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Streit um Wasser in Spanien: Bauern protestieren gegen Kürzung

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Von: Sandra Gyurasits

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Demonstranten gegen Wasserkürzungen in Madrid mit Plakaten.
Bauern aus dem Süden Spaniens protestieren in Madrid gegen Wasserkürzungen: „Ihr lasst uns ertrinken, aber nicht im Wasser.“ © dpa/Manu Fernandez

Die Bauern im Südosten Spaniens sollen mehr Wasser aus Entsalzungsanlagen für ihre Felder nutzen und weniger aus Flüssen abzweigen. Doch das passt den Landwirten und ihren Unterstützern aus Murcia, Almería und Alicante gar nicht.

Madrid – Das Thema Wasser ist in Spanien hochbrisant, hochpolitisch und hochemotional, wie die letzte Großdemonstration in Madrid am 11. Januar gezeigt hat. Nach Angaben der Delegation der Zentralregierung in Murcia kamen 4.000 Menschen aus der Regionen Murcia, Andalusien und Valencia nach Madrid, um gegen Wasserkürzungen zu protestieren. Bauern zogen mit Traktoren, Plakaten und einem Tross aus Politikern in Richtung Umweltministerium und ließen ihrem Ärger freien Lauf. Im Visier steht Umweltministerin Teresa Ribera (PSOE).

Der Grund: Sie hat Wasserkürzungen aus dem Tajo-Segura-Kanal angekündigt, eines der größten Wasserbauprojekte Spaniens. Der Kanal leitet seit 1979 Wasser aus dem Fluss Tajo in Kastilien La-Mancha über den Fluss Segura in den trockenen Südosten des Landes. Vor allem Bauern in Murcia, Alicante und Almería profitieren von dem billigen Wasser. Der Kanal ließ die intensive Landwirtschaft boomen.

„Wasserkrieg“ in Spanien: Bauern sollen mehr Wasser aus der Entsalzungsanlage nutzen

Doch nun soll es weniger Wasser aus dem Fluss geben und dafür mehr teureres Wasser aus den Entsalzungsanlagen. Auch, dass das entsalzte Wasser mit 32 Cent pro Kubikmeter die nächsten fünf Jahre subventioniert wird, konnte die Bauern nicht besänftigen. Sie rechneten vor, dass der Preis auf 45 Cent ansteigt, wenn Mehrwertsteuer, Transportgebühren und Inflation hinzugerechnet werden. Wasser aus dem Kanal sei mit 13 Cent wesentlich günstiger. Der Aufruf der Ministerin Ribera, einen „Wasserkrieg“ zu vermeiden, blieb ungehört.

Die Bauern und ihre Unterstützer bauten sich vor dem Umweltministerium auf und forderten den Rücktritt von Ribera. Auf den Plakaten der Demonstranten war unter anderem zu lesen „Die Region Murcia stirbt ohne Wasser“, „Mehr Entsalzung bedeutet mehr Umweltverschmutzung“, „Weniger Wasser aus dem Tajo bedeutet mehr Arbeitslosigkeit“ oder „Ohne Wasser Wüste und Arbeitslosigkeit“.

„Wasserkrieg“ in Spanien: Ohne Wasser stirbt die Region, sagen die Bauern

Das Thema ist längst zum Politikum geworden, mit dem sich Wahlen gewinnen lassen, zumindest in der Region Murcia. Und die nächsten Kommunal- und Regionalwahlen stehen schon am 28. Mai an. Das Umweltministerium argumentiert, dass sich die Regionen auf extreme Szenarien zu bewegten mit sehr langen Dürreperioden und sintflutartigen Regenfällen. Da reiche das Wasser aus den Flüssen nicht mehr aus. Alternativen müssten geschaffen werden, was aber nicht bedeute, den Tajo-Segura-Kanal zu schließen.

Ribera wies darauf hin, dass sie per Gesetz verpflichtet sei, sich an die europäischen Wasserrichtlinien zu halten, die einen „guten ökologischen Zustand“ der Flüsse und damit eine bestimmte ökologische Durchflussmenge im Tajo vorschreiben. Der Oberste Gerichtshof von Spanien hat die Regierung bereits fünf Mal dazu verurteilt, das EU-Gesetz zu befolgen. Die Wassermenge im Fluss Tajo ist seit den 1980er Jahren auch wegen des Klimawandels so stark gesunken, dass das restliche Wasser stark verschmutzt und unbrauchbar ist.

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Eine Mindestdurchflussmenge im Tajo soll Ende Januar festgelegt werden. Für die Landwirte in Murcia, Andalusien und Valencia könnte das bedeuten, dass sie bis 2027 40 Prozent weniger Wasser aus dem Tajo-Segura-Kanal bekommen. Ribera wich auch nach der Demo nicht von ihrer Linie ab, auf entsalztes Wasser zu setzen. Sie repektiere die Anliegen und Interesseren der Bauern. Doch deren Forderungen nach mehr Wasser aus dem Tajo seien nicht mit dem allgemeinen Interesse vereinbar.

Entsalzungsanlagen würden viel mehr Wasser bereit stellen und die Landwirte seien nicht mehr davon abhängig, dass es am Oberlauf des Tajo ausreichend regnete. In diesem Zusammenhang erinnerte Ribera daran, dass der Kanal von Juni 2017 bis März 2018 geschlossen werden musste, weil es nicht genügend geregnet hatte. Kein einziger Milliliter konnte in den Segura geleitet werden.

Murcias Landesministerpräsident Fernando López Miras (PP) ist dagegen der Meinung, dass es in Spanien genügend Wasser für alle gebe, das unter allen Spaniern unter den gleichen Bedingungen aufgeteilt werden könne. Die Wasserkürzung werde Folgen haben, sagte López Miras. Die Lebensmittelpreise würden steigen, weil es weniger gebe und die Produktion teurer werde.

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