Präsentation des Prototyps des Beatmungsgerätes Andalucía Respira.
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Die Low-Cost-Beatmungsgeräte sollen in den Krankenhäusern als Ersatz für die herkömmlichen Geräte bereitstehen.

Produktion angelaufen

Coronavirus: Andalusien lässt eigene Beatmungsgeräte herstellen

  • vonJosé Antonio Nieto
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Ein Forschungsprojekt von Wissenschaftlern aus Málaga ist in Rekordzeit umgesetzt worden. Binnen eines Monats wurden fünf Prototypen entwickelt. Nach erfolgreicher Absolvierung aller vorgeschriebenen Tests erhielt das Gerät seine amtliche Zulassung.

  • Komponenten der geräte sind günstig und einfach zu beschaffen
  • Andalusisches Gesundheitswesen soll 300 Exemplare erhalten
  • Künstler unterstüzten Urherber mit Spende für ihre Forschung

Erst Mitte März hatte ein multidsiziplinäres Team mit Wissenschaftlern des biomedizinischen Forschungszentrums Ibima aus Málaga sowie Professoren und Ingenieuren der dortigen Universität ein Projekt zur Entwicklung eines Beatmungsgerätes für Patienten mit akuter Atemnot vorgestellt. Nur einen Monat später stehen die ersten Geräte bereits für ihren Einsatz in Krankenhäusern bereit.

Den ersten Prototypen des zunächst “Malaga Respira” (dt. Málaga atmet) genannten Beatmungsgerätes bauten Elektriker und Klempner des Hospital Clínico in Málaga zusammen. Für das Gerät werden unter anderem Komponenten von Klimaanlagen, Bewässerungsanlagen oder Garagentoren verwendet. Was den Vorteil mit sich bringt, dass sie nicht nur relativ preisgünstig sind, sondern auch relativ leicht zu beschaffen, zumal der Markt für medizinisches Material zurzeit hart umkämpft und enstprechend überteuert ist.

Weirtere Vorteile, die das Beatmungsgerät mit sich bringt: es verfügt über keine beweglichen Teile, die ein mechanisches Problem verursachen oder einen Materialverschleiß nach sich ziehen könnten. Das Gerät außerdem für einen Dauereinsatz konzipìert worden und könnte bis zu einem Jahr lang ununterbrochen funktionieren. Ein weiterer nicht zu verachtender, positiver Faktor ist der Herstellungspreis, der bei 1.000 Euro liegt, während ein herkömmliches Beatmungsgerät etwa 20.000 Euro kostet.

An Testpersonen erprobt

Zunächst mit einer künstlichen Lunge und anschließend noch an einem Tier wurde das Gerät mit Erfolg erprobt. Ein zweiter, weiterentwickelter Prototyp wurde in der Folge dann noch mit Einwilligung der Familien an zwei an Covid-19 erkrankten Personen erprobt, einem Patienten des Kreiskrankenhauses in Antequera und einem des Hopsital Virgen de las Nieves in Granada. In beiden Fällen verliefen die unter permanenter ärztlicher Beobachtung und mit einem regulären Beatmungsgerät in der Hinterhand durchgeführten Tests ebenfalls erfolgreich.

In weiteren Tests wurde das Beatmungsgerät nach und nach weiterentwickelt und optimiert, so dass es schließlich noch drei weitere Prototypen geben sollte. Nach den letzten Prüfungen, um unter anderem die Robustheit und Belastungsfähigkeit zu gewärhleisten oder auch elektromagnetische Interferenzen mit anderen Geräten auszuschließen, wurde der fünfte, mittlerweile in “Andalucia Respira” umbenannte Prototyp schließlich von der zuständigen Instanz, der Agencia Española de Medicamentos y Productos Sanitarios, autorisiert. 

Mit der behördlichen Genehmigung, die am 10. April erteilt wurde,  konnte man sich an die Produktion machen. Die andalusische Regierung hat das Unternehmen Fujitsu zunächst mit der Herstellung von 80 Beatmungsgeräten beauftragt. Die nicht besonders schwierige Montage, die derzeit noch manuell erfolgt, wird von zwei Arbeitern vorgenommen, die hierfür etwa zwei Stunden benötigen. Fujitsu hat hierfür erst einmal 14 Arbeiter abgestellt. Bei einstrpechender Nachfrage könnten bis zu 480 Geräte pro Woche angefertigt werden.

Herstellung an sechs Standorten

Die andalusische Regierung will ihr Gesundheitswesen erst einmal mit 300 dieser Geräte ausstatten und für andere spanische Regionen sowie einige süd- und mittelamerikansiche Länder noch mindestens 180 zusätzliche Geräte herstellen lassen. Wobei die Produktion außer im Fujitsu-Werk in Málaga noch in weiteren Betrieben erfolgen wird: in den Fabriken von Navantia in Cádiz, von Efficold in Córdoba, von Aventicsur in Jaen sowie von Airbus und Alestis in Sevilla.

In den andalusichen Krankenhäusern werden die Beatmungsgeräte nur als Ersatz für die herkömmlichen Geräte bereit stehen, für den Fall dass die Nachfrage, das vorhandene Angebot übertreffen sollte. Die ersten 30 neu gefertigten Geräte nahm der andalusische Präsident Juanma Moreno während eines Besuchs der Fujitsu-Fabrik in Málaga persönlich in Augenschein.

Die geistigen Urheber haben ihre Erfindung schließlich nicht patentieren lassen. So sind die Baupläne für alle Interessenten, die eine eigene Herstellung erwägen, offen einsehbar. Entschädigt wurden sie für ihre Bemühungen aber doch und zwar vom Schauspieler Antonio Banderas und dem Popsänger Pablo Alborán. Für ihre weitere Forschungsarbeit spendeten sie nämlich jeweils 200.000 Euro.

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