Zwei junge Frauen gehen barfuß am Ufer eines Strandes spazieren.
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Ein fast normaler Sommer soll es in Andalusien werden. Die Corona-Deeskalation läuft jedoch langsamer als geplant.

Deeskalation zieht sich in die Länge

Coronavirus in Andalusien aktuell: Inzidenz weiter auf hohem Niveau - Restriktionen bleiben

  • José Antonio Nieto
    VonJosé Antonio Nieto
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Erneut hat die andalusische Landesregierung weitere Lockerungen der Corona-Restriktionen aufschieben müssen. Der Inzidenzwert hält sich in der Region nämlich hartnäckig auf hohem Niveau. 

Sevilla - Am 9. Mai startete in Andalusien ein Deeskalationsplan zur schrittweisen Lockerung der Coronavirus-Restriktionen in drei Phasen. Am 21. Juni hätte die Region eigentlich schon in die dritte und letzte Phase eintreten sollen. Stattdessen befindet sie sich aber noch immer in der ersten Phase, die Ende Mai hätte enden sollen. Und diese ist wegen der anhaltend hohen Inzidenz bereits zum dritten Mal verlängert worden – vorerst bis Ende Juni.

Zur aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Andalusien.

Nach wie vor also dürfen Bars und Restaurants in Andalusien nur bis 24 Uhr, Pubs und Diskotheken bis 2 Uhr öffnen. Die einzige neu beschlossene Änderung betrifft die Eisdielen. Diese dürfen nun nämlich eine Stunde länger, bis 1 Uhr öffnen, ab Mitternacht aber keinen Alkohol mehr ausschenken. Die bisherigen Corona-Regeln sind ansonsten nur noch in einem Punkt modifiziert worden. Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern und einer 14-Tages-Inzidenz über 1.000 sollen nicht mehr zwangsläufig abgeriegelt werden, sondern abhängig von der Entwicklungstendenz ihrer Infektionsrate.

Coronavirus Andalusien: Landesregierung gegen Abschaffung der Maskenpflicht

Noch offen ist, ob die Maskenpflicht im Freien in Andalusien bald fallen wird oder nicht. Dahin tendiert zumindest die spanische Zentralregierung. Die andalusische Regierung aber plädiert für ihre weitgehende Beibehaltung. Der Landesgesundheitsminister Jesús Aguirre hat sich lediglich dafür ausgesprochen, das Ablegen der Schutzmasken in der freien Natur bei Einhaltung des Mindestabstandes zu erlauben und am Strand, solange man sich an seinem Platz im Kreise seines engeren Personenkreises befindet. Die Atemschutzmaske sei schließlich die effektivste Waffe, die man zur Prävention von Infektionen hätte, zumal sogar bereits geimpfte Personen, auch wenn sie selbst nicht erkranken, das Virus weiter übertragen könnten, begründet Aguirre seinen Standpunkt.

Dass die aktuell in Andalusien geltenden Corona-Restriktionen, die am 15. Juni hätten auslaufen sollen, doch noch länger beibehalten werden, ließ der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno schon Ende letzter Woche durchblicken. Am vergangenen Dienstagabend tagte dann das Expertenkomitee, das die Landesregierung in der sanitären Krise berät, und kam zum gleichen Schluss. Die Corona-Inzidenz beginne zwar wieder zu sinken, aber noch sehr zaghaft. Und sie befinde sich noch auf einem Niveau, in dem das Infektionsrisiko hoch sei.

Coronavirus Andalusien: Almería mit niedrigster, Huelva mit der höchsten Inzidenz

Tatsächlich weist Andalusien zurzeit die höchste Infektionsrate aller Regionen in Spanien auf. Die 14-Tages-Inzidenz liegt noch bei 180,1 (Stand 16. Mai), sehr weit über dem landesweiten Mittelwert, der sich auf 98 beläuft. Recht groß sind die Unterschiede innerhalb der Region, wobei die Provinz Almería mit 68,5 die mit Abstand niedrigste und Huelva mit 262,9 die höchste Inzidenz aufweist. Dazwischen liegen die Provinzen Cádiz (140,8), Málaga (156,8), Granada (195,9), Jaén (202,1), Sevilla (210,6) und Córdoba (229,4).

Rückläufig ist in Andalusien seit Wochen auch die Auslastung der Krankenhäuser, wobei sich die Tendenz zuletzt aber etwas abgeschwächst hat. In den Hospitälern der Region befinden sich derzeit 718 Covid-Patienten, 49 weniger als eine Woche zuvor. Von diesen befinden sich 156 in Intensivbehandlung, acht weniger als noch vor sieben Tagen. Von allen Krankenhausbetten sind 4,0 Prozent mit Corona-Infizierten belegt, spanienweit sind es sogar nur 2,6 Prozent. Und von allen Intenisvbetten sind 8,4 Prozent mit Covid-Patienten belegt, unter dem nationalen Durchschnitt von 9,5.

Coronavirus Andalusien: mehr als ein Viertel der Andalusier bereits komplett geimpft

Für die erfreulichsten Nachrichten sorgt derweil die Impfkampagne, die immer mehr an Fahrt aufnimmt. In der zweiten Juni-Woche konnten in Andalusien 658.000 Impfspritzen gesetzt werden, ein neuer Rekord in der Region. Obwohl man noch relativ weit von der Vorgabe des Plans Un Millón der Landesregierung entfernt ist, der darauf abzielt, pro Woche bis zu einer Million Impfdosen zu verabreichen. Bis Mitte Juli, prophezeit der andalusische Regierungschef Moreno, werden dennoch bereits 70 Prozent zumindest der über 16 Jahre alten Andalusier vollständig geimpft sein.

In großen Hallen oder nach dem Drive-In-Prinzip: Bei der Impfkampagne gilt es, möglichst wenig Zeit zu verlieren.

Coronavirus Andalusien: Priorisierung der Austauschstudenten in der Impfkampagne

Zurzeit ist in Andalusien noch die zahlenmäßig stärkste Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen an der Reihe. Die Terminvergabe beginnt sich indes schon an die jüngeren Generationen unter 40 Jahren zu richten. Von 39 Jahren abwärts soll es weiterhin hübsch der Reihe nach gehen, allerdings mit einer Ausnahme. Die Gesundheitsbehörden wollen nämlich die Studenten priorisieren, die im Rahmen von Erasmus-Programmen ins Ausland gehen werden, um sie noch vor ihrer Abreise zum Semesterbeginn im Herbst mit einem Impfschutz auszustatten.

Außerdem soll für die Gruppe der 60- bis 69-Jährigen, die mit AstraZeneca geimpft werden, bislang aber nur die erste Spritze erhalten haben, die Wartezeit verkürzt werden. Und zwar von den bisher vorgesehenen drei Monaten auf zehn Wochen. Der Grund ist die zunehmende Ausbreitung der aus Indien stammenden Delta-Variante des Coronavirus. Vor dieser infektiöseren und wohl auch aggressiveren Virusmutation sollen gerade die älteren, gefährdeten Personen geschützt sein.

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