Covid-19-Frontkämpfer besonders betroffen

Coronavirus Andalusien: Viele Infektionsfälle unter medizinischem Personal

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Das Personal der Krankenhäuser arbeitete zum Teil mit Schutzmasken, die sich im Nachhinein als mangelhaft herausstellten.
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In Andalusien haben sich im landesweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Ärzte und Pfleger mit Sars-Cov-2 infiziert. Die Ursache: Mangelnde Schutzausrüstungen und fehlerhafte Gesichtsmasken.

Sevilla – In Andalusien ist die Coronavirus-Pandemie weiter am Abklingen. Die Gesamtzahl der nachweislich mit Sars-Cov-2 infizierten Personen ist mittlerweile auf 17.025 angestiegen, wobei die tägliche Zunahme in der letzten Woche Werte zwischen 0,48 und 1,52 Prozent aufgewiesen hat. Die Infektionsrate der letzten 14 Tage weist mit 3,86 pro 100.000 Einwohner einen im landesweiten Vergleich relativ niedrigen Wert auf.

Verstorben sind an Covid-19 in Andalusien bislang 1.375 Personen und geheilt sind inzwischen bereits 11.624, so dass die Zahl der aktiven Virusträger auf 4.026 zurückgegangen ist. Entspannt hat sich die Lage zunehmend auch in den Krankenhäusern der Region. In diesen befinden sich aktuell nur noch 226 Covid-19-Patienten, Ende März waren es noch 2.708 gewesen. Und in den Intensivstationen der Hospitäler werden derzeit 52 Personen behandelt. Der ebenfalls Ende März erreichte Spitzenwert hatte noch 766 betragen.

Nich ganz so positiv ist die Entwicklung der Zahlen der Coronavirus-Pandemie was die medizinischen Fachkräfte anbelangt. Andalusienweit sind in den lezten zwei Wochen fast 64.000 PCR-Tests durchgeführt worden. Ein positives Ergebnis lieferten lediglich 2,7 Prozent der Tests. Der prozentuale Anteil der positiven Ergebnisse unter den Ärzten und Krankenpflegern, die einem PCR-Test unterzogen wurden, lag mit 3,2 Prozent etwas höher.

Coronavirus: Mehr als 3.600 Ärzte und Krankenpfleger infiziert

Seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie haben sich in Andalusien 3.622 Ärzte und Pfleger nachweislich mit Sars-Cov-2 infiziert, das sind etwa 3,4 Prozent des im öffentlichen Gesundheitswesen beschäftigten Fachpersonals. Ihr Anteil an an allen mit dem Coronavirus infizierten Personen aus der Region liegt bei 23,1 Prozent. Nimmt man die Angestellten aus den Seniorenresidenzen hinzu, die sich mit Sars-Cov-2 angesteckt haben, insgesamt 1.022 Mitarbeiter – erhöht sich der prozentuale Anteil sogar auf 29,7 Prozent.

Es sind dies Werte, die über dem nationalen Durchschnitt liegen, obwohl das Coronavirus in Andalusien im landesweiten Vergleich relativ gering in Mitleidenschaft gezogen hat. Der stellvertretende der oppositionellen PSOE im regionalen Parlament, Rodrigo Sánchez, weist der Landesregierung die Schuld hierfür zu.

Die Koalitionsregierung von PP und Ciudadanos sei ihrer Verantwortung, das medizinische Personal mit genügend effektiven Schutzausrüstungen auszustatten, nicht hinreichend nachgekommen. “Von der ersten Minute der Panemie an, haben das alle Gewerkschaften des Gesundheitssektors wiederholt angeprangert”, versichert der Abgeordnete der Sozialisten.

Der Mangel an Schutzausrüstung in den andalusischen Krankenhäusern wurde zwar irgendwann behoben, die Probleme des Personals im Kampf gegen Covid-19 nahmen damit aber kein Ende. Mehrmals wurden an die Hospitäler nämlich ungenügende oder gar fehlerhafte Atemschutzmasken verteilt, was zahlreichen Ärzten und Pflegern eine Ansteckung mit dem Corronavirus einbrachte.

Covid-19 Andalusien: Fehlerhafte Schutzmasken für medizinisches Personal

“Bis zu sieben Mal mussten bereits ausgegebene Posten mit mangelhaften Schutzmasken wieder eingezogen werden, weil festgestellt wurde, dass sie keinen ausreichenden Schutz boten”, beklagt Rodrigo Sánchez. Der Politiker der PSOE aus Andalusien mutmaßt, dass dieser schlechte Umgang mit dem Coronavirus sogar strafrechtliche Konsequenzen haben könnte.

Tatsächlich hat die Staatsanwaltschaft bereits Ermittlungen eingeleitet und zwar auf eine Anzeige der Gerkschaft UGT hin. Diese beklagt, dass vor allem an Krankenhäuser der Provinzen Cádiz, Córdoba, Granada und Málaga Masken ausgegeben wurden, die erst im Nachhinein auf ihre Eignung geprüft wurden, die sich mehrmals als nicht gegeben herausstellte.

Ein besonders gravierender Fall ereignete sich in dem Gebiet der Axarquia in der Provinz Málaga, wo an Gesundheitszentren angeblich  Schutzmasken verteilt wurden, deren Haltbarkeitsdatum seit 2014 abgelaufen war. Wobei das Datum wohl vor der Ausgabe mutwillig überdeckt wurde.

Fast 74 Prozent des infizierten Fachpersonals schon wieder geheilt

Der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre sieht die Lage im Gesundheitswesen nicht ganz so dramatisch. Er verweist vielmehr darauf, dass von den 3.622 Ärzte und Pflegern, die sich mit dem Coronavirus angesteckt hatten, 2.675 schon wieder gesund geschrieben werden konnten. Das seien immerhin 73,9 Prozent. Verstorben sind bisher neun Fachkräfte.

Den Vergleich mit anderen spanischen Regionen hinsichtlich der Infiziertenzahlen im Gesundheitswesen, bei dem Andalusien auf einem der letzten Ränge landet, relativiert Aguirre ebenfalls. Die Autonomen Gemeinschaften würden in ihren Statistiken unterschiedliche Parameter benutzen, weshalb die Daten nicht wirklich vergleichbar seien.

Jesús Aguirre führt hingegen einen anderen Wert an, der sich seiner Ansicht nach besser vergleichen lasse und bei dem Andalusien unter den spanischen Regionen einen Platz im Mittelfeld einnehme: Die Zahl der mit Sars-Cov-2 infizierten medizinischen Fachkräfte liege in Andalusien pro 100.000 Einwohner bei 40,3.

Der andalusische Gesundheitsminister setzt die Zahlen der Infizierten Ärzte und Pfleger also in Relation zur Bevölkerung der Region. Dabei lässt er indes – unbewusst oder beabsichtigt - außer Acht, dass in Andalusien die personelle Besetzung des Gesundheitswesens im landesweiten Vergleich unterdurchnittlich ist.

Andalusien weist nämlich 18 Prozent der spanischen Gesamtbevölkerung auf, beschäftigt jedoch nur 15 Prozent aller Ärzte und Krankenpfleger des Landes.

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