Eine Straßenkontrolle der Ortspolizei in Almuñecar.
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Straßenkontrollen der Polizei werden in Andalusien weiter zum Alltag gehören, denn die Abschottung der Region sowie ihrer acht Provinzen untereinander wird bis auf Weiteres beibehalten.

Vierte Welle schon da

Coronavirus Andalusien: Restriktionen werden nicht verschärft - vorerst

  • José Antonio Nieto
    VonJosé Antonio Nieto
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Die Corona-Fallzahlen steigen in Andalusien wieder spürbar an. Von weiteren Lockerungen etwa der strengen Mobilitätsbeschränkungen sieht die Landesregierung aber ab. Eine erneute Verschärfung der Restriktionen etwa für die Gastronomie lehnt sie ebenso ab. Die vierte Welle hofft sie mit den bisherigen Regeln im Zaum halten zu können.

Update, 16. April: Sowohl die Infektions- als auch die Patientenzahlen sind in Andalusien zuletzt wieder leicht angestiegen. Die 14-Tages-Inzidenz beläuft sich derzeit auf 225,3 (Stand 15. April), wobei die Unterschiede innerhalb der Region immer größer werden. Die Inzidenzwerte reichen von 117,4 in der Provinz Málaga bis 391,4 in der Provinz Granada, in der die Entwicklung zurzeit mehr als bedenklich ist. Größeren Anlass zur Sorge bietet den Gesundheitsbehörden außerdem die Provinz Jáen, in der mit einer Inzidenz von 297,7 wie in Granada ein extremes Infektionsrisiko gilt. Gleichbleibend hoch ist die Zahl der Covid-Patienten in den andalusischen Krankenhäusern mit 1.486 geblieben, während sich jene der Corona-Infizierten in Intensivbehandlung wieder etwas erhöht hat, und zwar auf 293.

Zur aktuellen Entwicklung er Corona-Pandemie in Andalusien.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
Hymne Himno de Andalucía
AutonomieSeit 11. Januar 1982

Corona-Restriktionen in Andalusien: 98 Gemeinden abgeriegelt - 33 zudem ohne Gastronomie

In der Alarmstufe 2 befinden sich aktuell noch 16 der insgesamt 34 andalusischen Gesundheitsdistrikte, einer weniger als bislang. Die Zahl der Distrikte in Alarmstufe 3 hat sich ebenfalls verringert, von 17 auf 9. Dafür unterliegen nun wieder neun Distrikte der Alarmstufe 4, in der sich zuletzt kein Gesundheitsbezirk mehr befunden hatte. Dementsprechend hat sich auch die Zahl der besonderen Restriktionen unterliegenden Gemeinden erneut weiter erhöht. Wegen einer 14-Tages-Inzidenz über 500 sind ab dem heutigen Freitag 98 Gemeinden für eine Woche abgeriegelt, 29 mehr als in der Vorwoche. Und in 33 dieser Gemeinden, 16 mehr als zuletzt, müssen aufgrund einer Inzidenz über 1.000 Gaststätten und nicht systemrelevante Geschäfte geschlossen bleiben.

In 305 andalusischen Gemeinden, deren Gesundheitsdistrikte sich in der Alarmstufe 4 befinden, darunter die Provinzhauptstädte Almería und Granada, dürfen Lokale und nicht essenzielle Geschäfte ab kommenden Sonntag nur noch bis 20 anstatt bis 22.30 Uhr öffnen. Außerdem können die Innenräume von Gaststätten dort nur noch zu 50 Prozent ausgelastet werden, die Außenterrassen hingegen weiter zu 100 Prozent. Das Gleiche gilt für 143 weitere Gemeinden aus Distrikten, die sich in der Alarmstufe 3 befinden, darunter die Provinzhauptstädte Córdoba und Sevilla. Für diese Maßnahme sind neben den Inzidenzwerten noch weitere Kriterien herangezogen worden, wie etwa die Inzidenz unter Senioren ab 65 Jahren, der Anteil der positiven Corona-Tests oder auch die Auslastung der Intensivstationen.

Update, 14. April: In den letzten Tagen hat sich der Aufwärtstrend der Corona-Fallzahlen in Andalusien leicht abgeschwächt. Die 14-Tages-Inzidenz liegt mit 223 (Stand 14. April) zwar deutlich über dem vor sieben Tagen registrierten Wert von 163,4. Zuletzt fiel sie aber nach zwei Wochen konstantem Anstiegs erstmals wieder leicht ab. Ähnliches gilt für die Auslastung der andalusischen Krankenhäuser. Die Zahl der Covid-Patienten in stationärer Behandlung liegt zurzeit bei 1.486, 152 mehr als eine Woche zuvor. Von diesen befinden sich indes nur noch 290 auf den Intensivstationen der Hospitäler, einer weniger als vor einer Woche. Von allen verfügbaren Intensivbetten sind 15,08 Prozent mit Covid-Patienten belegt, landesweit sind es im Durchschnitt 21,56 Prozent.

Coronavirus in Andalusien: Britische Variante dominant - chinesische total verdrängt

Der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre hat derweil seine Zuversicht geäußert, dass die vierte definitiv die letzte größere Infektionswelle vor Erlangung der Herdenimmunität sein wird. Aguirre konstatierte außerdem, dass die britische Virusmutation längst die dominierende Coronavirus-Variante in der Region sei. Da sie nicht nur ansteckender, sondern auch virulenter sei, nehme die Zahl der Patienten zu, die bei ihrer Einlieferung ins Krankenhaus direkt auf die Intensivstation verlegt werden müssten. Auch verringere sich das Durchschnittsalter der Personen mit schweren Krankheitsverläufen zusehends. Die originäre Variante des Coronavirus aus dem chineischen Wuhan ist dem Minister zufolge in Andalusien gar nicht mehr präsent.

Update; 10. April: Die Corona-Fallzahlen in Andalusien haben ihren Aufwärtstrend in den letzten Tagen noch weiter verstärkt. Die 14-Tages-Inzidenz ist bereits auf 189,9 hochgeschnellt (Stand 9. April) und liegt damit wieder über dem landesweiten Mittelwert, der sich auf 182,1 beläuft. Und der Anstieg dürfte sich sogar noch weiter beschleunigen, denn die 7-Tages-Inzidenz liegt sogar 99, ebenfalls über dem nationalen Durchschnitt von 90,8. Zugenommen hat weiter auch die Belastung der Krankenhäuser. In den andalusischen Hospitälern befinden sich aktuell 1.372 Covid-Patienten, 292 von ihnen in Intensivbehandlung. Mit Covid-Patienten sind zurzeit 7,6 Prozent aller Krankenhausbetten und knapp 15,2 Prozent aller Intensivbetten belegt.

Coronavirus in Andalusien: Neue, exotische Virusmutationen bieten Anlass zur Sorge

Sorgen bereitet den andalusischen Gesundheitsbehörden nicht nur die Entwicklung der Infektions- und Patientenzahlen, sondern auch die Ausbreitung neuer, exotischer Varianten des Coronavirus. Der Landesgesundheitsminister Jesús Aguirre bestätigte am gestrigen Freitag den ersten Infektionsfall mit der brasilianischen Corona-Variante in der Region. Bei dem Betroffenen handle es sich um eine aus Brasilien eingereiste Person, die sich in Sevilla aufhält. Aguirre bestätigte außerdem 16 Infektionsfälle mit der neuen, als B1258 bezeichneten Virusmutation, und zwar in den Provinzen Almería, Córdoba und Málaga. Zuvor waren bereits elf mit der südafrikanischen Variante infizierte Personen aufgespürt worden sowie vier Personen, die sich mit einer aus Uganda stammenden Virusmutation angesteckt hatten.

Erstmeldung, 8. April: Sevilla – Die Existenz einer vierten Coronavirus-Welle in Andalusien ist eine nicht mehr zu leugnende Realität. Die 14-Tages-Inzidenz ist in der Region bereits auf 163,4 geklettert. Damit liegt sie zwar noch leicht unter dem landesweiten Mittelwert, der sich auf 168 beläuft (Stand 7. April), noch vor einer Woche aber hatte die Inzidenz in Andalusien erst 139,8 betragen. Unter einem Wert von 150 besteht ein mittleres Infektionsrisiko, darüber gilt das Risiko als hoch. Besonders hoch ist das Ansteckungsrisiko in den Provinzen Granada, Córdoba und Almería, wo die 14-Tages-Inzidenz deutlich über dem regionalen Durchschnitt liegt. Und am geringsten ist das Risiko in der Provinz Málaga, die eine Inzidenz von 94,5 aufweist, zuletzt allerdings wieder mit leicht steigender Tendenz.

Die vierte Corona-Welle schlägt sich auch in der Auslastung der andalusischen Krankenhäuser nieder, wobei die Auswirkungen der Osterfeiertage, die einen zusätzlichen Anstieg der Patientenzahlen nach sich ziehen dürften, noch ausstehen. Schon jetzt hat sich die Zahl der Covid-Patienten in den Hospitälern der Region auf 1.334 erhöht, das sind 300 mehr als noch vor sieben Tagen. Die gleiche Entwicklung durchlaufen die Intensivstationen, in denen sich bereits 291 Corona-Infizierte befinden, 44 mehr als in der Vorwoche. Einziger Lichtblick ist, dass zurzeit noch die tägliche Zahl der wieder genesenen Corona-Infizierten jene der Neuinfizierten übersteigt, sodass sich die Zahl der aktiven Virusträger stetig verringert, aber auch hier scheint sich erneut ein Trandwechsel anzubahnen.

Coronavirus in Andalusien: Angst vor vierter Welle - Verständnis für Pandemiemüdigkeit

Vor diesem Hintergrund musste die andalusische Regierung entscheiden, ob sie die bisher geltenden, mit Ende des heutigen Tages auslaufenden Corona-Regeln verlängert oder modifiziert. Nach Anhörung des Expertenkomitees, das sie in der sanitären Krise berät, beschloss die Landesregierung am gestrigen Mittwochabend, die Corona-Regeln weitestgehend in gleicher Form beizubehalten. Von einer Öffnung der Region oder einer Wiederherstellung der Mobilität zwischen den andalusischen Provinzen ist wegen der negativen Entwicklung der Fallzahlen abgesehen worden. Obwohl die sich aufbäumende vierte Welle dem Kabinett von Juanma Moreno große Sorgen bereitet, ist aber auch von einer weiteren Verschärfung der Restriktionen abgesehen worden. Aus Rücksicht auf die Wirtschaft, wie auch auf die der Pandemie zunehmend überdrüssige Bevölkerung, ließ man von offizieller Seite verlauten.

Den Andalusiern dürften noch mindestens zwei komplizierte Monate bevorstehen, räumt ihr Präsident Juanma Moreno ein. Weshalb er weiterhin an die individuelle und kollektive Verantwortung der Bürger appelliert und diese ermahnt, die Vorsicht nicht schleifen zu lassen. Zugleich ist er jedoch zuversichtlich die vierte Welle mit den bisherigen Corona-Restriktionen im Zaum halten zu können. Schließlich seien diese eine der strengsten im Vergleich zu den übrigen spanischen Regionen, so Moreno. Zumindest für zwei weitere Wochen, bis einschließlich 22. April, bleibt Andalusien nach außen abgeschottet. Das Gleiche gilt für die acht andalusischen Provinzen untereinander. Die nächtliche Sperrstunde gilt weiterhin von 23 bis 6 Uhr und Gaststätten sowie nicht essenzielle Geschäfte dürfen bis 22.30 Uhr öffnen.

Corona-Restriktionen in Andalusien: Soziale Treffen im privaten Raum wieder erlaubt

Unverändert geblieben ist auch, dass Gemeinden mit einer 14-Tages-Inzidenz über 500 abgeriegelt werden und in jenen mit einer Inzidenz über 1.000 Gaststätten und nicht systemrelevante Geschäfte zu bleiben müssen. Die einzige Änderung der bisherigen Corona-Regeln betrifft die sozialen Treffen, und zwar dürfen in Wohnungen wieder Personen aus verschiedenen Haushalten zusammenkommen, allerdings nicht mehr als sechs. Sechs ist auch die Höchstzahl der Personen die im Freien zusammenkommen dürfen, im Inneren von Lokalen hingegen ist vier das Maximum. Die Innenräume von Bars und Restaurants bei einer 14-Tages-Inzidenz über 150 ganz für Kunden zu schließen, wie es das spanische Gesundheitsministerium empfohlen hat, lehnt die andalusische Regierung ab.

Das die Landesregierung beratende Expertenkomitee soll schließlich am 21. April erst wieder tagen, also erneut einen Tag vor Ablauf der neuen Corona-Regeln. Sollte es jedoch die epidemiologische Entwicklung erfordern, will heißen, dass die neuerliche Infektionswelle sich wieder turmhoch aufbäumt, würde man die Sitzung eine Woche vorziehen. Es besteht jedoch Grund zur Hoffnung, dass die vierte Welle nicht erneut zu einem Tsunami wird. Zum einen, weil die Durchimpfung der älteren Bevölkerung, die ein höheres Risiko gravierender oder gar tödlicher Krankheitsverläufe in sich birgt, langsam aber sicher voranschreitet. Zum anderen aber auch, weil die Zahl der Personen, die eine Infektion bereits überstanden haben und Antikörper gegen das Coronavirus besitzen, stetig zunimmt.

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