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Archäologische Schatztruhe: Inselchen vor Águilas voller Überraschungen

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Von: Sandra Gyurasits

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Eine Gruppe von fünf Leuten führt Ausgrabungen auf einer Insel am Meer durch.
Archäologen legen auf der Isla del Fraile an Spaniens Küste ein bedeutendes Fischbecken aus der Römerzeit frei. © Rathaus Águilas

Das internationale Interesse an der kleinen Isla del Fraile an Spaniens Küste wächst. Erst im September machten Archäologen wieder eine bedeutende Entdeckung aus der Zeit der Römer.

Águilas – Die kleine unbewohnte Insel Isla del Fraile direkt vor der Küste von Águilas im Südosten von Spanien ist eine wahre Schatztruhe für Archäologen. Auch die dritte Ausgrabungskampagne, die das Rathaus von Águilas und die Universität Complutense Madrid organisierten, ist im September mit einer Überraschung aus dem fünften Jahrhundert nach Christus zu Ende gegangen. Die Wissenschaftler und Studenten aus ganz Spanien legten ein vier Meter langes, 2,25 Meter breites und ein Meter tiefes Becken frei, das die Römer vor rund 2.000 Jahren zur Herstellung von gepökeltem Fisch und ihrer berühmten Würzsoße Garum nutzten.

Das Becken auf der Isla del Fraile ist eines der größten, das bisher an der Küste der Iberischen Halbinsel gefunden wurde, wie die Leiter der Kampagne Alejandro Quevedo von der Uni Madrid und Juan de Dios Hernández García vom Archäologischen Museum von Águilas bestätigten. Die Forscher schätzen, dass das Bassin ein Fassungsvermögen von 14.000 Litern hatte.

Archäologische Schatztruhe in Spanien: Größte Produktionsstätte der Römer für Fischsoße entdeckt

Gleichzeitig entdeckten die Archäologen neue Amphoren, die in Águilas hergestellt und in denen Garum und andere Fischereiprodukte transportiert und auch vermarktet wurden. Die Wissenschaftler hoffen darauf, dass diese Amphoren auch an anderen Fundstätten in Spanien und anderswo auftauchen und so Informationen über die Handelsbeziehungen zwischen Águilas und dem übrigen Mittelmeerraum in der Antike liefern können.

Bereits bei Ausgrabungen 2020 wurde auf der kleinen Insel, die übersetzt Mönch-Insel heißt und den Namen bekam, weil sie der Kapuze eines Mönchgewandes ähneln soll, ein gut erhaltenes Lager voller Amphoren freigelegt, in denen Fischreste nachgewiesen wurden. „In der Vergangenheit hat sich in Águilas alles um die Fischerei gedreht“, erklärte der Archäologe Juan de Dios Hernández. „Die Isla del Fraile beweist, wie bedeutend die Fischerei in der Geschichte war.“

Archäologische Schatztruhe in Spanien: Von stickendem Fisch zur feinen Soße

Die groß angelegte Produktion von Garum muss auf der kleinen Insel an der Küste von Spanien einen ziemlichen Gestank verbreitet haben. Um Garum zu gewinnen, wurden Speisefische wie Makrelen samt Eingeweiden mit Salzlake gemischt und in dem offenen Becken monatelang der Sonne ausgesetzt. In dieser geruchsintensiven Zeit wurde das Fischeiweiß durch Enzyme aus den Innereien abgebaut. Das Gemisch wurde ausgepresst und gefiltert, bis eine klare bernsteinfarbene, fein riechende Flüssigkeit herauskam, die in der gehobenen Küche sowie in der Medizin zum Einsatz kam.

Blick auf die Isla del Fraile an der Küste von Águilas.
Die kleine Isla del Fraile vor der Küste von Águilas ist eine archäologische Schatztruhe. © Rathaus Águilas

Das Interesse an dem Projekt Isla del Fraile ist groß und wächst. Der Kampagne haben sich internationale Forscher angeschlossen. Auch bei Studenten sind die Ausgrabungen beliebt. Achrchäologen legten bei den letzten Kampagnen auch Fundstücke aus verschiedenen Grabstätten frei. Dabei handelt es sich um Reste aus der Totenstadt Cambrón del Fraile gegenüber der Isla del Fraile. Die Nekropolis stammt aus der Spätantike, aus dem 4. bis 5. Jahrhundert.

Archäologische Schatztruhe in Spanien: Grabstätten aus verschiedenen Epochen

Auf der Insel wurden mittelalterliche, islamische Grabstätten aus dem 11. bis 13. Jahrhundert gefunden. Die Gräber aus der Zeit der Emire vom 8. bis 10. Jahrhundert seien besonders interessant, sagte der Stadtarchäologe von Águilas Hernández, da es die ersten Funde aus Emir-Zeit an der Küste von Murcia seien.

In Madrid werden die menschlichen Überreste aus den Gräbern untersucht. Anhand der Knochen können Geschlecht, Alter und Statur der Verstorbenen festgestellt werden und auch, wie sich die Menschen damals ernährten, erklärte Archäologe Ángel Fuentes von der Uni Madrid. Die Experten gehen davon aus, dass es sich bei den Toten um Männer und ein Kind handelt.

Aus dem Vergleich der Ergebnisse aus den verschiedenen Zeitepochen könne auf die Entwicklung der Bevölkerung im Verlauf von 600 Jahren geschlossen werden, hieß es. Die Wissenschaftler vermuten bereits jetzt, dass sich die Bewohner im Laufe der Zeit mit Menschen von außerhalb vermischt hätten. Die Erkenntnisse aus den Analysen sind den Archäologen aus Madrid eine Masterabschlussarbeit wert. Das Thema wurde bereits an einen Studenten vergeben.

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