Bandoleros und Migueletes

0
101

Ein markerschütternder Knall hallt durch die Dorfgassen und fährt direkt in die Glieder der ahnungslosen Barbesucher. Das Trommelfell vibriert, der Arm zuckt, das Kaffeeglas zittert in der Hand. Spätestens jetzt sind auch die größten Schlafmützen von El Burgo wach. Schuld sind die Bandoleros, die sich immer Mitte Oktober in der kleinen Ortschaft im Herzen des künftigen Nationalparks Sierra de las Nieves zusammenrotten. Diesen Räubern, Wegelagerern oder Outlaws – wie auch immer man sie bezeichnen möchte –, die im 19. Jahrhundert in der bergigen, dicht bewaldeten Landschaft der Serranía de Ronda ihr Unwesen trieben, fühlen sich die heutigen Dorfbewohner nach wie vor verbunden. Was daran liegen mag, dass ihre romantisch umwobene Geschichte viel Stoff hergibt, um im 21. Jahrhundert Besucher in das verschlafene Nest zu locken, aber auch daran, dass der letzte andalusische Bandolero, der sich durch seine Taten in den Geschichtsbüchern verewigen konnte, ein Anwohner von El Burgo war. Juan José Mingolla Gallardo, besser bekannt als „Pasos Largos“, ist im März 1934 im Gebiet Sierra Blanquilla nach einer intensiven Verfolgungsjagd von Guardia Civil-Beamten niedergestreckt worden. In den Legenden, die sich um sein unangepasstes Leben ranken, wird er als mitfühlend, großherzig und freigiebig erinnert. Kein Zweifel, „Pasos Largos“ war der Obrigkeit und der Guardia Civil ein Dorn im Auge, aber bei der Bevölkerung offenbar durchaus beliebt. So beliebt, das ihm im Dorf sogar eine Skulptur gewidmet wurde.

Mehr in der Printausgabe

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.