Ein mit abgestorbenen Algen bedeckter Strand in Roquetas de Mar.
+
Wenn abgestorbene Algen massenweise an die Küste gespült werden, können sie schon mal einen Strand verschandeln.

Als Dünger oder Biodiesel

Asiatische Alge an der Küste von Andalusien: Plage könnte nützlich werden

  • José Antonio Nieto
    VonJosé Antonio Nieto
    schließen

Von der Meerenge von Gibraltar breitet sich die asiatische Alge ostwärts immer weiter über die andalusische Küste aus. Wissenschaftler der Uni Sevilla untersuchen nun, ob man aus der lästigen Plage nicht auch Kapital schlagen könnte. Erforscht werden gleich mehrere mögliche Verwendungszwecke.

Sevilla - Seit Jahren breitet sich die asiatische Alge an der Mittelmeerküste von Andalusien aus. Die Meerenge von Gibraltar, wo sie als erstes entdeckt wurde, bedeckt sie schon beinahe wie ein Teppich. Von dort wanderte die Rugulopteryx okamurae, wie man sie in Fachkreisen kennt, zusehends nach Osten über die Costa del Sol und die Costa Tropical bis zur Costa de Almería. Und auch in der Bucht von Marseille und auf den Azoren im Atlantik beginnt sie bereits zur Plage zu werden.

Das Problem ist nicht nur, dass sie den Fischern ihre Arbeit erschwert und nach Absterben – zum Leidwesen des Tourismus – tonnenweise an den Stränden angespült wird. Dort wo sie auftaucht, verdrängt sie außerdem in der Regel die einheimischen Algenarten und stört damit das ökologische Gleichgewicht. Aber könnte man dem Invasor nicht vielleicht auch etwas Positives abgewinnen? Das versuchen zurzeit immer mehr Universitäten und Forschungszentren in Erfahrung zu bringen.

Asiatische Alge in Andalusien: endemische Algen setzten sich gegen den Invasor zur Wehr

Wie etwa die Universität von Sevilla, die mit Unterstützung der Stiftung des Mineralölkonzerns Cepsa schon vor drei Jahren ein Forschungsprojekt gestartet hatte, um mögliche sinnvolle Verwendungsmöglichkeiten der asiatischen Alge zu untersuchen. Die bisherigen Ergebnisse des Projektes hat der Professor für Meeresbiologie, José Carlos García, unlängst in La Linea de la Concepción (Cádiz) präsentiert.

Die Expansion der invasiven Alge soll sich dem Meeresbiologen José Carlos García zufolge etwas verlangsamt haben.

In Kooperation mit der Universität von Málaga hat man zunächst die physischen und chemischen Parameter der Alge studiert, um herauszufinden, warum sie sich so ungewöhnlich schnell vermehrt. Obwohl sich die Expansion der Alge, räumt der Hochschulprofessor ein, zuletzt etwas verlangsamt habe, habe man auch festgestellt, dass es endemischen Algenarten immer öfter gelingt, den in ihre Gewässer eingedrungenen Rivalen erfolgreich zu bekämpfen.

Asiatische Alge in Andalusien: erste Studien münden in drei neue Forschungsrichtungen

Was die Nutzungsmöglichkeiten der asiatischen Alge betrifft, haben sich aus den bisherigen Untersuchungen schließlich drei neue Forschungsstränge ergeben. In Kooperation mit dem Consejo Superior de Investigaciones Cientificas (CSIC), einer staatlichen Forschungsbehörde, will man ihre mögliche Verwendung als Biotreibstoff analysieren und in Kooperation mit der Universität der Extremadura ihre mögliche Kompostierung zur Herstellung von natürlichem Dünger. Und sogar in der Medizin kann man sich einen Einsatz der asiatischen Alge vorstellen, und zwar auf dem Gebiet der Neurologie. Die Alge enthalte Substanzen, die womöglich zur Vorbeugung oder Behandlung von Entzündungen des Nervensystems beitragen könnten, was man in Kooperation mit der Universität von Cadíz näher untersuchen will.

Alle angestoßenen Forschungen werden indes noch einige Jahre benötigen, um konkrete Ergebnisse liefern zu können. García kritisiert daher, dass die asiatische Alge in Spanien erst Ende 2020 von der Regierung zur invasiven Art erklärt wurde, obwohl man dies schon seit 2015 wusste. Dadurch sei die Bereitstellung staatlicher Mittel verzögert worden, nicht nur zur Aufnahme wissenschaftlicher Studien, sondern auch für die Ergreifung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Plage oder auch zur Kompensation der unter der Alge leidenden Fischer.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare