Lauer Start nach dem Notstand

Urlaubssaison in Andalusien: Flaute in der Tourismusbranche

  • vonJosé Antonio Nieto
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Die offiziellen Zahlen zur Entwicklung des Tourismussektors sind ernüchternd. Im Juli sind die Rückgänge im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres enorm. August dürfte nicht viel besser aussehen.

  • Im Rest des Landes hat sich die bisherige Sommersaison noch negativer entwickelt.
  • Spürbarer Rückgang ist vor allem dem Ausbleiben ausländischer Urlauber geschuldet.
  • Im regionalen Vergleich ist Málaga der größte Verlierer und Cádiz der „Gewinner“.

Sevilla - Das nationale Statitsitikinstut (INE) hat die offiziellen Zahlen der spanischen Tourismusbranche für den Monat Juli vorgelegt. Von einem Einbruch kann man nicht sprechen, da man infolge des von Mitte März bis fast Ende Juni andauernden Notstands samt Einreiseverbot aus dem Ausland und Mobilitätsbeschränkungen im Inland quasi bei Null gestartet war. Dennoch muss man konstatieren, dass sich die nicht so hochgesteckten Erwartungen des Sektors an die Sommersaison bislang nicht erfüllt haben. Die Verluste im Vergleich zum Juli vergangenen Jahres sind auch in Andalusien beträchtlich und das, obwohl die Region im landesweiten Vergleich noch am besten abschneidet. Und im August dürften die Zahlen ob der Reisewarnungen und Quarantänevorschriften in den wichtigsten Emmissionsländern wie Deutschland oder Großbritannien kaum besser ausfallen. Das bekommt auch Mallorca zu spüren, wo hunderte Hotels frühzeitig schließen mussten.

Autonome GemeinschaftAndalusien
Fläche87.268 Quadratkilometer
Bevölkerung8,43 Millionen Einwohner (Stand 2019)
Hauptstadt Sevilla

In diesem Sommer sind in Andalusien 750 Hotels erst gar nicht geöffnet worden. Vor allem in den Urlaubsorten, in denen Hotelketten über mehrere Hotels verfügen, konzentrieren diese ihre geringe Kundschaft auf weniger Etablissements, um Betriebskosten einzusparen. Im Vergleich zum letztjährigen Sommer standen daher rund 40.000 Zimmer weniger zur Verfügung. Die Einnahmen der Hotelzimmer pro Nacht, ein wichtiger Indikator ihrer Rentabilität, sind im Juli 2020 im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres von durchschnittlich 77 Euro auf 37 abgestürzt. Und das nicht etwa wegen eines drastischen Preisrückgangs, denn die Preise waren nur um durchschnittlich zehn Prozent gesunken, sondern vor allem wegen der eingebrochenen Nachfrage. Denn die Hotelbelegung ist von 67,5 Prozent im Juli 2019 auf 35,7 Prozent abgefallen.

Tourismus im Corona-Sommer: Andalusien bleibt das beliebteste Reiseziel der spanischen Urlauber

Laut dem INE sind im Juli in Andalusien 889.893 Urlauber registriert worden, das sind 43,2 Prozent aller Touristen, die in Spanien unterwegs gewesen sind. Wobei Andalusien trotz deutlicher Einbußen seine Vormachtstellung auf dem inländischen Reisemarkt behaupten konnte. Während die Zahl der einheimischen Urlauber bei 739.810 lag, belief sich jene der Touristen aus dem Ausland auf gerade Mal auf 160.073. Und während die Zahl der Hotelübernachtungen spanischer Gäste um 46,3 Prozent zurückgegangen ist, sackte jene ausländischer Gäste um 83,7 Prozent ab. Insgesamt verzeichneten die andalusischen Hotels einen Rückgang der Übernachtungen von 63,5 Prozent, womit sie im landesweiten Vergleich sogar noch richtig gut abschneiden, denn der nationale Durchchnitt liegt bei 73,4 Prozent.

Das dichte Gedränge an den Stränden und Promenaden ist im Corona-Sommer meistenorts ausgeblieben.

Mehr als mau ist der Juli in Andalusien in touristischer Hinsicht gewesen und doch dürfte die Bewertung der bisherigen Urlaubssaison je nach Provinz sehr unterschiedlich ausfallen, denn einige kommen ganz schlecht weg und andere weit weniger schlecht davon. Der klare Verlierer ist die Provinz Málaga, wofür die Ursache auf der Hand liegt: die höhere Abhängigkeit der Costa del Sol vom ausländischen Tourismus. Die Zahl der ausländischen Besucher ist von 369.492 im Juli 2019 auf 170.182 in diesem Juli gesunken, womit sie gegenüber den 170.182 spanischen Urlaubern in Málaga diesmal ausnahmsweise in der Minderheit waren. Und die Hotelbelegung ist in der Provinz im regionalen Vergleich am stärksten abgestürzt, nämlich von 76 auf 33 Prozent. Viel besser steht die Provinz Cádiz da, wo die Hotelbelegung von 72,3 auf 45,5 Prozent zurückgegangen ist, ein Wert der spanienweit im vergangenen Monat auch nur in den Provinzen Asturien und Kantabrien übertroffen worden ist.

Tourismus in Andalusien: Unternehmerverband fordert Maßnahmen zum Gegensteuern

Eine überaus skeptische Prognose hat angesichts all dieser Zahlen denn auch der andalusische Unternehmerverband (CEA) abgegeben. Dieser prophezeit, dass ab September Hotels en masse wieder schließen werden und im Herbst so wie im Frühjahr dieses Jahres kaum mehr welche geöffnet sein werden. Der Strandtourismus ist dann ohnehin passé aber auch die Stadthotels werden, wenn Kongresse und Tagungen größtenteils abgesagt werden und auch ein Kulturtourismus angesichts ausfallender Kulturevents kaum noch stattfindet, zumeist nicht mehr rentabel weiterzuführen sein. Um dieses düstere Szenario abzuwenden, schlägt der Verband eine Ausweitung des Modells des Imserso (staatlich subventionierte Rentnerreisen) auf die gesamte Bevölkerung vor. Außerdem verlangt er eine Verlängerung der ERTE’s (staatlich finanzierte Kurzarbeit), weil diese sonst zwangsläufig in ERE’s (Massenentlasungsverfahren) münden würden.

Eine Forderung die der Unternehmerverband auch mit dem andalusischen Vizepräsidenten Juan Marín teilt, der die ERTE’s mindestens bis Ende des Jahres verlängert sehen will. Marín, der im Kabinett auch für das Tourismusressort zuständig ist, sieht die Entwicklung des Fremdenverkehrs in der Region in diesem Sommer auch nicht gerade positiv. Die Zahlen seien schlecht, räumt er der Tourismusminister unverhohlen ein, dennoch bemüht er sich zugleich darum, sie ein wenig schönzureden. Andalusien habe seine Attraktivität als Urlaubsziel nicht eingebüßt, für einheimische Touristen sei die Region nach wie vor die erste Wahl und im Vergleich zu den übrigen spanischen Regionen seien in Andalusien die meisten Hotels geöffnet. Außerdem kündigte der Tourismusminister ab September neue Werbekampagnen an, die vor allem den inländischen Tourismus weiter ankurbeln sollen. Der andalusische Unternehmerverband gibt sich damit jedoch noch nicht zufrieden und verlangt ferner eine baldige Umsetzung der von Marín vor Monaten bereits angekündigten Hotelgutscheine.

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