Zwei Krankenpflegerinnen in Schutzausrüstung präparieren eine Impfspritze.
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Im Mai konnten in Andalusien bereits über 400.000 Personen pro Woche geimpft werden. Ab Juni will man doppelt so viele schaffen.

Kampagne nimmt Fahrt auf

Corona-Schutzimpfung in Andalusien: Rettet Impfkampagne den Sommer?

  • José Antonio Nieto
    vonJosé Antonio Nieto
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Die andalusische Landesregierung will bis Anfang Juli durch Corona-Schutzimpfungen in der Region eine Herdenimmunität erreichen. Eine Frage der Begriffsauslegung, denn die Voraussetzungen hierfür schraubt sie etwas herunter.

Sevilla – Die Coronavirus-Fallzahlen sinken in Andalusien weiterhin, aber nicht in dem Maße, wie es sich Politik und Bevölkerung wünschen würden, um sich auf einen möglichst unbeschwerten Sommer freuen zu können. Nur mit ganz langsamen Schritten nähert sich die Inzidenz der Schwelle vom hohen zum mittleren Infektionsrisiko. Die Hoffnung der Gesundheitsbehörden ruhen daher vor allem auf der Impfkampagne, die nach schwachem Start bereits deutlich an Fahrt aufgenommen hat und ab Juni das Tempo noch weiter anziehen soll. Im Mai konnten pro Woche bereits über 400.000 Impfspritzen gesetzt werden und ab Juni könnte sich die Zahl sogar verdoppeln, denn vom 31. Mai bis 4. Juli wird die Ankunft von 4,1 Millionen Impfdosen erwartet und diese sollen in der Zeit möglichst auch aufgebraucht werden.

Zum aktuellen Stand der Impfkampagne in Andalusien.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
HymneHimno de Andalucía
AutonomieSeit 11. Januar 1982

Bislang sind in Andalusien 5.523.340 Impfdosen ausgeliefert worden, 3.100.268 von Pfizer, 865.094 von AstraZeneca, 322.375 von Moderna sowie 49.878 von Janssen, das Vakzin, das nur einmal gespritzt werden muss. Verabreicht wurden bereits 4.337.615 Impfdosen, knapp 96 Prozent der bisher erhaltenen. 2.967.827 Andalusier haben zumindest schon eine Impfspritze erhalten, was 35,01 Prozent der Bevölkerung entspricht. Und 1.458.201 Andalusier, 17,22 Prozent der Einwohner der Region, konnten bereits immunisiert werden. Von den Über-16-Jährigen – unter dieser Altersgrenze ist eine Impfung aktuell noch nicht vorgesehen – sind sogar schon 20,64 Prozent, also mehr als ein Fünftel immun. Die Impfung der Über-80-Jährigen ist schon komplett abgeschlossen, in der Altersgruppe 70 bis 79 Jahre sind bereits 90,7 Prozent immun und von den 60- bis 69-Jährigen haben 88,7 Prozent schon eine erste Dosis erhalten, konnten aber erst 15,6 Prozent immunisiert werden.

Corona-Schutzimpfung in Andalusien: Altersgruppe unter 50 Jahren im Juni an der Reihe

Aktuell ist gerade die Altersgruppe der 52- und 53-Jährigen an der Reihe, für die kommende Woche sind dann die 50- und 51-Jährigen dran. Und die Generation unter 50 wird auch nicht mehr lange warten müssen. Die Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen ist in Andalusien mit 1.385.115 Vertretern, etwa 16 Prozent der Gesamtbevölkerung, die quantitativ stärkste Generation. Und im Zeitraum vom 7. Juni bis 7. Juli sollen sie alle zumindest schon eine erste Impfdosis erhalten. Woraus man wiederum schlussfolgern kann, dass nach dem 7. Juli dann schon die Generation unter 40 zum Impftermin bestellt werden soll.

Abgeschlossen wird derzeit außerdem die Impfung der systemrelevanten Arbeitskräfte unter 60 Jahren, wie etwa Lehrer oder Polizisten, die eine erste Impfspritze von AstraZeneca erhalten hatten, bevor dieses Vakzin in Spanien nur noch für Personen zwischen 60 und 69 Jahren zugelassen wurde. Wochen, zum Teil Monate haben sie warten müssen, bis endlich eine Lösung für sie gefunden wurde. Das spanische Gesundheitsministerium sprach sich für die Verabreichung einer zweiten Dosis von Pfizer aus, nachdem eine Studie belegt hatte, dass die Kombination möglich und auch wirksam sei. Der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre hingegen favorisierte eine zweite Dosis von AstraZeneca, allein schon um das bereits gehortete Vakzin nicht in den Kühlregalen verkommen zu lassen. Am Ende sprang ein Kompromiss heraus, für den man sicherlich nicht so viel Zeit hätte verstreichen lassen müssen: Die Betroffenen können nämlich selbst bestimmen, mit welchem Vakzin sie ihre Impfung komplettieren wollen. Und in Andalusien wollen nur wenige die Vakzine mischen und entscheiden sich die meisten, trotz der schlechten Publicity, für AstraZeneca. 

Corona-Schutzimpfung in Andalusien: Plan sieht eine Million Impfspritzen pro Woche vor

Wie die Impfkampagne in Andalusien ab Juni noch einen großen Zacken zulegen soll, hat die Landesregierung auch schon vorgesehen, und zwar in ihrem Plan „Un Millón”, der so heißt, weil die dann vorhandenen Kapazitäten die Verabreichung von bis zu einer Million Impfdosen pro Woche ermöglichen sollen. Dafür sollen 911 mit jeweils drei Pflegekräften besetzte Impfteams bereitstehen - eine Pflegekraft registriert den Impfpatienten, eine zweite füllt die Spritze und die dritte verabreicht das Vakzin - und soll von Montag bis Sonntag geimpft werden. Die Zahl der Impfzentren soll wiederum auf 545 erhöht werden, darunter auch einige besonders großräumige wie Stadien und Messehallen, die zum Teil schon jetzt eine Massenabfertigung ermöglichen. In einem Vacunodromo, wie die Impftempel in Spanien getauft worden sind, könnten bei einer Belegung mit zehn Impfteams und einem zeitlichen Aufwand von zwei bis drei Minuten pro Impfpatient bis zu 3.000 Personen pro Tag geimpft werden, versichert zumindest das Landesgesundheitsministerium. 

Mit großen Impfzentren wie diesem in einem Fußballstadion in Sevilla soll das Tempo der Impfkampagne noch stärker beschleunigt werden.

Mit diesen Mitteln will die andalusische Regierung bis Anfang Juli, also quasi rechtzeitig zum Start der touristischen Hochsaison, eine Herdenimmunität erreichen. Wobei sie etwas mogelt und diesen Begriff, der Touristen eine Covid-Sicherheit suggerieren soll, umdefiniert. Für den Ministerpräsidenten Juanma Moreno müssen nämlich nicht 70 Prozent der Bevölkerung ihre Impfung komplett abgeschlossen haben, um von einer Herdenimmunität zu sprechen. Ihm reicht es anscheinend, wenn 70 Prozent der Über-16-Jährigen mit einer Dosis schon einen relativ hohen Immunisierungsgrad erreicht haben. Bis Anfang Juli geht die Landesregierung selbst nämlich davon aus, dass erst 40 Prozent der Andalusier über 16 Jahren alle beiden Impfspritzen bekommen haben werden.

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