Prinzessin Leonor und König Felipe VI kurz vor der Taufe des U-Boots „Isaac Peral“ im Hafen von Cartagena.
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Prinzession Leonor taufte das U-Boot mit einer Flasche spanischem Rotwein im Hafen von Cartagena.

High Tech an der Küste

Spanien baut erstes U-Boot: König bei Taufe der S-80 in Cartagena

  • Sandra Gyurasits
    vonSandra Gyurasits
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Lange und nicht ohne Rückschläge hat die Entwicklung des ersten High-Tech-U-Boots Spaniens gedauert. Im Hafen von Cartagena hat Prinzessin Leonor die „Isaac Peral“ getauft.

Cartagena – Nach 17 Jahren und einer Reihe von Pleiten, Pech und Pannen ist es soweit. Am 22. April ist das U-Boot „Isaac Peral“, das erste der neuen S-80-Serie für die spanische Marine, getauft worden – mit einer Flasche spanischem Rotwein. An der Zeremonie im Hafen von Cartagena an der Costa Cálida nahm neben Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles (PSOE) auch die Königsfamilie teil mit König Felipe VI., Königin Letizia, Prinzessin Leonor und Infantin Sofía. Zur Taufpatin des U-Bootes wurde Leonor ernannt.

Isaac Peral U-Boot-Pionier aus Cartagena
Geboren1. Juni 1851, Cartagena
Verstorben22. Mai 1895, Berlin, Deutschland
EhepartnerinEhepartnerin: María del Carmen Cencio (verh. 1876–1895)
Bestattet11. November 1911, Cementerio de los Remedios
BücherColección Isaac Peral. Manifiesto de Isaac Peral Al Público
ElternIsabel Caballero, Juan Manuel Peral

Das pechschwarze, 81 Meter lange und zwölf Meter breite Jagd-U-Boot wurde für seine Taufe mit Hilfe eines Traktors aus der Halle der Werft von Navantia gefahren. Nach der Zeremonie, die trotz Coronavirus-Pandemie durchgeführt wurde, wird die „Isaac Peral“ jedoch nicht sofort zu Wasser gelassen. Erst in der nächsten Woche werden die Manöver beginnen.

U-Boot-Taufe in Cartagena: Schwieriges Unterfangen, dass U-Boot ins Wasser zu bekommen

Den Koloss ins Wasser zu hieven, ist keine leichtes Unterfangen. Zunächst wird das U-Boot über eine Schräge in ein Schwimmdock gezogen, positioniert und vertäut. Schon allein dieser Schritt dauert mehrere Stunden. Dann wird das U-Boot im Dock zu einer Stelle mit ausreichender Tiefe im Hafenbecken geführt und das Dock geflutet, so dass es langsam abtaucht, bis das U-Boot beginnt zu schwimmen. Schlepper ziehen das U-Boot dann aus dem Dock und führen es zu den Anlegestellen für U-Boote.

Tests werden vorerst im Hafen von Cartagena durchgeführt, wie der Direktor der Werft Nacantia Agustín Álvarez mitteilte. Erst für Januar 2022 ist dann die erste Probefahrt mit Abtauchen im Meer angesetzt, und Anfang 2023 wird die „Isaac Peral“ offiziell der spanischen Armada übergeben.

König bei S-80-Taufe in Cartagena: Mit der „Isaac Peral“ verfügt Spanien über eigenes Jagd-U-Boot

Die S-80-Serie besteht aus insgesamt vier U-Booten, die Modelle S-81, die „Isaac Peral“, S-82, die „Narciso Monturiol“, S-83 und S-48, die noch keinen Namen haben. Sie sollen nach der „Isaac Peral“ im Dezember 2024, im Oktober 2026 und im Februar 2028 vom Stapel rollen. Die ersten beiden Boote wurden nach den U-Boot-Pionieren Isaac Peral aus Cartagena und Narciso Monturiol aus Figueres benannt. Peral baute 1888 sein erstes Boot, das heute im Marine Museum von Cartagena steht. Monturiol unternahm die erste Tauchfahrt mit seinem Model 1859 im Hafen von Barcelona.

Das Besondere an der S-80-Serie ist, dass die U-Boote ein hundertprozentig spanisches Produkt sind. „Mit der ‚Isaac Peral‘ tritt Spanien in den Club der zehn Länder ein, die fähig sind, eigene U-Boote zu entwerfen und herzustellen“, sagte Álvarez. Die S-80-Klasse hebt sich von der Konkurrenz ab, weil sie neben Tornados auch Marschflugkörper abfeuern kann. Neben klassischen Einsätzen, wie die Bekämpfung von Schiffen unter und über Wasser sowie Aufklärung, sind die S-80-Modelle auch für taktische Angriffe auf Landziele konzipiert.

Der Stolz der spanischen Marine in Cartagena: Das High-Tech-U-Boot „Isaac Peral“.

U-Boot-Taufe: High-Tech-Boote mit modernem Antrieb aus Cartagena

Was die spanischen U-Boote zu den modernsten überhaupt macht, ist die Form des Antriebs. Während die ersten beiden U-Boote der S-80-Serie noch konventionell diesel-elektrisch betrieben werden, sollen die Modelle drei und vier über einen außenluftunabhängigen Antrieb (AIP) verfügen, basierend auf Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff versorgt werden. Mit einem AIP kann das Boot bis zu 44 Tage ohne Zufuhr von Außenluft abtauchen. Navantia rechnet sich gute Chancen auf dem Exportmarkt aus, sollten die Modelle S-83 und S-84 mit AIP vom Stapel laufen.

Das hört sich alles nach Erfolgsstory für Spanien an. Doch der Weg zur Taufe der „Isaac Peral“ war lang und mehr als holprig. Eigentlich sollte das erste Jagd-U-Boot der Klasse S-80 schon im Jahr 2012 vom Stapel laufen. Doch daraus wurde nichts. Fehler beim Entwurf, eine komplizierte Konstruktion und finanzielle Engpässe kamen dazwischen.

U-Boot-Taufe in Cartagena: Milliardenteure Fehler bei der Entwicklung

Ein milliardenteurer Fehler kam im Mai 2013 ans Licht. Bei einer Überprüfung wurde festgestellt, dass das U-Boot ein Übergewicht von rund 125 Tonnen haben wird. Das bedeutete, dass das Unterwasserboot zwar abtauchen, aber nicht wieder auftauchen konnte. Die Experten kamen zu dem Schluss: Das U-Boot muss um zehn Meter von 71 auf 81 Meter verlängert werden, um Gewicht auszugleichen für einen problemlosen Auftauchvorgang. Die Verlängerung bedeutete gleichzeitig jedoch auch eine Zunahme der Wasserverdrängung von 800 auf 3.000 Tonnen. Zu viel für den Heimathafen in Cartagena. Das Verteidigungsministerium war gezwungen, den Hafen auszubauen. Schließlich stieg das Gesamtbudget für die vier Jagd-U-Boote von den ursprünglich geplanten 2,1 Milliarden Euro auf 3,9 Milliarden Euro.

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