Bauprojekt an Costa Almería

Cabo de Gata: Hotel-Bau bedroht andalusischen Naturpark - Umweltschützer entsetzt

  • vonSandra Gyurasits
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Im Naturpark Cabo de Cata ist der Bau eines Hotels geplant. Umweltschützer sind entsetzt. Die Landesregierung in Andalusien aber will die Wirtschaft nach der Corona-Krise ankurbeln.

  • Am 24. Juni gibt die Landesregierung von Almería grünes Licht für den Bau eines Hotels im Cabo de Gata.
  • Ein altes Landgut soll in ein Vier-Sterne-Hotel mit Parkplatz umgwandelt werden.
  • Umweltschützer befürchten, dass nach dem Hotel weitere folgen werden und Massentourismus einsetzt.

Almería - Die Bauindustrie soll helfen, die Wirtschaftskrise nach der Coronavirus-Pandemie zu lindern. Ein altbewährtes, aber nicht unumstrittenes Konzept, das die Landesregierung von Andalusien ohne zu zögern in die Tat umsetzt. Am 24. Juni hat die Regierung den Bau eines Hotels mitten im Naturpark Cabo de Gata genehmigt - wenn auch vorläufig.

Naturpark Cabo de Gata-Níjar
Status1997 von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt
Lagevom Flughafen Almería bis Carboneras
Größerund 34.000 Hektar
Klima durchschnittlich 2.900 Sonnenstunden pro Jahr

Nur 900 Meter von dem Strand Los Genoveses in einem Gebiet von hohem ökologischen Wert sollen ein Vier-Sterne-Hotel mit 30 Zimmern und 70 Parklätzen hochgezogen werden. Das Projekt besteht darin, das altes Landgut El Romeral, das bisher als Interpretationszentrum genutzt wurde, zu renovieren, auszubauen und zum Hotel umzuwandeln.

Hotel im Cabo de Gata: Der Bau ist mit den Vorschriften des Naturparks vereinbar

Das Cabo de Gata ist bekannt für seine Traumstrände, wie die Playa de Los Muertos.

Das Vorhaben wurde der Landesregierung bereits Ende 2016 präsentiert und von den damals regierenden Sozialisten abgelehnt. Nachdem Planungsänderungen vorgenommen wurden, erklärte die Ministerium für Landwirtschaft und Nachhaltigkeit der aktuellen Landesregierung unter Leitung der konservativen Volkspartei PP nun, dass der Bau des Hotel umweltverträglich und mit der Gesetzgebung des geschützten Naturparks Cabo de Gata durchaus kompatibel sei.

Zur Begründung hieß es, dass nicht wie ursprünglich geplant, zwei neue Gebäude und zwei Parkplätze konstruiert , sondern das bereits existierende Gut ausgebaut werden soll, ohne, dass der Boden oder die Landschaft verändert werden würden.

Naturparadies Cabo de Gata: Hotelbau öffnet Massentourismus Tür und Tor

Die Umweltschützer sehen das ganz anders und bezeichnen das Projekt als „Barbarei“, das nicht nur eine einzigartige Landschaft mit vielen Pflanzen und Tieren zerstört, die nur in diesem Gebiet existieren. Die größere Sorge der Aktivisten ist, dass mit der Genehmigung des Baus des Hotels das touristische Modell im Cabo de Gata radikal in Richtung Massentourismus verändert wird, wie der Sprecher der Grupo Ecologista Mediterráneo (GEM), Antonio Fernández gegenüber der Zeitung „El País“ erklärte. Bisher blieb der Park davon verschont und zeichnet sich durch seine naturbelassenen und teils schwer zugänglichen Traumstrände wie zum Beispiel Los Genoveses aus, ohne Bettenburgen oder Golfplätze im Hintergrund.

In den vergangenen 70 Jahren habe es keine Neubauten in dem Park gegeben, sagte Fernández. Allenfalls wurden in den bereits existierenden Orten Häuser aus-oder umgebaut. Seit Jahrzehnten gelinge es, die Naturbelassenheit des Parkes so gut es ginge zu bewahren. Jedes Jahr würden rund eine Millionen Touristen Cabo de Gata besuchen, weil sie genau diese Naturbelassenheit schätzten. Massentourismus passe einfach nicht hierher.

Protest gegen Hotel in Cabo de Gata: Schon 100.000 Unterschriften auf change.org

Im Gegenteil. In den vergangenen sechs Jahren seien Maßnahmen eingeführt worden, die den Privatverkehr in dem Schutzgebiet beschränkten. Strandbesuchern wird ein Busservice geboten. Auch die Zahl der Boote, die vor den Buchten ankern dürfen, ist begrenzt worden.

Bis zum 9. Juli können die Umweltschützer Einwände gegen das Projekt einbringen. Sie kündigten bereits an, gerichtliche Schritte in Erwägung zu ziehen. Auf der weltweit agierende Plattform für Online-Aktivismus change.org ist eine Unterschriftenaktion gegen das Projekt gestartet worden und verzeichnet bereits knapp 100.000 Signaturen.

Das Landgut El Romeral, das nun Hotel werden soll, hat eine besondere Geschichte, wie Umweltschützer Fernández berichtet. Der aktuelle Besitzer sei der Neffe des reichen Industriellen José Montoya aus Almería, der um 1950 Grundstücke im Süden des Parks mit den Stränden Los Genoveses und Monsul kaufte. Allerdings mit dem Vorstaz, dass in diesem Gebiet nicht gebaut werden darf. Auch seine Witwe hielt sich daran - nur der Neffe nicht mehr.

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