminister Manuel Villegas, seine Ehefrau, ranghohe Mitarbeiter seines Ministeriums und des Gesundheitsdienstes sowie die Bürgermeisterin von Molina de Segura Esther Clavero haben sich nicht an die festgeschriebene Reihenfolge gehalten und sich vorzeitig gegen Covid-19 impfen lassen. Die Folgen: Eine Fast-Regierungskrise in der Region Murcia, der Rücktritt von Villegas (PP) nach fast vier Jahren im Amt und der Ausschluss aus der sozialistischen Partei PSOE von Clavero. Villegas hatte seinen Vorstoß mit dem Argument gerechtfertigt, er sei in erster Linie Arzt und nicht Politiker. Bürgermeisterin Clavero begründete ihr Vorgehen damit, dass sie Krebspatientin sei und ihr Beruf viele Kontakte mit sich bringe.

Aus dem offiziellen Impf-Protokoll geht jedoch eindeutig hervor, dass weder Villegas, seine ranghohen Beamten noch Clavero zu der Gruppe gehören, die in der ersten Phase, die noch nicht beendet ist, gimpft werden. Vorrang haben Ärzte und Pfleger in Krankenhäusern, auf Intensivstationen, in Gesundheitszentren, Notaufnahmen, auf Krebssationen, in Senioren- und Behindertenheimen.

Impf-Skandal in Murcia: Landesgesundheitsminister tritt zurück, um Regierungskrise zu verhindern

Das Vordrängeln von Villegas und seiner Entourage sorgte über die Grenzen der Region Murcia hinaus in ganz Spanien für Empörung. Die Rufe nach seinem Rücktritt wurden immer lauter. Deutliche Worte fand die Landesministerin für Arbeit und Sprecherin der Landesregierung, Ana Martínez Vidal. Sie steht der Partei Cuidadanos vor, dem Koalitionspartner der konservativen Volkspartei PP in Murcia.

Das Impf-Protokoll sei eindeutig, sagte sie. Die Minister seien noch nicht an der Reihe und sollten Beispiel sein. Villegas Vorstoß sei unentschuldbar und unerträglich. Vidal drohte mit einem Untersuchungssausschuss in der Regionalversammlung. Um eine Regierungskrise in Murcia zu verhindern, nahm Landesministerpräsident Fernando López Miras (PP) das Rücktrittsgesuch von Villegas an.

Der Landesgesundheitsminister von Murcia Manuel Villegas (r.) ist zurückgetreten, weil er sich vorzeitig gegen Covid-19 impfen ließ.

Impf-Skandal in Murcia: Auch Bürgermeisterin Esther Calvero mächtig unter Druck

Auch der Druck auf Bürgermeisterin Clavero wächst. Doch bisher schließt sie einen Rücktritt aus und nimmt dafür den Parteirauswurf in Kauf. Sie hatte angegeben, die Impfung vom Arzt verschrieben bekommen zu haben, konnte jedoch keinen Beweis vorlegen, sondern nur ein Dokument, das sie als Krebs- und Risikopatientin ausweist und eine Impfung empfiehlt. Das Papier wurde ausgerechnet von dem Koordinator des Gesundheitsdistrikts Molina de Segura ausgegeben, der auch der Lebenspartner von Clavero ist.

Bürgermeisterin von Molina de Segura, Esther Calvero, kurz vor Bekanntwerden ihrer Brustkrebserkrankung im November 2019.

Unterdessen sind in der Region Murcia beim Stand vom 22. Januar an einem Tag 1.398 Neuinfektionen mit dem Coronavirus und 19 Todesfälle wegen Covid-19 registriert worden, so viele wie seit Ausbruch der Corona-Pandemie nicht. Kritisch ist auch die zunehmende Zahl an Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern. Derzeit befinden sich 1.042 auf den Stationen, 142 werden auf den Intensivstationen behandelt, ebenfalls eine Rekordzahl. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 887. Die Krankenhäuser stehen am Rande des Kollaps.

Coronavirus-Krise in Murcia: Alle Gemeinden bis auf zwei abgeriegelt - Freunde treffen ist verboten

Die Landesregierung hat die Maßnahmen gegen Corona noch einmal verschärft. Alle Gemeinden der Region Murcia sind abgeriegelt mit Ausnahme von Abanilla und Librilla. Geschäfte, die nicht als systemrelevant gelten, müssen um 20 Uhr schließen. Ausnahmen stellen Supermärkte, Apotheken, Tankstellen oder Tierärzte dar.

Alle Großveranstaltungen wurden abgesagt. Bars und Restaurants sind geschlossen und dürfen nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten. Treffen mit Familienangehörigen und Freunden, die nicht in einem Haushalt zusammen leben, sind untersagt. Die Abriegelung der Region Murcia bleibt bestehen genauso wie die Ausgangssperre von 22 bis 6 Uhr.

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