Armut nimmt zu

Coronavirus verschärft soziale Krise: 10.000 bedürftige Familien in der Provinz Málaga

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Freiwillige des Roten Kreuzes Málaga versorgen eine Obdachlose mit Lebensmitteln.
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In der Provinz Málaga sind durch die Coronavirus-Krise Tausende von Familien in die Armut abgerutscht. Die Zahl der Freiwilligen von Hilfsorganisationen wie Caritas und Rotes Kreuz ist stark gestiegen.

  • Coronavirus-Krise führt zu sozialer Katastrophe in der der Provinz Málaga.
  • Zahl der Freiwilligen bei Rotem Kreuz und Caritas ist stark angestiegen.
  • Soziale Kluft wird nach Ende des Alarmzustands noch größer sein.

Málaga - Durch die Coronavirus-Krise sind während der vergangenen zwei Monate tausende von Familien in der Provinz Málaga an das Existenzminimum gedrängt worden. Eine soziale Katastrophe, wie sie die Provinz bis dato nicht erlebt hat. Nach Angaben der Verantwortlichen von Hilfsorganisationen wie Rotes Kreuz und Caritas, mussten sie die Zahl der Freiwilligen erhöhen. So kümmern sich nun rund 2.800 freiwillige Helfer darum, rund 10.000 bedürftige Familien mit Lebensmitteln zu versorgen. Für viele Familien ist es das erste Mal, dass sie sich in einer solch misslichen Lage befinden und Lebensmittelpakete in Anspruch nehmen müssen. Einige Bedürftige hatten keine Wohnung, in die sie sich zurückziehen konnten, als die Zentralregierung anwies, in häuslicher Quarantäne zu bleiben. Andere wiederum sind ambulante Händler. Einige lebten von der Hand in den Mund oder arbeiteten schwarz, sodass sie nichts ansparen konnten und auch keinen Anspruch auf Arbeitslosenhilfe haben.

Seit dem Finanzcrash des Jahres 2008 hat Spanien mit der Erholung seiner Wirtschaft zu kämpfen. Nach Angaben der Verantwortlichen von Caritas, des Roten Kreuzes und Zivilschutzes waren die Folgen der Finanzkrise Niedriglohnarbeit und das Verschwinden der Mittelschicht. Die Pandemie habe indes in der Bevölkerung eine Welle der Solidarität losgetreten. Vor allem in den Gemeinden Manilva, Nerja, in Málaga Stadt und einigen Gebieten der Serranía de Ronda sowie Dörfern in der Nähe von Antequera hätten sich viele dazu entschlossen, den NGOs zu beizutreten. „Inzwischen stehen über 200 Personen in der Warteliste, nachdem wir bereits 500 neue Freiwillige aufgenommen hatten. 700 freiwillige Helfer zählten wir bereits Mitte März“, unterstreicht Samuel Linares, Koordinator des Roten Kreuzes in der Provinz Málaga.

Corona-Krise vertieft soziale Kluft

Francisco José Sánchez, Caritas-Direktor in Málaga, der die Arbeit von 1.400 Freiwilligen koordiniert, untermauert, dass das Ziel darin bestehe, „nicht in alte Muster zu verfallen“ und „immer individualistischer“ zu werden, sondern er mahnt dazu, sich an den Akt der Hilfsbereitschaft zu erinnern, den die Coronavirus-Krise ausgelöst hat. Sánchez fürchtet, dass die soziale Kluft nach dem Ende des Alarmzustands erheblich größer sein wird. Caritas hat angekündigt, nach der Aufhebung des Alarmzustands einen Bericht vorlegen zu wollen, der Aufschluss über die durch den Lockdown hervorgerufene humanitäre Krise geben soll. Er führt aus, dass Caritas an einigen Tagen über 100 Notfälle zu betreuen hatte.

Hierbei habe es sich vorrangig um Arbeiter gehandelt, die temporär freigestellt sind, sich also in einem sogenannten ERTE (Expediente de Regulación Temporal de Empleo) befinden. Ein Großteil davon ist im Hotelgewerbe oder Tourismussektor beschäftigt. Hinzu kämen die „neuen Armen“. Das seien vor allem Selbstständige (Autónomos), die durch die Coronavirus-Krise gezwungen gewesen seien, ihre Geschäfte oder Firmen zu schließen und in einigen Fällen bis heute keinen Cent vom Staat gesehen hätten. „In zwei Monaten haben wir so viele Familien betreut wie 2019 in einem Zeitraum von sechs Monaten“, sagt Samuel Linares. „In der gesamten Provinz Málaga wurden Lebensmittel im Wert von 1,3 Millionen Euro verteilt.“

Das Rote Kreuz ruft alle Personen, die sich in einer prekären Lage befinden, dazu auf, sich an die Sozialämter ihrer jeweiligen Gemeinden oder direkt an die Hilfsorganisationen zu wenden. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurde Rincón de la Victoria in der Axarquía mit seinen rund 45.000 Einwohnern besonders stark von der Coronavirus-Krise in Mitleidenschaft gezogen. Das Sozialamt hat dort bis heute rund 300 Familien betreut. „Wir haben uns um Obdachlose gekümmert und um ältere Menschen, die eine geringe Rente und keine Möglichkeit haben, einkaufen zu gehen oder sich ihre Medikamente zu besorgen", sagt die Sozialstadträtin von Rincón de la Victoria, Elena Aguilar. In der Provinz Málaga haben bis heute 4.000 Familien Lebensmittelgutscheine erhalten und 2.700 bedürftige Familien Lebensmittelpakete bekommen.

Nach Informationen der Direktorin des Zivilschutzes und der Notrufleitstelle 112 in der Provinz Málaga, Ana Celia González, müssen die Freiwilligen-Anwärter anders als beim Roten Kreuz und bei Caritas vorab Kurse und Praktika absolvieren. In einigen Gemeinden wie beispielsweise in Torremolinos wurden städtische Gebäude zu Obdachlosenherbergen umfunktioniert. So sind in Torremolinos zurzeit einige Obdachlose in der Albergue de la Música untergebracht.

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