Auf Abwegen in Sevilla

„Wir haben Amerika entdeckt!“ – Dies steht an der Wand einer Bar an der Plaza Virgen Milagrosa. Verg...

„Wir haben Amerika entdeckt!“ – Dies steht an der Wand einer Bar an der Plaza Virgen Milagrosa. Vergessen Sie Columbus, wenn Sie nach Triana kommen! Soll der doch in seinem monumentalen Sarkopharg in der Kathedrale prahlen. Rodrigo de Triana, eigentlich Juan Rodríguez Bermejo, heißt der wahre Held, ein Matrose aus der Nachbarschaft, dem man in seinem Viertel ein Denkmal baute. Darauf sieht man ihn, wie er enthusiastisch in eine Richtung zeigt, vom „carajo“ aus, dem kleinen Korb ganz oben am Hauptmast, der als Ausguck diente, oder auch als Disziplinarstrafe. „Vete al carajo“, geh zum Teufel, ist noch heute ein gebräuchliches Kraftwort, dass sich Spanier und Lateinamerikaner (mit)teilen. Von dort oben erblickte der Matrose 1492 angeblich als erster Europäer den Kontinent, den man später Amerika nannte. Columbus heimste den Ruhm dafür ein. Rodrigos Statue an der Plaza Virgen Milagrosa ist so ein „Denk Mal!“ für alle „kleinen Leute“ im Schatten der großen Namen. So wie die Leute von Triana. Es mag fast dreist sein, Sie nach Sevilla zu locken, aber an den großen Monumenten der Stadt vorbei, in ein kleines Viertel auf der anderen Seite des Flusses Guadalquivir zu schleusen. Hier schlage das Herz Sevillas, sagen sie über Triana, was kurios ist, denn das Barrio lag die meiste Zeit außerhalb der Stadtmauern, ein Herz auf Abwegen sozusagen. Aber vielleicht entwand es sich so dem Zeitgeist, diesem eiligen, oberflächlichen Gesellen.

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