Einer der weiten Sandstrände in dem Regionalpark Calblanque in Cartagena in der Region Murcia.
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Kreatives Recycling in Spanien: Ein Beispiel steht im Naturpark Calblanque Cartagena.

Umweltschutz in Spanien

Kreatives Recycling in Spanien: Murcia gibt Zahnbürsten zweites Leben

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Was passiert eigentlich mit gebrauchten Zahnbürsten? Ein Ökounternehmen aus Spanien hat da eine Idee. Das Ergebnis ist in einem Park in Murcia zu sehen.

Cartagena – Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft oder Recycling ist in aller Munde. Ein ganz konkretes Beispiel dafür steht in einem Park in der Region Murcia im Südosten von Spanien. Es sind auf den ersten Blick zwei stinknormale Bänke in dem Besucherzentrum Las Cobaticas in dem nicht nur bei Wanderern beliebten Regionalpark Calblanque in Cartagena. Wer es sich auf den Bänken bequem macht, sitzt auf gebrauchten Zahnbürsten.

Cartagena
Höhe10 m
Fläche558,1 km²
Bevölkerung213.943 (2018) Instituto Nacional de Estadística
ProvinzMurcia

Die Bänke wurden aus 11.000 recycelten Zahnbürsten angefertigt und bestehen aus Plastik, das aussieht wie Holz. Das Projekt wurde von dem spanischen Öko-Unternehmen Brushboo ins Leben gerufen, das Alltagsprodukte wie Bürsten, Kosmetik oder Behälter herstellt, die nach eigenen Angaben 100 Prozent frei von Plastik sind.

Kreatives Recycling in Spanien: Weniger Zahnbürsten im Meer, dafür neue Bänke für Calblanque

Gemeinsam mit der Umweltorganisation Ambiente Europeo und der Werbeagentur für Öko-Projekte Sector Eco startete Brushboo die Kampagne „Eine weniger im Meer“, was so viel bedeutet wie: eine weggeworfene Zahnbürste weniger, die im Meer landet. An 700 Stellen in ganz Spanien wurden neun Monate lang gebrauchte Zahnbürsten gesammelt und anschließend von einem Recyclingunternehmen in Plastik umgewandelt, aus dem die Bänke „geschnitzt“ wurden. Brushboo beschloss, die Bänke dort aufzustellen, wo die Verschmutzung am größten ist, wie zum Beispiel in Naturparks, und entschied sich für Calblanque in Cartagena. Die Bänke sind eine Spende an die Region Murcia.

Auch die Landesregierung von Murcia setze auf ein nachhaltigeres und kreislauforientiertes Umweltmodell, sagte der Direktor für Umwelt der Landesregierung, Fulgencio Perona, bei der Präsentation der Zahnbürsten-Bänke. Deshalb sei die Initiative „Null Prozent Plastik in Naturschutzgebieten“ ins Leben gerufen worden mit dem Ziel, Plastik so gut wie möglich aus dem Alltag zu verbannen.

Kreatives Recycling in Spanien: Zwei Bänke aus Zahnbürsten im Regionalpark Calblanque in Cartagena.

Kreatives Recycling in Spanien: In Cartagena landen 65 Millionen Zahnbürsten im Müll

„Plastikmüll in der Natur, vor allem im Meer, ist eines der größten Umweltprobleme, mit denen die Gesellschaft konfrontiert ist“, sagte Perona. „Plastik ist hartnäckig, verteilt sich leicht und baut sich im Meer noch schwerer ab, als an Land, da es im Wasser weniger dem Sonnenlicht, hohen Temperaturen und Sauerstoff ausgesetzt ist.“ Auch für die Meeresbewohner stelle Plastik eine Lebensbedrohung dar. Tiere können sich in Kunststoffabfällen verheddern, sie verschlucken und so in die Nahrungskette bringen.

Nach Angaben von Brushboo braucht es 75 Jahre, bis eine Zahnbürste abgebaut ist. Eine Wiederverwertung der Kunststoff-Bürste sei schwierig, weil sie sich aus anderen Polymeren zusammensetze als der herkömmliche Verpackungsmüll, der in der Gelben Tonne lande. Deshalb würden die Zahnbürsten eher geschreddert und verbrannt oder in Deponien aufbewahrt werden, so Brushboo.

Ein Mensch benutzt in seinem Leben rund 300 Zahnbürsten, was einem Gewicht von fünf Kilogramm Plastik entspricht, steht auf der Webseite von Brushboo. Das macht bei einer Stadt wie Cartagena mit gut 216.000 Einwohnern fast 65 Millionen Zahnbürsten, die im Müll und manche auch im Meer landen.

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