Ein Kellner mit Schutzmaske trägt ein Tablett auf der Tersasse eines Lokals.
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In halb Andalusien ist die Maskenpflicht aktuell bereits die einzige verbliebene Corona-Auflage. Die andere Hälfte der Region dürfte schon bald nachfolgen.

Rückkehr zur Normalität

Corona in Andalusien: Aufhebung sämtlicher Auflagen - in der gesamten Region

  • José Antonio Nieto
    VonJosé Antonio Nieto
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In Andalusien gelten bis auf die Maskenpflicht keine Corona-Restriktionen mehr. Die Auflagen, denen zuletzt nur noch zwei der 34 Gesundheitsdistrikt unterlagen, sind seit 21. Oktober in der gesamten Region aufgehoben.

Update, 21. Oktober: Ab dem heutigen Tag gelten in ganz Andalusien keine Corona-Restriktionen mehr, bis auf die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen sowie im Freien, wenn ein Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Die Auflagen galten zuletzt nur noch in zwei der 34 andalusischen Gesundheitsdistrikte, beide in der Provinz Almería. Diese haben ihre 14-Tage-Inzidenz nach wie vor nicht unter den Grenzwert von 50 senken können, unter dem nur noch ein niedriges Infektionsrisiko gilt. Dennoch sind sie von den Gesundheitsbehörden wegen des niedrigen Krankenstandes und der hohen Impfquote von Alarmstufe 1 auf Stufe 0 herabgestuft worden. Derweil ist der Rückgang der Infektionsfälle in der gesamten Region ins Stocken geraten. Die 14-Tage-Inzidenz ist im Verlauf der letzten Woche sogar wieder leicht angestiegen von 29,6 auf 30,6, da die Fallzahlen in vier der acht Provinzen - Córdoba, Granada, Huelva und Jaén - aktuell einen Aufwärtstrend aufweisen. In den Krankenhäusern der Region befinden sich zurzeit noch 196 Covid-Patienten, 51 von ihnen in Intensivbehandlung.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
Einwohner8,427 Millionen (Stand 2019)
Hauptstadt Sevilla

Update, 14. Oktober: Ab dem heutigen Tag gelten in 32 der 34 andalusischen Gesundheitsdistrikte keine Corona-Auflagen mehr. Neu hinzugekommen sind fünf Distrikte, darunter der Distrikt Costa del Sol, der einzige der Provinz Málaga, der sich noch nicht in der Alarmstufe 0 befand. Alarmstufe 1 gilt aktuell nur noch in zwei Gesundheitsdistrikten der Provinz Almería, dem Distrikt Almería Centro sowie dem Distrikt Levante. Im dritten Distrikt der Provinz Almería, der Distrikt Poniente, sind die bisher geltenden Restriktionen hingegen aufgehoben worden. Die 14-Tage-Inzidenz ist in Andalusien derweil bereits auf 29,6 abgefallen. Die niedrigste Inzidenz weist die Provinz Cádiz mit 13,7 auf, während Almería mit 63,9 den höchsten Wert registriert. Almería ist denn auch die einzige andalusische Provinz, in der die Inzidenz noch über dem Wert 50 liegt, der die Grenze zwischen einem niedrigen und einem mittleren Infektionsrisiko markiert.

Update, 7. Oktober: Die Zahl der andalusischen Gesundheitsdistrikte, in denen keine Corona-Auflagen mehr gelten, ist mit dem heutigen Tag von bislang 17 auf nun 27 angestiegen. Von der Alarmstufe 1 auf Stufe 0 herabgestuft wurden unter anderem vier Distrikte der Provinz Málaga - Axarquía, Málaga, La Vega und Valle del Guadalhorce. Im Distrikt Serranía de Ronda galt mit einer 14-Tage-Indzidenz unter 50 zuvor schon nur noch ein geringes Infektionsrisiko. Ein mittleres Infektionsrisiko weist in der Provinz nun einzig noch der Distrikt Costa del Sol auf, in dem die Corona-Restriktion bis auf weiteres noch weiter Bestand haben werden. Das Gleiche gilt für alle drei Gesundheitsdistrikte der Provinz Almería, zwei von drei Distrikten der Provinz Huelva sowie einem der Provinz Sevilla, und zwar dem Distrikt Sevilla, in dem sich die Provinzhauptstadt befindet.

Coronavirus in Andalusien: Nur noch zwei der acht Provinzen mit mittlerem Infektionsrisiko

Die 14-Tage-Inzidenz ist in Andalusien mittlerweile auf 36,8 abgefallen, die 7-Tage-Inzidenz liegt inzwischen bei 14,1. Im regionalen Vergleich schneidet die Provinz Cádiz mit einer 14-Tage-Inzidenz von 19,8 am besten ab. Nur ein wenig schlechter stehen die Provinzen Jaén (21,7), Granada (22,0) und Córdoba (22,3) da. Noch unter dem Grenzwert von 50, unter dem das Infektionsrisiko als niedrig eingeschätzt wird, befinden sich die Provinzen Sevilla (36,9) und Málaga (46,0). Während die Provinz Huelva (58,5) den Schwellenwert knapp und die Provinz Almería (76,9) noch recht deutlich überschreitet. Weiter abgenommen hat derweil auch der Druck auf die andalusischen Krankenhäuser. In den Hospitälern der Region befinden sich aktuell noch 259-Covid-Patienten, das sin 119 weniger als eine Woche zuvor. Von diesen bedinden sich 77 in Intensivbehandlung, 18 weniger als vor sieben Tagen.

Ertsmeldung, 1. Oktober: Sevilla - Andalusien hat es schon beinahe geschafft. Die Coronavirus-Krise konnte weitestgehend niedergerungen werden. Die 14-Tage-Inzidenz ist bereits auf 50,1, die 7-Tage-Inzidenz auf 20 abgefallen. Vier Provinzen - Cádiz, Córdoba, Granada und Jaén ­– haben bereits die Marke 50 unterschritten, unter der nur noch ein niedriges Infektionsrisiko gilt. Über diesem Schwellenwert liegen indes die Provinzen Málaga, Sevilla und Huelva, die aktuell noch ein mittleres Infektionsrisiko aufweisen. Und besonders schlecht steht die Provinz Almería da, die im regionalen Vergleich mit einer 14-Tage-Inzidenz von 93,1 einen negativen Sonderfall darstellt. Ein möglicher Grund könnte die Altersstruktur sein, mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Kindern in der Bevölkerung. Da noch ungeimpft, konzentrieren diese zurzeit, wie auch im Rest der Region, die meisten Neuinfektionen auf sich.

Coronavirus in Andalusien: Durchimpfung weit fortgeschritten - Druck auf Gesundheitswesen gering

Apropos Impfquote: Diese ist in den letzten Wochen nur noch ganz zaghaft angestiegen. Was auch nicht verwunderlich ist, da außer den Kindern unter 12 Jahren, die noch nicht geimpft werden dürfen, quasi nur noch die Impfverweigerer ungeimpft sind. Ihre Impfung abgeschlossen haben in Andalusien bereits 78,6 Prozent der Einwohner, was 89,3 Prozent der Bevölkerung ab 12 Jahren entspricht. Und zumindest eine erste Dosis haben schon 80,6 Prozent erhalten, das sind wiederum 91,6 Prozent der Andalusier ab 12 Jahren. Weit fortgeschritten ist bereits die Verstärkung des Impfschutzes der Bewohner von Seniorenresidenzen mit einer dritten Dosis. Diese will die andalusische Regierung möglichst auf alle Personen ab 80 Jahren ausweiten. Die Landesregierung drängt außerdem auf die Impfung der Kinder von fünf bis elf Jahren, die man gerne schon ab Mitte Oktober, und zwar in den Schulen impfen möchte.

Sehr deutlich hat sich in Andalusien auch der Druck auf die Krankenhäuser reduziert. Aktuell befinden sich in den Hospitälern der Region noch 343 Covid-Patienten, von denen 92 auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Zum Vergleich die im März und November 2020 sowie im Februar, April und August dieses Jahres erreichten Spitzenwerte der ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Infektionswelle, die nun gerade am Abklingen ist: 2.708, 3.478, 4.980, 1.593 beziehungsweise 1.486 Covid-Patienten, davon 439, 528, 735, 351 beziehungsweise 261 in Intensivbehandlung. Ganz gut lässt sich an diesen Zahlen die positive Auswirkung der zu Beginn des Jahres angelaufenen Impfkampagne ablesen. Bände sprechen hinsichtlich der zunehmenden Entlastung der Hospitäler auch noch folgende Zahlen: Von allen Krankenhausbetten sind derzeit nur noch 2,17 Prozent und von allen Intensivbetten 5,23 Prozent mit Corona-Infizierten belegt.

Coronavirus in Andalusien: Aufhebung aller Auflagen - aber nur in 17 von 34 Gesundheitsdistrikten

Vor diesem Hintergrund sah das Expertenkomitee, das die andalusische Regierung in der sanitären Krise berät, den Zeitpunkt gekommen, für eine weitgehende Normalisierung des Lebensalltags. Der vom Komitee auf seiner jüngsten Sitzung am 28. September ausgesprochenen Empfehlung ist die Landesregierung auch gefolgt. Diese beschloss noch am selben Abend die Aufhebung aller Restriktionen mit Wirkung zum heutigen Freitag, 1. Oktober. Allerdings nur für jene Gesundheitsdistrikte, in denen die Alarmstufe 0 gilt. Bei Ankündigung der Maßnahme befand sich noch kein einziger Distrikt darunter. Nach der neuen, am 30. September vorgenommen Einstufung, sind indes 17 der 34 Gesundheitsdistrikte, also die Hälfte der Region, von Alarmstufe 1 auf 0 herabgestuft worden.

Der andalusische Regierungschef Juanma Moreno kündigt einerseits die Reduzierung der Auflagen an und warnt andererseits vor möglichen Rückschritten im Kampf gegen die Pandemie.

Es handelt sich bei diesen, um alle fünf Distrikte der Provinz Cádiz, alle vier der Provinz Jaén, sowie drei von vier der Provinz Córdoba, drei von vier der Provinz Granada, einem von drei der Provinz Huelva sowie einem von sechs der Provinz Málaga, und zwar der Distrikt Serranía de Ronda. In diesen gehören nun die bisherigen Corona-Regeln wie etwa die limitierten Öffnungszeiten für Gaststätten oder beschränkte Aufnahmekapazitäten für Lokale oder Veranstaltungen der Vergangenheit an. Die einzige noch geltende Auflage ist hier nun die Schutzmaske, die nach wie vor in Innenräumen vorgeschrieben ist sowie im Freien, wenn ein Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Empfohlen wird ferner eine strikte Handhygiene und weiterhin auch eine größtmögliche soziale Distanz einzuhalten, was sich in vollen Kneipen, Kultur- oder Sportstätten zumeist schwierig gestalten dürfte.

Coronavirus in Andalusien: Hälfte der Region muss noch warten - Restriktionen aber weiter gelockert

Alle übrigen andalusischen Gesundheitsdistrikte, darunter alle fünf der Provinz Sevilla sowie alle drei der Provinz Almería, müssen hingegen noch immer in der Alarmstufe 1 ausharren. Negativ überrascht war der Gaststättenverband der Costa del Sol (Aehcos), dass sich auch der Distrikt Málaga, dem unter anderem die Provinzhauptstadt angehört, unter diesen befindet. Dort war die 14-Tage-Inzidenz nämlich just am Tag der Neueinstufung unter 50 abgefallen. Für die Festlegung der Alarmstufe ziehen die andalusischen Gesundheitsbehörden jedoch neben der Inzidenz noch weitere Kriterien heran, wie etwa die Auslastung der Krankenhäuser, die in Málaga im regionalen Vergleich noch relativ hoch ist.

Für die Gesundheitsdistrikte in der Alarmstufe 1 gelten nach wie vor die bisherigen Corona-Restriktionen, allerdings mit einigen kleinen Änderungen. So dürfen neben Kinos, Theatern, Konzertsälen und Museen nun auch die Stierkampfarenen ihr Fassungsvermögen zu 100 Prozent auslasten. Ebenso können Sportstätten nun wieder bis auf den letzten Platz gefüllt werden, allerdings nur für lokale, provinzielle oder regionale Wettkämpfe und Turniere. Das spanische Gesundheitsministerium hat derweil jedoch in Abspreche mit den Regionen beschlossen, dass zumindest die Stadien, etwa für die nationalen Fußballligen, im ganzen Land wieder restlos ausgebucht werden können, während Sporthallen indes nur bis zu 80 Prozent ihrer Kapazitäten ausschöpfen können. Empfohlen wird in allen Fällen Zutritt und Austritt des Publikums derart zu regeln, dass größere Menschenansammlungen vermieden werden.

Coronavirus in Andalusien: Noch nicht am Ziel angekommen - Leid und Entbehrungen nicht vergessen

Der nun zumindest in der Hälfte Andalusiens vollzogene Eintritt in die neue Normalität hätte eigentlich schon am 21. Juni, also vor über drei Monaten erfolgen sollen. So sah es nämlich ein Anfang Mai, als die vierte Corona-Welle am Abklingen war, von der Landesregierung beschlossener Deeskalationsplan vor. Schrittweise, in drei Phasen sollten die Corona-Auflagen damals reduziert werden. Doch dann kam die fünfte Welle und machte der Landesregierung einen Strich durch die Rechnung. Statt die Restriktionen nach und nach zu lockern, mussten sie in der Folge erst einmal wieder verschärft werden. Aus dieser Erfahrung heraus, bemerkt der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre, dass man das Ziel noch nicht erreicht habe. Auch die Bewohner jener Zonen, die sich bereits in der Alarmstufe 0 befinden, sollten sich nicht zu sehr in Sicherheit wiegen, denn eine erneute Zurückstufung könne nie ausgeschlossen werden.

Den warnenden Zeigefinger erhebt auch sein Vorgesetzter, der andalusische Präsident Juanma Moreno. Es gebe Regionen in dieser Welt, etwa in Asien oder in Afrika, in denen man bei der Durchimpfung der Bevölkerung noch kaum vorangekommen sei. Und in denen jederzeit neue Virusvarianten auftauchen könnten, die uns im Kampf gegen die globale Pandemie wieder zurückwerfen. Deshalb sollte man weiterhin Vorsicht walten lassen, um das bisher Erreichte, das allen viel abverlangt habe, nicht aufs Spiel zu setzen. Moreno mahnte nicht nur, an die über 11.000 Todesopfer zu denken, die das Coronavirus bislang in der Region gefordert hat, sondern auch an die unzähligen Arbeitsplätze, die verloren gegangen sind und an die Rechte und Freiheiten, auf die man lange Zeit verzichten musste.

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