Ein Mann in Badehose und mit Schutzmaske spaziert am Ufer eines Strandes entlang.
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Zum Sommer sollte in Andalusien eine weitgehende Normalität zurückkehren. Im dreistufigen Deeskalationsplan befindet sich die Region aber noch immer in der Phase 1.

Deeskalation weiter gebremst

Coronavirus in Andalusien aktuell: Erneuter Anstieg der Inzidenz - Restriktionen wieder verlängert

  • José Antonio Nieto
    VonJosé Antonio Nieto
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Weitere Lockerungen der Corona-Auflagen sind in Andalusien einmal mehr aufgeschoben worden. Die Inzidenz steigt in der Region erneut an, ganz besonders unter jüngeren Menschen.

Update; 13. Juli: Die 14-Tages-Inzidenz hat in Andalusien bereits die bei 250 liegende Schwelle vom hohen zum extremen Infektionsrisiko überschritten. Aktuell liegt der Wert in der Region bei 298,1 (Stand 13. Juli). Die mit Abstand höchste Inzidenz weist die Provinz Málaga mit 482,2 auf. Am anderen Ende der Skala rangiert die Provinz Almería mit einer Inzidenz von 165,8. Über dem regionalen Mittelwert liegen außer Málaga noch die Provinzen Córdoba, Granada und Cádiz. Eine Inzidenz unter dem andalusischen Durchschnitt weisen neben Almería noch die Provinzen Sevilla, Huelva und Jaén auf. Die Zunahme der Infektionsrate wirkt sich auch negativ auf die Auslastung der Krankenhäuser aus. Die Zahl der Covid-Patienten in den Krankenhäusern der Region hat sich in den letzten sieben Tagen um 109 auf 633 erhöht. Jene der Intensivpatienten hat sich im Verlauf der letzten Wochen hingegen mit leichtem Auf und Ab bei 122 eingependelt.

Zur aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Andalusien.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
Bevölkerung 8,427 Millionen (2019)
HauptstadtSevilla

Coronavirus in Andalusien: Nachtleben besser halbwegs geregelt als total unkontrolliert

Der rasante Anstieg der Infektionszahlen in der Region geht wie auch im Rest des Landes vor allem auf die besonders hohen Infektionsfälle unter jungen Menschen zurück. Der andalusische Ministerpräsident hat dennoch erst am gestrigen Montag erneut erklärt, dem Nachtleben keinen Riegel vorschieben zu wollen, so wie es andere spanische Regionen wie zum Beispiel Katalonien bereits getan haben. Die jungen Menschen könne man – außer mit einer nächtlichen Ausgangssperre – nicht zu Hause einschließen, meint der Regierungschef. Und wenn sie so oder so Party machen werden, sei ein geregeltes Nachtleben in Pubs und Diskotheken den Massenansammlungen und Trinkgelagen in Parks oder an Stränden vorzuziehen, ist Moreno überzeugt.

Update; 7. Juli: Die Entwicklungstendenz der Corona-Fallzahlen hat sich in Andalusien wieder schlagartig geändert. Die 14-Tages-Inzidenz ist innerhalb von nur einer Woche von 163,8 auf 202,1 (Stand 6. Mai) empor geklettert. So hoch hatte der wert seit dem vergangenen April nicht mehr gelegen. In der noch weitgehend ungeimpften Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen beläuft sich die Inzidenz sogar auf 503. Spanienweit beträgt die 14-Tages-Inzidenz aktuell 225, unter den 20- bis 29-Jährigen liegt sie bei 717. Angesichts der in der Region wieder steigenden Infektionszahlen hat sich die Landesregierung am gestrigen Dienstag genötigt gesehen, die erste Phase ihres Deeskalationsplans erneut – bereits zum fünften Mal – zu verlängern, diesmal für weitere zwei Wochen. Einzige Änderung: Bars und Restaurants dürfen nun eine Stunde länger, bis 1 Uhr öffnen, ab Mitternacht aber keine weiteren Gäste mehr empfangen oder Bestellungen entgegennehmen.

Coronavirus in Andalusien: Restriktionen nicht gelockert, aber auch nicht verschärft

Davon abgesehen ist eine weitere Lockerung der Corona-Restriktionen abermals ausgeblieben. Deren Verschärfung zieht die andalusische Regierung trotz der negativen epidemiologischen Entwicklung aber auch nicht in Betracht. Von einer Schließung der Pubs oder Diskotheken, so wie es in Katalonien oder Kantabrien verfügt worden ist, will sie nichts wissen. Noch weniger von der Wiedereinführung einer nächtlichen Ausgangssperre, wie es von Kastilien-Leon gefordert wird und von Portugal bereits vollzogen worden ist. Stattdessen hat die Landesregierung die andalusischen Gemeinden angehalten, effektiver gegen nächtliche Trinkgelage vorzugehen, um derartige Massenansammlungen vor allem junger Menschen, bei denen jegliche Vorsichtsmaßnahmen über Bord geworfen werden, möglichst zu verhindern.

Von einer erneuten Verschärfung der Corona-Restriktionen will die Landesregierung bislang noch nichts wissen, weil sich die Auslastung der Krankenhäuser zurzeit noch in Grenzen hält. Von allen Krankenhausbetten sind nur 2,96 Prozent und von allen Intensivbetten 6,48 Prozent mit Corona-Infizierten belegt. Aktuell befinden sich in den Hospitälern der Region 524 Covid-Patienten, von denen 122 in kritischem Zustand auf der Intensivstation liegen. Im Vergleich zur Vorwoche sind die Patientenzahlen zwar leicht gesunken, zuletzt stiegen sie aber wieder an. Allerdings geht das Durchschnittsalter der Covid-Patienten in stationärer Behandlung aufgrund der voranschreitenden Durchimpfung der älteren Bevölkerung stetig zurück. Weshalb sich auch deren durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus nach und nach verringert und auch die Zahl der Infektionsfälle mit schweren Krankheitsverläufen tendenziell abnimmt.

Erstmeldung; 1. Juli: Sevilla – Erneut hat die andalusische Landesregierung ihre Pläne zur schrittweisen Lockerung der Coronavirus-Auflagen bremsen müssen. Der bereits mehrmals verschobene Übergang von der ersten in die zweite Phase des Deeskalationsplans war zuletzt für Ende Juni vorgesehen. Daraus wurde aber wieder nichts. Für den Eintritt in die nächste Phase waren nämlich zwei Prämissen vorgegeben worden: eine 14-Tages-Inzidenz unter 150 und weniger als 500 Covid-Patienten in stationärer Behandlung. Beide konnten noch immer nicht erfüllt werden. So sind die aktuellen Restriktionen vorerst bis zum 7. Juli verlängert worden. Was das Gaststättengewerbe, das eine erneute Verlängerung der Öffnungszeiten für Bars und Restaurants erhofft hatte, mit großer Bedauerung aufgenommen hat.

Coronavirus in Andalusien: Infektionszahlen rückläufig - Patientenzahlen ebenso

Entgegen dem aktuellen landesweiten Trend weisen die Corona-Fallzahlen in Andalusien zurzeit noch eine rückläufige Tendenz auf.  Sowohl die Infektions- als auch die Patientenzahlen sinken aber weiterhin nur sehr langsam ab. Die 14-Tages-Inzidenz ist in der Region im Verlauf der letzten Woche von 168,5 auf 163 (Stand 30. Juni) abgefallen. Damit nähert sie sich zunehmend dem nationalen Durchschnitt, der sich aktuell auf 117 beläuft. Eklatant sind indes die Unterschiede bei der Inzidenz innerhalb der Region.  Ein mittleres Infektionsrisiko weisen die Provinzen Almería (71), Jaén, (141), Cádiz (144) und Sevilla (147) auf. In Huelva (168), Málaga (174) und Granada (207) gilt hingegen ein hohes und in der Provinz Córdoba, in der die 14-Tages-Inzidenz bei 258 liegt, sogar ein extremes Infektionsrisiko.

Ganz ähnlich wie bei der Inzidenz verhält es sich mit dem Druck auf die andalusischen Krankenhäuser, der ebenfalls nur zaghaft abnimmt. Aktuell befinden sich in den andalusischen Hospitälern 521 Covid-Patienten, das sind 71 weniger als sieben Tage zuvor. Von diesen müssen 125 auf der Intensivstation behandelt werden, zwölf weniger als noch vor einer Woche. Die Auslastung der Krankenhäuser liegt jedoch schon sehr weit unter dem Niveau, das auf dem Höhepunkt der dritten Infektionswelle im vergangenen Februar erreicht worden war. So sind in Andalusien aktuell denn auch nur noch 2,91 Prozent aller Krankenhausbetten und 7,01 Prozent aller Intensivbetten mit Corona-Infizierten belegt. Was vor allem am erreichten Impfschutz unter den älteren Generationen liegen dürfte.

Coronavirus in Andalusien: Delta-Variante oder Nachtleben schuld an hoher Inzidenz?

Die jüngste Entscheidung der spanischen Zentralregierung, die allgemeine Maskenpflicht im Freien weitgehend aufzuheben, hat die andalusische Regierung, die eine Verwendung der Masken weiterhin immer und überall empfiehlt, scharf kritisiert. Höhnisch kommentierte der Landesgesundheitsminister Jesús Aguirre, dass man den Atemschutz dennoch mit sich führen muss, falls man in stärker frequentierte Gegenden gerät. In der Tasche hätten die Schutzmasken, soweit ihm bekannt sei, keine Effektivität, äußerte Aguirre. Für die relativ hohe Inzidenz in Andalusien muss es indes andere Gründe geben, da die Infektionsrate in der Region nicht zuletzt erst wieder angestiegen ist, sondern sich seit dem Ende des Notstands Anfang Mai auf einem hohen Niveau gehalten hat.

Die aus Indien stammende Delta-Variante, die in Spanien aktuell die Inzidenz wieder in die Höhe schießen lässt, scheint auch nicht die Ursache zu sein. Einzelne Fälle von Ansteckungen mit dieser Virusmutation sind zwar bekannt, die Gesundheitsbehörden versichern aber, dass sie sich in Andalusien, anders als in anderen spanischen Regionen, noch nicht unkontrolliert ausbreite. Alarmiert ist das Landesgesundheitsministerium aber, zumal die infektiösere und wohl auch aggressivere Delta-Variante in Gibraltar bereits die dominante Corona-Mutation ist. Nach dem Ausschlussprinzip könnte der Grund für die hohe Inzidenz in Andalusien schließlich sein, dass die Landesregierung das Nachtleben womöglich vorschnell aktivierte. Früher als andere spanische Regionen erlaubte sie Pubs und Diskotheken nämlich schon mit Ende des Notstands zumindest bis 2 Uhr zu öffnen. Und das Gros der Corona-Infizierten liefert in Andalusien momentan die Ü-30 Generation.

Ebenso im Rest des Landes, was auch der jüngste Massenausbruch auf Mallorca unterstreicht, der sich in Folge von Klassenfahrten zum Schuljahresabschluss ereignet hat. Unter den bislang über 1.600 Betroffenen aus ganz Spanien befinden sich auch 179 Jugendliche aus Andalusien. Aber nicht nur auf der Balearen-Insel haben sich andalusische Schüler massiv angesteckt, denn auch die Abschlussfahrten von Schulklassen aus Granada nach Coníl de la Frontera (Cádiz) brachten 21 Neuinfizierte hervor und jene von Schülern aus Sevilla nach Portugal endeten mit 36 positiven Corona-Tests. Weshalb der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno am gestrigen Mittwoch noch einmal einen eindringlichen Appell an die Jugendlichen gerichtet hat. Sie dürften nicht glauben, dass die Pandemie nichts mit ihnen zu tun habe und sie sich nicht zu schützen bräuchten. Selbst wenn sie nur in Ausnahmefällen ernsthaft an Covid erkranken würden, seien langfristige Nachwirkungen einer Infektion auch unter Jugendlichen keine Seltenheit.

Coronavirus in Andalusien: Keine Priorisierung der Jugendlichen in der Impfkampagne

Die Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen nun in der Impfkampagne vorzuziehen, wie es zum Beispiel in Katalonien erwogen wird, um die Proliferation des Coronavirus effektiver einzudämmen, zieht die andalusische Landesregierung allerdings nicht in Betracht. Das würde nämlich eine Verzögerung der Durchimpfung der 30- bis 39-Jährigen mit sich bringen, und diese stellen, eben weil noch ohne Impfschutz, zurzeit das Gros der Corona-Infizierten, die mit schwereren Krankheitsverläufen in ein Krankenhaus eingewiesen werden müssen. Stattdessen geht Andalusien im Impfplan nach wie vor strikt nach Alter vor. Aktuell ist man bereits bis zu den 36-Jährigen vorgestoßen. Die andalusische Landesregierung befürchtet jedoch, dass zuletzt erreichte Tempo bei der Durchimpfung im Juli nicht beibehalten, geschweige denn weiter erhöhen zu können. Weil in diesem Monat nämlich weit weniger Imfdosen ankommen könnten als noch im Juni.

Im vergangenen Monat wurden in Andalusien fast 3,47 Millionen Impfdosen ausgeliefert. Im Juli aber könnte sich ihre Zahl auf weniger als 1,58 Millionen reduzieren. Vakzine von AstraZeneca sollen gar keine mehr ankommen, da diese nur an Personen zwischen 60 und 69 Jahren verabreicht werden dürfen und diese Altersgruppe bereits weitgehend durchgeimpft ist. Janssen hat seine Lieferungen zurzeit vorübergehend eingestellt, während Pfizer und Moderna ihre Liefermengen reduzieren wollen. In der letzten Juni-Woche war in Andalusien mit über 750.000 verabreichten Impfdosen noch ein neuer Rekord aufgestellt worden. In dieser Woche könnte die Latte noch etwas höher gesetzt werden. Im weiteren Verlauf des Juli aber wird man das Tempo wohl notgedrungen drosseln müssen. Bislang sind in Andalusien 7.529.021 Impfspritzen gesetzt worden. Zumindest mit einer ersten Impfdosis teilimmunisiert sind aktuell schon 4.610.036 Andalusier. Und 3.170.853 Einwohner, was rund 37,5 Prozent der Bevölkerung entspricht, haben ihre Immunisierung bereits komplettiert.

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