Das Glück der Freiheit

0
249
Mike Lippoldt beim Interview mit der CSN auf der Plaza de la Merced in Málaga. Foto: Nicolas Hock

Mike Lippoldt hat bei Null angefangen und sich als Webseitenbetreiber selbstständig gemacht

Nicolas Hock – Málaga

„Glückspilz par excellence“ war der Titel eines zweiseitigen Artikels, in dem Mike Lippoldt im Mai 2016 in der CSN vorgestellt worden war. Das brachte die Sache auch auf den Punkt. Nachdem der aus der Kleinstadt Berga an der Elster in Thüringen stammende gelernte Industriemechaniker im Sommer 2002 mit dem Fahrrad nach einer längeren Tour durch Spanien, Portugal und Marokko mit nur noch wenigen Euro in der Tasche in Marbella angekommen war, fand er bereits nach zwei Wochen einen Job als Lieferant einer Hotelkette, von dem er ganz gut leben konnte. Als er rund zwei Jahre später wegen seiner neuen Freundin nach Málaga umzog, musste er auch nicht lange warten, und er erhielt eine Anstellung als Fahrer einer Verteilergesellschaft für Südfrüchte, bei der er bis zu deren Auflösung im Februar 2016 auch ganz gut verdiente.

Danach wollte Mike Lippoldt seinen Lebensunterhalt ausschließlich über seine Internetprojekte bestreiten. Nachdem er bereits einen Blog namens Málaga Guide mit Informationen rund um Málaga und Andalusien, einen weiteren mit dem Namen Alfazentauri mit Tipps für das Leben in Spanien und eine Webseite mit Speed-Dating-Events gegründet und ein Workbook mit dem Titel „7 Schritte Richtung Lebensvisionen“ geschrieben hatte, veröffentlichte er im April 2016 sein E-Book „Ohne Geld in ein neues Leben“, das über Amazon auch in der Printversion erhältlich ist. Im Anschluss wollte sich der Deutsche weiteren Internetprojekten widmen und sich mit anderen Internet-Freaks darüber austauschen, wie man am besten mit Hilfe des World Wide Webs Geld generieren kann.

„Ich habe es geschafft“

„Ich habe es geschafft“, sagt der mittlerweile 44-Jährige gut zwei Jahre später an einem sonnigen Vormittag in einem der Straßencafés auf der zentralen Plaza de la Merced in Málaga. „Ich kann jetzt ausschließlich von meinen Internet-Tätigkeiten leben und habe mich im November vergangenen Jahres mit meinem neuen Projekt Ousuca selbstständig gemacht.“ Die Website Ousuca – der Name steht für Outdoor, Survival, Camping – bietet auf Deutsch und Spanisch praktische Tipps für die Outdoor-Aktivitäten Trekking, Camping, Survival und Wassersport. Darüber hinaus werden unter www.ousuca.com auch konkrete Marken für die jeweils passende Kleidung und sonstige Ausrüstung empfohlen, die Mike Lippoldt selbst getestet hat.

„Die Seite bietet nützliche Tipps sowohl für die absoluten Cracks als auch für Einsteiger“, meint der 44-Jährige. „Leute, die auf einer tagelangen Trekking-Tour sind und im Freien schlafen, erfahren beispielsweise, wie sie bei Nässe Feuer machen können, aber auch diejenigen, die eine normale Wanderung machen, bekommen wichtige Ratschläge. So etwa, wie sie sich bei Regen oder Nebel verhalten sollten oder für die Planung einer Nachtwanderung.“

Die Webseite scheint gut zu laufen. Rund 20.000 Besucher pro Monat hat Mike Lippoldt bisher verzeichnet, und diese haben sich nach seinen Angaben auch meistens eine längere Zeit auf der Seite aufgehalten. „Die Seite unterscheidet sich von anderen Outdoor-Portalen dadurch, dass sie einen hochwertigen Content bietet, der ständig aktualisiert wird, und dass die Tests real sind“, erklärt er. „Außerdem ist sie authentisch, denn ich verwende nur eigene Fotos oder Fotos, die mir von Freunden und Lesern zugeschickt werden.“

Die Einnahmen aus der Webseite werden bisher noch durch Werbung und Kommissionen der Markenhersteller erzeugt, doch bald will Mike Lippoldt auch eigene Produkte zum Verkauf anbieten. „Ich wollte schon einmal ein Survival-Messer anbieten und war dafür auch schon mit einer Firma aus Albacete in Kontakt, woraus aber leider nichts wurde, weil der Firmenchef krank wurde“, erzählt er. „Auf jeden Fall wird die Aufnahme eigener Produkte unter dem Namen Ousuca mein nächstes Ziel sein.“

Mike Lippoldt kann sich noch gut daran erinnern, wie er nach dem Konkurs seiner alten Firma vor zweieinhalb Jahren das erste Geld aus seinen Internetaktivitäten verdiente. „Zuerst waren es 20 Cent, dann 50 Euro, dann 100 Euro und dann auf einmal 1.000 Euro“, berichtet er. „Mittlerweile stecke ich 80 Prozent meiner Arbeit in mein Projekt Ousuca und verdiene damit mehr als in meinem alten Job als LKW-Fahrer.“

Angesichts seines finanziellen Erfolgs könnte man erwarten, dass Mike Lippoldt demnächst die Wohnung in Pedregalejo, in der er schon seit mehr als zwei Jahren mit seiner spanischen Freundin lebt, aufgeben und in eines der Villenviertel von Málaga umziehen will. Dies schließt der 44-Jährige jedoch vorerst aus.

Freiheit wichtiger als Geld

„Geld ist zwar wichtig zum Leben und auch für die Selbstverwirklichung, aber mir ist es wichtiger, dass ich jetzt als Selbstständiger Herr meiner Zeit bin und mir meinen Tag so gestalten kann, wie ich will“, meint er. „Wenn ich einmal vier oder fünf Tage lang auf Trekking-Tour gehen oder für zwei Wochen nach Kanada reisen will und meinen Chef nicht mehr fragen muss, bin ich ein glücklicher Mensch.“

www.ousuca.com

Werbung für die neue Webseite mit Freunden auf dem 2.069 hohen Gipfel des Maroma nördlich von Vélez-Málaga. Foto: provat

Mehr in der Printausgabe

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.