Eine Gruppe junger Menschen läuft mit Gepäck an einer Strandpromenade entlang.
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Gestiegene Mobilität: Die Reisefreudigkeit zur Urlaubssaison dürfte einen großen Anteil an der zurzeit negativen Entwicklung der Infektionszahlen haben.

Im Sog der fünften Welle

Coronavirus in Andalusien: steigende Inzidenz - Restriktionen verschärft

  • José Antonio Nieto
    VonJosé Antonio Nieto
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An weitere Lockerungen der Corona-Restriktionen ist in Andalusien zurzeit nicht zu denken. Stattdessen werden die Zügel wieder stärker angezogen. Die Fallzahlen schießen wieder in die Höhe.

Update, 23. Juli: Allein am heutigen Freitag sind in Andalusien 5.721 Neuinfizierte vermeldet worden. Die 14-Tages-Inzidenz ist damit weiter angestiegen auf 470,9. Alarmierend ist auch die Entwicklung der Patientenzahlen. Die Zahl der Covid-Patienten in den andalusischen Krankenhäusern hat sich bereits auf 911 erhöht, jene der Intensivpatienten auf 165. Trotz der negativen Tendenz wird bis auf Weiteres noch nirgends in der Region die nächtliche Ausgangssperre gelten, die im Kampf gegen die fünfte Welle in einzelnen Gemeinden erneut zur Anwendung kommen sollte (siehe unten). Die fünf Kandidaten, denen diese drohte - Marbella, Conil, Tarifa, Pozoblanco und Villanueva - haben ihre Inzidenz nämlich jeweils wieder unter 1.000 drücken können. Zwar weisen weitere 26 Gemeinden noch eine Inzidenz über diesem Grenzwert auf, allerdings haben sie alle weniger als 5.000 Einwohner, weshalb sie von der restriktiven Maßnahme der Ausgangssperre verschont bleiben.

Zur aktuellen Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Andalusien.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
Einwohner8,427 Millionen (Stand 2019)
HauptstadtSevilla

Erstmeldung, 21. Juli: Sevilla - Die fünfte Coronavirus-Welle hat Andalusien fest im Griff. Die Infektionsfälle nehmen aktuell sehr stark zu. Seit einer Woche werden Tag für Tag mehr als 3.000 Neuinfektionen registriert. Die 14-Tages-Inzidenz ist innerhalb der letzten Woche von 314,1 auf 432,9 (Stand 21. Mai) empor geklettert. So hoch hatte sie seit Mitte Februar nicht mehr gelegen. Die mit Abstand höchste Inzidenz weist die Provinz Málaga mit 717,6 auf, die niedrigste die Provinz Sevilla mit 282. In Spanien beträgt der Inzidenzwert zurzeit 644. Dabei ist Andalusien von der Herdenimmunität gar nicht mehr so weit entfernt. Bislang sind bereits 9,4 Millionen Covid-Impfungen verabreicht worden. Abgeschlossen haben ihre Impfung 5,27 Millionen Einwohner, was knapp 53,3 Prozent der Bevölkerung entspricht. Zumindest eine erste Dosis haben immerhin schon fast 62,3 Prozent der Einwohner erhalten. Und zu den Immunisierten müsste man ja schließlich auch noch die über 609.500 Andalusier hinzurechnen, die sich bereits infiziert hatten und wieder genesen sind. 

Der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno nennt die aktuelle Corona-Lage besorgniserregend, alarmierend sei sie jedoch nicht. Der Landesgesundheitsminister Jesús Aguirre räumt indes ein, dass sich die Entwicklung der Infektionszahlen, obwohl sich größtenteils junge, noch ungeimpfte Menschen anstecken, die eher selten schwer erkranken, doch auch schon deutlich im Gesundheitswesen niederschlägt. Seit einer Woche steigen die Patientenzahlen auch kontinuierlich an. In den andalusischen Hospitälern befinden sich aktuell 868 Covid-Patienten, das sind 217 mehr als sieben Tage zuvor. Von diesen müssen 153 auf der Intensivstation behandelt werden, 23 mehr als noch vor einer Woche. Die zunehmende Auslastung drückt auch die Bettenbelegung aus. Von allen Krankenhausbetten sind zwar erst 4,88 Prozent mit Corona-Infizierten belegt, von allen Intensivbetten aber immerhin schon 8,39 Prozent - mit steigender Tendenz.

Coronavirus in Andalusien: Comeback der nächtlichen Ausgangssperre

Vor diesem Hintergrund musste die andalusische Regierung natürlich weitere Lockerungen der Corona-Restriktionen erneut aufschieben. Ihr dreistufiger Deeskalationsplan, der Anfang Mai gestartet war, ist über die erste Stufe noch immer nicht hinausgekommen. Stattdessen hat sich die Landesregierung, nachdem sie in den letzten Wochen die negative epidemiologische Entwicklung noch tatenlos verfolgt hatte, sogar dazu durchgerungen, die Zügel wieder stärker anzuziehen. Zum einen hat sie beschlossen, in Gemeinden mit über 5.000 Einwohnern, deren 14-Tages-Inzidenz den Grenzwert von 1.000 überschreitet, eine nächtliche Ausgangssperre von 2 bis 7 Uhr anzuordnen. Davon betroffen wären zurzeit Marbella (Málaga), Conil und Tarifa (beide Cádiz) sowie Pozoblanco und Villanueva (beide Córdoba). Allerdings muss die Maßnahme erst noch vom Obersten Andalusischen Gerichtshof (TSJA) abgesegnet werden.

Bislang wurde für Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern eine Abriegelung angeordnet. Davon dürfte man nicht zuletzt zum Wohle des Tourismus Abstand genommen haben, da man auch beliebte Urlaubsorte hätte abschotten müssen. Dies wäre andererseits aber auch nicht ganz gerecht, wie etwa Marbellas Bürgermeisterin Angeles Muñoz beklagt, weil die Inzidenzwerte ein ungenaues Bild liefern und somit als Kriterium nur sehr bedingt geeignet sind. Für ihre Berechnung werden nämlich die Zahl der Neuinfektionen im Verhältnis zur Einwohnerzahl herangezogen. Die Bevölkerung erhöht sich in fast allen andalusischen Urlaubsorten, ganz besonders in jenen an der Küste, in den Sommermonaten zum Teil eklatant. In Marbella, versichert die Bürgermeisterin verdreifache sie sich sogar. Entsprechend sei der Wert der 14-Tages-Inzidenz, der in Marbella aktuell bei 1.028,9 liegt, irreführend. Die reale Inzidenz, ist Angeles Muñoz überzeugt, belaufe sich bloß bei etwa 350.

Coronavirus in Andalusien: Strände sollen in der Nacht geschlossen bleiben

Beschlossen hat die andalusische Regierung ferner die Kapazitäten von Gaststätten und von Festlokalen etwas weiter zu limitieren, und zwar abhängig von der Alarmstufe, in der sich der jeweilige Gesundheitsdistrikt befindet. Die Öffnungszeiten hat sie indes zum Schutz der Gastronomie nicht weiter einschränken wollen. Und Nachtclubs sollen die Identität ihrer Gäste festhalten, um bei einem Infektionsfall die Kontakte aufspüren zu können. Außerdem sollen in den Gemeinden, deren Gesundheitsbezirke sich in Alarmstufe 2 oder darüber befinden, die Strände und Parkanlagen in der Zeit von 23 bis 7 Uhr gesperrt werden. Damit sollen vor allem die weit verbreiteten Trinkgelage unterbunden werden, die zurzeit besonders angesagt sind, da Pubs und Diskotheken spätestens um 2 Uhr schließen müssen. Das Coronavirus liebe solche nächtlichen Ansammlungen nämlich über alles, beteuert der andalusische Regierungschef Juanma Moreno.

Ansonsten spricht die andalusische Regierung noch eine Reihe von Empfehlungen aus, wie etwa traditionelle Volksfeste und religiöse Pilgerfahrten abzusagen und auch auf größere private Feiern zu verzichten. Die Stadt Málaga beispielsweise hat vor wenigen Tagen bereits ihr Sommerfest abgesagt, das Mitte August angestanden hätte und zuletzt auf den September hätte verschoben werden sollen. Die neuen Corona-Regeln, die am vergangenen Dienstagabend beschlossen wurden - nach einer Sitzung des Expertenkomitees, das die Landesregierung in der sanitären Krise berät - sind zum heutigen Donnerstag in Kraft getreten.

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