In Sevilla hängen Weihnachtsbeleuchtungen unter blauem Himmel.
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Coronavirus in Andalusien: Weihnachten wie gehabt - und Silvester?

Restriktionen auf dem Prüftsand

Coronavirus in Andalusien: Weihnachten wie gehabt - und Silvester?

  • vonJosé Antonio Nieto
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Die andalusische Regierung hat davon abgesehen, vor Weihnachten die Restriktionen zu verschärfen. Nach Weihnachten aber könnten die Corona-Regeln im Hinblick auf Silvester noch geändert werden.

  • Rückgang der Infektions- und Patientenzahlen stagniert in Andalusien seit einigen Tagen.
  • Ministerpräsident Moreno kündigt die Einführung eines Coronavirus-Impfpasses an.
  • Osterprozessionen könnten auch dieses Jahr wieder ins Wasser fallen.

Update, 27. Dezember: In Andalusien startet am heutigen Sonntag, wie auch in allen anderen spanischen Regionen, die Impfkampagne. Die allerersten Impfungen sollen in der Residencia Beato Fray Leopoldo und der Residencia La Milagrosa sowie im Hospital Clínico in Granada verabreicht werden. Noch am selben Tag sollen in zehn weiteren Seniorenheimen der sieben übrigen andalusischen Provinzen alle Heimbewohner und Mitarbeiter geimpft werden. In einer ersten Lieferung hat die Landesregierung von der Zentralregierung 1.840 Impfdosen erhalten. In den ersten zwölf Wochen der Impfkampagne soll Andalusien insgesamt 868.725 Impfdosen erhalten. Das Unternehmen Bidafarma, mit dem die andalusische Regierung ein Abkommen zur Lagerung und zum Vertrieb vereinbart hatte, wird die Impfstoffe von seinen beiden Logistikzentren in Sevilla und Granada im Westen beziehungsweise im Osten der Region verteilen.

Zur aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Andalusien.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche 87.268 Quadratkilometer
HymneHimno de Andalucía
Autonomie seit11. Januar 1982

Am morgigen Montag, 28. Dezember, will die Landesregierung bekannt geben, ob die momentan geltenden Corona-Regeln noch vor Silvester modifiziert werden oder nicht. Der andalusische Vizepräsident Juan Marín hat sich zuversichtlich gezeigt, dass eine Verschärfung der Restriktionen nicht erforderlich sein wird und die aktuellen Regeln wie vorgesehen, bis 10. Januar Bestand haben werden. Seinen Optimismus gründet Marín auf der zurzeit noch überwiegend positiven Entwicklung der Fallzahlen in Andalusien. Zwar ist die Infektionsrate der letzten 14 Tage weiter angestiegen auf einen Wert von 149,92 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner. Die Auslastung der Krankenhäuser der Region weist indes mit 975 Covid-Patienten (Stand 26. 12.), 236 von ihnen in Intensivbehandlung, weiterhin eine abnehmende Tendenz auf. Außerdem überstiegt die tägliche Zahl der wieder genesenen Corona-Infizierten nach wie vor deutlich jene der neuen Infektionsfälle.

Coronavirus in Andalusien: Auf und Ab der Infektions- und Patientenzahlen

Erstmeldung, 23. Dezember: Sevilla - Die in Andalusien in den vorangegangenen Wochen noch stark rückläufige Entwicklung der Coronavirus-Fallzahlen ist in den letzten Tagen ins Stocken geraten. Infektions- und Patientenzahlen durchlaufen zurzeit ein Auf und Ab, womit Andalusien aber noch relativ gut da steht, denn in den meisten spanischen Regionen weisen sie momentan eine klar steigende Tendenz auf. Die Infektionsrate der letzten 14 Tage liegt mit 138,7 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner (Stand 22. Dezember)  – zweitniedriegster Wert nach jenem der Kanaren – denn auch deutlich unter dem nationalen Durchschnitt von 236.

Im intraregionalen Vergleich stehen zurzeit die Provinz Jaén mit einer Infektionsrate von 224,8 und Almería mit 186 am schlechtesten da, während Sevilla mit 89,1 und Málaga mit 115 am besten abschneiden. Dem andalusischen Mittelwert von 138,7 entspricht die Provinz Córdoba, während Cádiz mit 165,5, Huelva mit 160,6 und Granada mit einer Infektionsrate von 142 jeweils etwas darüber liegen. Die Auslastung der Krankenhäuser ist indes in Granada mit 219 Covid-Patienten, 53 von ihnen auf der Intensivstation, besonders hoch und in Huelva mit 54 Corona-Infizierten, neun von ihnen in Intensivbehandlung, am geringsten. Andalusienweit sind aktuell sieben Prozent der Krankenhausbetten und 15 Prozent der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt.

Evolution der Pandemie: Immer mehr Genesene, immer weniger aktive Virusträger

Die erfreulichste Entwicklung ist jene der wieder genesenen Corona-Infizierten, deren Zahl derzeit jene der neuen Infektionsfälle Tag für Tag um ein Vielfaches übertrifft. Am 22. Dezember kamen wieder 5.244 Geheilte hinzu, gegenüber 547 Neuinfizierten. Seit Ausbruch der Pandemie konnten bereits 215.603 Personen die Virusinfektion überwinden. Da auf der anderen Seite von den insgesamt 252.430 Personen, die sich angesteckt haben, 4.909 verstorben sind, beläuft sich die Zahl der aktuellen Virusträger in der Region momentan auf 31.918 – mit klar sinkender Tendenz.

Vor diesem Hintergrund hat die andalusische Regierung im Gegensatz zu anderen Landesregierungen davon abgesehen, vor Weihnachten die Corona-Restriktionen noch einmal zu verschärfen. Es gelten also jene Regeln, die vom Kabinett des Ministerpräsidenten Juanma Moreno am 10. Januar festgelegt worden waren für die zweite Stufe eines Deeskalationsplans, in die Andalusien wiederum am 18. Dezember eingetreten ist. Bis zum 10. Januar sollen diese Corona-Regeln im Prinzip gelten, unverrückbar sind sie aber nicht. Am 26. Dezember soll die weitere Evolution der Pandemie bis dahin nämlich erneut evaluiert werden, so dass eine Modifizierung der Restriktionen im Hinblick auf Silvester nicht auszuschließen ist.

Impfkampagne in Andalusien: Seniorenheimbewohner und ihre Pfleger als Erste

Einen Tag später, am 27. Dezember soll in Andalusien dann auch schon die Impfkampagne starten. Vorgesehen ist die Einrichtung von 86 Impfstellen, 49 in Gesundheitszentren und 37 in Krankenhäusern. Als erste sollen die Bewohner und Angestellten der Seniorenresidenzen geimpft werden, und zwar innerhalb von nur zwei Wochen. Der andalusische Regierungschef Juanma Moreno hat derweil die Einführung eines Impfpasses angekündigt. Um etwa Konzerten, Sportevents oder sonstigen Großveranstaltungen beiwohnen zu dürfen, könnte eine Corona-Schutzimpfung vorausgesetzt werden.

Bis zum Frühjahr, kalkuliert das Landesgesundheitsministerium, werden wohl erst rund 30 Prozent der Bevölkerung geimpft und damit gegen das Coronavirus immun sein. Eine Herdenimmunität wäre damit noch längst nicht erreicht, weshalb der Ministerpräsident auch schon begonnen hat, die Andalusier auf eine neuerliche Hiobsbotschaft vorzubereiten. Und zwar erklärte Moreno davon auszugehen, dass die traditionellen Osterprozessionen in der diesjährigen Karwoche wohl erneut nicht werden stattfinden können. Aus dem gleichen Grund, der im Frühjahr wahrscheinlich noch immer geringen Immunisierung der Bevölkerung, hat auch die Stadt Sevilla ihr populäres, publikumsträchtiges Volksfest, die Feria de Abril, bereits abgesagt.

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