Eine Kellnerin mit Schutzmaske trägt ein Tablett mit einem Cocktail.
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Andalusien hat die Corona-Auflagen verlängert. Schuld ist die steigende Inzidenz.

Infektionszahlen steigen wieder

Coronavirus in Andalusien aktuell: Inzidenz steigt, Auflagen werden verlängert

  • José Antonio Nieto
    vonJosé Antonio Nieto
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In Andalusien ist der ursprünglich vorgesehene Zeitplan für eine schrittweise Deeskalation bereits überholt. Wegen der wieder ansteigenden Inzidenz mussten weitere Lockerungen der Corona-Restriktionen hinausgezögert werden. Dafür kommt aber die Impfkampagne immer besser in die Gänge.

Update; 8. Juni: Der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno hat Touristen aus anderen spanischen Regionen die Möglichkeit in Aussicht gestellt, sich während eines Urlaubs in Andalusien impfen zu können. Ein noch ausstehender Impftermin soll keinen Spanier von einem Urlaub in Andalusien abhalten, nur könnten dafür die jüngeren, noch nicht geimpften Andalusier etwas länger auf ihren Termin warten müssen. Neu eingeführt hat die Landesregierung derweil auch schon den EU-Impfpass, der wiederum geimpften Andalusiern das Reisen erleichtern soll. Personen ab 65 Jahren, die bereits komplett geimpft sind, sollen ihn nach Hause zugestellt bekommen, jene unter 65 Jahre sollen ihn ab kommender Woche beantragen können. Vollständig geimpft sind in Andalusien bereits 1.975.193 Personen, was 23,3 Prozent der Bevölkerung entspricht.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
Bevölkerung8,427 Millionen (2019)
HauptstadtSevilla

Während die Impfkampagne derzeit die guten Nachrichten liefert, sorgt die epidemiologische Entwicklung wieder für zunehmendes Kopfzerbrechen. Die 14-Tages-Inzidenz steigt in der Region weiter an und liegt bereits bei 189,3 (Stand 8. Mai). Ein mittleres Infektionsrisiko mit einer Inzidenz zwischen 50 und 150 weisen nur noch die Provinzen Almería und Cádiz auf. In Málaga, Granada, Córdoba und Sevilla gilt ein hohes Infektionsrisiko, während Jáen zuletzt sogar - wie zuvor auch schon Huelva - die Schwelle zum extremen Risiko überschritten hat, die bei 250 liegt. Angestiegen ist zuletzt auch wieder die Zahl der Covid-Patienten in den andalusischen Krankenhäusern, die aktuell bei 791 liegt. Weiter rückläufig ist hingegen die Zahl der Corona-Infizierten in Intensivbehandlung, die mittlerweile auf 164 abgefallen ist.

Corona in Andalusien: Nur noch eine Gemeinde abgeriegelt

Von den drei Gemeinden, die von der andalusischen Regierung Mitte vergangener Woche wegen einer 14-Tages-Inzidenz über 1.000 abgeschottet worden waren, ist mittlerweile indes nur noch eine abgeriegelt, und zwar die Gemeinde La Algaba in der Provinz Sevilla. Im Falle der Gemeinde Bailén in der Provinz Jáen hatte die Justiz der Landesregierung wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Oberste Andalusische Gerichtshof erklärte die Maßnahme nämlich für ungültig, so wie er es zuvor auch schon bei der Abriegelung von Montefrio in der Provinz Granada getan hatte. Von sich aus hatte die Landesregierung auch die Abriegelung von La Campana in der Provinz Sevilla vor einigen Tagen wieder aufgehoben, in diesem Fall aber weil die Infektionszahlen zwischenzeitlich wieder deutlich zurückgegangen waren.

Erstmeldung: 3. Juni: Sevilla - In die zweite Phase des dreistufigen Deeskalationsplans, mit dem die Coronavirus-Restriktionen nach und nach gelockert werden sollen, hätte Andalusien eigentlich schon am 1. Juni eintreten müssen. Weil die Infektionszahlen aber ihren Abwärtstrend gebremst hatten, war der Verbleib in der ersten Phase verlängert worden, zunächst um eine Woche. Am Dienstag dieser Woche trat schließlich das Expertenkomitee zusammen, das die Landesregierung in der sanitären Krise berät, um die aktuelle epidemiologische Entwicklung zu analysieren. Da sich die Tendenz zuletzt umgekehrt hat und die Infektionszahlen nun sogar ebenso wie die Inzidenz ansteigen, musste Ministerpräsident Juanma Moreno schließlich verkünden, dass die seit dem Ende des nationalen Notstands am 9. Mai geltenden Corona-Regeln um eine weitere Woche, bis zum 15. Juni verlängert werden.

Corona in Andalusien: Auflagen je nach Inzidenz

Nach wie vor kann nach Andalusien eingereist werden, was auch für ausländische Touristen gilt- Geimpfte bald sogar ohne Test und Briten schon jetzt ohne Einschränkungen - und aus der Region auch ausgereist werden. Der Mobilität zwischen den acht andalusischen Provinzen sind ebenfalls keine Grenzen gesetzt. Lediglich Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern, die eine 14-Tages-Inzidenz über 1.000 aufweisen, werden abgeschottet. Zurzeit ist dies nur in drei Gemeinden der Fall, La Algaba und La Campana in der Provinz Sevilla sowie Bailén in der Provinz Jaén. In diesen drei Gemeinden müssen auch Gaststätten und nicht essenzielle Geschäfte geschlossen bleiben. Im Rest der Region können Bars und Restaurants bis Mitternacht Gäste bewirten. Pubs und Diskotheken dürfen sogar bis 2 Uhr öffnen. Eine nächtliche Sperrstunde gilt nicht mehr.

Die 14-Tages-Inzidenz ist in Andalusien wieder auf 178 (Stand 3. Juni) emporgeklettert, eine Woche zuvor hatte sie noch bei 164 gelegen. Immer weiter entfernt sich die Region von dem zurzeit rückläufigen Durchschnittswert in Spanien, der sich aktuell auf 118 beläuft. Das Gleiche gilt für die 7-Tages-Inzidenz, die landesweit bei 54 und in Andalusien bei 86 liegt. Recht groß sind indes die Unterschiede der Corona-Inzidenz innerhalb der Region, wobei sie momentan nur in der Provinz Almería noch im Sinken begriffen ist. Mit einer 14-Tages-Inzidenz von 72 steht diese auch mit Abstand am besten da. Ein mittleres Infektionsrisiko weisen neben Almería noch die Provinzen Cádiz (124), Málaga (140) und Córdoba (148) auf. Hoch ist das Infektionsrisiko hingegen in den Provinzen Granada (221), Sevilla (231) und Jaén (245), während Huelva mit einer Inzidenz von 269 sogar schon die Schwelle zum extremen Infektionsrisko überschritten hat.

Corona in Andalusien: Unterschiedliche Alarmstufen nach Bezirken

Von den insgesamt 34 andalusischen Gesundheitsdistrikten befinden sich derzeit zehn (fünf der Provinz Málaga, alle drei der Provinz Almería und zwei der Provinz Cádiz) in der Corona-Alarmstufe 1. Die nächst höhere Stufe gilt seit dem heutigen Donnerstag in 13 Distrikten, zwei weniger als zuletzt, und die Alarmstufe 3 in elf Distrikten, zwei mehr als bisher. In der höchsten Alarmstufe, der Stufe 4, befindet sich nach wie vor kein einziger Gesundheitsbezirk in Andalusien. Die Alarmstufen sind unter anderem für die Limitierung der Kapazitäten in der Gastronomie entscheidend. So dürfen in den Gaststätten der Ortschaften, die sich in der Alarmstufe 1 oder 2 befinden die Innenräume zu 75 Prozent und die Außenterrassen komplett belegt werden. Gilt Alarmstufe 3, können hingegen nur 50 Prozent der Innenräume und 75 Prozent der Terrassen ausgeschöpft werden. Die Zahl der Personen, die gemeinsam an einem Tisch sitzen dürfen, hängt ebenfalls von der Alarmstufe ab. In der Alarmstufe 1 dürfen drinnen bis zu acht und draußen bis zu zehn Personen zusammen sitzen, bei Stufe 2 maximal sechs drinnen und acht draußen und bei Stufe 3 höchstens vier beziehungsweise sechs.

Obwohl die Inzidenz in ganz Andalusien - mit der Provinz Almería als einzige Ausnahme – wieder ansteigt, schlägt sich dies in der Auslastung der Krankenhäuser kaum mehr nieder. Was vor allem daran liegt, dass mit fortgeschrittener Impfkampagne, in der die älteren Jahrgänge priorisiert werden, das Durchschnittsalter der Corona-Infizierten immer weiter zurückgeht. Das Gros der Infektionsfälle bilden zurzeit die 30- bis 64-Jährigen und das Durchschnittsalter der Intensivpatienten ist bis auf 55 gesunken. Aktuell befinden sich in den andalusischen Hospitälern noch 840 Covid-Patienten, 37 weniger als eine Woche zuvor. Von diesen müssen 206 auf der Intensivstation behandelt werden, 17 weniger als vor sieben Tagen. Die Höchststände waren jeweils Anfang Februar erreicht worden, mit 4.980 Patienten, 735 von ihnen in Intensivbehandlung. Aktuell sind auch nur noch 4,7 Prozent aller Krankenhausbetten und 10,9 Prozent der Intensivbetten mit Corona-Infizierten belegt.

Corona in Andalusien: Mehr als ein Fünftel der Einwohner komplett geimpft

Währenddessen nimmt die Impfkampagne immer mehr an Fahrt auf. In der letzten Maiwoche war mit 450.000 gesetzten Impfspritzen ein neuer Rekord aufgestellt worden. Lange wird dieser wohl nicht Bestand haben, denn in dieser Woche, in der 902.480 Impfdosen angeliefert worden sind, will man mit der Verabreichung von rund 800.000 Dosen bereits die nächste, fast doppelt so hohe Bestmarke aufstellen. Wofür die andalusischen Gesundheitsbehörden den „Plan Un Millón“ aktiviert haben, mit dem die Verabreichung von bis zu einer Million Impfdosen pro Woche angepeilt wird. Bislang sind in Andalusien 4.851.841 Impfspritzen gesetzt worden. 3.227.725 Einwohner haben zumindest schon eine erste Dosis erhalten und 1.730.220 Personen, was 20,44 Prozent der Bevölkerung enstpricht, haben ihren Impfprozess bereits abschließen können.

Aktuell werden in Andalusien bereits die Altersgruppen der 48- und 49-Jährigen geimpft. Nächste Woche sollen dann auch schon die 1974 und 1975 geborenen an die Reihe kommen. Die Impfung von Jugendlichen ist auch schon vorgesehen, nachdem der Impfstoff von Pfizer jüngst für Personen unter 16 Jahren zugelassen worden war. Im August sollen die 12- bis 15-Jährigen geimpft werden, um zum Start des neuen Schuljahres im September immunisiert zu sein. Mit den Kindern bis elf Jahre will man indes, für den Fall dass ein Vakzin für sie zugelassen werden sollte, bis zum Winter warten.

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