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Kurz vor der Schließung: Málagas Armenküche in der Krise - Spenden und Verständnis fehlen

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Von: Marco Schicker

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Freiwillige der Tafel von Malaga.
Der „comedor social“ bereitet bis zu 2.000 Essen am Tag für Bedürftige zu, ist aber nun selbst in der Krise. © comedorsocialyosoytu.com

Kirchendach statt Armenspeisung? Bürokratische Kälte bringt Málagas größte solidarische Küche an den Rand der Schließung. Dabei springt die größte „Tafel“ Andalusiens auch für grobe Verfehlungen der Politik ein, denn Geld wäre da.

Málaga - Fast 2.000 Personen versorgt Málagas größte Armenküche täglich mit einer warmen Mahlzeit, manchmal auch frei Haus für jene, die nicht so mobil sind. Nur mit Mühe und Not wird derzeit versucht, ihre Schließung mangels Ressourcen zu verhindern. Der Trägerverein "Yo Soy Tú" (Ich bin Du) beklagt, dass über den Sommer das Spendenaufkommen eingebrochen ist, nun, im Inflations-Herbst der Bedarf in der sozial angeschlagenen Boom-Stadt Málaga aber "sprunghaft" gestiegen sei. Zwar würden alle Helfer ehrenamtlich tätig sein, viele Lebensmittel über ein Netzwerk aus Supermärkten, Händlern, Lokalen gestiftet. Doch diese Gaben genügten für den Bedarf nicht, außerdem sind Wasser- und enorm gestiegene Stromkosten sowie weitere Unterhaltskosten der Installation zu begleichen.

Tafel Málaga: 38 Cent Budget für ein "Komplettmenü" - Stromkosten untragbar

Mindestens 1.800 Personen täglich aus einer Küche zu versorgen, bedarf einiger Logistik, der "comedor social" sei Andalusiens größter, sagt der Verein, 28 Prozent der Stammkunden seien zudem Kinder. "Und täglich werden es mehr". Ein Viertel der Betriebskosten und der benötigen Waren bestritt man bisher mit Mitteln aus Subventionen. Doch die gestiegenen Kosten verursachten in diesem Jahr ein mit 125.000 Euro überzogenes Bankkonto. Der Präsident des Vereins, Emilio Gómez, hat alle seine persönlichen Güter in einer Bankbürgschaft verpfändet, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Von der Landesregierung kam ein "Kredit" von 170.000 Euro. Es gebe Hilfsgruppen, die viel weniger Menschen helfen, aber viel mehr Geld bekämen, so die ONG in einem Hilferuf. Die Teuerung bringe viele an den Rand des Elends, "und der Ukraine-Krieg brachte auch viele neue Bedürftige".

Soziale Tafel in Málaga.
Freiwillige des Vereins „Yo Soy Tú“ in der Volksküche in Málaga. © comedorsocialyosoytu.com

Vor allem den Kindern, rund 860 werden betreut, wolle man auch ganztägig, nicht nur einmal, eine gesunde und ausreichende Ernährung anbieten, mit Frühstück und Brotzeit und auch Essen, dass sie abends mit nach Hause nehmen können. 12 Cent Budget hätten sie für ein Frühstück, 38 Cent für ein "Komplettmenü". In sechs Jahren habe der Verein 1,98 Millionen Mittagessen und 280.000 Frühstücke ausgegeben.

70 Freiwillige bei Málagas Tafel: Wir schicken kein hungriges Kind weg

Rund 70 Freiwillige engagieren sich in der alten Fabrik im Viertel Bailén-Miraflores von Málaga. Nun hoffen sie, dass die Stadt Málaga einspringt, den Verein rettet. Die hat dem Bistum Málaga gerade eine Million Euro überwiesen, damit das Dach der Kathedrale gedeckt werden kann, der örtliche Fußballklub Málaga CF, den die privaten Eigentümer am Rande des Ruins betreiben und der kaum etwas gewinnt, bekam eine Sonderzahlung von 1,5 Millionen. Schwer lässt sich da der Hilferuf der Suppenküche überhören. Vorigen Donnerstag traf sich der Sozialstadtrat mit dem Vereinspräsidium, "um zu analysieren, wie sie in diese Siutation geraten sind", die Schließung abzuwenden und ein tragfähiges Finanzierungskonzept zu erstellen.

Das wird nicht leicht, bei ständig wachsender Nachfrage, bei steigender Teuerung, aber stagnierenden Einkommen. Immerhin, die Junta de Andalucía hat erstmals eine fixe jährliche Subvention von 90.000 Euro zugesagt. Die Stadt Málaga aber windet sich noch: Es ginge nicht darum, zu schauen, wer mehr Arme betreut, sondern darum, ihnen aus der Armut zu helfen, sagt kühl der Stadtrat, ohne zu sagen, wie er das nun vorhat. Mehr noch: Es könne nicht sein, dass hier Kinder während der Schulzeit Essen bekommen, denn das hieße, sie schwänzen die Schule, ergänzt er. Der Verein erwidert, dass er niemanden wegschicke, der hungrig ist, schon gar keine Kinder, für die Schulaufsicht seien sie nicht zuständig. Eine Zusage bekam der Verein von der Stadt nicht, die Million für das Kirchendach ist aber mittlerweile überwiesen worden.

Weitere Informationen und Spendenmöglichkeit über die Webseite der Tafel Málaga.

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