Mehr Bedürftige - mehr Unterstützer

Coronavirus in Almería: Lebensmittelbank tilgt den Hunger der Notleidenden

  • vonJosé Antonio Nieto
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Das Hilfswerk Banco de Alimentos in Almería hat in der Coronavirus-Krise mehr arme Familien versorgen müssen. Wie andere Hilfsorgansationen in Spanien konnte sie sich aber auch zunehmender Spenden erfreuen.

  • Banco de Alimentos versorgt seit 1999 arme Haushalte aus der Provinz Almería mit Lebensmitteln.
  • Zur Verteilung an die Nutznießer stützt sich die Organisation auf rund 200 Hilfsvereinigungen.
  • Ihre Lagerhallen werden vor allem durch Spendenaktionen und staatliche Programme gefüllt.

Almería - Die Coronavirus-Krise hat in Spanien im ganzen Land neue soziale Notlagen hervorgerufen und die Armutsprobleme stark verschärft. Da die staatlichen Institutionen damit oftmals überfordert sind oder auch einfach nicht schnell genug darauf reagieren, müssen einmal mehr karitative Nichtregierungsorganisationen in die Bresche springen, um die schwächsten Glieder der Gesellschaft mit dem Nötigsten zu versorgen.

Hilfsorganisationen wie etwa das Rote Kreuz haben ihr wohltätiges Engagement in den letzten Monaten deutlich intensivieren müssen, um der wachsenden Zahl in Not geratener Menschen beistehen zu können. Auf der anderen Seite aber hat auch die Solidarität unter jenen Menschen zugenommen, die von der Krise nicht betroffen sind und die einen Beitrag leisten wollen, um das allgemeine Leid zu lindern.

Der wachsenden Armut haben die meisten Hilfsorganisationen daher mit einer zunehmenden Spendenfreudigkeit entgegentreten können. Ein Beispiel hierfür ist auch die seit 1999 bestehende Banco de Alimentos (dt. Lebensmittelbamk) aus Almería, die ihren Sitz in Roquetas hat. Dort verfügt das Hilfswerk über zwei große Lagerhallen, von denen jedes Jahr mehr als 3.000 Tonnen vor allem nicht verderblicher Grundnahrungsmittel ausgeliefert werden.

Von der Hilfsorganisation werden jedes Jahr mehr als 3.000 Tonnen an Grundnahrungsmittel ausgeliefert.

Mit der Lebensmittelbank kooperieren an die 200 karitative Vereinigungen aus der gesamten Provinz Almería. Diese holen in der Regel die Nahrungsmittel in Roquetas ab und verteilen sie an die Bedürftigen. Mitunter sind es aber auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Banco de Alimentos, die die Lebensmittel ausliefern, zum Beispiel an Nonnekongregationen, die Armenküchen oder Seniorenheime betreiben. Im vergangenen Jahr wurden von der Organisation an die 47.000 Personen unterstützt, zumeist Familien mit Kindern.

Banco de Alimentos führt immer wieder große Sammelaktionen durch

In ihre Lagerhallen kommen die von Banco de Alimentos ausgeteilten Lebensmittel auf ganz verschiedenen Wegen. Recht bekannt sind die großen Sammelaktionen der Organisation wie die Gran Recogida oder die Operación Kilo, die regelmäßig in Supermärkten und Einkaufszentren organisiert werden, wo Kunden ihren Einkauf dazu nutzen können, um an der Kasse für das Hilfswerk nicht verderbliche Lebensmittel zu deponieren.

Immer wieder koopieren vielerorts auch Firmen und Institutionen mit Banco de Alimentos, in dem sie den Spendern von Lebensmitteln mit Vergünstigungen danken. In der Provinz Almería gewährt zum Beispiel die Hotelkette Senator Hotels aus Roquetas den Besuchern des von ihr betriebenen Freizeitparks Oasys in Tabernas hin und wieder freien Eintritt gegen Lebensmittelspenden.

Der Öffentlichkeit weniger bekannt ist indes die Unterstützung, die Banco de Alimentos von Seiten der staatlichen Behörden erhält. Das spanische Landwirtschaftsministerium zum Beispiel lässt dieser Hilfsorganisation wie auch dem Roten Kreuz im Rahmen eines EU-Hilfsprogramms drei Mal pro Jahr riesige Ladungen mit Grundnahrungsmitteln inclusive Babynahrung zukommen. Die letzte Lieferung an Banco de Alimentos und Rotes Kreuz, die Anfang Mai erfolgte, bestand aus insgesamt 1.200 Tonnen Lebensmitteln.

Neben Banco de Alimentos teilt auch das Rote Kreuz Lebensmittel an unter Armut leidende Familien aus.

Spenden erhält das Hilfswerk außerdem regelmäßig unter anderem von Supermärkten, die etwa kurz vor dem Ablauf des Verfallsdatums stehende Nahrungsmittel abgeben, oder auch von Hotels und Restaurants, die nicht verbrauchte Lebensmittel überlassen. Zu guter Letzt kauft die Organisation auch selbst ein, mit den Einnahmen aus Geldspenden oder auch aus den freiwilligen Beiträgen ihrer Mitglieder.

Corona-Krise beschert der Lebensmittelbank zusätzliche Spenden

Während des Notstands hat Banco de Alimentos sogar auf mehr Spenden als sonst bauen können. So erweiterte zum Beispiel die Supermarktkette Mercadona, die außerdem noch acht Armenküchen aus der Almería unterstützt, ihre regelmäßigen Lieferungen an die Organisation. Das Energieunternehmen Endesa wiederum ließ dem Hilfswerk für die Bewohner verschiedener Armutsviertel aus der Provinz 25.000 Kilo an Lebensmitteln zukommen. Solidarisch zeigten sich auch zwei Fischervereinigungen, Del Barco a la Mesa und OPP71, die zusammen 2.800 Kilo Fisch spendeten.

Außerordentliche finanzielle Zuwendungen hat die Organisation während der Corana-Krise auch von seiten der öffentlichen Hand erhalten. Die Provinzregierung Almerías übergab dem Banco de Alimentos unlängst 50.000 Euro. Und die andalusische Landesregierung ließ allen Lebensmittelbanken aus der Region sowie jene der beiden spanischen Enklaven in Nordafrika, Ceuta und Melilla, zusammen eine Million Euro zukommen.

Mit Lebensmitteln zur Verteilung und Geld zur Deckung laufender Kosten mehr oder weniger gut versorgt, stand die Hilfsorganisation während der Pandemie jedoch vor einem anderen Problem. Woran es ihr mangelte war an Personal, da die Mitarbeiter und freiwilligen Helfer größtenteils Rentner sind, die hinsichtlich des Coronavirus zur besonders gefährdeten Risikogruppe gehören. Die Rettung brachte die Brigade der in Viator stationierten Fremdenlegion, die für Lagerarbeiten und Auslieferungen wiederholt Soldaten zur Verfügung stellte.

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