Andalusischer Vizepräsident Juan Marín im Gespräch mit marokkanischen Immigranten.
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Am Sitz des Agrarverbandes Interfresa ist der andalusische Vizepräsident Juan Marín mit Betroffenen zusammengekommen.

Grenzen dicht wegen Covid-19

Coronavirus in Andalusien: Erntehelferinnen können nicht nach Marokko zurück

  • vonJosé Antonio Nieto
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Mehr als 7.000 marokkanische Saisonarbeiterinnen waren zur Erdbeerernte in die Provinz Huelva gekommen. Ihre Verträge laufen demnächst aus, zurück in ihre Heimat können sie wegen des Coronavirus nicht.

  • Andalusische Erdbeerbauern kämen ohne marokkanische Erntehelferinnen nicht mehr aus.
  • Saisonarbieterinnen reisen jedes Jahr für mehrere Monate zur Erntesaison an.
  • In diesem Jahr kamen rund 7.200 Erdbeerpflückerinnen in die Provinz Huelva.

Huelva- Die andalusische Provinz Huelva ist bekannt für ihre tragende Rolle bei der Entdeckung Amerikas, da die Expedition von Christoph Kolumbus am 3. August 1492 in Palos de la Frontera die Leinen loslegte. Man kennt sie aber auch für die Kupferminen von Riotinto, die im 19 Jahrhundert britische Bergbauunternehmen anlockten - Briten waren es denn auch, die 1889 mit Recreativo de Huelva den ersten spanischen Fußballclub gründeten. In unserer Zeit ist Huelva vor allem für seine petrochemische Industrie bekannt aber auch für seine landwirtschaftlichen Produkte, mit den Erdbeeren als überragendem Verkaufsschlager.

Der florierende Wirtschaftszweig wäre indes kaum aufrecht zu erhalten ohne die marokkanischen Erdbeerpflückerinnen. Saisonarbeiterinnen, die Jahr für Jahr für einige Monate nach Andalusien kommen und nach dem Ende der Erntesaison wieder abreisen. “Viele von ihnen kommen schon seit mehr als 15 Jahren nach Huelva”, teilt der andalusische Vizepräsident Juan Marín mit. “In Marokko warten ihre Familien auf sie, so dass sie nach getaner Arbeit logischerweise wieder zurückwollen”, fügt Marín hinzu.

Coronavirus hält Saisonarbeiterinnen in Huelva: Erdbeerernte bald zu Ende

In diesem Jahr waren, noch bevor wegen der Corona-Pandemie die spanischen Grenzen geschlossen wurden, an die 7.200 marokkanische Erntehelferinnen nach Huelva gekommen. Ihre Tätigkeit auf den Erdbeerplantagen haben sie bald fertig verrichtet und so werden denn auch ihre Arbeitsverträge demnächst auslaufen. Nur in ihre Heimat zurück können sich nach aktuellem Stand vorerst nicht, da auch Marokko seine Grenzen dicht gemacht hat und zurzeit niemanden ins Land lässt, nicht einmal eigene Staatsbürger.

In Huelva ist der andalusische Vizepräsident mit dem Vorsitzenden des Agrarverbandes Interfresa, José Luis Palacios, zusammengekommen, um das Problem zu erörtern. Interfresa vereint immerhin 80 Prozent der landwirtschaftlichen Unternehmen, die sich in der Provinz dem Erdbeeranbau widmen. Juan Marín besuchte außerdem den in der Branche tätigen Betrieb Valdeluz aus der Gemeinde Lepe.

Während seiner Visite erklärte der andalusische Vizepräsident, die spanische Außenministerin Arancha González, sowie ihren Kabinettskollegen, den Landwirtschaftsminister Luis Planas, um eine dringende Unterredung bitten zu wollen, um nach einer Lösung zu suchen. Es sei eine “humanitäre Frage”, bekundete Juan Marín, einen “Ausweg aus der Sackgasse” zu finden. Die andalusische Regierung biete außerdem an, alle marokkanischen Saisonarbeiterinnen einem Corona-Schnelltest und einem PCR-Test zu unterziehen.

Versprechen der Arbeitgeber: Frauen werden nicht im Stich gelassen

Eine Garantie, nicht an Covid-19 erkrankt zu sein, soll das Königreiche Marokko dazu bewegen, die Erntehelferinnen ins Land zu lassen. Solange dies nicht der Fall ist, sollen die marokkanischen Erntehelferinnen aber auf keinen Fall allein ihrem Schicksal überlassen werden. “Ihre Arbeitgeber weren sie nicht auf der Straße lassen” versicherte José Luis Palacios von Interfresa.

Die Agrarunternehmer aus Huelva haben schließlich auch ihr in letzter Zeit etwas angekratztes Image aufzupolieren. In vorherigen Jahren waren nämlich wiederholt ausbeuterische Arbeitsbedingungen auf den Erdbeerfeldern angeprangert worden. Einige marokkanische Frauen hatten ihre Vorgesetzten sogar wegen sexueller Übergriffe angezeigt. Daraufhin waren im vergangenen Jahr kulturelle Vermittler abgestellt worden, um die Marokkanerinnen zu beraten und ihre Integration zu erleichtern.

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