Der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno besucht ein Krankenhaus.
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Überall in Andalusien werden zurzeit immer wieder neue sanitäre Infrastrukturen geschaffen. Diese allesamt auch mit dem nötigen Personal zu dotieren, wird oftmals vernachlässigt.

Gut gemeint, schlecht gelöst

Andalusische Hospitäler in der Corona-Krise: Viele Betten, wenig Personal

  • vonJosé Antonio Nieto
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Die andalusische Landesregierung bemüht sich, das Gesundheitswesen wegen Corona aufzurüsten. Die Infratsruktur wird deutlich erweitert, aber das Personal nicht entsprechend aufgestockt.

Sevilla - Eine regelrechte Promo-Tour führt der andalusische Ministerpräisdent Juanma Moreno in den letzten Wochen in der Region durch. Kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht ein renoviertes, erweitertes oder gar neu errichtetes Gesundheitszentrum oder Krankenhaus besucht. Manchmal muss er sich dabei von seiner rechten Hand, dem Regierungssprecher Elias Bendodo, oder dem Landesgesundheitsminister Jesús Aguirre vertreten lassen, weil an einem Tag gleich in zwei unterschiedlichen Provinzen eine Eröffnung ansteht.

Andalusisches Gesundheitswesen: Aufrüstung für zweite, dritte oder vierte Welle?

Es war zum Ende des Frühjahrs, als die erste Coronavirus-Welle gerade abgeebbt war, als die Landesregierung nicht mehr die Augen davor verschließen konnte, dass in Andalusien im Gesundheitswesen doch vieles im Argen lag. Da zum Winter oder sogar schon zum Herbst eine zweite, möglicherweise noch schlimmere Infektionswelle befürchtet wurde, schickte man sich an, die Defizite zu beheben. Womit man damals indes noch nicht rechnete, war, dass die zweite Welle viel früher schon kommen und dieser noch eine dritte Welle folgen sollte, die die beiden ersten sogar in den Schatten stellen würde.

Das Budget des Gesundheitsministeriums war aufgestockt worden und auch von der spanischen Zentralregierung flossen zur Stärkung des Gesundheitswesens Mittel nach Andalusien. So konnte die Landesregierung in der Folge bis zu 1.007 Maßnahmen zur Verbesserung der sanitären Infrastruktur in Gang bringen - 138 Neubauten, 245 Gebäudeerweiterungen und 624 Ausbesserungen. Nun scheint die Zeit gekommen, in der ein Projekt nach dem anderen abgeschlossen wird, was Juanma Moreno für seine eigene Publicity gut auszuschlachten weiß.

Altes Militärhospital: 15 Jahre vergessen und verwahrlost - nun renoviert und wiedereröffnet

Ein ganz großes Aufgebot ist in dieser Woche anlässlich der Wiedereröffnung eines ehemaligen, vor 15 Jahren aufgegebenen Militärkrankenhauses in der andalusischen Hauptstadt Sevilla unterbreitet worden. Dieses galt als das Prestigeprojekt unter den über 1.000 baulichen Vorhaben. Im Jahr 2003 trat das spanische Verteidigungsministerium das Hospital Militar Vigil de Quiñones an das Land Andalusien ab. Die damalige Landesregierung veranlasste zwei Jahre später seine Schließung zwecks einer umfassenden Renovierung, die sie jedoch nie in Angriff nahm. Stattdessen wurde das Gebäude Vandalen, Plünderern und dem nagenden Zahn der Zeit überlassen.

Bis die jetzige Landesregierung das verstaubte Projekt wieder aus der Schublade holte und die Renovierung des alten Militärhospitals ins Auge fasste, was sie ohne die Corona-Pandemie vermutlich auch nicht getan hätte. Baubeginn war im August 2020 gewesen. Die Arbeiten einer ersten Phase, die ursprünglich fünf Monate dauern sollten, zogen sich doch etwas länger hin, konnten vor wenigen Tagen aber abgeschlossen werden. In dieser ersten Phase sind sieben der insgesamt 13 Stationen des Krankenhauses wiedereröffnet worden. Wofür die Landesregierung rund 22 Millionen Euro aufbringen musste, 15,6 für die Arbeiten und 6,4 für die Ausstattung. In die zweite Phase sollen weitere 40 Millionen Euro investiert werden. Bis Mitte kommenden Jahres soll dann das gesamte Gebäude bereitstehen.

In Sevilla ist nach seiner Renovierung ein ehemaliges Militärhospital eröffnet worden, das bis auf Weiteres nur Covid-Patienten aufnehmen soll.

Neues Covid-Hospital in Sevilla: Eine Zukunft auch nach der Corona-Pandemie

Zur Verfügung stehen im einstigen Militärkrankenhaus, das in Hospital de Emergencias Covid-19 umbenannt worden ist, 144 Betten und 25 Intensivplätze. Diese werden, wie der Name des Hospitals verrät, ausschließlich Covid-Patienten vorbehalten sein. Auf diese Weise sollen die vier übrigen Krankenhäuser in Sevilla Hospital Virgen del Rocío, Hospital San Juan de Dios, Hospital del Valme und Hospital de la Macarena- entlastet werden, um gegenüber den Nicht-Covid-Patienten möglichst einen normalen Betrieb aufrechterhalten zu können. Das neue Covid-Krankenhaus sei jedoch kein provisorisches Not-Hospital, betont der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno. Es werde zwar aktuell einzig der Bekämpfung der Corona-Pandemie gewidmet sein, mit dessen Ende aber nicht aufhören zu funktionieren.

Betreut werden die Patienten des neuen Covid-Hospitals von 282 medizinischen Fachkräften, wobei die meisten Ärzte und Krankenpfleger nicht neu eingestellt, sondern vom Hospital Virgen del Rocío abgezogen worden sind. Mangels ausreichender Kandidaten in den einschlägigen Jobbörsen - behauptet zumindest die Landesregierung. Dem Hospital Virgen del Rocío, das führende Krankenhaus in Sevilla ist das Hospital de Emergencias auch administrativ unterstellt. Diese Personalverlegung monieren die Kritiker des Projektes denn auch, ganz gerne mit einem spanischen Sprichwort: desnudar un santo para vestir a otro. Eine Heiligenfigur werde entblößt, um eine andere anzukleiden. Eine Kritik, die immer wieder aufkommt, wenn Juanma Moreno quer durch die Region neue oder ausgebaute Krankenhäuser und Gesundheitszentren besucht, da die Kapazitätserweiterungen in der Regel nicht mit einer entsprechenden Aufstockung des Personals verbunden sind. Dabei arbeitet das Pflegepersonal schon lange am Limit.

Trotz Corona-Krise: Landesregeriung erwirtschaftet im Etat stattlichen Überschuss

Die andalusische Pflegergewerkschaft Satse hat erst jüngst auch wieder bemängelt, dass die von der andalusischen Landesregierung ob der Zuspitzung der dritten Corona-Welle ergriffenen Notfallpläne zwar eine Erhöhung der Krankenhausbetten sowie der Intensivplätze vorsehen, nicht aber eine Erhöhung des Gesundheitspersonals. Und die linken Oppositionsparteien PSOE und Podemos werfen dem Kabinett von Juanma Moreno wiederum vor, im letzten Haushaltsjahr einen satten Überschuss erwirtschaftet zu haben - 855 Millionen Euro allein bis Ende November –, anstatt das Geld in eine noch nachhaltigere Stärkung des Gesundheistwesens zu investieren.

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