Der andalusische Regierungschef Juanma Moreno während einer Pressekonferenz.
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Die jüngste Evolution der Corona-Pandemie ließ dem andalusischen Regierungschef Juanma Moreno kaum eine andere Wahl, als die Restriktionen erneut zu verschärfen.

Dritte Welle im Anmarsch

Coronavirus in Andalusien: 2021 startet mit steigender Infektionsrate

  • vonJosé Antonio Nieto
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Andalusien zahlt die Rechnung für die Lockerung der Corona-Restriktionen vor Weihnachten. Die Fallzahlen steigen wieder deutlich an, woraufhin die Landesregierung die Corona-Regeln erneut verschärft hat.

  • Infektions- und Patientenzahlen zeigen in Andalusien wieder einen klaren Aufwärtstrend.
  • Von der Landesregierung verschärfte Corona-Regeln gelten vorerst bis 24. Januar.
  • Impfkampgane gegen das Coronavirus kommt in der Region nur langsam in Fahrt.

Update, 13. Januar: Die Coronavirus-Fallzahlen schießen in Andalusien zurzeit weiter in die Höhe. Die Infektionsrate der letzten 14 Tage liegt mittlerweile bei 314 pro 100.000 Einwohner (Stand 12. Januar). Und die Auslastung der Krankenhäuser in der Region nähert sich mit inzwischen 1.535 Covid-Patienten, 269 von ihnen in Intensivbehandlung, ebenfalls wieder kritischen Werten. Einen harten Lockdown schließt der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno noch aus. Angesichts der negativen Entwicklungstendenz mehren sich in seiner Regierung indes die Stimmen, die bereits eine weitere Verschärfung, der neuen, erst vor zwei Tagen in Kraft getretenen Corona-Regeln fordern, die eigentlich bis zum 24. Januar gelten sollten. Etwa der Vizepräsident Juan Marín oder der Regierungssprecher Elías Bendodo erklärten, dass dies noch vor Ende dieser Woche schon geschehen könnte. Woraufhin die im Landtag oppositionelle PSOE dem Kabinett einen Schlingerkurs vorgeworfen hat, mit dem sie die Bevölkerung bloß zusehends verunsichern würde.

Mehr zur aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Andalusien.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
HymneHimno de Andalucía
Autonomieseit 11. Januar 1982

Währenddessen bemüht sich die Landesregierung darum, die Corona-Schutzimpfung weiter zu beschleunigen. Bis zum gestrigen Dienstag sind bereits 85.000 Impfspritzen gesetzt worden, 24.000 an medizinisches Personal und der Rest an Bewohner und Betreuer von Seniorenresidenzen. Bis zum morgigen Donnerstag sollen alle Heimbewohner und deren Pfleger die erste Dosis erhalten haben. Und ab kommenden Sonntag, könnten jene Personen, die ab dem 27. Dezember als Erste an die Reihe kamen, bereits die zweite Dosis erhalten, um ihre Immunisierung zu vervollständigen. Das regionale Gesundheitsministerium hat nämlich beschlossen, fortan auch an den Wochenenden zu impfen, wovon bislang noch abgesehen worden war. Außerdem ist der Rhythmus der Impfkampagne verschärft worden. Pro Tag werden nun an die 15.000 Impfspritzen verabreicht, in der vergangenen Woche waren es noch 13.000 gewesen.

Coronavirus in Andalusien: Lockerungen vor Weihnachten ziehen steigende Fallzahlen nach sich

Erstmeldung, 9. Januar: Sevilla – jan. Die aktuelle Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Andalusien zeigt ganz klar: Die Lockerung der Restriktionen vor Weihnachten ist nicht ohne Folgen geblieben. Die Infektionsrate der letzten 14 Tage ist zuletzt wieder sprunghaft angestiegen auf 203,5 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner (Stand 8. Januar), ein Wert der seit Ende November nicht mehr erreicht worden war. Damit liegt die Region zwar noch immer deutlich unter dem landesweiten Mittelwert von 350, die Tendenz ist indes besorgniserregend, denn erst vor drei Tagen hatte die Infektionsrate in Andalusien noch bei 162 gelegen.

Die Zahl der Neuinfizierten übersteigt zurzeit jene der wieder genesenen Corona-Infizierten Tag für Tag um ein Vielfaches, während im Dezember zumeist das Gegenteil der Fall gewesen war. Die entsprechende Zunahme der aktiven Virusträger bringt auch negative Konsequenzen für das Gesundheitswesen mit sich, denn der Druck der auf die andalusischen Krankenhäuser nimmt schon seit Tagen wieder stetig zu. Momentan befinden sich in den Hospitälern der Region 1.194 Covid-Patienten, 218 mehr als sieben Tage zuvor. Von diesen müssen 227 auf der Intensivstation behandelt werden, 17 mehr als noch vor einer Woche.

Corona-Restriktionen in Andalusien: Abschottung der Region - Freie Fahrt zwischen Provinzen

Vor diesem Hintergrund hat sich die andalusische Regierung quasi gezwungen gesehen, die Zügel wieder anzuziehen und die Restriktionen erneut zu verschärfen. Die neuen Corona-Regeln, die ab dem 11. Januar bis einschließlich 24. Januar gelten werden, verkündete der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno am gestrigen Freitag, nach der Sitzung des Expertenkomitees, das die Landesregierung in der sanitären Krise berät. Die Abriegelung der Region, die man nur mit triftigem Grund bereisen oder verlassen darf, bleibt bestehen, während die Mobilität zwischen den einzelnen Provinzen weiterhin erlaubt wird.

Eine Ausnahme stellen die acht Gemeinden des Campo de Gibraltar im Süden der Provinz Cádiz dar, die von der Landesregierung am 3. Januar bereits abgeschottet worden waren, wegen ihrer besonders hohen Inzidenz, die nicht zuletzt der neuen britischen Variante des Coronavirus geschuldet sein dürfte. Zu diesen gesellt sich nun auch noch die Gemeinde Añora in der Provinz Córdoba, die ebenfalls vorerst bis um 24. Januar isoliert sein wird. In Añora sowie in der an Gibraltar angrenzenden Gemeinde La Linea de la Concepción sind außerdem alle nicht systemrelevanten wirtschaftlichen Aktivitäten untersagt worden, nicht essentielle Geschäfte und Gaststätten müssen dort ab kommenden Montag zu bleiben.

Die neuen Corona-Regeln sehen außerdem vor, dass der Beginn der nach wie vor bis 6 Uhr andauernden Sperrstunde von 23 Uhr auf 22 Uhr vorverlegt wird. Soziale Treffen bleiben auf maximal sechs Personen begrenzt, und zwar sowohl im privaten Umfeld als auch in öffentlichen Lokalen. Geschäfte dürfen bis 20 Uhr öffnen, was auch für Sportzentren und Fitnessstudios gilt. Bars und Restaurants müssen hingegen wie vor Weihnachten wieder um 18 Uhr schließen, ausgenommen Cafés, die ohne Alkoholausschank bis 20 Uhr geöffnet bleiben dürfen. Bis 21.30 Uhr können Gaststätten indes Essen ausgeben und bis 23.30 Uhr ausliefrn, wobei Bestellungen nur bis 22.30 Uhr angenommen werden dürfen.

Neue Corona-Regeln: Gratwanderung zwischen Schutz vor Infektionen und Schutz der Ökonomie

Der andalusische Regierungschef Juanma Moreno ist überzeugt, mit diesen Maßnahmen das Gesundheitssystem vor einer Überlastung bewahren zu können, ohne die Wirtschaft der Region zu sehr abzuwürgen. Der andalusische Gaststättenverband Horeca sieht das anders und hat auf die erneute Verschärfung der Auflagen für die Gastronomie mit harscher Kritik reagiert. Der Sektor sei von der Landesregierung, zu Unrecht wie Horeca meint, einmal mehr als Sündenbock der Corona-Pandemie gebrandmarkt worden. Der wirtschaftliche Schaden, der den Gaststätten dadurch entstehe, sei enorm und das just, nachdem sie schon im Weihnachtsgeschäft Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent hätten wegstecken müssen. Weshalb der Gaststättenverband von der spanischen Zentralregierung auch mehr finanzielle Direkthilfen fordert.

Und von der andalusischen Landesregierung fordert Horeca eine Beschleunigung der Corona-Schutzimpfungen, um möglichst bald zur Normalität zurückkehren zu können. Tatsächlich ist die Impfkampagne wie überall in Spanien schleppend angelaufen, mittlerweile scheint sie aber etwas an Fahrt aufzunehmen, obwohl bislang noch immer davon abgesehen wird auch an Sonn- und Feiertagen zu impfen. Mittlerweile konnten immerhin schon fast 70.000 Andalusier die erste Impfspritze bekommen, größtenteils Bewohner und Betreuer von Seniorenresidenzen, in geringerem Maße aber auch Beschäftigte des Gesundheitswesens. Bis Ende der kommenden Woche sollen sämtliche Bewohner und Angestellten aller andalusischen Seniorenresidenz, an die 85.000 Personen, die erste Dosis erhalten.

Corona-Schutzimpfung in Andalusien: Erst die Hälfte der verfügbaren Impfdosen verabreicht

Andalusien hat bislang zwei reguläre Lieferungen des Impfstoffes von BioNTech und Pfizer erhalten, eine Anfang vergangener und eine weitere zu Beginn dieser Woche. Von allen verfügbaren Impfdosen sind nach Angaben der Landesregierung bis zum gestrigen Freitag 49,8 Prozent verabreicht worden. Damit liege man ganz klar über dem nationalen Durchschnitt, meint der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno. Tatsächlich wurden zum Beispiel  in der Region Madrid, Schlusslicht im landesweiten Ranking, erst weniger als 15 Prozent der erhaltenen Impfdosen verabreicht. Von der spanischen Zentralregierung fordert Moreno wie auch der Landesgesundheitsminister Jesús Aguirre mehr Impfstoff, denn mit den rund 69.000 Dosen die zurzeit angeliefert werden, könnten bis Ende März erst fünf Prozent der Bevölkerung der Region geimpft werden.

Nach holprigem Start scheint die Impfkampagne in Andalusien allmählich etwas besser in Fahrt zu kommen.

Die Europäische Union hat bereits den Kauf von weiteren 300 Millionen Impfdosen von BioNTech und Pfizer beschlossen, die sie wieder je nach Bevölkerungsanteil unter den Mitgliedstaaten verteilen dürfte. In Spanien wiederum dürfte Andalusien bei der Verteilung erneut entsprechend der Einwohnerzahl berücksichtigt werden. Und in Kürze wird mit jenem von Moderna auch noch ein zweiter Impfstoff verfügbar sein, weitere dürften später noch nachfolgen. Fraglich ist jedoch, ob Andalusien über die Kapazitäten verfügt, um die Durchimpfung der Bevölkerung spürbar zu beschleunigen, um bis zum Sommer, wie versprochen, die Hälfte der Bevölkerung zu immunisieren. Die Landesregierung versichert dies, den Beweis hierfür muss sie allerdings noch liefern.

Kritik an Impfkampagne der Landesregierung: Mangelnde Kapazitäten werden kaschiert

Von den Impfdosen, die Andalusien derzeit erhält, will das regionale Gesundheitsministerium 20 Prozent zur Sicherheit zunächst zurückbehalten. Damit soll gewährleistet werden, dass all jene Personen, die bereits die erste Impfspritze bekommen haben, auch die zur Immunisierung erforderliche zweite Dosis erhalten, selbst wenn es zu Versorgungsengpässen kommen sollte. Ursprünglich sollten zu diesem Zweck zehn Prozent der angelieferten Impfdosen zurückbehalten werden. Die andalusische Oppositionsführerin und ehemalige Regierungschefin Susana Díaz von der sozialistischen PSOE glaubt hingegen, dass die Landesregierung damit bloß eine statistische Makulatur betreiben und ihre fehlenden Kapazitäten zur Verabreichung aller Impfdosen kaschieren wolle.

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