Der andalusische Präsident Juanma Moreno während einer Pressekonferenz.
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Der andalusische Regierungschef Juanma Moreno will schon das Ende der Pandemie einläuten. Ob er sich da nicht etwas zu weit aus dem Fenster lehnt?

Rückkehr zur Normalität

Coronavirus in Andalusien: Inzidenz sinkt weiterhin - Ende der Pandemie?

  • José Antonio Nieto
    VonJosé Antonio Nieto
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Die andalusische Landesregierung spricht ob der weiter fallenden Infektionszahlen bereits vom Ende der Pandemie. Mit weiteren Lockerungen der Restriktionen strebt sie eine fortschreitende Rückkehr zur Normalität an. Voranpreschen soll dabei der Kultursektor.

Update, 23. September: Die 14-Tages-Inzidenz ist in Andalusien im Verlauf der letzten Woche von 89,5 auf 65,2 (Stand 22. September) gesunken. In drei andalusischen Provinzen - Cádiz, Córdoba und Jaén - liegt die jeweilige Inzidenz bereits unter 50. In diesen gilt das Infektionsrisiko bereits als niedrig. In den fünf übrigen Provinzen - Almería, Granada, Huelva, Málaga und Sevilla - gilt hingegen mit Inzidenzwerten über 50 noch ein mittleres Infektionsrisiko. Wie schon in der Vorwoche unterliegen alle 34 Gesundheitsdistrikte der Region der Alarmstufe 1 und musste für keine einzige Gemeinde mehr ein nächtliches Ausgangsverbot angeordnet werden. Von weiteren Lockerungen der Corona-Restriktionen hat die andalusische Regierung bisher indes noch abgesehen.

Coronavirus in Andalusien: Bewohner der Seniorenheime erhalten dritte Impfdosis

Die Belastung der andalusischen Krankenhäuser nimmt ebenfalls weiter ab. Die Zahl der Covid-Patienten in stationärer Behandlung ist in den letzten sieben Tagen von 556 auf 447 abgefallen. Jene der Intensivpatienten reduzierte sich in der gleichen Zeit von 135 auf 118. Währenddessen konnten bereits 77,7 Prozent der Andalusier - 88,3 Prozent der Einwohner über 12 Jahren - komplett geimpft werden. Zumindest eine erste Dosis haben 80,2 Prozent der Bevölkerung - 91,1 Prozent der über-12-Jährigen - erhalten. Und in den Seniorenresidenzen der Region ist auch schon damit begonnen worden, die Immunisierung der Bewohner mit einer dritten Dosis zu verstärken. Wobei die Landesregierung dafür plädiert, den Impfschutz aller Personen über 80 Jahren mit einer dritten Impfung zu verstärken.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
Einwohner8,427 Millionen (Stand 2019)
HauptstadtSevilla

Erstmeldung, 16. September: Sevilla – Andalusien hat die Coronavirus-Pandemie praktisch schon besiegt. Diese Ansicht vertritt der Ministerpräsident der Region, Juanma Moreno. Seine These stützt er auf die Meinung von Gesundheitsexperten. Und zwar jene des Komitees, das die andalusische Landesregierung in der sanitären Krise berät. Die aktuelle Entwicklung der Fallzahlen ist, wie auch im Rest des Landes, in der Tat eine positive. Bereits vom Ende der Pandemie zu sprechen, dürfte womöglich verfrüht sein. Ihrem endgültigen Ende rückt aber zumindest die fünfte Infektionswelle näher. Und zwar in immer größeren Schritten.

Coronavirus in Andalusien: Inzidenz auf niedrigstem Stand seit August 2020

Die 14-Tages-Inzidenz ist mittlerweile auf 89,5 abgefallen. So niedrig hatte sie seit dem August letzten Jahres nicht mehr gelegen. Im vergangenen Winter, auf dem Zenit der dritten Infektionswelle, reichte die Inzidenz fast an 1.000 heran. Alle acht Provinzen der Region befinden sich zwischen den Schwellenwerten von 50 und 150, in denen ein mittleres Infektionsrisiko gilt. Die niedrigste Inzidenz weist die Provinz Córdoba mit 61 auf, die höchste markiert die Provinz Almería mit 119. Nur noch knapp über dem regionalen Mittelwert befindet sich die Provinz Málaga mit einer Inzidenz von 92. Seit 16. September befinden sich außerdem alle 34 andalusischen Gesundheitsdistrikte in der Alarmstufe 1. Zwölf Gesundheitsdistrikte hatten sich zuvor noch in der Alarmstufe 2 befunden, darunter auch der Distrikt der Costa del Sol.

Der Druck auf die andalusischen Krankenhäuser hat zuletzt ebenfalls stark abgenommen. In den Hospitälern der Region befinden sich aktuell 556 Covid-Patienten, das sind 207 weniger als noch vor einer Woche. Von diesen müssen 135 auf der Intensivstation behandelt werden, 37 weniger als sieben Tage zuvor. Von allen Krankenhausbetten sind auch nur noch 3,2 Prozent und von allen Intensivbetten 7,8 Prozent mit Corona-Infizierten belegt. In beiden Fällen liegt Andalusien unter den Durchschnittswerten für ganz Spanien. Für positive Meldungen sorgt schließlich auch die Impfkampagne. Komplett geimpft sind bereits knapp 6,48 Millionen Andalusier, was 76,5 Prozent der Bevölkerung entspricht und 86,8 Prozent der Einwohner im impfbaren Alter über 12 Jahre. Zumindest eine erste Dosis haben schon 6,75 Millionen Andalusier erhalten, 79,7 Prozent aller Einwohner und 90,6 Prozent der Bevölkerung über 12 Jahren.

Coronavirus in Andalusien: Kapazitätslimitierung für Kinos und Theater aufgehoben

Vor diesem Hintergrund hat die andalusische Landesregierung nach einer Sitzung des eingangs erwähnten Expertenkomitees am 14. September weitere Lockerungen der Restriktionen beschlossen. Die neuen Corona-Regeln, die eine Rückkehr zur Normalität vorantreiben sollen, sind zum 16. September in Kraft getreten. Voranpreschen soll bei der weitgehenden Normalisierung des gesellschaftlichen Lebens der Kultursektor. In diesem Sinne ist verfügt worden, dass Kinos, Theater und Konzertsäle wieder 100 Prozent ihrer Kapazitäten ausschöpfen können. Bei einer größtmöglichen Distanz zwischen den Zuschauern, heißt es, aber wie soll man in einem vollen Kino-, Theater- oder Konzertsaal einen größeren Abstand zu seinem Nebenmann oder seine Nebenfrau einhalten? Die komplette Auslastung gilt zwar nur für die Gemeinden aus den Gesundheitsdistrikten, die sich in der Alarmstufe 1 befinden, darüber befindet sich aber, wie bereits erwähnt, kein einziger Distrikt mehr.

Kinos, Theater und Konzertsäle in Andalusien werden sich wieder bis auf den letzten Platz füllen können. Nur die Maske werden die Zuschauer vorerst noch aufbehalten müssen.

Die gleiche Regel, volle Auslastung bei Wahrung der größtmöglichen Distanz, gilt auch für die andalusischen Kirchen. Eine Rückkehr zur Normalität soll darüber hinaus auch die Rückkehr der Prozessionen mit sich bringen. Für diese legt die Landesregierung keine konkreten Regeln fest, spricht aber eine Reihe von Empfehlungen aus. So sollten sich unter den Thronen möglichst wenige Träger befinden, sprich gerade so viele, dass sie die Last noch stemmen können und nicht unter dem Gewicht zusammenbrechen. Dafür sollten sie nicht allzu große Distanzen zurücklegen müssen, will heißen, dass die Strecken der Prozessionen in den meisten Fällen verkürzt werden müssten. Zu überdenken gilt es außerdem die Streckenverläufe, um möglichst auf breitere Straßen auszuweichen und die gewohnten Massenansammlungen in engen Gassen zu verhindern. Und die Thronträger sollten auf jeden Fall geimpfte oder genesene Personen sein und Schutzmasken sollten sie unter den Thronen selbstverständlich auch tragen.

Coronavirus in Andalusien: Präsenzunterricht an den Unis - wie auch an den Schulen

Darüber hinaus hat die andalusische Regierung nach Anhörung des Expertenkomitees noch beschlossen, dass in den Innenräumen von Pubs und Diskotheken nicht mehr nur maximal sechs Personen, sondern fortan wieder bis zu acht zusammenkommen können, also wie zuvor auch schon in Bars und Restaurants. Was übrigens auch in der Alarmstufe 2 gelten würde, falls ein Distrikt wieder in diese zurückfallen würde. Zoos, Tierparks, Aquarien und botanische Gärten dürfen ab sofort im Freien wieder 100 Prozent ihres Fassungsvermögens und in Innenräumen bis zu 75 Prozent ausschöpfen. Und für die Studenten der andalusischen Universitäten, in denen dieser Tage das neue Semester anläuft, ist eine Rückkehr zum reinen Präsenzunterricht beschlossen worden. Ebenso wie in den andalusischen Schulen, in denen das neue Schuljahr bereits angelaufen ist.

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