Eine Frau mit einem Regenschirm steht am Eingang eines Bekleidungsgeschäftes.
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Rettungsschirm für angeschlagene Sektoren: Die Landesregierung verteilt 585 Millionen Euro an Direkthilfen für den Handel, die Gastronomie und weitere Wirtschaftszweige.

Rettungsschirm für Krisensektoren

Corona-Krise in Andalusien: 732 Millionen Euro für den Wiederaufbau

  • José Antonio Nieto
    vonJosé Antonio Nieto
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Lange Zeit schien das Flehen der unter der Corona-Krise besonders stark leidenden Wirtschaftsakteure nach Direkthilfen auf taube Ohren zu stoßen. Nun aber hat die Landesregierung mit den Sozialpartnern einen Plan zur ökonomischen und sozialen Reaktivierung der Region ausgehandelt.

Sevilla - Andalusien befindet sich zurzeit an einem Scheitelpunkt zwischen dem Ende der dritten und der wohl kaum zu vermeidenden vierten Welle. Auf der nur stockend voranschreitenden Impfkampagne gegen das Coronavirus ruhen die Hoffnungen, dass die vierte Infektionswelle nicht ganz so hart zuschlägt wie die vorangegangenen. Diese haben nicht zuletzt den Gewerbetreibenden schwer zugesetzt, allen voran den kleinen Ladenbesitzern und Gastronomen. Zumindest ist ihr stetiges Flehen nach Direkthilfen in Andalusien endlich erhört worden.

Corona-Krise in Andalusien: Politik und Sozialpartner nach langem Ringen im gleichen Boot

Nach zähen Verhandlungen – elf Sitzungen, auf denen über 50 Stunden lang debattiert wurde – hat sich die andalusische Regierung mit dem regionalen Arbeitgeberverband CEA und den beiden führenden Gewerkschaften UGT und CC.OO. auf einen Plan zur wirtschaftlichen und sozialen Reaktivierung in Andalusien geeinigt. Bis zu 732,4 Millionen Euro steckt die Landesregierung in den Rettungsschirm.

585 Millionen Euro werden dem ökonomischen Wiederaufbau in Andalusien gewidmet sein. Mit dem Geld sollen Betriebe aus den besonders von der Corona-Krise betroffenen Sektoren unterstützt werden und damit auch ihre Arbeitsplätze erhalten werden. Profitieren sollen unter anderem Hotels, Landgasthäuser, Gaststätten, Diskotheken, Geschäfte, Fitnessstudios und Reisebüros, ebenso wie selbständige Friseure, Taxifahrer, Handwerker oder Reiseführer, um nur einige zu nennen.

Immer wieder haben Vertreter des Handels, der Gastronomie und anderer krisengeplagter Sektoren demonstriert, um Corona-Direkthilfen zur Erhaltung ihrer Existenzgrundlage in Andalusien einzufordern.

Direkthilfen für Unternehmen: Zur Zahlung von Gehältern und zur Kompensation von Verlusten

Von den 585 Millionen Euro sollen 270 Millionen zweckgebunden für die Zahlung von Gehältern und der Rest zur Kompensation von Verlusten ausgezahlt werden. Allein 86,3 Millionen werden Unternehmen aus den Bereichen Handel und Gastronomie vorbehalten sein, und zwar jenen, die 2020 Umsatzeinbußen von mindestens 20 Prozent gegenüber 2019 nachweisen können. Weitere 60 Millionen Euro entfallen auf die Hotels in Andalusien, je nach Anzahl ihrer Zimmer können diese zwischen 3.000 und 160.000 Euro beanspruchen, 200 pro Zimmer.

107 Millionen Euro sollen wiederum den in besonderem Maße von der Corona-Krise geplagten Haushalten in Andalusien zugutekommen. Mit 70 Millionen Euro sollen an die 333.000 Beschäftigte finanziell unterstützt werden, deren Einkommen geschmälert sind, weil sie sich in Kurzarbeit befinden. Weitere 30 Millionen Euro sollen als außerordentliche Hilfe an notleidende Familien ausgezahlt werden.

Plan zur Reaktivierung der Wirtschaft in Andalusien: Keine Lösung für alle Probleme, aber erster Schritt dahin

Die verbleibenden 40,4 Millionen Euro will die Landesregierung in Andalusien schließlich in eigener Sache investieren. Um nämlich den Verwaltungsapparat mit bis zu 1.700 Neueinstellungen zu verstärken, da auf diesen im Zuge des Wiederaufbaufonds eine Flut an zu bearbeitenden Anträgen zukommen wird.

Der mit den Sozialpartnern vereinbarte Plan zur wirtschaftlichen und sozialen Reaktivierung in Andalusien werde zwar gewiss nicht die Lösung für alle durch Corona verursachten Probleme sein, erklärte der andalusische Präsident Juanma Moreno. Er wäre aber ein erster Schritt sein, um den ökonomischen Wiederaufbau zumindest in Gang zu bringen.

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