Kleine Gruppen junger Leute sitzen auf der Terrasse eines Lokals.
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Andalusien hat die fünfte Welle ohne drastische Verschärfungen der seit Anfang Mai geltenden Restriktionen überstanden.

Fünfte Welle ebbt zunehmend ab

Coronavirus Andalusien: Inzidenz weiter rückläufig - Restriktionen erneut verlängert

  • José Antonio Nieto
    VonJosé Antonio Nieto
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In Andalusien sind die Infektionszahlen weiterhin auf dem Rückmarsch. Seit einigen Tagen nimmt auch die Auslastung der Krankenhäuser wieder ab. Die bisher geltenden Corona-Regeln sind derweil erneut verlängert worden.

Update, 27. August: Ab dem heutigen Freitag unterliegt keine andalusische Gemeinde mehr einer nächtlichen Ausgangssperre von 2 bis 7 Uhr. Die vier zuletzt betroffenen Gemeinden - Bailén, Mengíbar und Villanueva del Arzobispo in der Provinz Jáen sowie Villaverde del Rio in der Provinz Sevilla - haben ihre 14-Tages-Inzidenz jeweils wieder unter 1.000 drücken können. Mittlerweile befinden sich auch wieder drei Gesundheitsdistrikte der Region in der Alarmstufe 1, nachdem der Distrikt Granada-Süd von Stufe 2 auf 1 heruntergesetzt worden ist. In der Alarmstufe 1 befanden sich zuvor bereits die Distrikte Granada-Nord und Levante-Almanzora in der Provinz Almería. Die 31 übrigen andalusischen Gesundheitsdistrikte befinden sich indes noch alle in der Alarmstufe 2.

Zur aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Andalusien.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
Einwohner8,427 Millionen (Stand 2019)
Hauptstadt Sevilla

Update, 24. August: Die 14-Tages-Inzidenz ist in Andalusien weiter gesunken auf 328,8 (Stand 24. August). Die 7-Tages-Inzidenz ist ebenfalls abgefallen auf 132,4. Der Druck auf die Hospitäler nimmt ebenfalls weiter ab. In den Krankenhäusern der Region befinden sich aktuell noch 1.281 Covid-Patienten, 116 weniger als eine Woche zuvor. Von diesen müssen 226 auf der Intensivstation behandelt werden, fünf weniger als in der Vorwoche. Und im Rahmen der Impfkampagne konnten bereits knapp 11,63 Millionen Impfspritzen verabreicht worden. Ihre Impfung abgeschlossen haben 67,7 Prozent der Einwohner, 76,4 Prozent haben zumindest eine erste Impfdosis erhalten.

Coronavirus in Andalusien: Schwangere Frauen werden zur Impfung animiert

Sehr gering ist in Andalusien der Anteil der Impfverweigerer. Nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums liegt er gerade einmal bei 0,6 Prozent. Eine Impfung abgelehnt haben indes mehr als die Hälfte der schwangeren Frauen aus der Region. Die Gesundheitsbehörden rufen daher alle Schwangeren an, um sie zur Impfung zu bewegen. 28 schwangere Frauen befinden sich in Andalusien zurzeit wegen Covid in stationärer Behandlung in einem Krankenhaus, zwei von ihnen mit nur einer Impfdosis und die übrigen komplett ungeimpft. Sieben Schwangere befinden sich auf der Intensivstation, alle noch ungeimpft. In Sevilla verstarb vor wenigen Tagen eine mit Corona infizierte Frau wenige Tage nach der Entbindung, das Baby ist wohlauf.

Erstmeldung, 19. August: Sevilla – Die fünfte Coronavirus-Welle verliert in Andalusien zunehmend an Kraft. Die 14-Tages-Indizenz ist mittlerweile auf 419 (Stand 18. August) abgefallen. Vor einer Woche hatte sie noch bei 538 gelegen. Auf dem Höhepunkt der fünften Welle Anfang des Monats hatte sie fast 600 erreicht. Innerhalb der Region weist die Provinz Granada mit 329 die niedrigste und die Provinz Huelva mit 512 die höchste Inzidenz auf. Córdoba, Almería und Cádiz unterschreiten den regionalen Mittelwert, während Sevilla, Málaga und Jaén über dem Durchschnitt liegen. In Spanien beträgt die 14-Tages-Inzidenz aktuell 378. 

Der Rückgang der Neuinfektionen schlägt sich inzwischen auch im Gesundheitswesen nieder. Der Druck auf die andalusischen Krankenhäuser nimmt nun wieder ab. Aktuell befinden sich in den Hospitälern der Region 1.420 Covid-Patienten. Der Höchststand während der fünften Welle waren 1.490 gewesen. Die Auslastung der Intensivstationen verzeichnet ebenfalls eine positive Entwicklung. In diesen liegen zurzeit noch 239 Corona-Infizierte, 21 weniger als der Spitzenwert der fünften Welle. Von allen Krankenhausbetten sind in Andalusien momentan 8,1 Prozent mit Covid-Patienten belegt, von allen Intenisvbetten 13 Prozent.

Coronavirus in Andalusien: Nur noch vier Gemeinden mit nächtlicher Ausgangssperre

Erstmals seit Wochen befinden sich mit den Gesundheitsdistrikten Granada-Nord und Levante-Almanzora in der Provinz Almería wieder zwei Distrikte in der Alarmstufe 1. Die 32 übrigen Gesundheitsdistrikte der Region unterliegen der Alarmstufe 2. Herabgestuft wurden die sechs Distrikte der Provinz Málaga sowie die vier Distrikte der Provinz Córdoba, die sich bis gestern noch in der Alarmstufe 3 befanden. Zum morgigen Freitag wird außerdem in fünf Gemeinden – Casas Viejas, Bonares, Trigueros, Tocina und El Cuervo die nächtliche Ausgangssperre von 2 bis 7 Uhr wieder aufgehoben, da sie die 14-Tages-Inzidenz jeweils wieder unter 1.000 drücken konnten. In Bailén, Mengibar und Villaverde del Rio musste die Maßnahme hingegen verlängert und in Villanueva del Arzobispo neu verhängt werden. 

Unterdessen ist das Expertenkomitee, das die andalusische Regierung in der sanitären Krise berät, in dieser Woche wieder zusammengetreten, um die jüngste Evolution der Corona-Pandemie zu analysieren. Der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno, der sich zurzeit im Urlaub befindet, nahm per Videokonferenz an der Sitzung teil. Wie nicht anders zu erwarten war, sind die bereits am 7. Mai beschlossenen Restriktionen - als die vierte Corona-Welle am Abklingen war - weiter verlängert worden. Mit einer einzigen Ausnahme: In den Innenräumen von Gaststätten dürfen fortan bis zu sechs Personen, statt nur vier an einem Tisch zusammensitzen. Was auch für private Feiern wie Hochzeiten gilt. Dies gilt zwar nur für die Distrikte in Alarmstufe 1 oder 2, aber darüber befindet sich aktuell ja kein Distrikt mehr.

Coronavirus in Andalusien: Ausbrüche in Seniorenheimen - Regelmäßige Tests für Pfleger

Die andalusische Regierung hat darüber hinaus beschlossen, die Corona-Regeln für Seniorenheime etwas zu verschärfen, nachdem sich Infektionsausbrüche in diesen zuletzt wieder gehäuft hatten. So sollen alle Mitarbeiter der Residenzen künftig regelmäßig auf Corona getestet werden. Die bereits komplett geimpften Angestellten werden sich alle zwei Wochen, die ungeimpften sogar zweimal pro Woche einem Test unterziehen müssen. Der Verband der andalusischen Seniorenvereinigungen (Foam) hat von der Landesregierung außerdem gefordert, Besuche in den Residenzen nur noch Personen mit abgeschlossener Impfung zu erlauben.

Corona-Ausbrüche in Seniorenheimen: Geimpft oder nicht, muss sich das Personal der Residenzen künftig regelmäßig testen lassen.

In ihrem Bestreben, auch für das Nachtleben die Corona-Regeln zu verschärfen, hat die andalusische Regierung derweil einen Dämpfer von der Justiz erhalten. Zunächst hatte der Oberste Andalusische Gerichtshof die Anordnung der Landesregierung aufgehoben, für einen Disco-Besuch den Covid-Pass oder einen negativen Corona-Test vorzeigen zu müssen. Nachdem die Landesregierung Einspruch dagegen einlegte, hat der Oberste Spanische Gerichtshof das Urteil nun bestätigt. Dabei waren sogar die Betreiber der Diskotheken und Nachtclubs mit der Maßnahme einverstanden, ihre Bereitschaft zur Umsetzung knüpften sie allerdings an die Bedingung dafür länger als bis 2 Uhr öffnen zu dürfen, da die aktuelle Sperrstunde ihnen ein rentables Wirtschaften unmöglich mache.

Coronavirus in Andalusien: Impfung in Urlaubsorten für Touristen aus der eigenen Region

Für die positiven Pandemie-Schlagzeilen sorgt schließlich weiterhin vor allem die Impfkampagne. Aktuell werden bereits die 12- bis 16-Jährigen geimpft, um sie noch vor dem Schulbeginn im September zu immunisieren. Außerdem werden zurzeit in zahlreichen andalusischen Urlaubsorten Massenimpfungen ohne Termin angeboten, und zwar für Andalusier aus anderen Gegenden, die dort ihre Ferien verbringen. Mittlerweile konnten in Andalusien schon knapp 11,27 Millionen Impfspritzen verabreicht werden. Ihre Impfung abgeschlossen haben inzwischen 64,8 Prozent der Einwohner, zumindest eine erste Dosis haben schon 74,9 Prozent erhalten.

Die Herdenimmunität wäre gar nicht mehr so weit entfernt, wenn denn eine Durchimpfung von 70 Prozent der Bevölkerung hierfür ausreichen würde. Die Experten gehen inzwischen aber davon aus, dass doch 80 oder gar 90 Prozent immunisiert werden müssten, vor allem wegen der Delta-Variante. In Andalusien gehen auf diese mittlerweile auch schon über 90 Prozent der Neuinfektionen zurück. Mehr als 80 Prozent der Einwohner zu immunisieren wird aber nicht möglich sein, ohne auch die Kinder unter 12 Jahren zu impfen. Und ob dies unbedenklich und auch ratsam ist, wird zurzeit noch geprüft.

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