Der deutsche Maskenbildner und Künstler Horst Allert steht vor einem seiner Bilder in Almería.
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Deutsche in Andalusien: Wie Maskenbildner Horst Allert auf das Universum kam.

Deutsche Künstler an der Küste

Deutsche in Andalusien: Wie ein Maskenbildner aufs Universium kam

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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50 Jahre lang hat Horst Allert als Maskenbildner Schauspieler von Rang und Namen geschminkt. In seiner Wahlheimat Andalusien hat er zwei ganz andere Leidenschaften entdeckt.

Níjar – 50 Jahre lang hat Horst Allert als Maskenbildner die Gesichter von Schauspielern und Opernsängern geschminkt und ihre Haare frisiert. Nun hat er sich dem Universum zugewandt und bringt Bilder aus dem All mit Acrylfarben auf die Leinwand. 40 seiner Werke sind noch bis zum 16. Dezember in einer Ausstellung im Clasijazz in Almería an der Küste von Andalusien zu sehen.

Níjar
Fläche599,8 km²
Höhe356 m
Bevölkerung30.122 (2018) Instituto Nacional de Estadística
ProvinzAlmería

Horst Allert, der seit vielen Jahren mit seiner Frau Ursula in der Nähe von Níjar am Naturpark Cabo de Gata lebt, hat seine Kunst vor zehn Jahren quasi vom Gesicht auf die Leinwand verlegt, als er im Fernsehen Beiträge über das Universum sah. „Die Bilder haben mich so fasziniert und inspiriert, dass ich die TV-Aufnahmen fotografierte, um sie auf die Leinwand zu übertragen“, erzählt der 78-jährige Deutsche.

Deutsche in Andalusien:  Von der Friseurlehre über die Oper ins internationale Filmgeschäft

Horst Allert ist Mitglied in der andalusischen Kulturszene Cactus Níjar, die von dem österreichischen Botaniker Toni Brugger, seiner Frau Ingrid und der deutschen Bildhauerin Anne Kampschulte ins Leben gerufen wurde. Die Idee der Initiative: Kunst und Natur verbinden und lebendige Kultur im Garten schaffen. Womit wir bei einer weiteren neuen Leidenschaft von Horst Allert wären, dem Garten. „Zwei Drittel meiner Zeit gehört unserem Kakteengarten. Ich bin sozusagen in die Pflanzenwelt eingetaucht“, sagt er und hat für sich „genau die richtige Mischung gefunden, die mich glücklich macht“.

Zuvor verlieh er 50 Jahre lang Schauspielern in rund 100 Filmen das passende Äußere. Angefangen hat Horst Allert 1957 mit einer dreijährigen Friseurlehre, danach absolvierte er eine Ausbildung in Köln an der Oper als Maskenbildner. „Meine Militärzeit hat mich nach Hamburg verschlagen, wo ich mich anschließend beim NDR bewarb und einen Ausbildungsvertrag über fünf Jahre erhielt.“ Ein Wechsel nach zehn Jahren in die freie Wirtschaft öffnete ihm Tür und Tor ins internationale Filmgeschäft.

Deutsche in Andalusien: Horst Allert weiß alles über Make-up, Frisuren, Bärte und Spezieleffekte

Horst Allert schminkte und frisierte die Darsteller in Filmen wie „Todesspiel“, ein TV-Mehrteiler von 1996 über die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer von der RAF, „Croupier“, eine britisch deutsche Co-Produktion von 1997 mit Clive Owen als Hauptdarsteller, „Der Schuh des Manitu“, eine Parodie von 2001 von Michael „Bully“ Herbig auf die populären Karl-May-Western der 1960er Jahre, oder „Berlin 36“, ein Spielfilm von 2009 über die Olympischen Spiele in der Nazi-Zeit.

Der Beruf des Maskenbildners umfasst unter anderem Make-up, Frisuren, Bärte und Spezialeffekte, wie Gesichtsveränderungen oder Wunden. „Vor allem bei historischen Filmen ist es nötig, ein Wissen über die Epochen der Weltgeschichte zu haben“, sagt Horst Allert. „Meine Art zu schminken war es, dem Darsteller mit guter Musik und Ruhe die Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten.“

Deutsche in Andalusien: Eineinhalb Stunden in der Maske, das muss man erstmal hinkriegen

Deutsche in Andalusien: Horst Allert bringt das Universum auf die Leinwand.

Dass Ruhe beim Schminken wichtig ist, macht Horst Allert an einem weiteren seiner Filme deutlich: „Im Schatten der Macht“, ein Spielfilm von 2003 über die letzten Tage vor dem Rücktritt des Bundeskanzlers Willy Brandt, in dem Brandts Sohn Matthias Brandt den Spion Günter Guillaume spielt, der seinen Vater zu Fall brachte.

Die wirkliche Herausforderung für Horst Allert war es allerdings, den Willy-Brandt-Darsteller Michael Mendl so zu schminken, dass er aussah wie der damalige Bundeskanzler. „Mendl musste eineinhalb Stunden in der Maske sitzen“, erzählt Horst Allert. „Das muss man erst einmal hinkriegen und aushalten.“

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