Drei Minister der andalusischen Regierung während einer Pressekonferenz.
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Die neuen Corona-Restriktionen sind auf der Pressekonferenz nach der letzten Kabinettssitzung erläutert worden.

Steigende Infektionsrate

Coronavirus in Andalusien: „Dritte Welle“ zwingt zu verschärften Regeln

  • vonJosé Antonio Nieto
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In Andalusien steigen die Infektionszahlen weiter ungebremst an. Die Landesregierung spricht bereits von einer dritten Infektionswelle: Die Corona-Restriktionen werden vielerorts verschärft.

  • In Granada soll, wenn die Justiz dem zustimmt, eine nächtliche Ausgangssperre angeordnet werden.
  • In Sevilla, Cordoba und Jáen sind die Corona-Regeln wie in 13 weiteren Ortschaften verschärft worden.
  • Atemschutzmasken sollen fortan auch in Gaststätten und beim Sport treiben anbehalten werden.

Update, 30. Oktober: In Andalusien sind am 30. Oktober 5.202 Neuinfizierte registriert worden. Während der letzten 24 Stunden sind in der Autonomieregion 31 Personen an Covid-19 gestorben.

Autonome GemeinschaftAndalusien
Fläche87.268 Quadratkilometer
Einwohner8,43 (Stand 2019)
Hauptstadt Sevilla

Update, 25. Oktober: In Andalusien sind am 24. Oktober 3.378 Neuinfizierte registriert worden, nachdem am Vortag bereits mit 3.503 Infektionsfällen ein neuer Höchstwert seit Beginn der Corona-Pandemie erreicht worden war. Von den 3.378 Neuinfizierten wurden mehr als die Hälfte aus Sevilla und Granada vermeldet, während die sechs übrigen Provinzen, angeführt von Córdoba und mit Huelva als Schlusslicht, alle mehr oder weniger deutlich unter 400 blieben. Die Zahl der Corona-Infizierten, die zurzeit in einem Krankenhaus der Region behandelt werden müssen, durchläuft eine noch negativere Entwicklung. Am 24. Oktober stieg sie um 155 auf nunmehr 1.949 an. Die Zahl der Covid-Patienten, die auf die Intensivstationen der Hospitäler verlegt werden mussten, nahm im Vergleich zum Vortag ebenfalls zu und zwar um sieben auf 226.

Zu der neuesten Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Spanien.

Zu der bisherigen Entwicklung der Corona-Pandemie in Andalusien.

Der Sprecher der andalusischen Regierung, Elias Bendodo, glaubt, dass Andalusien bereits von einer dritten Infektionswelle ergriffen ist. Nach einer etwas schwächeren zweiten Welle im Sommer sei die dritte Infektionswelle hinsichtlich der Geschwindigkeit der Verbreitung des Virus und der Entwicklung der Patientenzahlen ähnlich aggressiv wie die erste Welle im Frühjahr. Weshalb die Landesregierung die Zügel noch straffer anziehen will. So hat sie für alle andalusischen Gemeinden, in denen ab dem heutigen Tag verschärfte Corona-Restriktionen gelten (siehe unten), eine Limitierung der sozialen Treffen auf sechs Personen beschlossen, und zwar sowohl im Freien als auch in geschlossenen Räumen. Für die gesamte Region galt dies bislang lediglich als Empfehlung. Für die Stadt Granada und 32 Gemeinden in ihrem Einzugsgebiet hat die andalusische Regierung außerdem eine am 26. Oktober in Kraft tretende Abschottung angeordnet, wie sie in Ecija (Sevilla) bereits gilt.

Coronavirus in Andalusien: Sorgen bereiten vor allem Gebiete im Norden der Region

Erstmeldung 23. Oktober: Sevilla – Die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Andalusien ist wenig verheißungsvoll. Wobei den Gesundheitsbehörden der Region vor allem die nördlichen Provinzen Sorgen bereiten, in denen die meisten Fallzahlen jene der Provinzen an der Küste deutlich überschreiten. Am 22. Oktober wurden andalusienweit 2.954 Neuinfizierte vermeldet, nach den 3.442 vom Vortag, der zweithöchste Wert seit Ausbruch der Pandemie. Mit Abstand die meisten wurden wieder einmal in Sevilla mit 799 sowie in Granada mit 786 registriert. Unter ferner liefen folgten Málaga mit 306, Jaén mit 265, Córdoba mit 255, Cádiz mit 203, Huelva mit 178 und Almería mit 162 Infektionsfällen.

Im Verlauf der letzten Woche sind in Andalusien 128 Corona-Ausbrüche registriert worden, wobei auch hier die Tendenz steigend ist, denn in der Woche zuvor waren es noch 112 Ausbrüche mit 858 involvierten Personen gewesen. Die meisten Infektionsausbrüche erfolgen dort, wo sie die verheerendsten Auswirkungen mit sich bringen, nämlich in den Seniorenresidenzen. Mit ein Grund dafür, dass auch die Sterbefälle in der Region stark zunehmen. Allein am 22. Oktober sind wieder 44 Todesopfer zu beklagen gewesen, trauriger Spitzenwert der zweiten Infektionswelle. Mit dem Beginn des akademischen Studienjahres häufen sich auch die Corona-Ausbrüche in Studentenwohnheimen. Und auch in Krankenhäusern wie jenen in Granada, Jérez de la Frontera (Cádiz) oder Córdoba konnten zuletzt Ausbrüche nicht verhindert werden.

Coronavirus in Andalusien: Krankenhäuser beginnen Operationen zu verschieben

In den Krankenhäusern der Region spitzt sich die Lage ohnehin immer weiter zu. Mittlerweile befinden sich 1.675 Covid-Patienten in stationärer Behandlung, 455 mehr als sieben Tage zuvor. Von diesen befinden sich 201 auf der Intensivstation, das sind 35 mehr als noch vor einer Woche. Dennoch ist die Krankenhausauslastung mit der einzige Wert in dem Andalusien auch im nationalen Vergleich richtig gut abschneidet, denn nur 11,27 Prozent aller Krankenhausbetten und 15,63 Prozent der Intensivbetten sind mit Corona-Infizierten belegt. Und die Kapazitäten der Intensivstationen aller andalusischen Krankenhäuser sind derzeit auch nur zu 51,3 Prozent ausgeschöpft. Dennoch haben einige Krankenhäuser, in denen die Belastung überdurchschnittlich ist, bereits begonnen Operationen, ausgenommen Krebs- und Notoperationen, zu verschieben, wie etwa das Hospital Virgen del Rocío in Sevilla, das Hospital Puente Genil in Córdoba oder das Hospital San Cecilio in Granada.

Eine klar steigende Tendenz weist in Andalusien nicht zuletzt auch die Infektionsrate auf. Jene der letzten sieben Tage ist mit 13.653 Neuinfizierten auf 162,2 pro 100.000 Einwohner angestiegen und jene der letzten 14 Tage hat sich mit 26.276 Neuinfizierten auf 312,28 pro 100.000 Einwohner erhöht. Womit sie sich dem landesweiten Mittelwert von 348,99 bereits stark angenähert hat, während sie noch vor wenigen Woche nicht einmal die Hälfte des nationalen Durchschnitts erreichte. Im regionalen Vergleich liegen die Provinzhauptstädte Sevilla mit 340, Córdoba mit 387 und Jaén mit 466 über dem andalusischen Mittelwert. Während die Stadt Granada mit einer Infektionsrate von 907 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner in den letzten 14 Tagen sogar schon in einer anderen Liga spielt.

Coronavirus in Granada: Uni-Campus bleibt weiterhin zu - Unterricht erfolgt online

Die am 13. Oktober angeordnete Schließung des Campus der Universität von Granada, eine präventive Maßnahme die zum Ende dieser Woche abgelaufen wäre, ist von der andalusischen Regierung am 22. Oktober denn auch verlängert worden. Zehn weitere Tage werden die rund 60.000 Studenten der Hochschule ohne Präsenzunterricht auskommen und mit Online-Vorlesungen Vorlieb nehmen müssen. Die nächtliche Sperrstunde, die für die Bewohner der Studentenwohnheime verfügt worden war, möchte die Landesregierung nun sogar auf die gesamte Bevölkerung ausweiten und zwar nicht nur der Stadt Granada, sondern auch der 32 Gemeinden in ihrem Speckgürtel. Von 23 bis 6 Uhr sollen die Einwohner ihre Häuser nur mit einem triftigen Grund wie Arbeit oder Arztbesuch verlassen können. Allerdings ist sich die Koalition von PP und Ciudadanos nicht ganz sicher, ob sie das rechtlich überhaupt darf, weshalb sie vorsichtshalber erst eine Anfrage an den den Obersten Andalusischen Gerichtshof (Tsja) gerichtet hat. Erst wenn das Tribunal, das seinen Sitz kurioserweise in Granada hat, die Initiative absegnet, wird sie das Kabinett des Ministerpräsidenten Juanma Moreno auch umsetzen können.

Bevor die Restriktionen für weitere Städte und Gemeinden beschlossen wurden, hatte der Ministerpräsident Juanma Moreno (M.) das Corona-Krisenkabinett versammelt.

Die sonstigen Coronavirus-Restriktionen waren für den Großraum Granada bereits am 16. Oktober verschärft worden. Seither gelten in der Stadt samt ihrem Einzugsgebiet, wie zuvor auch schon in Casariche (Sevilla), Ecija (Sevilla), Linares (Jaén), Sierra de Yeguas (Málaga) und Almodóvar del Río (Córdoba) folgende Regeln:

  • Geschäfte und Gaststätten dürfen ihre Kapazitäten nur zu 50 Prozent ausschöpfen und maximal bis 22 Uhr öffnen (ausgenommen sind Apotheken und Tankstellen). 
  • In Bars und Restaurants Dürfen an Tischen höchstens sechs Personen zusammenkommen und darf nicht am Tresen bedient werden. 
  • Parkanlagen und Kinderspielplätze müssen geschlosen bleiben. 
  • In Seniorenresidenzen und Behindertenheimen sind Besuche untersagt.
  • Bei Beerdigungen und Totenwachen dürfen im Freien maximal 15 und in geschlossenen Räumen höchsten zehn Personen zusammenkommen.
  • Hochzeiten, Kommunionen und anderen Familienfeiern dürfen höchstens 30 Personen beiwohnen.
  • Freizeit- und Kulturvereine müssen ihre Aktivitäten einstellen.
  • Sport darf nur in Gruppen mit maximal sechs Personen ausgeübt werden. 
  • Wochenmärkte dürfen nicht veranstaltet werden.

Diese strengeren Corona-Regeln sind nicht nur für diese fünf Ortschaften verlängert worden, sondern werden ab dem 25. Oktober noch in weiteren Städten und Gemeinden gelten. Davon betroffen sind allen voran die andalusische Hauptstadt Sevilla sowie die beiden Provinzhauptstädte Córdoba und Jaén, aber auch noch 13 weitere Gemeinden und zwar Los Gallardos, (Almería), Teba (Málaga), Baeza und Quesada (beide in der Provinz Jaén), sowie Castillo de la Guardas, Utrera, Badatolosa, Estepa, Gilera, Herrera, La Roda de Andalucía, Lora de Estepa und Marinaleda (alle in der Provinz Sevilla). Die Mobilität ist in den 16 Städten und Gemeinden indes nicht eingeschränkt worden, das heißt in diese hinein oder aus diesen hinaus wird man weiterhin ungehindert dürfen. Die einzige abgeschottete Ortschaft in Andalusien ist und bleibt daher die Kleinstadt Ecija (Sevilla), für welche die Isolierung, die zunächst nur bis zum 25. Oktober gelten sollte, außerdem für weitere zehn Tage verlängert worden ist.

Coronavirus in Andalsuien: Stichprobenartige Massentests in 23 Ortschaften

In den drei Provinzhauptsädten Sevilla, Córdoba und Jáen sowie den 13 weiteren Gemeinden, in denen die Corona-Restriktionen verschärft worden sind, will die Landesregierung darüber hinaus stichprobenartige Massentests durchführen lassen, um sich ein genaueres Bild von der aktuellen epidemiologischen Entwicklung machen zu können. Diese freiwilligen Tests, für welche die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und per SMS einberufen werden, sollen auch noch in den Ortschaften Almáchar und Cuevas de San Marcos (Málaga) Aguilar de la Frontera (Córdoba), Sierra de Segura und Guarromán (Jaén) sowie in Estepa und Pedrera (sevilla) realisiert werden. Zu guter Letzt hat das Kabinett des Regierungschefs Juanma Moreno auf seiner jüngsten Sitzung am 22. Oktober auch noch eine Modifizierung der allgemeinen, seit 15. Juni in Andalusien geltenden Maskenpflicht beschlossen. Und zwar dahingehend, dass Atemschutzmasken ab dem heutigen Tag fortan an auch in Gaststätten und auf deren Außenterrassen am Tisch anbehalten werden müssen, solange man nicht gerade etwas isst oder trinkt. Auch beim Sport treiben muss man sie künftig tragen, wenn man dies in Gegenden tut, in denen viele Menschen zusammenkommen und man den Mindestabstand zu diesen nicht einhalten kann.

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