Ein Agent der Guardia Civil blickt auf vier Personen in einem Trockenfluss hinunter.
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Die Guardia Civil deckt in Águilas Wasserdiebstahl in großem Stil auf. Ermittler entdecken einen illegalen Brunnen.

Wasserdiebstahl in Murcia

Wasser im großen Stil in Murcia gestohlen: Illegale Äcker beliefert

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Im trockenen Südosten von Spanien wird Wasser immer knapper. Das ruft Kriminelle auf den Plan. Die Polizei deckt in Murcia Wasserdiebstahl im großen Stil auf. Umweltschützer protestieren.

Murcia – Die Trockenheit im Südosten von Spanien ist nicht erst seit heute ein Problem. Der Klimawandel verschärft das Problem, und der ausbleibende Regen kündigt die nächste Dürre an, von der Regionen wie Murcia, Alicante und Almería besonders betroffen sein werden. Wasser ist ein wertvolles und vor allem knappes Gut – das scheint kriminelle Energien zu wecken. Es geht um Wasserdiebstahl im großen Stil.

Erst kürzlich hat die Guardia Civil eine kriminelle Gruppe zerschlagen, die sich auf den Diebstahl und den Verkauf von Grundwasser in Águilas und Lorca in der Region Murcia spezialisiert hatte. Drei Verdächtige wurden bereits festgenommen, gegen 17 weitere Personen wird ermittelt, wie die Guardia Civil mitteilte. Ihnen werden unter anderem Verbrechen gegen die Umwelt und Betrug vorgeworfen. Fünf landwirtschaftliche Unternehmen, die das geklaute Wasser kauften, werden ebenfalls mit den Straftaten in Verbindung gebracht.

Águilas
Fläche251,8 km²
Bevölkerung35.031 (2018) Instituto Nacional de Estadística
ProvinzMurcia

Die Organisation flog auf, nachdem die Umwelteinheit der Guardia Civil, Seprona, bereits im Jahr 2020 auf Unregelmäßigkeiten bei der Nutzung von Wasserressourcen in dem Tal Guadalentín zwischen Águilas und Lorca aufmerksam geworden waren. Die Agenten entdeckten einen illegalen Brunnen in dem Trockenfluss Rambla Talayón, aus dem große Mengen Wasser entnommen wurden. Für die Anlage lag keine Genehmigung vor.

Diebstahl von Wasser in großem Stil in Murcia: Kriminelle Bande zapft Grundwasser ab und beliefert illegale Felder

Das Wasser wurde mittels eines Stromgenerators entnommen und durch ein etwa zwölf Kilometer langes, unterirdisch verlegtes Rohrsystem geleitet. Die Ermittler folgten den Leitungen und stießen auf mehrere Abzweigungen, die zu einer Vielzahl von Obst- und Gemüsefeldern führten, die kein Recht auf Bewässerung hatten. Insgesamt handelt es sich um 24 Äcker, die eine Gesamtfläche von 125 Hektar einnehmen. Die Guardia Civil schätzt, dass rund zwei Millionen Kubikmeter Wasser gestohlen wurden.

Sachverständige kamen in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass die illegale Wasserentnahme zu einer Übernutzung und Verschmutzung des Grundwassers führt. Durch die illegale Bewässerung sei aus einem Gebiet, das wegen der klimatischen Bedingungen nicht für den Anbau in Frage kam, ein Gebiet mit intensiver Landwirtschaft geworden. Das wiederum bringt den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmittel mit sich, die in das Grundwasser gelangten.

Darüber hinaus befindet sich die illegale Entnahmestelle in einem Schutzgebiet, das zum europäischen Natura-2000-Netz gehört, um die Artenvielfalt zu bewahren. Der zunehmende Raubbau gefährdet jedoch Tiere und Pflanzen, die zum Teil auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN geführt werden.

Wasserdiebstahl in Murcia: Umweltschützer protestieren mit Plakaten am Mar Menor

Wasserdiebstahl in Murcia: WWF protestiert mit Plakaten gegen den Wasserraub am Mar Menor.

Die Umweltschutzorganisation WWF hatte auf das Phänomen Wasserdiebstahl erst am Welttag der Feuchtgebiete am 2. Februar aufmerksam gemacht und mit einer Aktion für Aufsehen gesorgt. Die Aktivisten montierten riesige Plakate mit der Aufschrift „Stop robo del agua“ (Stoppt den Wasserdiebstahl) in drei gefährdeten Feuchtgebieten: Mar Menor, Donaña in Andalusien und Tablas de Daimiel in Kastilien-La Mancha.

Die illegale Entnahme von Grundwasser zerstöre die Schutzgebiete, hieß es. WWF fordert ein Ende der Straffreiheit für Wasserdiebstahl. Die einzigartigen Ökosysteme würden sich in einem kritischen Zustand befinden. 60 Prozent der Feuchtgebiete und Seen sind nach Angaben von WWF in den vergangenen 40 Jahren in Spanien bereits von der Bildfläche verschwunden. Die Entwicklung werde sich durch die Auswirkungen des Klimawandels weiter verschärfen.

Mar Menor: Ökologische Katastrophe durch illegale Grundwasserentnahme und Verschmutzung

Die Umweltschützer beschrieben das Mar Menor als schwere ökologische Katastrophe durch die kontinuierliche Einleitung von Tonnen an nitrathaltigen Abwässern aus der intensiv betriebenen Landwirtschaft in unmittelbarer Nähe der Lagune. Jedes Jahr verschmutzten 1.000 Tonnen Nitrate und Phosphate den einst idyllischen Ort. Mit anderen Worten: Jede Sekunde gelangen 650 Liter durch Düngemittel verunreinigtes Wasser in das Mar Menor.

Die illegale Entnahme von Grundwasser habe schwerwiegende Auswirkungen, sagte die Leiterin des Wasserprogramms bei WWF, Teresa Gil. Durch die zerstörten Ökosysteme seien auch die Artenvielfalt und die Wirtschaft bedroht, wie zum Beispiel der Tourismus am Mar Menor. Gil wies darauf hin, dass in Campo de Cartagena am Mar Menor eine Fläche von 8.460 Hektar illegal bewässert wird, das entspricht mehr als 10.200 Fußballfeldern. Dabei gehört das Gebiet um das Mar Menor zu den trockensten Europas.

Die Lage könnte sich weiter zuspitzen, denn die nächste Dürreperiode kündigt sich an, wie aus einem Bericht des staatlichen Wetteramts Aemet hervorgeht. Demnach war der Zeitabschnitt zwischen Oktober und Januar der zweittrockenste des Jahrhunderts. In diesen vier Monaten wurden gerade einmal 68 Liter pro Quadratmeter registriert, das ist halb so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In dem Weingebiet Altiplano im Norden der Region Murcia regnete es noch nicht einmal einen Liter pro Quadratmeter. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Laut Vorhersage wird es auch im Frühjahr weniger regnen als üblicherweise.

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