Pressekonferenz des andalusischen Ministerpräsidenten Juanma Moreno.
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Angesichts der besorgniserregenden Entwicklung der Fallzahlen, hat der andalusische Ministerpräsident Mobilität und soziale Aktivitäten wieder stärker einschränken müssen.

2021 kaum besser als 2020

Coronavirus in Andalusien: Steigende Fallzahlen - Restriktionen erneut verschärft

  • vonJosé Antonio Nieto
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In Andalusien steigen die Infektions- und Patientenzahlen wieder sprunghaft an. Vor diesem Hintergrund hat die Landesregierung die Corona-Regeln nochmals verschärft.

Update, 30. Januar: Nach zwei Tagen, in denen sie leicht zurückgegangen war, ist die Infektionsrate der letzten 14 Tage in Andalusien am gestrigen Freitag wieder leicht angestiegen. Mit 891,2 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner liegt die 14-Tage-Inzidenz nur geringfügig über dem landesweiten Mittelwert, der sich auf 886 beläuft, aber doch deutlich über dem Wert von vor einer Woche, der noch bei 795,9 gelegen hatte. Nach wie vor ganz deutlich nach oben zeigt die Kurve der Patientenzahlen in der Region, die seit bald einem Monat kontinuierlich anwachsen. Aktuell befinden sich 4.500 Covid-Patienten in den andalusischen Krankenhäusern (Stand 29. Januar), neuer Höchststand seit Ausbruch der Pandemie und 1.190 mehr als sieben Tage zuvor. Und in den Intensivstationen der Hospitäler müssen 654 Corona-Infizierte behandelt werden, 101 mehr als vor sieben Tagen und ebenfalls neuer Spitzenwert. Von allen Krankenhausbetten sind zurzeit 25,6 Prozent und von den Intensivbetten 35,7 Prozent mit Covid-Patienten belegt.

Zur aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Andalusien.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche 87.268 Quadratkilometer
Hymne Himno de Andalucía
Autonomieseit 11. Januar 1982

Corona-Regeln in Andalusien: Restriktionen um zwei Wochen verlängert

In Anbetracht der noch immer negativen epidemiologischen Entwicklung hat die andalusische Regierung beschlossen, die seit 16. Januar geltenden Corona-Regeln (siehe unten) weiter zu verlängern. Zwei weitere Wochen bleiben also Andalusien nach außen und die acht andalusischen Provinzen untereinander isoliert, müssen Gaststätten und nicht essenzielle Geschäfte spätestens um 18 Uhr schließen und dürfen höchstens vier Personen aus verschiedenen Haushalten zusammenkommen. Die Zahl der Gemeinden, die wegen einer 14-Tage-Inzidenz über 500 abgeriegelt sind, ist zum heutigen Samstag weiter angestiegen, und zwar auf 539, das sind 46 mehr als bislang. Zugenommen haben auch die Gemeinden, in denen wegen einer Inzidenz über 1.000 die Gastronomie und alle nicht systemrelevanten wirtschaftlichen Aktivitäten ruhen müssen, und zwar von 255 auf 272, wobei Almería weiterhin die einzige von diesen Restriktionen betroffene Provinzhauptstadt ist.

Währenddessen hat der andalusische Präsident Juanma Moreno erneut eindringlich an die Bevölkerung appelliert, freiwillig im engen Familienkreis zu Hause zu bleiben und auch auf Besuche von Freunden oder Verwandten möglichst zu verzichten. Selbst wenn die Infektionskurve sich zu biegen beginnt, stünden der Region noch mindestens zwei schwere Wochen bevor, in denen die Patientenzahlen noch weiter ansteigen werden und das Coronavirus weiterhin noch viele Todesopfer fordern wird. Die spanische Zentralregierung drängt Moreno nach wie vor dazu, die momentan von 22 bis 7 Uhr dauernde nächtliche Sperrstunde ausweiten zu können, wobei der andalusische Regierungschef ihren beginn gerne auf 20 Uhr oder sogar auf 19 Uhr vorverlegen würde. Ebenso fordert Moreno von der Zentralregierung weiterhin die Befugnis, einen Lockdown anordnen zu können, zumindest für Ortschaften mit einer 14-Tage-Inzidenz über 5.000.

Corona-Inzidenz in Andalusien. Infektionskurve beginnt abzuflachen

Update, 26. Januar: Die Infektionsrate der letzten 14 Tage ist in Andalusien erstmals seit dem 29. Dezember leicht gesunken, von 911,4 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner am gestrigen Montag auf 909,9 am heutigen Dienstag. Vor einer Woche, am 19. Januar hatte die 14-Tage-Inzidenz indes noch bei 642,7 gelegen. Die Patientenzahlen steigen in der Region hingegen weiter dramatisch an. Mit aktuell 4.119 Corona-Infizierten in stationärer Behandlung (Stand 26. Januar) ist ein neuer Höchststand seit Ausbruch der Pandemie registriert worden. In den Intensivstationen der Krankenhäuser liegen derzeit 570 Covid-Patienten, ebenfalls ein neuer Negativ-Rekord. Noch vor einer Woche befanden sich in den andalusischen Hospitälern erst 2.699 Corona-Infizierte, 380 von ihnen in Intensivbehandlung. Mittlerweile sind auch schon 24,46 Prozent aller Krankenhausbetten und 31,75 Prozent aller Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt.

Anwachsen tut weiterhin auch Zahl der Gemeinden die wegen einer 14-Tage-Inzidenz über 500 abgeschottet werden müssen. Am morgigen Mittwoch werden nämlich erneut 97 weitere hinzukommen, darunter auch die Stadt Sevilla, die letzte andalusische Provinzhauptstadt, die bislang noch nicht abgeriegelt worden war. Damit werden bereits 493 Gemeinden isoliert sein. In gleicher Weise nimmt auch die Zahl der Gemeinden mit einer Inzidenz über 1.000 zu, was dort die Schließung der Gastronomie und der nicht systemrelevante Geschäfte zu Folge hat. In dieser Situation werden sich ab dem morgigen Mittwoch 255 Gemeinden befinden, 70 mehr als bisher. Unter den Neuzugängen befinden sich unter anderem die beiden Großstädte Marbella (Málaga) und Jérez de la Frontera (Cádiz) sowie mit Almería auch die erste Provinzhauptstadt.

Evolution der Corona-Pandemie: dritte Welle wie ein Tsunami

Update, 23. Januar: Die dritte Corona-Welle haben sowohl der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno, als auch der Landesgesundheitsminister Jesús Aguirre übereinstimmend als Tsunami bezeichnet. Die aktuelle Evolution Fallzahlen bestätigen ihre Einschätzung. Allein am 22. Januar sind 7.816 Neuinfizierte vermeldet worden. Mehr denn je seit Ausbruch der Pandemie. Der bisherige Rekord stammte vom Vortag mit 7.409 Infektionsfällen. Die Infektionsrate der letzten 14 Tage ist mittlerweile auf 795,9 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner angestiegen. Sieben Tage zuvor hatte sie noch bei 464,9 gelegen. Besonders kritisch ist die Entwicklung in der Provinz Almería, wo die 14-Tage-Inzidenz 1.020,5 beträgt. Den niedrigsten, aber keinesfalls beruhigenden Wert verzeichnet die Provinz Sevilla mit 519,3.

Die Lage spitzt sich auch in den Krankenhäusern der Region immer weiter zu. Am 22. Januar mussten 267 Corona-Infizierte mehr eingewiesen werden als entlassen werden konnten. Ebenfalls ein Höchstwert seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der Covid-Patienten in den andalusischen Hospitälern ist damit auf 3.310 angestiegen, das sind 1.394 mehr als eine Woche zuvor. Von diesen müssen 453 auf der Intensivstation behandelt werden. Am 15. Januar waren es noch 308 gewesen. Zugenommen hat, was besonders tragisch ist, auch die Sterblichkeit. Vom 14. März bis zum 31. Dezember waren in Andalusien 5.158 Personen mit Covid verstorben, pro Tag im Durchschnitt 17,6. Seit dem 1. Januar 2021 sind 652 Personen dem Coronavirus erlegen, was einen täglichen Mittelwert von 29,6 ergibt. Zuletzt waren täglich sogar mehr als 50 Todesopfer zu beklagen.

Corona-Restriktionen: 396 Gemeinden isoliert - 185 ohne Gastronomie

Unterdessen ist die Zahl der Gemeinden, die wegen einer 14-Tage-Inzidenz abgeriegelt worden sind, auf 396 angestiegen. Zum heutigen Samstag sind nämlich 70 weitere Ortschaften hinzugekommen, darunter unter anderem Torremolinos (Málaga), El Ejido (Almería) und die Provinzhauptstadt Jaén. Damit sind nun bis auf Sevilla alle Provinzhauptstädte abgeschottet und auch alle weiteren Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Die Zahl der Gemeinden, in denen aufgrund einer 14-Tage-Inzidenz über 1.000 weder Gaststätten noch die nicht essenziellen Geschäfte öffnen dürfen, hat sich zum heutigen Tag ebenfalls erhöht, und zwar von bislang 144 auf nun 185. Davon, die übrigen, für die gesamte Region geltenden Corona-Regeln noch weiter zu verschärfen hat die Landesregierung zunächst einmal abgesehen. Das Expertenkomitee sollte hierfür am gestrigen Freitag zusammentreten, die Sitzung ist letztenendes aber doch nicht abgehalten worden.

Update, 20. Januar: Die Infektions- und Patientenzahlen gehen in Andalusien zurzeit durch die Decke. Die 14-Tage-Inzidenz hat sich von 314 am 12. Januar auf 642,7 am 19. Januar mehr als verdoppelt. Es ist dies zudem der höchste Wert seit Beginn der Corona-Pandemie. Der bisherige Höchststand war am 11. November, auf dem Höhepunkt der zweiten Welle, mit 567,8 erreicht worden. In den Krankenhäusern der Region werden aktuell 2.699 Covid-Patienten behandelt, 1.164 mehr als eine Woche zuvor. Von diesen befinden sich 380 auf den Intensivstationen der Hospitäler, sieben Tage zuvor waren es noch 269. Von allen Krankenhausbetten sind 15,72 Prozent und von den Intensivbtten 21,31 Prozent mit Corona-Infizierten belegt.

Corona-Restriktionen: Sechs der acht Provinzhauptstädte abgeriegelt

Die Zahl der abgeriegelten Gemeinden hat sich zum heutigen Mittwoch von 219 auf 326 erhöht, was etwa 40 Prozent aller andalusischen Gemeinden entspricht. Neu hinzugestoßen sind unter anderem sechs der acht Provinzhauptstädte - Almería, Cádiz, Córdoba, Granada, Huelva und Málaga - in denen die 14-Tage-Inzidenz über 500 angestiegen ist. Die Zahl der Gemeinden, in denen wegen einer Inzidenz über 1.000 alle nicht essenziellen wirtschaftlichen Aktivitäten eingestellt werden müssen und nicht systemrelevante Geschäfte sowie Gaststätten nicht öffnen dürfen, ist ebenfalls weiter angestiegen, und zwar von 91 auf nun 144. Die Zahlen werden fortan jeden Montag und Donnerstag überprüft. In den Gemeinden, in denen einer der beiden Richtwerte übertroffen wird, kommen dann am darauffolgenden Mittwoch beziehungsweise Samstag die entsprechenden Restriktionen zur Anwendung, die in der Folge mindestens zwei Wochen lang gelten werden.

Erstmeldung, 16. Januar: Sevilla - Am 15. Januar vermeldete Andalusien mit 6.684 neuen Infektionsfällen den zweithöchsten Wert seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Der vorläufige Rekord war nur zwei Tage zuvor mit 6.882 Neuinfizierten aufgestellt worden. Die Infektionsrate der letzten 14 Tage ist damit weiter angestiegen auf 463,9 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner. Ein Wert, der zwar nach wie vor deutlich unter dem landesweiten Mittelwert von 575 liegt, sich in den letzten sieben Tagen aber mehr als verdoppelt hat, denn am 8. Januar betrug die 14-Tage-Inzidenz erst 203,5.

Coronavirus in Andalusien: Auslastung der Hospitäler steigt weiter an

Ungebrochen nimmt auch die Auslastung der andalusischen Krankenhäuser weiter zu. Die Zahl der Covid-Patienten in den Hospitälern der Region ist auf 1.916 angestiegen (Stand 15. Januar), 722 mehr als eine Woche zuvor. Von diesen müssen zurzeit 308 auf der Intensivstation behandelt werden, das sind wiederum 81 mehr als noch am 8. Januar. Von allen verfügbaren Krankenhausbetten sind 11,4 Prozent mit Corona-Infizierten belegt, womit Andalusien unter dem nationalen Durchschnitt in Spanien von 15,14 liegt. Bei der Belegung der Intensivbetten befindet sich die Region mit 17,94 Prozent ebenfalls unter dem landesweiten Mittelwert von 28,46 Prozent.

Angesichts der rapide steigenden Corona-Fallzahlen hat die andalusische Regierung die bisherigen, erst Anfang der Woche in Kraft getretenen Restriktionen, die eigentlich bis 24. Januar gelten sollten, bereits als hinfällig erachtet. Am gestrigen Abend, nach einer Sitzung des Expertenkomitees, das die Landesregierung in der sanitären Krise berät, verkündete der Ministerpräsident Juanma Moreno die neuen Corona-Regeln, die schon mit Ende des heutigen Tages gelten werden und nicht wie erwartet worden war, erst am kommenden Montag. Das Expertenkomitee, das wegen der negativen epidemiologischen Entwicklung vorzeitig einberufen worden war, soll künftig auch nicht mehr 14-tägig, sondern wöchentlich zur Evaluierung der Evolution der Corona-Pandemie zusammenkommen.

Neue Corona-Regeln: Mobilität und soziale Aktivitäten weiter eingeschränkt

Beschlossen hat die Landesregierung im Einvernehmen mit den Experten nicht nur die Abriegelung der gesamten Region beizubehalten, sondern auch alle acht andalusischen Provinzen wieder voneinander zu isolieren. Abgeschottet werden außerdem 219 Gemeinden, und zwar jene, deren 14-Tage Inzidenz momentan über 500 liegt. In 91 dieser Gemeinden, deren 14-Tage-Inzidenz derzeit sogar die 1.000er-Marke überschreitet, müssen darüber hinaus alle nicht systemrelevanten Geschäfte und sämtliche Gaststätten geschlossen bleiben. Deren Zahl sowie jene der isolierten Gemeinden wird indes schwanken, denn sinkt die Infektionsrate unter die angegebenen Richtwerte, werden die entsprechenden Restriktionen wieder aufgehoben und steigt sie in einer Gemeinde über den Grenzwert an, kommen sie dort neu zur Anwendung.

Im Rest der Region müssen fortan Gaststätten und Geschäfte um 18 Uhr schließen. Bislang galt dies nur für Bars und Restaurants, während Cafés und Geschäfte bis 20 Uhr geöffnet bleiben durften. Unverändert geblieben ist, dass Gaststätten bis 21.30 Essen zum Mitnehmen ausgeben können, ohne Gäste im Lokal zu bewirten. Weiterhin dürfen sie auch bis 23.30 Uhr Essen ausliefern, wobei Bestellungen nur bis 22.30 angenommen werden können. Soziale Treffen sind wiederum auf vier Personen beschränkt worden und zwar sowohl zuhause als auch in Lokalen. Bisher durften noch sechs Personen zusammenkommen.

Gaststätten müssen in Andalusien nun wieder uneingeschränkt spätestens um 18 Uhr schließen, in Gemeinden mit besonders hoher Corona-Inzidenz dürfen sie gar nicht erst öffnen.

Sperrstunde und Lockdown: Landesregierung im Clinch mit der Zentralregierung

Die nächtliche Sperrstunde bleibt bei 22 bis 6 Uhr, obwohl die Landesregierung den Beginn auf 20 Uhr vorziehen möchte. Nur fehlt ihr dazu die Kompetenz, weshalb sie hierfür den Segen der spanischen Zentralregierung erbeten hat. Diese aber zeigt sich nicht gewillt, die bisherigen Margen der Sperrstunde, die zwischen 22 und 24 Uhr beginnen und zwischen 6 und 8 Uhr enden kann, zu verändern. Das Gleiche gilt für die Anwendung eines harten Lockdowns, den der andalusische Regierungschef Juanma Moreno zumindest für die Gemeinden mit einer 14-Tage-Inzidenz über 1.000 gerne anordnen würde. Der spanische Gesundheitsminister Salvador Illa aber sträubt sich dagegen. Einen harten Lockdown erachtet Illa zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht für erforderlich und den Regionen stünden genügend andere Mittel zur Verfügung, um die Mobilität der Bürger hinreichend einzuschränken. So wird Moreno wohl nichts anderes übrig bleiben, als weiterhin an die Andalusier zu appellieren, freiwillig möglichst zu Hause zu bleiben und die sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren.

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