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Neues Bandolero-Museum bei Málaga eröffnet: Die Banditen sind zurück in El Borge

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Von: Marco Schicker

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Eröffnung des Bandolero-Museums in El Borge
Málagas Provinz-Präsident Francisco Salado bei der Eröffnung des Bandolero-Museums in El Borge am 23. Februar 2023. © Diputación de Málaga

Das Museum für Bandoleros in El Borge in Málagas Axarquía-Bergen lockt zwischen Historie, schauriger Verklärung und Touristenmagnet. Das Weiße Dorf in der Axarquía ist auf jeden Fall einen Ausflug wert.

El Borge/Málaga - „Helden oder Bösewichte, mutige Männer oder Diebe - zwischen Mythen und Legenden kehrt das Banditentum nach El Borge zurück. Das Museum setzt darauf, die Geschichte einer Epoche zu bewahren, die halb Europa zu uns führte, auf der Suche nach Abenteuern und den Eigentümlichkeiten Andalusiens“, freute sich Jesús Almazán, dem die Sammlung zu großen Teilen zu verdanken ist und er richtet dabei den Blick natürlich nur zufällig auf die zur Eröffnung erschienenen Politiker. Die Bandoleros sind zurück in El Borge.

Da hätten sie aber Augen gemacht, der El Tempranillo, El Guapo, Curro Jiménez oder Luis Muñoz und all die anderen Bandoleros, die meist früh am Galgen oder durch eine Kugel endeten und gesellschaftlich als Landplage geächtet waren. 200 Jahre später errichtet man ihnen nicht nur ein Museum, sogar die Staatsmacht, einschließlich der Erzfeinde der verhassten Guardia Civil, die wegen den Wegelagerern und Schmugglern überhaupt erst gegründet wurde, treten zur Eröffnung an, sprechen von Traditionen und Identität. Als Bandoleros verkleidete Darsteller mischen sich unter die Festgemeinde so als wären die Banditen hier geachtete Einwohner gewesen.

Museum der Bandoleros bei Málaga: Von Ronda nach El Borge

Eröffnung des Museums in El Borge in der Axarquía
Wer ist der Banidt? „Bandoleros“ treffen auf Politiker bei der Eröffnung des Museums in El Borge in der Axarquía an der Costa del Sol. © Diputación de Málaga

Das Dörfchen El Borge im Kreis Axarquía hinter Vélez-Málaga und Rincón de la Victoria liegt in der Landschaft, als hätte der Schöpfer auf dem Weg zur Sierra Nevada einen Kleks weißer Farbe aus dem Eimerchen verschüttet. Seit 23. Februar 2023 beherbergt das romantische Bergdorf die „Galería del Bandolero“ in einer für 200.000 Euro umgebauten früheren Ölmühle. 1.500 Ausstellungsobjekte werden gezeigt, die meisten davon stammen aus dem Bandolero-Museum in Ronda, das 2020 nach zehn Jahren schließen musste. Wir finden alte und nachgebaute Waffen vom 18. und 19. Jahrhundert, der Blütezeit des Bandolerismo, dazu Ölgemälde, Zeichnungen, historische Akten und Briefe, Fahndungsplakate und Gerichtsurteile, zeitgenössische Zeitungsartikel, aber auch Werke und Dokumente zu den „romantischen Reisenden“, die mit ihrer Schriftstellerei viel zur Saga, zur Überhöhung der Bandoleros beigetragen haben, so wie es auch der Dorfklatsch tat, immer changierend zwischen schaurig-schönen Schreckenserzählungen und Robin-Hood-Verklärung.

Geschichte und Räuberkitsch: Bandolero-Museum und Räuber-Gasthaus

Diese Verklärung, ja Verkitschung des Bandentums à la „Wirtshaus im Spessart“ dominiert bis heute und so werden mit Trachten und Kostümen aus dem Fundus des öffentlichen Fernsehens Gestalten und Szenen der berühmten Bandolero-Serie „Curro Jiménez“ aus den 1970er Jahren dargestellt, die das weitgehende Zerrbild vom freiheitsliebenden Outlaw bis in die heutigen Generationen verfestigte. Auch der Ort El Borge hat seinen eigenen „Helden“, Luis Muñoz, bekannt als „El Bizco Arboge“, das Biest aus Borge, der „heute das touristische Angebot der Axarquía komplettiert“, wie sich der Präsident der Provinzverwaltung Francisco Salado geschraubt windet, „welcher Ort wäre besser für ein solches Museum geeignet, als El Borge, Wiege eines der gefürchtetsten Banditen seiner Zeit“.

Bandolero-Kleidung im Museum El Borge
Spannende Geschichte und Räuberkitsch: Bandolero-Kleidung aus dem Fundus des staatlichen Fernsehens im Museum von El Borge © Diputación de Málaga

Keine Frage, die Banditen sind zurück. Dass die Bandoleros eine direkte Reaktion auf Politik und Unterdrückung, Armut und Ungerechtigkeiten sowie eine Folge des Machtvakuums (meist aufgrund von Kriegen) waren, wollte Salado begreiflicherweise nicht vertiefen und die Ausstellung tut das ebensowenig, der Besucher muss schon ein bischen mitdenken. Aber wer weiß, wenn die Zeit reif ist und die Not wieder groß genug, wird aus der „Banditen-Galerie“ vielleicht doch einmal wieder ein „lebendiges Freiluftmuseum“. Derweil amüsieren wir uns über den historischen Treppenwitz, dass die Guardia Civil heute das Erbe der Bandoleros bewachen muss, die sie einst jagte. Nun, auch zu damaligen Zeiten war sie in so manchem Dorf ohnehin die größere Plage als die eigentlichen Banditen. Sachgerecht bekommt die Guardia Civil im Museum daher auch ein Eckchen zugewiesen.

Kultur gegen Landflucht im Hinterland von Málaga: Musik-Museum folgt

Für El Borge, das auch eine Pension und ein Gasthaus zur Thematik (Posada del bandolero) bietet (kürzlich stand sogar ein Bandolero-Gasthof in der Nähe zum Verkauf), ist das Bandolero-Museum natürlich ein Gewinn und Ergebnis wachsender Bemühungen, den Inlandstourismus zu beleben, auch mit dem Hintergedanken, die in mehrfacher Hinsicht ruinöse Landflucht umzudrehen. Dazu tragen freilich zunehmend unbezahlbare Mieten und Immobilienpreise in Málaga Stadt mehr bei als jede Museumseinweihung, wobei El Borge, nur 20 Kilometer von der Küste entfernt, noch eine privilegierte Lage hat, die wirklichen Probleme fangen just dort an, wo auch die Bandoleros ihre sichersten Rückzugsgebiete hatten: in der Sierra Morena. El Borge, mit knapp 1.000 Einwohnern, bekommt von der Provinzverwaltung bald auch noch ein Musikmuseum geschenkt, bei dem dann die mystischen „Verdiales“ im Zentrum stehen werden, die wohl weit mehr sind als nur ein stampfender Bauerntanz und deren Wurzeln womöglich bis ins alte Griechenland reichen könnten.

Bandolero-Museum in El Borge bei Malaga.
El Borge bei Málaga: Vom Olivenlager zum Bandolero-Museum. © Diputación de Málaga

Doch zunächst geht es um die Räuber und ihre Jäger: Eine ausnehmend informative Webseite des Bandolero-Museums (auch auf Deutsch) gibt wertvolle Hintergrundinformationen, so dass der Besuch ein räuberisches Vergnügen werden kann.

Galería del Bandolero El Borge
Direkt an der MA-3106 am Ortsausgang von El Borge Richtung Cútar,
Öffnungszeiten Oktober bis März: Di-Sa 10-14 und 16.30-18.30 Uhr, So 10-15 Uhr,
April bis September: Di-Sa 10-14 und 18-20 Uhr, So 10.15 Uhr, montags ganzjährig geschlossen.
Eintritt 3 Euro. Anmeldung für größere Gruppen und Führungen: 952512033, galeriadelbandolero@elborge.es

Zum Thema: Bandoleros: Spaniens berühmte Räuber - Zwischen Volkshelden und Banditen.

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