Neue Corona-Hotspots in Almería

Corona in Andalusien: Zahl der Ausbrüche steigt an der Costa del Sol weiter an

  • vonJosé Antonio Nieto
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Seit Ende des Notstands sind in Andalusien 32 Infektionsausbrüche registriert worden, von denen 21 derzeit noch aktiv sind. Die Corona-Hotspots konzentrieren sich vor allem auf den Südosten der Region.

  • Von den Fallzahlen auf dem Höhepunkt der Pandemie ist Andalusien noch weit enfternt.
  • Häufung der Infektionsausbrüche bereiten den Gesundheitsbehörden dennoch Sorgen.
  • Infektionsherde konzentrieren sich auf die Provinzen Granada, Málaga und Almería.

Sevilla - Was die Belastung des Gesundheitswesens anbelangt ist Andalusien von den Ende März, auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie erreichten Spitzenwerten noch ganz weit entfernt. Damals lagen in den Krankenhäusern der Region 2.708 Covid-19-Patienten, von denen 438 auf den Intensivstationen behandelt werden mussten. Aktuell befinden sich gerade einmal 39 Corona-Infizierte in stationärer Behandlung, von denen neun auf die Intensivstation verlegt werden mussten. Anlass zur Sorge ist dennoch gegeben und zwar wegen der neuen Infektionsausbrüche, die sich in den letzten Wochen in Andalusien zunehmend häufen.

Neue Corona-Ausbrüche: Málaga, Granada und Almería besonders betroffen

Seit dem Ende des Notstands am 21. Juni haben sich in der Region bereits 32 kleinere aber auch größere Corona-Ausbrüche ereignet, von denen 21 derzeit noch aktiv sind. Wobei sich die meisten Infektionsherde auf den Südosten der Region konzentrieren. So vereinigen die Provinzen Almería, Granada und Málaga mit insgesamt 17 fast alle aktiven Infektionsherde auf sich. Die vier verbleibenden haben sich in den Provinzen Córdoba, Jaén und Sevilla ereignet, die bislang noch verschont geblieben waren von neuen Infektionsausbrüchen.

Das Gesundheitswesen kommt noch nicht zur Ruhe und muss sich erneut auf steigende Fallzahlen einstellen.

Von den 21 noch aktiven Corona-Ausbrüchen befinden sich acht bereits unter Kontrolle, will heißen, dass vermeintlich alle Infektionsfälle bereits aufgedeckt und isoliert werden konnten, während in den 13 übrigen Infektionsherden noch Kontaktpersonen von bereits ermittelten Corona-Infizierten aufgespürt und einem PCR-Test unterzogen werden müssen oder dessen Ergebnis noch aussteht. Elf weitere Infektionsausbrüche, die in Andalusien seit dem Eintritt in die neue Normalität registriert worden waren, gelten hingegen bereits als überwunden – sechs in der Provinz Granada, zwei in Málaga und jeweils einer in den Provinzen Almería, Cádiz und Huelva.

Corona-Hotspot Granada: Trauerfeier als Infektionsherd

Kritisch ist die Situation vor allem in der Provinz Granada, in der sich acht der 21 aktiven Infektionsherde befinden. Einer dieser Corona-Ausbrüche, der sich auf einer Trauerfeier in Belicena ereignete, hat bereits 57 Infektionsfälle verursacht. Was die andalusische Regierung veranlasst hat, die maximale Teilnehmerzahl bei Totenwachen und Beerdigungen wieder zu beschränken und zwar auf zehn Personen in geschlossenen Räumen und 25 im Freien. Die meisten Infektionsfälle registriert indes die Provinz Málaga, in der zurzeit noch fünf Ausbrüche aktiv sind. Allein 109 Personen hatten sich in einem Zentrum des Roten Kreuzes für Immigranten mit Sars-CoV-2 angesteckt, wobei dieser Infektionsherd inzwischen als kontrolliert gilt.

Das neue Sorgenkind hinsichtlich der Corona-Ausbrüche ist indes Almería, wo mittlerweile ebenfalls vier Corona-Ausbrüche aktiv sind, alle im Westen der Provinz. In einem dieser Fälle war der Infektionsherd wohl ein Agrarbetrieb aus El Ejido, in dem landwirtschaftliche Erzeugnisse verpackt werden. Drei in der gleichen Schicht tätige Mitarbeiter sollen das Virus eingeschleppt haben, woraufhin fast 100 Kontaktpersonen in Quarantäne gehen mussten. In PCR-Tests sind bereits 64 von ihnen positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Überwunden ist die Corona-Pandemie längst nicht. Neue Ausbrüche in der Provinz Almería bieten reichlich Anlass zur Sorge.

Dieser neue Infektionsherd und ein weiterer in Berja mit 31 Neuinfizierten haben maßgeblich dafür gesorgt, dass die Provinz Almería, die bislang relativ glimpflich durch die Coronavirus-Pandemie gekommen war - in Andalusien hatte nur die Provinz Huelva niedrigere Fallzahlen-, nun plötzlich die höchste Infektionsrate in der Region aufweist. In den letzten Tagen registrierte sie des öfteren mehr Neuinfizierte als die übrigen sieben andalusischen Provinzen zusammen. Allein am 16. Juli waren es 60 gewesen, so viele wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie - der bislang höchste Wert mit 39 Infizierten war am 27. März registriert worden. Allerdings sind derzeit die allermeisten Neuinfizierten asymptomatisch.

Corona-Hotspot Almería: Fallzahlen steigen wieder deutlich an

Die Zahl der aktiven Virusträger, die Ende Juni nur noch elf betrug, ist in der Provinz Almería mittlerweile wieder auf fast 200 hochgeschnellt. Und in den drei öffentlichen Krankenhäusern der Provinz befinden sich erneut sieben Covid-19-Patienten, zwei von ihnen auf den Intensivstationen. Noch vor wenigen Wochen lagen einzig im Hospital La Inmaculada in Huercal-Overa noch zwei Patienten und die Intensivstationen der Krankenhäuser waren seit Ende Mai über einen Monat lang frei von Covid-19-Fällen gewesen.

Die in Andalusien oppositionelle PSOE bemängelt, dass die Landesregierung, die sich im Frühjahr stets mit der vergleichsweise positiven Entwicklung der Pandemie brüstete, nun über die sich häufenden Corona-Ausbrüche nicht mehr viele Worte verliere. In Anbetracht der jüngsten Entwicklung, so die Sozialisten, müsste der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre täglich vor die Presse treten, um die Öffentlichkeit über die Evolution der Infektionsherde zu informieren.

Auf dem Höhepunkt der Pandemie, sei Andalusien spanienweit eine der Regionen mit den niedrigsten Fallzahlen gewesen, räumt die Vorsitzende der andalusischen PSOE, Susana Díaz, ein. Doch seit mit dem Ende des Notstands wieder die Landesregierung und nicht mehr die Zentralregierung die Verantwortung trage, sei Andalusien eine der Regionen mit den meisten Infektionsausbrüchen im ganzen Land. Und die Landesregierung unternehme laut Díaz nichts, um das öffentliche Gesundheistwesen im Kampf gegen Covid-19 zu verstärken.

Reaktion auf Corona-Ausbrüche: Verschärfung der Maskenpflicht

Der andalusische Regierungschef Juanma Moreno schätzt die Lage hingegen nicht ganz so dramatisch ein. Die Infektionsausbrüche seien größtenteils unter Kontrolle, die Belegung der Krankenhäuser mit Covid-19-Patienten sei anhaltend gering, zum Teil sogar weiter rückläufig und die Infektionsrate in Andalusien sei noch immer eine der niedrigsten des Landes. Trotzdem mahnt Moreno weiterhin achtsam zu bleiben und nicht nachlässig zu werden, um nicht wieder Fallzahlen zu erreichen, wie sie zurzeit etwa in Katalonien oder in Aragón registriert werden.  

Eine Ausreisesperre für die Corona-Hotspots, so wie sie in Katalonien für Teile der Provinz Lleida angeordnet worden ist, oder eine erneute Verschärfung der Corona-Restriktionen, so wie es in Aragón für die Provinzen Huesca und Zaragoza beschlossen worden ist, zieht die andalusische Regierung aktuell noch nicht in Erwägung. Stattdessen hat die Landesregierung zur Eindämmung der Pandemie die Maskenpflicht erweitert. Eine Schutzmaske muss nun quasi immer getragen werden, wenn man sich außer Haus befindet.

Rubriklistenbild: © Generalitat Valenciana

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