Beamte der Ortspolizie von Almería im Gesprach mit einem Passanten auf der Strandpromenade.
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Wegen der steigenden Fallzahlen in Almería sind die Polizeikräfte angehalten Corona-Regeln wie die Maskenpflicht intensiver zu kontrollieren und Verstöße strenger zu ahnden.

Wer nicht hören will muss zahlen

Coronavirus in Almeria: Ordnungshüter sollen nachlässige Bürger maßregeln

  • vonJosé Antonio Nieto
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Die Fallzahlen steigen in der Provinz Almería ungebremst an. Die andalusische Regierung macht den nachlässigen Umgang der Bürger mit den Corona-Regeln dafür verantwortlich und kündigt eine Verschärfung der Kontrollen und Sanktionen an.

  • Die Fallzahlen der ersten Infektionswelle im Frühjahr übertrifft Almería zurzeit deutlich.
  • Andalusische Regierung kündigt Ende der Schonfrist für Nichteinhaltung der Corona-Regeln an.
  • Kommunen verstärken Polizeikontrollen und rufen Bürger zugleich zur Verantwortung auf.
  • Veranstaltungsabasagen und Parkschließungen erinnern an Vortage des Lockdowns im März.

Update, 18. August: Die Zahl der Betroffenen des Corona-Ausbruchs in einer Seniorenresidenz in Almerías Stadtteil El Zapillo hat sich mittlerweile auf 71 erhöht. Bislang sind 48 Heimbewohner und 23 Angestellte der Residenz positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Inzwischen sind auch schon zwei Todesopfer unter den Betroffenen zu beklagen gewesen. Eine Bewohnerin mit Vorerkrankungen verstarb im Hospital de Torrecárdenas und eine weitere, die sich schon vor der Ansteckung in Paliativpflege befand, im Heim. Dieses ist von der andalusischen Regierung, der die öffentliche Residenz untersteht, bereits mit Medikamenten, Schutzausrüstungen und medizinischem Fachpersonal ausgestattet worden. In den letzten Tagen sind in der Provinz Almería außer den beiden Heimbewohnern noch zwei weitere Personen dem Virus erlegen, ein Covid-19-Patient aus El Ejido und ein weiterer aus Roquetas de Mar. Die Zahl der seit Ausbruch der Corona-Pandemie registrierten Todesopfer ist damit auf 60 angestiegen. Und am 17. August ist mit 186 Neuinfizierten auch wieder ein neuer Höchstwert vermeldet worden.

Weitere Angaben zu den Coronavirus-Fallzahlen in Andalusien.

Weitere Informationen zur Entwicklung der Pandemie in Spanien.

ProvinzAlmería
Fläche 8.774 Quadratkilometer
Bevölkerung709.340 Einwohner
Hauptstadt Almería

Update, 16. August: Nur zwei Tage nach dem letzten negativen Rekord hat die Provinz Almería am 15. August hinsichtlich ihrer Infiziertenzahlen schon wieder einen neuen, seit Ausbruch der Corona-Pandemie noch unerreichten Höchstwert aufgestellt: 159 Neuinfizierte sind allein am 15. August vermeldet worden, 36 mehr als am Vortag und 31 mehr als am 13. August. Noch bedenklicher ist die Entwicklung der Fallzahlen, was die Krankenhausauslastung anbelangt. Mit 54 Covid-19-Patienten liefert Almería mehr als ein Drittel der 154 andalusienweit in einem Hospital befindlichen Corona-Infizierten. Und von den 29 Covid-19-Patienten, die in ganz Andalusien insgesamt auf der Intensivstation behandelt werden müssen sind 14, also fast die Hälfte aus Almería. Falls dies alles für sich allein nicht schon schlimm genug wäre, hat sich in einer Seniorenresidenz im Stadtteil El Zapillo der Provinzhauptstadt Almería vor wenigen Tagen auch noch ein Infektionsausbruch ereignet. Betroffen sind von diesem bislang 67 Personen. Mit Sars-CoV-2 haben sich 47 Heimbewohner sowie 20 Angestellte infiziert.

Coronavirus in Almería: Vom positiven Sonderfall zum andalusischen Sorgenkind

Erstmeldung/Almería - Vom Ausbruch der Corona-Pandemie bis zum Ende des nationalen Notstands am 21. Juni waren in der Provinz Almería nur 553 Infektionsfälle bekannt geworden. In Andalusien stand zu jenem Zeitpunkt nur die Provinz Huelva noch etwas besser da. Mittlerweile aber ist die Gesamtzahl der Corona-Infizierten in der Provinz auf 2.592 (Stand 13. August) angestiegen. Allein in den letzten 24 Stunden sind 128 Neuinfizierte hinzugekommen, ein neuer Höchstwert seit Beginn der Corona-Pandemie. Im andalusischen Ranking hat Almería damit die Provinzen Cádiz, Jaén und Córdoba überholt und wird nur noch von Málaga, Granada und Sevilla übertroffen. Den drei Spitzenreitern läuft Almería in den letzten Wochen aber zunehmend den Rang ab. Mit 1.135 Neuinfizierten in den letzten 14 Tagen, 590 davon in den letzten sieben Tagen, weist die Provinz andalusienweit zurzeit nämlich die mit Abstand negativste Entwicklung der Corona-Pandemie auf. Waren vor eineinhalb Monaten noch über 90 Prozent der bis dahin Infizierten bereits geheilt, so liegt ihr Anteil momentan nur noch knapp über 50 Prozent. 

Die Zahl der aktuell noch aktiven Virusträger, die Ende Juni bereits auf zwölf gesunken war, ist zuletzt wieder sprunghaft angestiegen auf derzeit 1.215, wobei sich die meisten im Gesundheitsbezirk Poniente befinden, insbesondere in den beiden nach der Provinzhauptstadt Almería bevölkerungsreichsten Städten El Ejido und Roquetas de Mar. Die drastische Zunahme der Infektionsfälle ist nicht zuletzt vor allem der stark erhöhten Testfrequenz geschuldet, denn die 95 Prozent der Infizierten, die gar keine oder nur sehr leichte Symptome aufweisen, wären im Frühjahr größtenteils vermutlich nicht aufgespürt worden. Trotzdem nimmt die Entwicklung der Pandemie allmählich bedrohliche Züge an, vor allem was die Krankenhausbelegung anbelangt. Denn von den 133 Covid-19-Patienten, die andalusienweit einer stationären Behandlung bedürfen, befinden sich allein 49 in einem der drei öffentlichen Hospitäler der Provinz Almería, 14 von ihnen auf der Intensivstation. Und in den letzten Tagen sind erstmals seit über zwei Monaten auch wieder drei Todesopfer zu beklagen gewesen.

Coronavirus in Almería: Andalusische Regierung beruft einen Krisen-Gipfel ein

Für die andalusische Regierung sind alle diese Zahlen Grund genug gewesen, um in Almería eine Art Gipfeltreffen zur Corona-Krise einzuberufen, wie es in der Region bislang noch nirgends sonst stattgefunden hatte. An dem Treffen, das am 12. August an ihrem Sitz am Paseo de Almería abgehalten worden ist, nahmen neben der gastgebenden Delegierten der Landesregierung für die Provinz auch der Delegierte der Zentralregierung und der Vizepräsident der Provinzregierung teil sowie die Bürgermeister der sechs Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern - Almería, Roquetas de Mar, El Ejido, Adra, Vícar und Níjar. Bei der Versammlung, die nun wöchentlich zumindest per Videokonferenz erfolgen soll, waren darüber hinaus auch noch Vertreter der Policia Nacional und der Guardia Civil präsent. Aus gutem Grund, denn die Arbeit der Sicherheitskräfte stand im Vordergund des zur Koordination dienenden Informationsaustauschs der verschiedenen staatlichen Institutionen.

Angesichts der sich zuspitzenden Lage sind die Vertreter der wichtigsten staatlichen Administrationen in Almería zu einem Corona-Krisen-Gipfel zusammengekommen.

Die Delegierte der andalusischen Regierung für die Provinz Almería, Maribel Sánchez, vertritt nämlich die Ansicht, dass die Bevölkerung bei der Befolgung der Corona-Regeln wie die Maskenpflicht oder die Einhaltung der sozialen Distanz immer nachlässiger wird und das obwohl die Landesregierung die Bußgelder für Missachtungen der Auflagen erhöht hatte. Allein seit dem 4. August, an dem das Dekret zur Verschärfung der Strafen in Kraft trat, seien in der Provinz Almería fast 1.000 Sanktionen verhängt worden. Und in 33 Fällen musste die Justiz eingeschaltet werden, weil positiv auf Sars-CoV-2 getestete Personen die verhängte Quarantäne nicht einhielten. Sich auf das Verantwortungsbewusstsein der Bürger zu verlassen, so Sánchez, sei nicht genug. Wenn die Leute die Lage nicht ernst genug nehmen und die ihrem Schutz dienenden Corona-Regeln nicht einhalten, müssten die Ordnungshüter fortan eben eine harte Hand walten lassen und Regelverstoße rigoros ahnden.

Coronavirus in Almería: Polizeikräfte verstärken Kontrollen von Passanten und in Lokalen

Ein Standpunkt, den auch Almerías Bürgermeister Ramón Fernández mit der Delegierten der andalusischen Regierung teilt. In Almería ist daher wie auch in Roquetas de Mar eine Sonderbrigade der Ortspolizei eingerichtet worden. Mit diesen sollen die Kontrollen, inwieweit die Corona-Regeln beachtet werden, intensiviert werden, insbesondere überall dort, wo besonders viele Menschen zusammenkommen, allen voran die im Sommer gut gefüllten Strände und Promenaden. Die “Covid-Patrouillen” sollen indes nicht nur die Einhaltung von Maskenpflicht und Mindestabstand überwachen, sondern auch Geschäfte und Gaststätten hinsichtlich der Befolgung der Corona-Auflagen inspizieren. Vor allem in den durch ein ausschweifendes Nachtleben quasi in Generalverdacht geratenen Pubs und Diskotheken soll ein allzu lockerer Umgang mit den Restriktionen seitens der Gäste oder auch der Betreiber verhindert werden.

Ungeachtet der Anweisungen der Rathäuser an ihre Ordnungshüter, wachsam zu sein und mehr Strenge walten zu lassen, haben einige Ortschaften wie etwa El Ejido und Roquetas de Mar nebenbei auch noch Sensibilisierungskampagnen gestartet, um ihre Einwohner auf die anhaltende Corona-Gefahr hinzuweisen und vor allem den jüngeren Generationen ins Gewissen zu reden. Und die Reinigungsarbeiten und Desinfektionen haben die meisten Gemeinden auch wieder intensiviert, vor allem in besonders sensiblen Bereichen wie dem Umfeld von Krankenhäusern, Gesundheitszentren oder Seniorenheimen. Allmählich nähert sich in der Provinz Almería die Situation wieder jener von Mitte März, als das öffentliche Leben nach und nach zum Erliegen kam. Denn vielerorts werden unter anderem Spielplätze und Sportanlagen, wenn sie überhaupt wieder geöffnet worden waren, nun wieder geschlossen. In Lubrín wurde das Freibad geschlossen, in Tabernas und Sorbas wiederum sind die Wochenmärkte ausgesetzt worden und die Gemeinde Pulpí appelliert an ihre Einwohner, zurzeit keine Hochzeiten, Taufen oder Geburtstage zu feiern.

Wie im März, als die erste Infektionswelle im Anmarsch war, werden in vielen Gemeinden Almerías wieder Spielplätze und Sportanlagen geschlossen oder auch Kulturevents abgesagt.

Besonders drastisch ist die Stadt El Ejido vorgegangen, nachdem dort allein an einem Tag, dem 11. August, 45 Neuinfizierte vermeldet wurden, fast die Hälfte der 91 Infektionsfälle, die an jenem Tag in der gesamten Provinz Almería registriert worden waren. Und das just nachdem auch in der örtlichen Seniorenresidenz, die seit mehr als zwei Monaten virusfrei gewesen war, zwei Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, eine Heimbewohnerin sowie eine Betreuerin. Und nachdem auch in einer Diskothek der Urbanisation Almerimar ein Infektionsausbruch registriert worden war, der bislang sechs Neuinfizierte hervorgebracht hat, einen DJ und fünf Besucher. Daraufhin hat das Rathaus nicht nur alle Kinderspielplätze und Sportanlagen wieder schließen lassen, sondern auch alle in diesem Sommer noch anstehenden Kulturveranstaltungen und Freizeitangebote wie Konzerte, das Sommerkino, touristische Führungen oder die vom stádtischen Sportamt offerierte Strandgymnastik abgesagt.

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