Bewahren statt bebauen

Umweltschutz für eine halbe Million Euro

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Ein Blick vom Cabo Cope auf eine unbebaute Küste.
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Die Umweltorganisation Anse kauft Grundstücke im Regionalpark Cabo Cope in Águilas und will so einen der letzten naturbelassenen Küstenstreifen am spanischen Mittelmeer vor dem Bau von Ferienwohnungen retten.

  • Anse und WWF kaufen für 500.000 Euro 270 Hektar Land im Naturschutzgebiet.
  • Das Gebiet soll nicht in die Hände von Investmentfonds fallen.
  • Iberdrola klagt vor Gericht gegen das Bauverbot in dem Park.

Águilas - Kleine naturbelassene Buchten mit feinem Sand reihen sich aneinader, manche versteckt zwischen Felswänden. Fossile Dünen geben der Landschaft ein einzigartiges Aussehen. Der rund 17 Kilometer lange Küstenabschnitt zwischen Águilas und Lorca ist nahezu unbebaut, eine der wenigen Ausnahmen an der spanischen Mittelmeerküste. Und wenn es noch so etwas wie Geheimtipps geben sollte, Marina de Cope könnte einer sein, auch wenn das Gebiet seit über 50 Jahren immer wieder in die Schlagzeilen gerät. Das erste Mal 1973, als hier zu Zeiten der Diktatur Francos direkt am Meer ein Atomkraftwerk gebaut werden sollte. Und zuletzt am 22. April, als die Umweltschutzorganisation Anse einen Teil des Regionalparks in Águilas gekauft hat, um ihn endgültig vor der Bebauung zu schützen.

Mit Unterstützung der Organisation WWF hat Anse mehrere Fincas mit einer Gesamtfläche von 270 Hektar am Fuß des Fels Cabo Cope erworben. Mit dem Kauf wollen die Umweltschützer den Bau einer Mega-Feriensiedlung an dem Küstenstreifen endgültig vereiteln und endlich eine Naturparkverordnung (Porn) vorantreiben, die das Gebiet als rechtlich geschützten Naturpark ausweist und klar regelt, welche Aktivitäten erlaubt sind und welche nicht. Seit nunmehr 30 Jahren mahnen Umweltschüzter den fehlenden Plan an.

Eine der Sandbuchten an der Küste von Lorca: Cala Blanca.

Reservat mit Landschafts- und Vogelschutzgebieten

Anse kaufte die Fincas von der so genannten Bad Bank Sareb für 500.000 Euro. Angeblich soll es zwei weitere Kaufinteressenten gegeben haben, die sicher nicht die Absicht hatten, das Gebiet zu zu belassen, wie es ist, wie Anse-Direktor Pedro García anmerkte. Das neue Reservat, das nun Anse gehört, umfasst Landschafts- und Vogelschutzgebiete. Maurische Landschildkröte, Habichtsadler, Wanderfalke und Wüstentrompeter sind hier zu Hause ebenso Baumschlingen, Zwergpalmen und Phönizischer Wacholder.

Zwei Jahre lang arbeiteten die Umweltorganisationen an der Kaufaktion. Anse hatte zuvor mit Vertretern des Rathauses von Águilas und der Landesregierung von Murcia darüber verhandelt, dass diese die Grundstücke kaufen könnten und das Gebiet so in öffentlicher Hand bleibt und nicht in die Hände von Investmentfonds fällt. Doch weder Rathaus noch Landesregierung sahen sich dazu in der Lage. So schritt Anse selbst zur Tat und fädelte den Kauf ein. Dazu nahm die Anse-Stiftung einen Kredit über 500.000 Euro auf, der nun mit Hilfe von Kampagnen abgezahlt werden soll. In den nächsten Monaten stellen Anse und WWF ihre Vorhaben zum Schutz von Cabo Cope vor.

Atomkraftwerk am Meeresrand geplant

Zum Hintergrund: Die wohl größte Bedrohung nach dem Atomkraftwerk ist das Vorhaben gewesen, hier Europas größte Ferienstadt Marina de Cope entsehen zu lassen mit 9.000 Wohnungen, 20.000 Hotelbetten, fünf Golfplätzen und einen künstlichen Jachthafen mit 2.000 Liegeplätzen. Die konservative Volkspartei PP erkor den superlativen Plan, nachdem sie die Landtagswahl 1995 gewonnen hatte, zu einem ihrer größten Prestigeprojekte. Um das Vorhaben in die Tat umzusetzen, fügte die Landesregierung von Murcia 2001 eine Verordnung in das Bodengesetz ein, die es erlaubte, Schutz- in Bauland umzuwandeln.

Umweltschützer liefen Sturm und klagten gegen das Vorhaben. Mit Erfolg. Im Dezember 2012 entschied das spanische Verfassungsgericht, dass Marina de Cope Naturschutzgebiet bleibt und nicht bebaut werden darf. Doch die Besitzer der Grundstücke in dem Gebiet, die auf satte Gewinne spekulierten, ließen nicht locker, allen voran der Energiekonzern Iberdrola.

Umweltschützer reden ab jetzt ein Wörtchen mit

Derzeit prüft der Oberste Gerichtshof einen Einspruch von Iberdrola. Das Unternehmen argumentiert, dass Marina de Cope kein Schutzgebiet sei. Zwar sei der Küstenabschnitt 1992 zum Regionalpark Marina de Cope-Puntas del Calnegre erklärt und unter Schutz gestellt worden, aber das sei nicht rechtsgültig, weil es bis heute keine Naturparkverordnung gebe.

Anse hat der Politik und Iberdrola eine Lektion in Umweltschutz erteilt. Fortan werden die oft nicht ernst genommenen Umweltschützer bei der Verwaltung des Regionalparks Cabo Cope-Calnegre als stimmberechtigte Eigentümer mit darüber entscheiden, was in dem Park erlaubt ist, der derzeit von der sich ausbreitenden intensiven Landwirtschaft regelrecht verschlungen wird. Iberdola stellt sich in großangelegten Werbekampagnen als ökobewusstes Unternehmen dar und klagt gleichzeitig sein Recht ein, einen ganzen Küstenstreifen zuzubauen. Das sei zwar legitim, würde aber so gar nicht zusammen passen, sagte Anse-Direktor Pedro García.

Der „Camino Nuclear“ mitten in Marina de Cope.

Übrigens, wer es kaum glauben kann, dass in dieser Naturidylle tatsächlich einmal ein Atomkraftwerk gebaut werden sollte, ein Wanderweg mit dem Namen „Camino Nuclear“ in Marina de Cope erinnert an das Vorhaben.

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