Der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno hält eine Rede in einem Hospital.
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Schlingerkurs: Bis vor wenigen Tagen erteilte der andalusische Regierungschef Juanma Moreno Forderungen nach einer Deeskalation noch eine Absage, inzwischen zeigt er sich für Lockerungen offen.

Ostern mit geimpften Touristen?

Coronavirus in Andalusien: Landesregierung erwägt Lockerungen - aber nicht vor März

  • José Antonio Nieto
    vonJosé Antonio Nieto
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Bisher wollte die andalusische Regierung von einer Deeskalation wenig wissen. Nun aber beginnt sie umzuschwenken und erwägt eine baldige Lockerung der Corona-Restriktionen.

Update, 27. Februar: Die 14-Tages-Inzidenz setzt in Andalusien ihren Abwärtstrend weiter fort. Aktuell liegt sie bei 196,5, nur noch knapp über dem landesweiten Mittelwert, der sich auf 193 beläuft, und ganz weit unter dem Wert von vor einer Woche, als die Inzidenz noch bei 341,2 lag. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Provinzen sind indes noch immer beträchtlich, wobei Almería mit einer Inzidenz von 299,5 nach wie vor am schlechtesten abschneidet, während Huelva mit 141,9 nicht einmal die Hälfte dieses Wertes erreicht. Weiter am Abnehmen ist auch die Zahl der Covid-Patienten in den andalusischen Hospitälern. Diese ist mittlerweile auf 1.985 abgefallen, 701 weniger als sieben Tage zuvor und so wenig wie seit Mitte Januar nicht mehr. Einen vergleichbaren Verlauf zeigt auch die Zahl der Corona-Infizierten in Intensivbehandlung, die inzwischen auf 483 gesunken ist, 143 weniger als noch vor einer Woche. Von allen Krankenhausbetten sind noch 11,15 Prozent und von allen Intensivbetten 23,3 Prozent mit Covid-Patienten belegt.

Zur aktuellen Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Andalusien.

Aufgrund einer 14-Tage-Inzidenz über 500 sind zurzeit nur noch 51 andalusische Gemeinden abgeriegelt und nur noch in sechs von diesen müssen wegen einer Inzidenz über 1.000 die Gaststätten und nicht essenziellen Geschäfte geschlossen bleiben. Darunter befindet sich indes keine einzige größere Stadt, denn von den 29 andalusischen Ortschaften mit über 50.000 Einwohnern weisen nur sieben - Almería als einzige Provinzhauptstadt sowie Marbella, Estepona, El Ejido, Algeciras, Sanlúcar de Barrameda und Utrera - eine Inzidenz zwischen 250, ab der das Ansteckungsrisiko als extrem eingestuft wird, und 500 auf. Die 22 restlichen Großstädte, darunter die sieben übrigen Provinzhauptstädte - Cádiz, Córdoba, Granada, Huelva, Jaén, Málaga und Sevilla - sind mit einer Inzidenz unter 250 bereits von der Alarmstufe 4 in Stufe 3 gewechselt. Dies bringt zum Beispiel für Geschäfte und Gaststätten eine Ausweitung ihrer Aufnahmekapazitáten mit sich.

Coronavirus in Andalusien: Britische Variante bereits dominant in der Region

Trotz der stark rückläufigen Fallzahlen zeigt sich der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno nicht besonders optimistisch. Vor allem, weil sich die britische Variante des Coronavirus, auf die laut Moreno bereits an die 60 Prozent der Ansteckungen zurückgehen, immer stärker ausbreitet. Aber auch weil sich der Rückgang der Infektions- und Patientenzahlen zu verlangsamen beginne und Andalusien das gleiche Schicksal drohen könnte wie Katalonien, wo sich Moreno zufolge bereits eine erneute Umkehrung des Abwärtstrends andeute. Deshalb relativiert der andalusische Regierungschef denn auch seine jüngsten Äußerungen hinsichtlich der Lockerung der Corona-Restriktionen, um allzu große Erwartungen zu dämpfen. Die Flexibiliserung der Mobilitätsbeschränkungen und der Regeln für Geschäfte und Gaststätten werde sehr limitiert sein und die Deeskalation alles andere als schnell von statten gehen.

Erstmeldung, 24. Februar: Sevilla - Noch bis Ende vergangener Woche war der Standpunkt der andalusischen Landesregierung eindeutig. Ostern sollte auch dieses Jahr kein richtiges Ostern sein und mit den Corona-Restriktionen werde man noch einige Monate klarkommen müssen. Denn eine weitgehende Lockerung der Restriktionen komme erst zum Sommer hin infrage, wenn die ersehnte Herdenimmunität näher rücke. Zumal wegen der zunehmenden Ausbreitung der britischen Variante des Coronavirus - in Andalusien sollen bereits über 40 Prozent der Infektionen auf diese zurückgehen und könnten bald die Mehrheit sein – die Gefahr einer vierten Welle schon bald heraufziehen könnte. Eile sei für eine Deeskalation daher keine geboten, erklärte jüngst noch der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno, denn die Entwicklung der Pandemie könnte diese wieder einmal ausbremsen.

Coronavirus in Andalusien: Vizepräsident will Tourismus schon zu Ostern reaktivieren

Angesichts der in der Region zuletzt rapide sinkenden Fallzahlen konnte man in der politischen Führungsriege Andalusiens in den vergangenen Tagen aber schon wieder ganz andere Töne vernehmen. Regierungschef Moreno stellte eine baldige Wiedererlangung der Mobilität zwischen den andalusischen Provinzen in Aussicht und hält auch eine Verlängerung der Öffnungszeiten für Geschäfte und Gaststätten für durchaus möglich. Sein Vizepräsident Juan Marín wagt sich sogar noch weiter vor und erwägt, den Tourismus bereits zur Ostersaison wiederzubeleben, zumindest für nachweislich geimpfte Urlauber. Wobei die spanische Zentralregierung in dieser Hinsicht die Bremse noch angezogen hält. Die Entscheidung, ob und in welcher Weise in Andalusien die Restriktionen gelockert werden, ist derweil vertagt worden, und zwar auf kommenden Mittwochabend. Dann nämlich wird die Landesregierung den nächsten Beratungstermin mit ihrem Expertenkomitee haben.

Die gegenwärtig geltenden Corona-Regeln, die am Monatsende auslaufen sollten, sind vom Kabinett daher am Dienstag auf seiner wöchentlichen Sitzung bis zum 4. März verlängert worden. Diese sehen unter anderem vor, dass man nur mit triftigem Grund nach Andalusien hinein oder aus der Region hinaus darf. Das Gleiche gilt für die acht andalusischen Provinzen untereinander. Und für jene Gemeinden deren 14-Tages-Inzidenz über 500 liegt, was momentan in 132 Gemeinden der Fall ist. Darunter befinden sich mit Almería und Cádiz nur zwei Provinzhauptstädte und mit Marbella und Algeciras noch zwei weitere Großstädte. Eine nächtliche Sperrstunde gilt von 22 bis 6 Uhr und soziale Treffen von Personen aus verschiedenen Haushalten sind auf vier Personen begrenzt, sowohl in Wohnungen als auch in der Öffentlichkeit. Und Gaststätten sowie nicht systemrelevante Geschäfte dürfen nur bis 18 Uhr Kunden empfangen, während sie in Gemeinden mit einer 14-Tages-Inzidenz gar nicht öffnen dürfen. Davon betroffen sind zurzeit nur noch 29 Gemeinden, darunter keine größere Stadt mit mehr als 50.000 Einwohnern. Zu den aktuellen Infektionsraten der wichtigsten Gemeinden an der Costa del Sol.

Mit dem Abflauen der dritten Welle hat sich die Zahl der Gemeinden, in denen Gaststätten und nicht essenzielle Geschäfte wegen einer besonders hohen Corona-Inzidenz nicht öffnen dürfen, zusehends verringert.

Coronavirus in Andalusien: Infektionsrisiko in der Region nicht mehr extrem

Zum kommenden Wochenende – die Infektionszahlen werden stets am Donnerstag geprüft und die entsprechenden Restriktionen zum Freitag angeordnet - dürften es in Andalusien noch deutlich weniger Gemeinden sein, die abgeriegelt sind oder in denen außerdem Bars und Restaurants geschlossen bleiben müssen. Die Infektionsrate der letzten 14 Tage sinkt nämlich zusehends. Aktuell liegt sie bei 235,1 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner (Stand 24. Februar), zwar noch immer über dem landesweiten Mittelwert aber bereits knapp unter dem Grenzwert von 250, ab dem das Infektionsrisiko als extrem gilt. Wobei nur drei Provinzen – Almería, Cádiz und Málaga - noch darüber liegen und die fünf übrigen – Granada, Sevilla, Jaén, Huelva und Córdoba - den Grenzwert schon unterschritten haben.

Die Auslastung der andalusischen Hospitäler nimmt ebenfalls deutlich ab. In den Krankenhäusern der Region befinden sich noch 2.208 Covid-Patienten, 983 weniger als vor einer Woche. Der bisherige Höchststand war am 2. Februar mit 4.980 Corona-Infizierten erreicht worden. Und in den Intensivstationen der Hospitäler müssen derzeit noch 538 Covid-Patienten behandelt werden, 105 weniger als sieben Tage zuvor und 197 weniger als am 7. Februar, an dem der bisherige Rekord seit Beginn der Corona-Pandemie registriert wurde. Von allen Krankenhausbetten sind zurzeit 13,3 Prozent mit Covid-Patienten belegt, landesweit sind es durchschnittlich 12,1. Die Belegung der Intensivbetten mit Corona-Infizierten beträgt 29,4 Prozent, ein Wert der unter dem spanischen Mittlerwert liegt, der sich auf 33 Prozent beläuft.

Coronavirus in Andalusien: Herdenimmunität vor dem Sommer kaum noch erreichbar

Das herbeigesehnte Ziel der Herdenimmunität liegt derweil noch in ganz weiter Ferne, denn bislang konnten erst an die 2,5 Prozent der andalusischen Bevölkerung gegen das Coronavirus immunisiert werden. 627.024 Impfdosen sind verabreicht worden, über 92 Prozent der erhaltenen Dosen, wobei 193.896 Personen nur die erste Spritze bekommen haben, während 216.564 Personen auch schon die zweite Dosis erhalten haben. Bis zum Sommeranfang soll die Durchimpfung 50 Prozent der Einwohner erreicht haben, für die Herdenimmunität werden mindestens 70 Prozent vorausgesetzt. Um die Impfkampagne zu beschleunigen, wollen die andalusischen Gesundheitsbehörden bis zu 500.000 Personen pro Woche impfen. Vor April wird dies aber nicht möglich sein, weil Andalusien aktuell längst noch nicht so viele Impfdosen erhält. Weshalb momentan pro Woche nur zwischen 150.000 und 160.000 Personen geimpft werden können.

Trotz der Bemühungen, die Impfkampagne mit Massenimpfungen etwa in Sporthallen oder Kongresszentren zu beschleunigen, konnten in Andalusien bislang erst 2,5 Prozent der Einwohner gegen das Coronavirus immunisiert werden.

Nach der Impfung der Bewohner und Betreuer der Seniorenresidenzen sowie der Beschäftigten des Gesundheitswesens konzentriert man sich aktuell vor allem auf die Risikogruppe der Senioren über 80 Jahre. Diese können im Falle einer mangelnden Mobilität in der Regel im Auto sitzend geimpft werden, mussten bislang aber noch die Impfzentren aufsuchen. Der Grund: In den Ampullen mit dem Impfstoff von Pfizer befinden sich sechs Dosen und diese mussten nach der Öffnung umgehend aufgebraucht werden. Nun aber hat das andalusische Gesundheitsministerium von der spanischen Zentralregierung die auch vom Hersteller abgesegnete Erlaubnis bekommen, Spritzen vorab mit einer Dosis zu füllen, um jene Senioren und Pflegefälle, die außerstande sind, die Impfstellen aufzusuchen, individuell in ihrem Zuhause impfen zu können.

Vorgerückt sind im Impfplan derweil die Lehrer, die seit Anfang der Woche geimpft werden, und zwar mit dem Impfstoff von AstraZeneca, da dieser in Spanien nur an Personen unter 55 Jahre verabreicht werden darf. Von den rund 150.000 Lehrkräften in der Region sind indes etwa 20.000 über 50 Jahre alt und wann diese geimpft werden sollen, beklagt die Beamtengewerkschaft CSIF, ist bis dato noch nicht bekannt. Fest steht hingegen bereits, dass in der kommenden Woche Polizisten und Beamte der Guardia Civil als nächstes an die Reihe kommen sollen, ebenfalls zumindest jene unter 55 Jahre.

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