Eine Kuh mit Marke im Ohr blickt in die Kamera.
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Tiertransporte in der Kritik: Schiff mit 880 Rindern an Bord liegt im Hafen von Cartagena.

Drama mit Kühen

Tierexporte aus Cartagena im Visier: 880 Kühe vor Notschlachtung

  • Sandra Gyurasits
    vonSandra Gyurasits
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Ein Schiff mit Rindern aus Murcia an Bord irrt zwei Monate auf hoher See umher, nachdem die Fracht in der Türkei abgelehnt wurde. Wieder zurück im Hafen von Cartagena, drohen den Tieren der Tod und den Züchtern Verluste.

Cartagena – Im Hafen von Cartagena an der Costa Cálida spielt sich derzeit ein tierisches und wirtschaftliches Drama ab. Vor zwei Wochen kehrte ein mit 880 Kühen aus der Region Murcia beladener Frachter in den Hafen zurück, nachdem er am 18. Dezember von Cartagena aus in Richtung Türkei aufgebrochen war. Doch die Fracht des unter libanesischer Flagge fahrenden Schiffes „Karim Allah“ wurde in der Türkei und in Lybien abgelehnt.

Hausrind
Wissenschaftlicher NameBos taurus
Lebenserwartung18-22 Jahre
Tragzeit283 Tage
Geschwindigkeit40 km/h (Maximum)
Täglicher SchlafbedarfWeiblich: 4 Stunden (Erwachsener, Kuh)
GewichtMännlich: 1.100 kg (Bulle), Weiblich: 720 kg (Kuh)

Als Grund gaben die Behörden an, dass bei einigen Rindern aus Spanien angeblich die Blauzungenkankheit festgestellt worden sei. Dabei handelt es sich um eine nicht ansteckende Infektionskrankheit, die durch Mücken übertragen wird und an der Schafe, Rinder und Ziegen erkranken können. Für den Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr. Fleisch- und Milchprodukte können bedenkenlos verzehrt werden. Die Kühe aus Murcia waren vor ihrer Exportation von amtlichen Tierärzten untersucht und für gesund erklärt worden.

Tierexporte aus Cartagena: Aktivisten für Ausfuhrverbot von lebenden Tieren in Länder außerhalb der EU

Nachdem die 82 Meter lange und 14 Meter breite „Karim Allah“ mit ihrer tierischen Fracht zwei Monate auf hoher See verbracht hatte, erhielt sie die Erlaubnis am 25. Februar wieder in Cartagena anzulegen.  Das Landwirtschaftsministerium in Madrid wies eine Untersuchung der Kühe an und erließ ein vorübergehendes Verbot für den Transport von lebenden Tieren im Hafen von Cartagena. Das Ergebnis der Inspektion: Der gesundheitliche Zustand der Kühe ließe einen weiteren Export nicht zu. Zudem befanden sich die Tiere während des Transports in der Nähe von Ländern mit der hochansteckenden Maul- und Klauenseuche. Das Ministerium ordnete die Notschlachtung zwar für den 5. März an, doch der Besitzer der Tiere hat bereits Einspruch eingelegt.

Die ganze Aktion rief die Tierschützer der Stiftung Igualdad Animal aus Murcia auf den Plan. Sie demonstrierten vorm Hafen von Cartagena für ein generelles Verbot, lebende Tiere in Länder außerhalb der Europäischen Union zu transportieren. Der Skandal um die „Karim Allah“ habe die Hölle sichtbar gemacht, die die Tiere auf solch langen Strecken durchlebten, sagte die Direktorin von Igualdad Animal, Silvia Barquero, gegenüber der Zeitung „La Verdad“. Das Tierwohl könne nicht garantiert werden. Tausende Tiere würden während des Transports sterben, über Bord geworfen und später an die Strände angespült werden.

Tierexporte in Cartagena im Visier: Weiteres Schiff mit fast 1.800 Rindern irrt auf See umher

Tierexporte im Visier: Im Hafenbecken Escombreras in Cartagena liegt der Frachter mit 880 Kühen an Bord.

Ein ähnliches Drama könnte sich wiederholen. Derzeit irrt die „Elbeik“ mit 1.776 Rindern an Bord auf See umher, nachdem auch ihre Fracht in der Türkei abgewiesen worden war. Das unter der Flagge von Togo fahrende, 54 Jahre alte Schiff war Mitte Dezember aus Tarragona in Katalonien gestartet. Die Hafenbehörde von Cartagena, die Landesregierung von Murcia und das Rathaus von Cartagena fürchten nun, dass auch der „Elbeik“ erlaubt werden könnte, in Cartagena festzumachen. Sie fordern, dass die „Elbeik“ zurück nach Tarragona geschickt und das Verbot für Lebendexporte aus Cartagena sofort aufgehoben werde.

Der Export von lebenden Tiere ist in Cartagena ein wichtiges Wirtschaftsstandbein. In den vergangenen zehn Jahren wurden insgesamt zwei Millionen Tiere auf 800 Schiffen abtransportiert. Die meisten mit Ziel Libanon, Algerien, Jordanien oder Saudi-Arabien. Allein im vergangenen Jahr wurden 776.000 Tiere verschifft, ein Rekord. Viehzüchter, Transporteure und Politiker aus Murcia wollen sich das gute Geschäft nicht verderben lassen.

Tierexporte in Cartagena im Visier: Wirtschaftiche Verluste für Viehzüchter aus Murcia

Seit 23. Februar, als das Landwirtschaftsministerium das Ausfuhrverbot verhängte, konnten über 20.000 Tiere aus Murcia und benachbarten Regionen nicht von Cartagena aus exportiert werden. Die Viehzüchter mussten auf andere Häfen, wie Tarragona in Katalonien ausweichen. Das bedeute zusätzliche Kosten von fünf bis sechs Euro pro Tier, wie Bauernverbände aus Murcia vorrechneten. Insgesamt bezifferten sie den Verlust mit einer halben Million Euro. Am 5. März hob das Ministerium das Export-Verbot wieder auf.

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