Ein Polizist fährt in einem Auto der Ortspolizei.
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Rätsel um Unfall mit zwei Toten in Murcia: Polizei untersucht die Amok-Fahrt eines 28-jährigen Marokkaners in Torre Pacheco.

Terror-Verdacht an der Costa Cálida

Rätsel um Unfall mit zwei Toten in Murcia: Auto rast in Restaurant- Ein Terror-Akt?

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Ein Auto rast mit hoher Geschwindigkeit auf die Terrasse eines Restaurants in Torre Pacheco in Murcia. Zwei Menschen sterben. Die Polizei rätselt, ob es sich um einen Unfall, einen Terror-Akt oder die Tat eines psychisch Gestörten handelt.

Torre Pacheco – Filmreifer Unfall, Terroranschlag oder die Tat eines psychisch Kranken? Die Guardia Civil ermittelt, nachdem am 18. September in Torre Pacheco in der Region Murcia ein Auto auf die Terrasse des britischen Restaurants Honey’s Bar & Gateway to India gerast und frontal gegen die Mauer eines Hauses gestoßen war. Zwei Menschen starben bei dem Vorfall, drei wurden verletzt.

Torre Pacheco
Fläche189,4 km²
Höhe40 m
Bevölkerung35.614 (2018) Instituto Nacional de Estadística
ProvinzMurcia

Ein 40-jähriger Gast, der mit seiner Frau an einem Tisch saß, wurde von dem Golf erfasst und so schwer verletzt, dass er noch am Unfallort starb. Gäste hatten 20 Minuten lang vergeblich versucht, den Ecuadorianer wiederzubeleben. Der 28 Jahre alte Fahrer des Golf starb ebenfalls an der Unfallstelle. Der Marokkaner wies neben den Verletzungen durch den Unfall auch Stichverletzungen in der Brust auf. Die Ermittler vermuteten zunächst, dass ihm die Wunde während eines Streits zugefügt worden und er vor den Tätern geflüchtet sein könnte. Der Golf soll mit über 100 Kilometern pro Stunde ungebremst auf das Restaurant zugerast sein. Als der Wagen gegen die Wand fuhr, war der fünfte Gang eingelegt.

Rätsel um Unfall mit zwei Toten in Murcia: Eine Art Abschiedsbrief im Auto gefunden

Die Obduktion der Leiche und ein Brief, der im Auto gefunden wurde, widerlegen die These. Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergab, dass sich der Marokkaner die Stichwunden in den Bauch selber zugefügt hatte. Das von Experten analysierte Schreiben enthielt unzusammenhängende Anspielungen auf Allah und unlogische Hinweise auf Gewalt. Der Marokkaner stellte sich als Opfer des Systems dar und soll den Anschlag angekündigt haben.

Die Ermittler versuchen nun zu klären, ob der Mann Kontakte zu radikalen Islamisten gehabt haben könnte. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden jedoch keine Hinweise darauf gefunden. Der Marokkaner kam im Alter von 13 Jahren nach Spanien und wurde zunächst in einem Zentrum für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in Valencia untergebracht. Anschließend zog er nach Torre Pacheco um, wo er in der Landwirtschaft als Erntehelfer und Fahrer arbeitete. 2020 bekam er die spanische Nationaltät.

Rätsel um Unfall mit zwei Toten in Murcia: Rechte Partei macht Stimmung gegen Ausländer

Der Bruder des 28-Jährigen beschrieb ihn als nicht religiös, wie die Zeitung "La Verdad" berichtet. Er soll ab und zu Alkohol getrunken haben, was der Islam verbietet, und seinen Lohn für Kokain und Haschisch ausgegeben haben. Er werde von Leuten verfolgt, die ihn töten wollten, soll er beim letzten Treffen mit seinem Bruder erzählt haben, was auf eine psychische Störung deutet.

Unterdessen hat die rechtsextreme Partei Vox, die bei der Kommunalwahl 2019 in Torre Pacheco 13 Prozent der Stimmen erlangte, den Unfall zum Anlass genommen, gleich einen Tag nach der Tat am 19. September eine Demonstration gegen die „ansteigende Kriminalität“ zu organisieren. Der Leitspruch der Demo lautete „Sichere Grenzen, sichere Stadtviertel“.
Die Anwohner hätten Angst, ihre Wohnungen zu verlassen wegen der „Messerstechereien, Schlägereien, Unfälle, Vergewaltigungen und Morde“, sagte der Präsident von Vox in Murcia, José Ángel Antelo, und machte illegale Immigranten für die Missstände verantwortlich. Illegale Flüchtlinge sollten „sofort in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden“, so Antelo, der früher Basketball-Profi war und in Spaniens höchster Liga spielte.

Für den Vox-Vorsitzenden Santiago Abascal ist die Sache klar, obwohl es keinerlei Beweise gibt: Bei der Tat handele sich um einen "islamistischen Anschlag", behauptet er. Der "wahre Skandal" ist nach Ansicht von Abascal "das Schweigen der Politik und der Medien".

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