Der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno hält während einer Pressekonferenz ein Blatt hoch.
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Übergang zur Normalität: Mit einem vom Ministerpräsidenten Juanma Moreno präsentierten Deeskalationsplan soll sie in Andalusien bis zum Sommeranfang erreicht werden.

Restriktionen gelockert

Coronavirus in Andalusien: Auf dem Weg zur neuen Normalität - wieder einmal

  • José Antonio Nieto
    vonJosé Antonio Nieto
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Mit einem dreistufigen Deeskalationsplan will die andalusische Landesregierung die Corona-Restriktionen nach und nach lockern. Während die vierte Infektionswelle weiter abflaut und die Impfkampagne immer besser in Gang kommt.

Sevilla - Der Ministerpräsident von Andalusien, Juanma Moreno, hat am gestrigen Donnerstagabend einen neuerlichen Deeskalationsplan vorgestellt, mit dem die Region - wie schon im vergangenen Sommer nach der ersten Coronavirus-Welle – in eine neue Normalität übergehen will. Der dreistufige Plan sieht zum 9. Mai, an dem der nationale Notstand endet, zum 1. Juni sowie zum 21. Juni eine schrittweise Erweiterung der Öffnungszeiten der Gastronomie sowie der Kapazitäten von Geschäften, Gaststätten, bei und in Transportmitteln vor.

Zur aktuellen Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Andalusien.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
HymneHimno de Andalucía
AutonomieSeit 11. Januar 1982

Schon in der ersten Phase, also ab dem 9. Mai, soll die nächtliche Sperrstunde, die aktuell noch von 23 bis 6 Uhr gilt, abgeschafft werden. Auch wird die Region ab diesem Tag nicht mehr abgeschottet sein, nachdem schon zum vergangenen Wochenende die Abriegelung der acht andalusischen Provinzen aufgehoben worden war. Einzig die Gemeinden mit einer 14-Tages-Inzidenz über 1.000 sollen isoliert bleiben – jene Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern automatisch, die kleineren hingegen nach Einschätzung der Gesamtlage. In diesen Gemeinden sollen auch Gaststätten und nicht systemrelevante Geschäfte nicht öffnen dürfen. Moreno räumt indes ein, dass in dieser Frage - ohne das die Grundrechtsbeschneidung limitierende Notstandsgesetz - die Justiz das letzte Wort haben wird.

Coronavirus in Andalusien: Kneipen dürfen länger, Discos dürfen wieder öffnen

In der ersten, am 9. Mai beginnenden und am 31. Mai endenden Deeskalationsphase gilt in Andalusien auch die Limitierung sozialer Treffen in Wohnungen nicht mehr. In Bars und Restaurants, die nun bis 24 Uhr anstatt bis 23 Uhr öffnen dürfen, werden indes auf den Terrassen höchstens zehn und in den Innenräumen maximal acht Personen zusammenkommen können. Wieder öffnen dürfen derweil Pubs und Diskotheken, und zwar sogar bis 2 Uhr. Tanzflächen können indes nur genutzt werden, wenn diese sich unter freiem Himmel befinden und auch bloß in den Gemeinden, die sich in der Alarmstufe 1 befinden, was aktuell noch nirgendwo in Andalusien der Fall ist. Hochzeiten, Kommunionen und sonstigen privaten Feiern dürfen schließlich bis zu 300 Gäste in geschlossenen Räumen und bis zu 500 im Freien beiwohnen.

Die Lockerung der Corona-Restriktionen in Andalusien geht einher mit einem zunehmenden Abflauen der vierten Infektionswelle, die ihren Zenit am 20. Februar erreicht hatte, als die 14-Tages-Inzidenz bei 259,2 gelegen hatte. Seither ist der Inzidenzwert stetig abgefallen, aktuell beläuft er sich auf 193,2 (Stand 6. Mai), womit er sich auch unter dem Mittelwert in Spanien befindet, der 202 beträgt. Und die 14-Tages-Inzidenz dürfte auch noch weiter zurückgehen, da die 7-Tages-Inzidenz bei 79,7 liegt.

Coronavirus in Andalusien: Granada mit höchster, Cádiz mit niedrigster Inzidenz

Die meisten Sorgen bereitet den Gesundheitsbehörden nach wie vor die Provinz Granada, wo die 14-Tages-Inzidenz zwar wie in allen anderen Provinzen auch rückläufig ist, bei einem Wert von 368,7 allerdings noch ein extremes Infektionsrisiko gilt. Weitaus besser schneidet die Provinz Cádiz ab, die mit einer Inzidenz von 113,9 am besten da steht. Womit sie der Provinz Málaga, wo sich die Inzidenz auf 127,6 beläuft, die Vorreiterrolle in der Region abgeluchst hat. Auffällig ist, dass die Inzidenzen in den im Inneren von Andalusien gelegenen Provinzen höher liegen als in jenen an der Küste. Was sich mit der wieder erlangten Mobilität jedoch ausgleichen könnte, da die Einwohner aus dem Inland wieder verstärkt die andalusischen Badeorte aufsuchen werden.

Bessern tut sich zurzeit auch die Lage in den Krankenhäusern der Region. Die Zahl der Covid-Patienten in den andalusischen Hospitälern hat sich nach und nach auf 1.274 reduziert, 216 weniger als eine Woche zuvor. Mittlerweile hat auch die Zahl der Corona-Infizierten in Intensivbehandlung einen Abwärtstrend eingeleitet. Zurzeit liegt deren Zahl bei 333, immerhin 18 weniger als sieben Tage zuvor. Von allen Krankenhausbetten sind auch nur noch 7,09 Prozent und von allen Intensivbetten 17,62 Prozent mit Covid-Patienten belegt, womit sich Andalusien jeweils unter dem nationalen Durchschnitt (7,26 und 22,25 Prozent) befindet. Seit Ausbruch der Pandemie sind in der Region 555.586 Infektionsfälle registriert und 9.806 Todesfälle vermeldet worden. Die Zahl der wieder genesenen Corona-Infizierten beträgt 492.704 und da derzeit täglich deutlich mehr Genesene als Neuinfizierte hinzukommen, hat sich die Zahl der aktiven Virusträger bereits auf 53.076 reduziert.

Mit gutem Beispiel hat der andalusische Gesundheitsminsiter Jesús Aguirre vorangehen wollen, der seine Impfung gegen das Coronavirus öffentlich gemacht hat.

Coronavirus in Andalusien: Impfkampagne soll weiter an Fahrt aufnehmen

Erfreulich ist außerdem, dass die Impfkampagne immer besser in Gang kommt. Mittlerweile sind in Andalusien 3.149.954 Impfspritzen gesetzt worden, womit 90,84 Prozent aller bislang angelieferten Dosen aufgebraucht worden sind. Zumindest eine Dosis haben schon 2.182.163 Andalusier bekommen, darunter auch der Landesgesundheitsminister Jesús Aguirre, und zwar weil er altersbedingt an der Reihe war und nicht etwa, weil er sich vorgedrängelt hätte. Bereits immunisiert wurden schließlich 1.011.554 Andalusier, bei einer Bevölkerungsgröße von 8.465.236 entspricht dies 11,95 Prozent aller Einwohner – und 14,39 Prozent der über 16-Jährigen, auf die sich der Impfplan zunächst beschränkt.

Bis zum Sommeranfang will die andalusische Regierung die komplette Immunisierung von mindestens 40 Prozent der Bevölkerung erreichen und zumindest eine Teilimmunisierung von 70 Prozent mit einer ersten Impfdosis. Was bis vor wenigen Wochen noch als utopisch erschien, ist auch gar nicht mehr so unrealistisch. Denn in dieser Woche ist man auf gutem Wege, mit 600.000 verabreichten Dosen einen neuen Impfrekord aufzustellen. Und ein Plan der Landesregierung sieht ab Juni sogar die Verabreichung von bis zu einer Millionen Impfdosen pro Woche vor.

Coronavirus in Andalusien: Lehrer und Polizisten warten auf zweite Impfdosis

Die ganz besonders durch die Pandemie gefährdete Altersgruppe der über 80-Jährigen ist quasi durchgeimpft und mit jener der über 60-Jährigen ist man schon relativ weit vorangekommen, so dass man bereits begonnen hat, die 1962 und 1963 geborenen Personen einzubestellen. Bis Mitte des Monats will man bis zum Jahrgang 1966 vorstoßen. Noch unklar ist indes, wie mit den Lehrern und Polizisten unter 60 Jahren verfahren werden soll, die eine erste Impfspritze mit dem Vakzin von AstraZeneca erhalten hatten, das für ihre Altersgruppe nun aber nicht mehr zugelassen ist. Der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre drängt darauf, deren Immunisierung mit einer zweiten Dosis des Vakzins von AstraZeneca abzuschließen, das nationale Gesundheitsministerium will sich dahingehend aber noch nicht festlegen.

Das Argument der Landesregierung: Impfstoffe von AstraZeneca werden nach wie vor ausgeliefert, da sie aber nur Personen zwischen 60 und 60 Jahren verabreicht werden können, sind bald keine mehr verfügbar zur Verwendung der Impfdosen, von denen bis zu 150.000 Stück in den Kühlregalen zu verfallen drohen. Es könnten sogar noch mehr Impfdosen ungenutzt bleiben, weil sich inzwischen das Imageproblem von AstraZeneca in Andalusien niederschlägt, und zwar darin, dass sich zwischen 20 und 25 Prozent der Personen zwischen 60 und 69 Jahren einer Impfung mit diesem Vakzin verweigern. Mehr Impfdosen von Pfizer, Moderna und Janssen fordert denn auch der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno vom spanischen Staat.

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