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Wo in Spanien die Sonne scheint: Solar-Unternehmen drängen nach Murcia

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Von: Sandra Gyurasits

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Solarplatten befinden sich mitten in einem Feld von Mohnblumen.
Bei 3.300 Sonnenstunden im Jahr erlebt die Region Murcia im Südosten von Spanien einen Solarenergie-Boom. © Unión Española Fotovoltaica (UNEF)

In der Region Murcia im Südosten von Spanien scheint die Sonne 3.300 Stunden im Jahr. Das zieht die großen Solar-Unternehmen an. Doch nicht überall sind die Sonnenenergie-Anlagen gerne gesehen.

Murcia – Das Geschäft mit Solarenergie boomt, auch in der Region Murcia, die mit über 3.300 Stunden Sonne pro Jahr zu den sonnenreichsten Spaniens gehört. Das ist auch den großen Photovoltaik-Unternehmen nicht entgangen, die in die Region drängen. Nun hat das Umweltministerium der Zentralregierung dem auf erneuerbare Energien spezialisierten Unternehmen X-Elio aus Madrid die Genehmigung erteilt, in Lorca eine 386-MWp-Photovoltaikanlage mit dem Namen Lorca Solar zu bauen. Ein positives Umweltgutachten wurde bereits am 1. Oktober 2022 im Staatsanzeiger BOE veröffentlicht. Jetzt gilt es, die erforderliche Baulizenz der Stadt Lorca einzuholen. Bürgermeister Diego José Mateos (PSOE) sicherte bereits zu, dass die Erlaubnis in drei Monaten vorliegen könnte.

Die Einheit MWp, Megawattpeak, steht für die maximale Leistung der Anlage, die in dem Gebiet Zarcilla de Ramos in Lorca im Südosten von Spanien gebaut werden soll. Nach Angaben von X-Elio soll Lorca Solar im ersten Betriebsjahr 748.000 Megawattstunden (MWh) 100 Prozent sauberer Energie produzieren. Damit können ein Jahr lang 215.000 Haushalte versorgt und ein Ausstoß von 148.328 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden. Die Arbeiten zur Installation der Photovoltaikanlage könnten Ende 2023 beginnen. Die Investitionen belaufen sich auf 270 Millionen Euro. Während des Baus und der Inbetriebnahme sollen 300 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Das Geschäft mit der Sonne in Spanien: Solar-Unternehmen müssen in Murcia Zugeständnisse machen

Das Projekt Lorca Solar erhielt bereits im Jahr 2015 eine erste positive Umweltverträglichkeitserklärung. Doch die Landesregierung von Murcia, das Rathaus von Lorca, Nachbarschaftsvereinigungen und Umweltschützer hatten Bedenken und stellten eine Reihe von Forderungen. Das Unternehmen musste sein Projekt immer wieder anpassen und aktualisieren.

Zu den Zugeständnissen, die X-Elio im Laufe der Jahre machen musste, zählt die Verlegung der Stromleitung unter die Erde auf einer Länge von 15 Kilometern. Die Leitungsspannung wurde auf 132 kV (Kilovolt) beschränkt und die Fläche, auf der die Anlage gebaut werden soll, auf 381 Hektar reduziert, was noch immer mehr als 381 Fußballfeldern entspricht. Zarcilla de Ramos ist mit einer Fläche von 109 Quadratkilometern (10.900 Hektar) der größte Ortsteil von Lorca und knapp 30 Kilometer von der Stadt entfernt.

X-Elio stellt als Ausgleich eine Fläche von 500 Hektar für Umweltprogramme zur Verfügung, um Lebensraum für vom Aussterben bedrohte Vogelarten zu schaffen, wie Rötelfalke, Zwergtrappe oder Sandflughuhn. Weitere Initiativen sollen die Artenvielfalt fördern wie Teiche, Tränken und Unterstände für Reptilien und Kleintiere.

Das Geschäft mit Spaniens Sonne: Kritik an großen Solaranlagen in Cartagena und Murcia

Was X-Elio in Lorca gelungen ist, versuchen viele Unternehmen auch in Cartagena, Murcia und Mazarrón zu schaffen. So sollen in Los Belones in Cartagena vier neue Solaranlagen gebaut werden. Eines der Projekte liegt bereits öffentlich aus. Auch die Versprechen, Erdkabel zu verlegen, die Umwelt zu respektieren und die visuelle Beeinträchtigung so gering wie möglich zu halten, überzeugen die Kritiker nicht.

Die Allianz Campo de Cartagena für die Regulierung von Photovoltaik-Anlagen (Accoif), der mehr als 50 Umwelt- und Nachbarschaftsgruppen sowie die Gewerkschaft CCOO angehören, sieht den Lebensraum zahlreicher Vögel, Säugetiere und Insekten sowie die geschützten Palmenwälder durch die Solarplatten gefährdet. Eine riesige grüne Wiese in der Nähe des Dorfes Atamaría würde unter Solarpaneelen verschwinden, hieß es. Accoif wies darauf hin, dass zu Los Belones auch ein großer Teil des Mar Menor und seines Wassereinzugsgebietes gehören würden, und forderte einen Baustopp von Photovoltaikanlagen in diesem Gebiet.

Das Geschäft mit Spaniens Sonne: Solaranlangen nur mit Umweltgutachten in Murcia

Auch in El Algar, das ebenfalls zu Cartagena gehört, gehen die Bewohner auf die Straße, um gegen das Projekt des Unternehmens Soltec zu protestieren, das plant, fünf Solarkraftwerke in dem Ort zu bauen. Die 90 Millionen Euro teuren Anlagen würden eine Fläche von 160 Hektar besetzen. Die Bewohner wollen jedoch Platz für eine Ausbreitung der Dörfer anstelle eines Solarparks.

Schwer haben es auch zwei Projekte in Mazarrón und Murcia. In Mazarrón hat das Unternehmen VF Renovables 15 vor, eine Fläche von knapp 40 Hektar mit Sonnenkollektoren zu bedecken. Doch in dem Gebiet leben lauter geschützte Tiere wie Adler, Landschildkröte, Habicht, Uhu und Wüstentrompeter. Das Landesumweltministerium der Region Murcia befürchtet erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt und fordert ein Gutachten zur Umweltverträglichkeit, das das Unternehmen aber bisher nicht vorgelegt hat.

Das Vorhaben des Unternehmens Green City, in Murcia eine Anlage in einem 61,5 Hektar großen Gebiet zu errichten, droht zu scheitern, da die Solarkollektoren ausgerechnet in einem Wald installiert werden sollen, was gesetzlich verboten ist.

Das Geschäft mit Spaniens Sonne: Umweltschützer fürchten Solar-Boom und Spekulationen

In der Region Murcia waren 2021 insgesamt 5.213 Photovoltaikanlagen registriert, wie aus den Daten des auf E-Mobilität und Solarenergie spezialisierten Unternehmens emovili aus Madrid hervorgeht. Besonders beliebt ist das Hinterland von Cartagena, Murcia, Jumilla und Mula. Umweltschützer und Rathäuser schlagen bereits Alarm.

Sie befürchten, dass sich die Photovoltaik zu einem Boom entwickeln könnte, wie in der Vergangenheit der Bergbau, die Landwirtschaft oder der Tourismus, und mehr Schaden als Nutzen bringe. Manche sprachen von einer invasiven industriellen Aktivität, die irreversible Schäden verursache. Sie forderten, die Anlagen zu regulieren, zu ordnen, in die Umwelt zu integrieren und Spekulationen zu unterbinden.

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