Menschen sitzen an Tischen und öffnen Lunch-Pakete
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Während der Corona-Pandemie hat Almerías Jugendherberge den Obdachlosen als Unterschlupf gedient.

Armut in Spanien

Coronavirus in Almería: Jugendherberge dient Obdachlosen als Zuflucht

  • vonJosé Antonio Nieto
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Bleib zu Hause: Die Maxime der Coronavirus-Pandemie, um die Infektionskurve zu biegen, dürfte den auf der Straße lebenden Menschen wie blanker Hohn erscheinen.

  • Städtisches Aufnahmezentrum für Obdachlose ist während des Notstands permanent ausgebucht gewesen.
  • Andalusische Regierung hatte Jugendherberge als alternatives Refugium zur Verfügung gestellt.
  • In beiden Gebäuden sind seit Mitte März mehr als 300 Personen betreut und versorgt worden.

Almería - Die Coronavirus-Pandemie hat neben der sanitären Krise auch eine wirtschaftliche und eine soziale Krise mit sich gebracht. Die Notlagen haben sich quasi im ganzen Land verschärft. Davon ist auch die Provinz Almería nicht verschont geblieben. Ein Kollektiv, das ganz besonders auf staatliche Hilfe angewiesen ist, dürfte jenes der Obdachlosen sein. Auf der Straße lebend und zumeist ohne Möglichkeiten zur Einhaltung einer strikten Hygiene sind sie in höherem Maße der Gefahr einer Infektion mit Sars-Vov-2 ausgesetzt.

In Almería können die Obdachlosen im Centro Municipal de Acogida nicht nur warme Mahlzeiten zu sich nehmen, sondern auch eine Unterschlupf für die Nacht finden. Die Kapazitäten des Aufnahmezentrums sind jedoch begrenzt. Höchstens 70 Personen können dort unterkommen. Die Zahl der Menschen, die seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Almería ein Dach über dem Kopf gesucht haben, überstieg die Kapazitäten allerdings deutlich. Der Mangel konnte indes behoben werden und zwar mit der örtlichen Jugendherberge.

Vor dem Betreten des Aufnahmezentrums müssen sich die Obdachlosen die Hände desinfizieren.

Die andalusische Regierung hatte schon am 18. März, nur wenige Tage nach der Ausrufung des Notstands, sieben ihrer insgesamt 20 Jungendherbergen in der Region (Alberges Inturjoven) den jeweiligen Rathäusern zur Unterbringung von Obdachlosen zur Verfügung gestellt. Die Herbergen in Almería, Jaén, Jérez de la Frontera (Cádiz), Punta Umbría (Huelva), Viznar (Granada), Torremolinos (Málaga) und Constantina (Sevilla) vereinen immerhin 832 Schlafplätze auf sich. Nur für die Betreuung und Versorung der Obdachlosen müssten die Kommunen selbst aufkommen.

Die Stadt Almería nahm das Angebot der Landesregierung an und verfügte so über ein zweites Zentrum zur Aufnahme von Obdachlosen. Die 70 Plätze des Centro Municipal de Acogida sind seit Mitte März mit den üblichen dort ein Dach suchenden Personen belegt gewesen. Wobei sie von der Leitung des Zentrums gebeten wurden dort die ganze Zeit über zu bleiben, statt ein- und auszugehen. Dadurch sollte verhindert werden, dass sie womöglich das Coronavirus einschleppen und dort unter den übrigen Obdachlosen und ihren Betreuern verbreiten.

In der Jugendherberge konnten auch Obdachlose von außerhalb unterkommen

Angesichts der restlosen Ausfüllung des Centro Municipal de Acogida diente die vom Land bereitgestellte Herberge, die bis zu 77 Schlafplätze aufweist, als willkommene Reserve. Über fehlende Kundschaft hat sich das städtische Sozialamt auch dort nicht beklagen müssen, wobei die Rotation dort weitaus höher gewesen ist. Was daran liegt, dass das Angebot Obdachlose nicht nur aus der Stadt Almería sondern auch aus umligenden Gemeinden und sogar aus benachbarten Provinzen anlockte.

In der 77 Plätze aufweisenden Jugendherberge sind über 200 Obdachlose zeitweilig untergekommen.

In den etwas mehr als zwei Monaten, seit die Jugendherberge zur Aufnahme von Obdachlosen eröffnet wurde, haben sich dort bereits an die 230 Personen zeitweilig aufgehalten. Diese konnten dort nicht nur essen und schlafen, sondern wurden auch über die Möglichkeiten finanzieller staatlicher Hilfen informiert oder bei der Wohnungssuche beraten, um ihre gesellschaftliche Wiedereingliederung zu ermöglichen. Nun aber, wo die Nachfrage zunehmend abebbt und die Kapazitäten des Centro Municipal de Acogida bald wieder ausreichen könnten, soll die Jugendherbere vorausichtlich in der ersten Junihälfte wieder schließen, um wieder ihrem eigentlich Zweck zugeführt zu werden.

Almerías Bürgermeister hat das städtische Aufnahmezentrum besucht

Das reguläre Aufnahmezentrum für Obdachlose hat Almerías Bürgermeister Ramón Fernández jüngst aufgesucht, um dem Leiter Juan José Martínez und allen weiteren dort beschäftigten Mitarbeitern des städtischen Sozialamtes für ihren Einsatz zu danken. “Wir sind sehr stolz auf euer Engagment und das Rathaus wird weiterhin dafür einstehen, dass unsere Stadt für die sozialen Notlagen sensibel bleibt, erklärte der Bürgermeister während seiner Visite. In der gegenwärtigen Krisensituation sole nämlich niemand zurückbleiben müssen.

“Da wir als kommunale Administration im Gesundheitswesen keine Kompetenzen haben, war uns klar, dass wir uns in der Corona-Krise auf deren soziale Aspekte würden konzentrieren müssen”, bekundete Ramón Fernández. Die Stadt habe während des Notstands auch schon 600.000 Euro in soziale Sondermaßnahmen investiert, versichert der Bürgermeister. Außerdem habe das Rathaus bereits elf Kooperationsabkommen abgeschlossen mit Vereinigungen, die behinderte Menschen betreuen oder sich um chronisch krabke Personen kümmern. Neun weitere solcher Abkommen sollen noch vereinbart werden.

Die sozialen Hilfen seien jetzt noch notwendiger denn je, meint Almerías Bürgermeister, der diesbezüglich auch noch einen Appell an die spanische Zentralregierung richtet. “Diese soll uns erlauben, unseren Haushaltsüberschuss komplett investieren zu können”, fordert Ramón Fernández. Darauf drängen in der aktuellen Krisensituation immer mehr Städte und Gemeinden, denn bislang können die Kommunen nur über einen Teil ihrer erwirtschaften Etatüberschüsse frei verfügen.

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