Rocío Ruiz, andalusische Ministerin für Gleichstellung und Soziales.
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Die andalusische Sozialministerin Rocío Ruiz hat die ergriffenen Maßnahmen erläutert.

Neu entstandene Notlagen

Coronavirus: Andalusien muss sozialpolitische Initiativen verstärken

  • vonJosé Antonio Nieto
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Mit der Coronavirus-Krise hat sich die Zahl der von Armut bedrohten Familien in Andalusien vervielfacht. Da bei weitem nicht alle Hilfsbedürftigen vom sozialen Netz aufgefangen werden, sieht sich die Landesregierung gezwungen, zu handeln.

  • Sozialministerium erweitert die Zahl der Empfänger einer Grundrente in der Region.
  • Notleidende Familien erhalten Pre-Paid-Karten für den Erwerb von primären Gütern.
  • Lebensmittelbanken bekommen von der Landesregierung eine Sonderzahlung.

Sevilla- Die Corona-Krise hat auch in Andalusien die in der Region zuvor schon eklatant hohe Arbeitslosigkeit noch weiter in die Höhe getrieben. Hinzu kommen all jene Arbeitnehmer, die sich bis auf weiteres - und daran dürfte sich für die meisten sobald nichts ändern - in betrieblichen Ausstellungsverfahren befinden. Und längts nicht alle Betroffenen haben in dieser Situation einen Anspruch auf öffentliche Hilfszahlungen. Viele fallen durch das in Spanien ohnehin nicht so engmaschige soziale Netz.

So hat sich die Zahl der in Not geratenen Haushalte in der Region in den letzten Wochen vervielfacht, was Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz oder das kirchliche Hilfswerk Caritas belegen können, deren Leistungen zurzeit deutlich stärker nachgefragt werden. Vor diesem Hintergrund hat sich auch die andalusische Regierung genötigt gesehen, ihr soziales Engagement auszubauen. Welche Maßnahmen sie ergreifen will, hat die andalusische Sozialministerin Rocío Ruiz näher erläutert.

Zum einen soll die Zahl der Bezieher einer Grundrente in der Region deutlich erweitert werden. Schon im April war die Zahl der Haushalte, die in ihren Genuss kommen, auf 10.989 angestiegen, gegenüber 6.222 im März. Das Sozialministerium hat daher eine zusätzliche Investition von 10,5 Millionen Euro vorgesehen. Damit soll 4.200 weiteren, von einem sozialen Ausschluss bedrohten Haushalten eine Grundrente ausbezahlt werden und zwar für die Zeit von fünf Monaten. Nutznießer wären vor allem Familien mit Kindern sowie Alleinstehende ohne familiären Rückhalt.

Geld für das Allernötigste

Außerdem will die Landesregierung eine Pre-Paid-Kreditkarte einführen und über diverse Hilfsorganisationen an unter Armut leidende Familien austeilen. Die Karten werden dazu dienen, in Geschäften und Supermärkten ausschließlich primäre Güter wie Lebensmittel, Hygieneprodukte oder Reinigungsmittel einzukaufen. Die Pre-Paid-Karten werden zunächst für vier Monate gültig sein, könnten jedoch, wenn sich die Lage bis dahin nicht gebessert hat, weiter verlängert werden.

Erhalten sollen sie etwa alleinerziehende Eltern oder kinderreiche Familien. Abhängig von der Zahl der Personen im Haushalt und ihrer Bedarfslage werden sie jeden Monat mit Beträgen zwischen 150 und 250 Euro aufgeladen, was sich die andalusische Regierung insgesamt rund 17 Millionen Euro kosten lässt.

Eine weitere Million lässt die Landesregierung den verschiedenen Bancos de Alimentos in der Region als außerordentliche Hilfszahlung zukommen. Die Lebensmittelbanken verteilen andalusienweit über etwa 1.600 kooperierende Hilfsorganisationen Grundnahrungsmittel an bedürftige Haushalte. Die Zahl der Empfänger hat seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie um rund 25 Prozent zugenommen. 

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