Ein Kellner trägt zwei Stühle eines Restaurants weg.
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Zapfenstreich um 18 Uhr: Die aktuell in Andalusien geltenden Corona-Restriktionen wirken sich vor allem auf die Gastromomie negativ aus.

Für Lockerungen noch zu früh

Coronavirus in Andalusien: Restriktionen verlängert

  • vonJosé Antonio Nieto
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Die Infektionskurve beginnt in Andalusien abzuflachen und auch die Auslastung der Krankenhäuser nimmt derzeit ab. Trotzdem hat die Landesregierung die aktuellen Corona-Restriktionen bis zum 10. Dezember verlängert.

  • Zum 10. November verschärfte Corona-Restriktionen beginnen langsam ihre Wirkung zu entfalten.
  • Zunächst bis 24. November angekündigt, sind sie vorzeitig bis 10. Dezember verlängert worden.
  • Landesregierung beschließt Hilfspaket für krisengeplagte Selbständige und Kleinunternehmer.

Update, 27. November: Die Infektionsrate der letzten 14 Tage ist in Andalusien im Verlauf der letzten Woche stark gesunken und nähert sich mittlerweile auch dem landesweiten Mittelwert wieder an. Zurzeit liegt sie bei 356,2 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner (Stand 27. November), während sich der spanische Durchschnitt auf 325,5 beläuft. Noch am 20. November lag Andalusien mit einer Infektionsrate von 504,4 knapp über dem als sehr kritisch geltenden Grenzwert. Von den acht andalusischen Provinzen überschreitet nur noch Granada mit einem Wert von 528 diese bedrohliche Schwelle, während die Provinzhauptstadt mit einer Infektionsrate von 595,8 noch recht deutlich über dem Richtwert liegt. Rückläufig ist in Andalusien nach wie vor auch die Krankenhausauslastung. Die Zahl der Covid-Patienten in den Hospitälern der Region hat an den drei letzten Tagen jeweils spürbar abgenommen und beläuft sich aktuell auf 2.415. Weiter zurückgegangen ist auch die Zahl der Corona-Infizierten in Intensivbehandlung, die mittlerweile auf 478 gesunken ist, acht weniger als noch am Vortag.

Corona-Tests auf Rädern: Erhöhung der Testfrequenz mit acht Lastwagen - einer für jede Provinz

Die Covid-Schutzimpfung, die in Spanien freiwillig sein wird, hat der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre aus sozialer Verantwortung als moralische Pflicht bezeichnet – und die Corona-Leugnung als absurd. All jene, die die Pandemie nicht für wahr halten wollen, lädt der Gesundheitsminister ein, sich Mal in der Intensivstation irgendeines andalusischen Krankenhauses umzusehen Die Landesregierung erwägt Aguire zufolge außerdem die Einführung eines Corona-Impfpasses, dessen entsprechende Abstempelung zum Beispiel zum Reisen erforderlich sein könnte. Der andalusische Regierungschef Juanma Moreno wiederum hat am heutigen Freitag in Málaga einen der acht Lastwagen präsentiert, die ab der kommenden Woche als mobile Teststellen zur Durchführung von Antigen-Tests unterwegs sein werden. In jedem der acht Fahrzeuge, eines für jede andalusische Provinz, sollen pro Tag bis zu 700 Tests durchgeführt werden. Und sobald ein Impfstoff verfügbar ist, könnten sie auch für die Impfungen genutzt werden.

Acht von der Landesregierung angeschaffte Lastwagen, die als mobile Teststellen dienen sollen, werden ab der kommenden Woche in Andalusien unterwegs sein.

Update, 24. November: In Andalusien sind am 24. November 2.201 Neuinfizierte vermeldet worden, 746 mehr als am Vortag an dem indes mit 1.455 Neuinfizierten der niedrigste Wert seit Mitte Oktober registriert worden war. Ein wenig entspannt hat sich die Lage im Corona-Hotspot Granada, während derzeit die Entwicklung der Infektionszahlen in der Provinz Cadiz Anlass zur Sorge bereitet. In den Krankenhäusern der Region hat die Auslastung mit einem Anstieg der Covid-Patienten am Montag um 58 und am Dienstag um 48 wieder etwas zugenommen. Dafür ist die Zahl der Corona-Infizierten, die sich in den andalusischen Hospitälern in Intensivbehandlung befinden, weiter gesunken. Deren Zahl reduzierte sich von 501 am Sonntag auf 488 am Montag, um am Tag darauf unverändert zu bleiben. Für die tragischste Note in der Corona-Statistik sorgt derzeit zumeist die Bilanz der Todesfälle. Am 24. November starben 94 Personen mit Covid, zweithöchster Wert seit Ausbruch der Pandemie, nach den 95 Todesopfern, die am 10. November zu beklagen gewesen waren.

Coronavirus in Andalusien: Infektionsrate innerhalb von drei Tagen deutlich zurückgegangen

Ein Lichtblick stellt dagegen die Evolution der Infektionsrate der letzten 14 Tage dar, die seit Anfang November konstant über dem als sehr bedenklich geltenden Grenzwert von 500 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner gelegen hatte. Über das Wochenende ist der Richtwert nun endlich wieder unterschritten worden, denn die Infektionsrate ist von 504,4 am 20. November auf 451,56 am 23. November spürbar gesunken, auch wenn Andalusien damit noch klar über dem landesweiten Mittelwert liegt, der inzwischen regelrecht abgesackt ist auf 374,52. Dabei haben, was die Infektionsrate anbelangt, alle acht andalusischem Provinzen in den letzten Tagen eine positive Tendenz aufgewiesen. Über dem besorgniserregenden Grenzwert von 500 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner befinden sich nur noch die Provinzen Granada und Jaén, wobei der Rückgang gerade in Granada von 864,6 am vergangenen Freitag auf 771,3 am Montag dieser Woche besonders deutlich gewesen ist. Von den sechs Provinzen mit einer Infektionsrate unter 500 - Almería, Cádiz, Córdoba, Huelva, Málaga und Sevilla - weist Málaga mit 271,3 momentan den mit Abstand niedrisgten Wert auf.

Update, 22. November: Die aktuelle Evolution der Corona-Pandemie in Andalusien gibt Anlass zur Hoffnung. Die Zahl der Neuinfektionen ist in den letzten drei Tagen konstant gesunken: von 3.673 am Freitag auf 3.424 am Samstag und 2.420 am heutigen Sonntag. Und auch in den Krankenhäusern der Region beginnt sich die Situation etwas zu entspannen. In den letzten fünf Tagen hat sich die Zahl der Covid-Patienten stets reduziert. Aktuell liegt sie bei 2.727 (Stand 22. November), zwar noch immer über dem Spitzenwert der ersten Infektionswelle, der Ende März mit 2.708 erreicht wurde, aber doch deutlich unter dem am 10. November erreichten Höchststand mit 3.478 Covid-Patienten. Inzwischen zeigt auch die Belegung der Intensivstationen der Hospitäler mit Corona-Infizierten eine abnehmende Tendenz. Deren Zahl ist in den letzten drei Tagen ebenfalls nach und nach zurückgegangen bis auf 501. Am 19. November waren es noch 528 gewesen, bisheriger Rekord der Pandemie.

Verlängerung der Restriktionen - mit kleinen Zugeständnissen an Gastronomie und Handel

Die jüngste Entwicklung der Fallzahlen hat der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno zwar als positiv bewertet, für eine Lockerung der Corona-Restriktionen sei es indes noch zu früh. Nach einer Sitzung mit dem Expertenkomitee, das die Landesregierung in der sanitären Krise berät, hat der Regierungschef verkündet, dass die zunächst bis 24. November beschlossenen Restriktionen um 16 Tage verlängert werden. Bis 10. Dezember also werden Andalusien abgeschottet und alle Gemeinden der Region untereinander isoliert bleiben. Auch wird die nächtliche Sperrstunde von 22 bis 7 Uhr bis dahin fortgelten sowie die Limitierung der nicht essenziellen wirtschaftlichen Aktivitäten, einschließlich der nicht systemrelevanten Geschäfte und der Gastronomie. Allerdings mit zwei Ausnahmen: Bars und Restaurants dürfen bis 21.30 Uhr geöffnet bleiben, ab 18 Uhr - der bisherigen Sperrstunde - allerdings keine Gäste mehr im Lokal bewirten, sondern nur noch Essen und Getränke ausgeben. Und Spielzeuggeschäfte dürfen im Hinblick auf das bevorstehende Weihnachtsfest zwei Stunden länger, bis 20 Uhr geöffnet bleiben, nicht zuletzt auch um größere Kundenkonzentrationen in den Läden zu vermeiden .

Eine Neuregelung hat das Kabinett von Juanma Moreno auch für die Provinz Granada beschlossen, wo eine Differenzierung vorgenommen worden ist, weil die Infektionszahlen in den Gemeinden an der Küste zurzeit bei weitem nicht so hoch sind wie im Inland. Im Gesundheitsdistrikt Granada-Süd dürfen nicht systemrelevante Geschäfte und Gaststätten nun wie im Rest der Region wieder öffnen - zumindest bis 18 Uhr mit den oben genannten Ausnahmen. In den drei übrigen Gesundheitsdistrikten der Provinz - Granada-Stadt, Granada-Ballungsraum und Granada-Nordost -, müssen die nicht essenziellen wirtschaftlichen Aktivitäten hingegen weiter ruhen. Obwohl die Infektionsrate der letzten 14 Tage in Granada wie im übrigen Andalusien zuletzt konstant gesunken ist, liegt sie mit rund 800 Neuinfektion pro 100.000 Einwohner noch immer auf sehr hohem Niveau. Die epidemiologische Evolution Granadas soll indes in einer Woche wieder geprüft werden, um zu evaluieren, ob die besonderen, dort geltenden Corona-Restriktionen eventuell schon vor dem 10. Dezember etwas gelockert werden können.

Coronavirus in Andalusien: Verschärfte Restriktionen beginnen Wirkung zu zeigen

Erstmeldung, 19. Dezember: Sevilla – Seit acht Tagen sind in Andalusien wegen der Corona-Pandemie alle Gemeinden isoliert, dürfen nicht systemrelevante Geschäfte und Gaststätten nur bis 18 Uhr Kunden empfangen und gilt eine nächtliche Sperrstunde von 22 bis 7 Uhr – so lange wie in keiner anderen spanischen Region. Die verschärften Restriktion scheinen ihre erhoffte Wirkung nicht zu verfehlen, denn die Infektionskurve beginnt abzuflachen. Die Infektionszahlen erreichten in den letzten Tagen wiederholt Werte wie Mitte Oktober, bevor sie plötzlich sprunghaft anstiegen, als die zweite Welle schon abzuebben schien. Doch nicht alle Fallzahlen entwickeln sich zurzeit positiv. Die Krankenhäuser sind nach wie vor stark ausgelastet und die Zahl der Sterbefälle verzeichnet eine tragische Evolution.

Allein am 18. November sind in Andalusien 72 Personen mit Covid-19 verstorben, nachdem am Tag zuvor bereits mit 89 Todesopfern der zweithöchste Wert seit Ausbruch der Corona-Pandemie registriert worden war. Ein Auf und Ab verzeichnen derzeit die Zahlen der Covid-Patienten in den andalusischen Krankenhäusern und in den Intensivstationen der Hospitäler. Einer stationären Behandlung bedürfen derzeit 3.281 Covid-Patienten, mit zuletzt eher sinkender Tendenz. Von diesen befinden sich aktuell 528 in Intensivbehandlung, ein neuer Höchststand seit Beginn der Pandemie, da deren Zahl momentan noch weitaus öfter ansteigt als dass sie abnimmt. Laut dem andalusischen Gesundheitsministerium sind momentan 19,6 Prozent aller Krankenhausbetten und 32 Prozent aller Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt.

Coronavirus in Andalusien: Lage im Krisenherd Granada beginnt sich zu enstpannen

Was die täglich vermeldeten Infektionsfälle anbelangt, hat sich im regionalen Vergleich das Gefälle zwischen den einzelnen Provinzen deutlich verringert. In den vier Provinzen mit den höchsten Infektionsraten – Granada, Sevilla, Córdoba und Jaén – ist diese nämlich gesunken. Ganz besonders in Granada wo die Infektionsrate der letzten 14 Tage Anfang November mit 1.279 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner extrem hoch lag. Dank der dort besonders stark verschärften Corona-Restriktionen - Gaststätten und nicht systemrelevante Geschäfte dürfen in Granada gar nicht öffnen - konnte sie mittlerweile zumindest auf 1.033 reduziert werden. Auf der anderen Seite ist in den vier Provinzen, die in den letzten Wochen noch relativ gut da standen – Almería, Málaga, Cádiz und Huelva – die Infektionsrate zuletzt angestiegen. Vor allem Almería und Huelva nähern sich dem bedenklichen Grenzwert von 500 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern in den letzten 14 Tagen, den außer Granada auch noch Jaén, Córdoba und Sevilla mehr oder weniger deutlich überschreiten. Andalusienweit liegt die Infektionsrate bei 536,76 (Stand 18. November) und damit klar über dem nationalen Durchschnitt von 452,57. Mehr zur Entwicklung der Corona-Pandemie in Spanien.

Die eingangs erwähnten Restriktionen gelten in Andalusien noch bis einschließlich 23. November. Noch offen ist, ob sie über diesen Tag hinaus weiter beibehalten oder wieder aufgehoben werden. Für eine Lockerung stehen die Zeichen indes nicht gut, denn die jüngsten Aussagen von Kabinettsmitgliedern der Koalitionsregierung von PP und Ciudadanos deuten das Gegenteil an. Allen voran jene des Ministerpräsidenten Juanma Moreno. Den “leichten Rückgang” der Infektionszahlen bewertet Moreno als “noch nicht ausreichend”. Die Andalusier hat der Regierungschef außerdem zum Durchhalten animiert, denn angesichts des erwiesenen Gefahrenpotenzials des Coronavirus dürfe man sich keine Minute in Sicherheit wiegen. In ähnlicher Weise äußerte sich auch sein Vizepräsident Juan Marín, der sich dafür ausspricht, die Mobilität der Einwohner noch etwas länger zu beschränken, um ihnen zu Weihnachten, falls möglich, etwas mehr Freiheiten einräumen zu können. Eine endgültige Entscheidung über die Verlängerung der aktuellen Restriktionen wird am kommenden Sonntag erwartet, wenn das die Landesregierung beratende Expertenkomitee wieder zusammentritt.

Kompensation für Restriktionen: Landesregierung beschließt Hilfspaket für Kleinunternehmer

Was die andalusische Regierung bereits beschlossen hat, ist das vom Ministerpräsidenten Juanma Moreno unlängst versprochene Hilfspaket, das den Selbständigen sowie den kleinen und mittleren Betrieben aus der Corona-Krise helfen soll. Den Rettungsanker lässt sich die Landesregierung 667 Millionen Euro kosten, sieben Millionen mehr als ursprünglich angekündigt. Von der Gesamtsumme sollen 223 Millionen Euro als Direkthilfen ausbezahlt werden, 350 Millionen als Kreditbürgschaften und die restlichen 94 Millionen indirekt mittels Steuervergünstigungen den Nutznießern zugutekommen. Was die Direkthilfen anbelangt, sollen zehn verschiedene Subventionsprogramme aufgelegt werden, um Kleinunternehmer vor allem aus den Bereichen Handel und Gastronomie vor einer Pleite zu bewahren.

Der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno (2.v.l.) hat ein Hilfspaket der Landesregierung vorgestellt, das Kleinunternehmer vor dem Bankrott bewahren soll.

Eines dieser Programme sieht zum Beispiel Subventionen für Geschäfte und Lokale zur Zahlung ihrer Mieten vor. Wobei Bars und Restaurants, die mit Beschränkungen weiter funktionieren können, 1.200 Euro erhalten sollen, während Pubs und Diskotheken, die zurzeit gar nicht öffnen dürfen, 4.000 Euro zugestanden werden. Ein zweites Programm, das zur Kompensation von Einnahmeverlusten Subventionen in Höhe von 1.000 Euro verteilt, sieht an die 80.000 Nutznießer vor. Neben Gastwirten und Ladenbesitzern sollen davon unter anderem auch selbständige Friseure, Taxifahrer oder Rummelbetreiber profitieren. Weitere Subventionsprogramme werden etwa ambulanten und Online-Händlern zugutekommen, oder auch kleinen Industriebetrieben sowie Unternehmern aus dem Kultursektor.

Gastronomieverband lehnt Rettungsanker als unzureichend ab und kündigt weitere Proteste an

Das Hilfspaket der Landesregierung ist mit dem andalusischen Unternehmerverband CEA, dem Verband der selbständigen Unternehmer ATA sowie dem Verband der regionalen Handelskammern abgestimmt worden. Was dem Regierungschef Juanma Moreno eine harsche Kritik der Gewerkschaften UGT und CCOO eingebracht hat, die in die Verhandlungen nicht einbezogen worden sind. Als völlig unzureichend hat auch der andalusische Gaststättenverband Horeca die zugesagten Hilfen zurückgewiesen. Gastwirte könnten aus zwei der zehn Subventionsprogramme insgesamt höchstens 2.200 Euro erhalten, was viel zu wenig sei, um die negativen Konsequenzen der Corona-Restriktionen für den Sektor abzufedern. Für die Gastronomie, die mit rund 50.000 Unternehmen und etwa 300.000 Beschäftigten einer der produktivsten Sektoren der Region sei, fordert Horeca eine Direkthilfe von 340 Millionen Euro. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, hat der Verband für den 2. Dezember erneute Proteste angekündigt.

Kritik an dem Hilfspaket der Landesregierung hat auch die Oppositionsführerin Susana Diaz vorgebracht. Die Vorsitzende der andalusischen PSOE meint, dass den kleinen und mittleren Betrieben mit Kreditbürgschaften nicht gedient ist und sie vielmehr auf mehr Direkthilfen angewiesen sind. Juanma Moreno forderte seinerseits von der spanischen Zentralregierung, sein Hilfspaket mit einem weiteren in gleicher Höhe zu ergänzen und appellierte auch an die Städte und Gemeinden, Handel und Gastronomie mit kommunalen Subventionsprogrammen zu unterstützen.

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