Andalusischer Präsident sitzt am Konferenztisch einer Tagung vor.
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Ein Expertenkomittee gab grünes Licht, die Mobilität zwischen den acht andalusischen Provinzen wieder zu erlauben.

Letzte Phase im Deeskalationsplan

Coronavirus-Deeskalation: Alle acht andalusischen Provinzen sind in Phase 3 angelangt

  • vonJosé Antonio Nieto
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In Phase 3 bekommt die Landesregierung ihre Kompetenzen zurück. Die Aufhebung des Mobilitätsverbots zwischen den andalusischen Provinzen war ihr erster wichtiger Beschluss.

  • Málaga und Granada haben Rückstand gegenüber dem Rest Andalusiens aufgeholt.
  • Expertenkomittee hat die Mobilität zwischen den acht Provinzen abgesegnet.
  • Mit Andalusien ziehen noch elf weitere Regionen komplett in die Phase 3 ein.

Sevilla – Im Stufen-Plan der spanischen Zentralregierung zur Deeskalation der Coronavirus-Restriktionen wird Andalusien am 8. Juni komplett in die Phase 3 eintreten. Damit hat das spanische Gesundheitsministerium die Petition der Landesregierung stattgegeben, die beantragt hatte, dass alle acht andalusischen Provinzen gemeinsam in die letzte Phase des Deeskalationsplans übergehen.

“Endlich hat die Zentralregierung unsere Forderung erfüllt und werden Málaga und Granada im gleichen Rhythmus voranschreiten, wie die übrigen andalusischen Provinzen”, erklärte der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre zufrieden. Bei der Überwindung der bisherigen Phasen waren nämlich Almería, Cádiz, Córdoba, Huelva, Jaén und Sevilla den Provinzen Málaga und Granada wiederholt eine Woche vorausgeeilt. “Es wäre ein großer Fehler gewesen, wenn Málaga und Granada erneut zurückgeblieben wären, denn beide Provinzen erfüllen alle sanitären und epidemiologischen Kriterien, um die Phase 3 zu erreichen”, meint Aguirre.

Im landesweiten Vergleich, bemerkt der regionale Gesundheitsminister, weise Andalusien eine der niedrigsten Infektionsraten auf, mit nur 1,68 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner während der letzten 14 Tage, während der nationale Durchschnitt bei 12,24 liege. Und in den andalusischen Krankenhäusern würden derzeit nur noch 85 Covid-19-Patienten behandelt werden, von denen sich 28 in den Intensivstationen der Hospitäler befänden. Das seien jeweils etwa 95 Prozent weniger als auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie, der in Andalusien Mitte März erreicht worden war.

Für die Phase 3 sind unter anderem folgende Lockerungen der Corona-Restriktionen vorgesehen:

  • Für Spaziergänge und sonstige Aktivitäten im Freien gelten keine Zeitfenster mehr, auch nicht für Senioren oder gefährdete Bevölkerungsgruppen. Zusammenkommen können in Wohnungen oder im Freien bis zu 20 Personen.
  • Bars, Cafés und Restaurants können ihre Innenräume zu zwei Drittel ihrer Kapazitäten nutzen, Außentrassen können zu 75 Prozent ausgelastet werden. Im Inneren darf man auch wieder am Tresen stehen, mit einem Mindestabstand von zwei Metern zwischen den den Konsumenten.
  • Hotels können ihre Gemeinschaftszonen mit einer 50-prozentigen Auslastung wieder nutzen. Animationen und Fitnessaktivitäten dürfen wieder angeboten werden.
  • In Einkaufszentren können Gemeinschaftszonen und Lokale wieder in Betrieb genommen werden. Die dort angesiedelten Geschäfte können 50 Prozent ihres Fassungsvolumens ausschöpfen.
  • Zoos und Aquarien können wieder für Besucher geöffnet werden. Kinos und Schauspielhäuser können ihre Aufnahmekapazitáten auf 50 Prozent ihres Fassungsvolumens erhöhen.
  • Freizeit- und Themenparks können wieder öffnen mit einer maximalen Besucherzahl von 800 Personen und Stierkämpfe könne wieder veransaltet werden, mit einer Nuztung von höchsten 50 Prozent der Sitzplätze.
  • Wissenschaftliche Kongresse, Fachtagungen oder Messen können wieder organisiert werden mit einer maximalen Teilnehmerzahl von 80 Personen.
  • Hochzeiten können in geschlossenen Räumen mit bis zu 75 Gästen, im Freien mit bis zu 150 Gästen gefeiert werden. In Kirchen können 75 Prozent der verfügbaren Plätze belegt werden.
  • Zu Bestattungen können bis zu 50 Personen zusammenkommen, zu Totenwachen ebenfalls bis zu 50 wenn sie im Freien und bis zu 25 wenn sie in geschlossenen Räumen abgehalten werden.
In der Phase 3 wird man unter anderem in den Bars und Cafés wieder an den Tresen dürfen.

In der Phase 3 wird Andalusien die Kompetenzen zurückerhalten, die alle Autonomen Gemeinschaften infolge des am 14. März ausgerufenen Notstands an die spanische Zentralregierung hatten abtreten müssen. Der andalusische Präsident Juanma Moreno hat diesbezüglich klare Anweisungen verlangt, um eine Rechtsunsicherheit zu vermeiden, da der Handlungsspielraum der Regionen noch nicht eindeutig abgesteckt worden sei.

Corona-Deskalation: Landesregierung legt für Andalusien Ende des Notstands fest

Auf jeden Fall wird die Landesregierung zum Beispiel entscheiden können, wie lange die Region in der Phase 3 bleiben wird. Ursprünglich war für jede Phase eine Verweildauer von mindestens zwei Wochen vorgesehen. Die Aufhebung des Notstands und die Rückker zur Normalität könnte die Landesregierung für Andalusien indes schon früher beschließen.

Eine andere Entscheidungsbefugnis, die der Landesregierung zugefallen ist, betrifft die Mobilität zwischen den einzelnen Provinzen. Die Frage, wann diese in Andalusien wieder erlaubt werden sollte, hatte die Koalitionsregierung von PP und Ciudadanos in den letzten Tagen entzweit. Bevor sie beantwortet wurde, ließ der Regierungschef Juanma Moreno (PP) am 6. Juni erst noch das andalusische Corona-Krisen-Komittee zusammentreten, um deren 17 Experten aus verschiedenen medizinischen Bereichen dazu angehören.

Nachdem das Expertenkomittee grünes Licht gab, kündigte der andalusische Regierungschef schließlich an, die Mobilität zwischen den acht Provinzen der Region ab dem 8. Juni wieder zu erlauben. Wenn dadurch die Gefahr eines erneuten Infektionsausbruchs drohen würde, so Juanma Moreno, werde man unverzüglich und resolut handeln, denn die Gewährleistung der öffentlichen Gesundheit hätte nach wie vor oberste Priorität. So schließe er nicht aus, wenn erforderlich die Mobilität in einer bestimmten Gemeinde oder einem Gesundheitsbezirk wieder einzuschränken.

Der Regierungschef hat daher auch an die andalusische Bevölkerung appelliert, weiterhin verantwortungsvoll zu handeln und mit Vorsicht zu agieren, denn solange kein Impfstoff oder eine wirksame Behandlung bekannt ist, sei das Coronavirus noch nicht besiegt. “Für den Fall einer neuen Infektionswelle wären wir diesmal aber besser vorbereitet”, gibt Juanma Moreno anderseits zu bedenken. “Wir haben nun genügend Krankenhausbetten, ausreichend Beatmungsgeräte und ein Früherkennungssystem bei einem Infektionsausbruch schnell zu handeln”, fügt der andalusische Präsident hinzu.

Nur die Extremadura will mit der interprovinziellen Mobilität noch warten

Neben Andalusien treten in Spanien am 8. Juni noch elf weitere Autonome Gemeinschaften in die Phase 3 ein. In Asturien, Kantabrien, La Rioja, Navarra und Murcia, stand die Frage einer innerregionalen Mobilität nicht zur Debatte, weil diese Autonomen Gemeinschaften jeweils aus einer einzigen Provinz bestehen. Die Landesregierungen von Aragón, Galicien, des Baskenlandes sowie der Balearen und der Kanaren haben wie die andalusische Regierung beschlossen, die Mobilität zwischen ihren einzelnen Provinzen beziehungsweise ihren Inseln zu erlauben.

Einzig die Extremadura will damit noch warten und erhält das Verbot einer Mobilität zwischen ihren Provinzen Badajoz und Cáceres noch mindestens bis zum 14. März aufrecht. Eine Woche hätte man sich vielleicht auch in Andalusien noch gedulden sollen, da nun etliche Einwohner aus den Provinzen im Inland in die an der Küste gelegenen Provinzen strömen dürften, vor allem um den Genuss der dortigen Strände zu kommen. Die andalusischen Küstengemeinden haben aber noch längst nicht alle ihre neuen Corona-Regeln für die Strände festgelegt, zumal die Badesaison meistenorts erst am 15. Juni beginnt.

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