Eine Spritze und eine Kanüle vor dem Modell eines Coronavirus.
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Die zweite Corona-Welle hat Andalusien fest im Griff. Vor allem die Costa del Sol wird von ihr überschwemmt.

Corona-Hotspot Costa del Sol

Coronavirus in Andalusien: Sevilla bereitet große Sorgen

  • vonJosé Antonio Nieto
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Einmal mehr stellt Andalusien in der Coronavirus-Krise einen neuen negativen Rekord auf. Besonders kritisch ist die Situation in der Provinz Sevilla, die Málaga als größtes Sorgenkind abgelöst hat.

  • In den andalusischen Krankenhäusern sind die Kapazitäten noch längst nicht erreicht.
  • Eine Überlastung herrscht in diesem Sommer indes in den Gesundheitszentren der Region.
  • Die Seniorenheime drohen von der zweiten Infektionswelle wieder hart getroffen zu werden.

Update, 28. September: Die Entwicklung der Corona-Pandemie in den letzten Monaten zeigt, dass man sich in Andalusien in kaum einer Provinz relativ sicher vor einer Ansteckung fühlen kann - mit der Provinz Huelva als der berühmten Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Die Corona-Hotspots verlagern sich beinahe von Woche zu Woche innerhalb der Region. Im Verlauf der zweiten Infektionswelle war die Situation erst in Granada besonders kritisch, später in Almería, danach in Málaga und zuletzt ist die Provinz Sevilla zum größten Sorgenkind avanciert. Diese marschiert zurzeit nicht nur bei den täglichen Neuinfizierten vorneweg, sondert rangiert auch hinsichtlich der Zahl der Covid-Patienten an vorderster Stelle. In ihren Krankenhäusern befinden sich zurzeit 328 Corona-Infizierte, von denen 42 auf der Intensivstation behandelt werden müssen. In der Statistik folgt mit einigem Abstand die Provinz Málaga, in deren Hospitälern 193 Covid-Patienten liegen, 29 von ihnen auf der Intensivstation. Andalusienweit weisen die Fallzahlen weiterhin eine steigende Tendenz auf, die sich allerdings leicht abzuschwächen scheint. So stieg die Zahl der Corona-Infizierten in den Krankenhäusern der Region in den letzten sieben Tagen um 83 auf 1.023 an (Stand 27. September), während sich die Zahl der Covid-Patienten in den Intensivstationen der Hospitäler auf 142 erhöht hat, acht mehr als noch vor einer Woche.

Währenddessen hat der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno eine Verschärfung der Corona-Restriktionen angekündigt, die am 29. September vom Kabinett beschlossen und am Tag darauf in Kraft treten sollen. Geplant sind zum einen neue Regeln die andalusienweit gelten sollen, zum anderen aber auch spezifische Maßnahmen für einzelne Gemeinden, in denen die Corona-Fallzahlen momentan besonders schnell ansteigen oder in denen kritische Grenzwerte bereits überschritten worden sind. Welche weiteren Restriktionen von der Landesregierung konkret erwogen werden, hat Moreno offen gelassen. Sie könnten indes vor allem auf eine Einschränkung von familiären Zusammenkünften und Treffen mit Freunden abzielen. Der Regierungschef hat nämlich erneut an die Bevölkerung appelliert, bei diesen eine besondere Vorsicht walten zu lassen. Gerade im Familien- oder Freundeskreis neige man nämlich leicht dazu, Sicherheitsvorkehrungen wie die soziale Distanz oder die Maskenpflicht außer Acht zulassen. Bei solchen Treffen sei es leider üblich, dass die Teilnehmer die Schutzmasken ablegen und sich mit Küsschen oder Umarmung begrüßen, was oftmals einen neuen Infektionsausbruch nach sich ziehen würde. Welche neuen Corona-Regeln die andalusische Regierung letztlich beschließt, wird aber auch vom Kriterium ihres Expertengremiums abhängen, mit dem sich Juanma Moreno und sein Gesundheitsminister Jesús Aguirre am heutigen Montag beraten werden.

Aktuelle Daten und Entwicklungen zum Coronavirus in ganz Spanien.

Weitere aktuelle Daten zum Coronavirus in der Region Murcia.

Autonome GemeinschaftAndalusien
Fläche 87.268 Quadratkilometer
Einwohner8,43 Millionen (Stand 2019)
Hauptstadt Sevilla

Coronavirus in Andalusien: Infektionsrate weit unter dem landesweiten Durchschnitt

Update, 23. September: Die Covid-Patienten in den andalusischen Krankenhäusern haben die 1.000-er-Marke überschritten. Nachdem zuletzt 140 Einlieferungen nur 104 Entlassungen gegenübergestanden waren, hat sich die Zahl der Corona-Infizierten in den Hospitälern der Region auf 1.024 erhöht (Stand 22. September), das sind 86 mehr als noch vor einer Woche. Die Auslastung der Intensivstationen ist hingegen mit 136 Patienten, 16 mehr als vor sieben Tagen, unverändert geblieben, nachdem zuletzt neun Patienten eingewiesen wurden und ebenso viele die Station wieder verlassen konnten. Bei den Neuinfizierten ist am 22. September in Andalusien mit 1.536 der zweithöchste Wert seit Beginn der Corona-Pandemie registriert worden. Die meisten Infektionsfälle wurden erneut in der Provinz Málaga registriert mit 547 gefolgt von Sevilla mit 407 und Córdoba mit 175. Eine klar steigende Tendenz weist neuerdings aber auch die Zahl der geheilten Corona-Infizierten auf. Am 22. September sind 976 registriert worden, auch hier mit 278 die meisten in Málaga, gefolgt von Sevilla mit 252 und Almería mit 151. In der Provinz Almería übertrifft die Zahl der wieder gesund Geschriebenen in den letzten Tagen jene der Neuinfizierten zumeist deutlich, sodass sich die Zahl der aktiven Virusträger spürbar reduziert hat. Von den insgesamt 52.170 seit Ausbruch der Corona-Pandemie in Andalusien positiv auf Sars-Cov-2 getesteten Personen sind bislang 24.859 bereits geheilt und 1.718 verstorben.

Die ehemalige andalusische Ministerpräsidentin und aktuelle Oppositionsführerin im regionalen Parlament, Susana Díaz, sieht die Situation dennoch sehr kritisch, und zwar vor allem wegen der zunehmenden Überlastung der Gesundheitszentren. In diesen würden Patienten oftmals zwei Wochen lang auf einen Termin warten, um von ihrem Hausarzt mitunter lediglich telefonisch betreut zu werden, erklärte Díaz. Die Landesregierung habe es in diesem Sommer versäumt die Gesundheitszentren personell und materiell aufzurüsten und wenn diese als primäre Anlaufstelle kollabieren, werde dies zwangsläufig den Druck auf Notaufnahmen und Krankenhäuser erhöhen, ist die Politikerin der sozialistischen PSOE überzeugt. Der amtierende andalusische Ministerpräsident, Juanma Moreno von der konservativen PP, sieht die Lage nicht ganz so dramatisch. Maßnahmen zur Einschränkung der Mobilität der Bürger, wie sie die Regionalregierung in Madrid getroffen hat, will er für die nähere Zukunft zwar nicht ausschließen, zum jetzigen Zeitpunkt zieht er sie aber noch nicht in Betracht. Die Fallzahlen in Andalusien, müssten schließlich in Relation zur Bevölkerung gesetzt werden. Tatsächlich schneidet die knapp 8,5 Millionen Einwohner zählende Region im spanischen Vergleich nicht so schlecht ab. Die Infektionsrate der letzten 14 Tage liegt in Andalusien bei 148 pro 100.000 Einwohner, weit unter dem nationalen Durchschnitt der bei 287 liegt, während Madrid den Mittelwert mit 772 deutlich übertrifft.

Coronavirus in Andalusien: Apell der Politik an die Bevölkerung - Familientreffen vermeiden

Update, 20. September: Nachdem die Zahl der Neuinfizierten in Andalusien am 18. September mit 1.617 einen neuen negativen Rekord markiert hat, ist sie am Tag darauf mit 1.480 - der zweithöchste Wert seit Ausbruch der Corona-Pandemie - nicht weit dahinter zurückgeblieben. Mit Abstand die meisten Infektionsfälle sind einmal mehr in der Provinz Málaga registriert worden mit 465, gefolgt von Córdoba mit 319, Sevilla mit 251, Cádiz mit 122, Jaén mit 115, Almería mit 100, Granada mit 79 und Huelva mit 29. In den andalusischen Krankenhäusern standen 106 Einlieferungen 100 Entlassungen gegenüber, sodass die Zahl der Covid-Patienten am 19. September nur leicht auf 951 angestiegen ist. Verhalten ist auch der Anstieg der Patienten in den Intensivstationen der Hospitäler gewesen. Nachdem vier Patienten in diese eingewiesen werden mussten und zwei sie wieder verlassen konnten, hat sich deren Zahl auf 128 erhöht. Die meisten stationär in einem Krankenhaus behandelten Covid-Patienten weist nach wie vor die Provinz Sevilla auf mit 259, während sich in der Provinz Málaga mit 33 die meisten Patienten auf der Intensivstation befinden. Am anderen Ende der Skala rangiert in beiden Aspekten die Provinz Huelva, mit sechs Covid-Patienten im Hospital, zwei davon auf der Intensivstation. Bei allen Fallzahlen schneidet Huelva im regionalen Vergleich in der zweiten Infektionswelle, wie auch schon in der ersten mit Abstand am besten ab.

Währenddessen wächst der Druck auf die andalusische Landesregierung, Maßnahmen zu ergreifen, um die Expansion des Virus einzudämmen. Einige Gemeinden wie Lucena und Balalcazer in der Provinz Córdoba oder auch Casariche in der Provinz Sevilla haben von sich aus bereits gefordert, die Mobilität ihrer Einwohner einzuschränken. Der Ministerpräsident Juanma Moreno sowie sein Gesundheitsminister Jesús Aguirre sehen hierfür allerdings noch keinen Grund. Die derzeitigen Fallzahlen würden einen Lockdown in diesen Ortschaften noch nicht rechtfertigen. Maßnahmen wie die Isolierung einzelner Gemeinden oder ihre Rückstufung im Deeskalationsplan würde man erst in Betracht ziehen, wenn eine allgemeine, unkontrollierte Ausbreitung des Virus konstatiert werden müsse, was derzeit noch nicht der Fall sei. Die derzeit explodierenden Fallzahlen führt Aguirre nämlich vor allem auf die stark erhöhte Testfrequenz zurück. Während im vergangenen März in Andalusien pro Tag nur an die 1.000 PCR-Tests realisiert und damit lediglich rund zehn Prozent der Infizierten aufgespürt worden seien, führe man nun täglich bis zu 12.000 PCR-Tests durch, mit denen etwa 80 Prozent der Virusträger ermittelt werden. Der Gesundheitsminister wie auch der Regierungschef Moreno belassen es derweil denn auch noch bei einem Appell an die Bevölkerung, auf Familientreffen derzeit zu verzichten, denn 80 Prozent der Corona-Ausbrüche würden sich im familiären Umfeld ereignen.

Coronavirus in Andalusien: Verschärfung der Restriktionen? Landsregierung will abwarten

Update, 18. September: Die Zahl der Neuinfizierten weist in Andalusien in den letzten Tagen mit 1.038 am 15., 915 am 16. sowie 1.389 am 17. September - ein neuer Höchstwert seit Ausbruch der Corona-Pandemie - erneut eine klar steigende Tendenz auf. Bei den zuletzt vermeldeten, neuen Infektionsfällen rangierte die Provinz Málaga mit 350 erneut an der Spitze, diesmal aber dicht gefolgt von der Provinz Sevilla, die sich zunehmend zum neuen Sorgenkind in der Region entwickelt, mit 328 Neuinfizierten. Bei der Zahl der Covid-Patienten, die einer stationären Behandlung in einem Krankenhaus bedürfen, hat Sevilla mit 265 Málaga mit 225 bereits den Rang abgelaufen. Bei der Zahl der Corona-Infizierten, die auf die Intensivstation verlegt werden mussten, liegt Málaga hingegen mit 33 noch vor Sevilla mit 18. Insgesamt befinden sich in den andalusischen Hospitälern zurzeit 940 Covid-Patienten, 150 mehr als eine Woche zuvor. Von diesen müssen 120 auf der Intensivstation behandelt werden, sieben mehr als vor einer Woche. Deutlich zugenommen haben in den letzten Tagen auch die Todesfälle in der Region, mit 22 am 15., 16 am 16. und 25 am 17. September. Seit Beginn der Pandemie hat das Coronavirus in Andalusien bislang 1.621 Todesopfer gefordert.

Der andalusische Ministerprasident Juanma Moreno hat sich über die aktuelle Entwicklung der Fallzahlen sehr besorgt gezeigt. Ob die Landesregierung aufgrund dessen die Corona-Restriktionen weiter verschärfen könnte, hat er indes noch offen gelassen. Bevor eine Entscheidung getroffen werde, wolle man erst noch die weitere Evolution in der zweiten Septemberhälfte abwarten. Eventuelle Maßnahmen müssten wohlüberlegt und quasi chirurgische Eingriffe sein, um die ökonomischen Sektoren möglichst wenig zu beeinträchtigen. Eine Explosion der Infektionsfälle sei derzeit schließlich auch nicht nur in Andalusien, sondern auch in den meisten anderen spanischen Regionen festzustellen. Moreno relativiert die Zahlen denn auch, da Andalusien im landesweiten Vergleich die viertniedrigste, weit unter dem nationalen Durchschnitt liegende Infektionsrate aufweise. Außerdem hebt der Regierungschef als positiven Faktor hervor, dass der Druck auf die Krankenhäuser zuletzt nur gering zugenommen habe. Obwohl die Kapazitäten der Hospitäler noch weit von einer Auslastung entfernt seien, habe das Gesundheitsministerium bereits einen Notfallplan ausgearbietet, um sie für einen Anstieg der Covid-Patienten auf bis zu 3.000 zu rüsten.

Coronavirus in Andalusien: Call-Center sollen helfen, Kontakte von Infizierten aufzuspüren

Update, 14. September – Die täglichen Zahlen der Neuinfizierten verzeichnen in Andalusien in den letzten Tagen eine rückläufige Tendenz. Am 14. September sind 645 Infektionsfälle verzeichnet worden, 95 weniger als am Vortag und 491 weniger als zwei Tage zuvor. Weiter angestiegen ist hingegen die Zahl der Covid-Patienten in den Krankenhäusern der Region. In diesen befinden sich aktuell 868 Corona-Infizierte, 170 mehr als noch vor einer Woche. Die Zahl der Covid-Patienten, die auf die Intensivstationen der Hospitäler verlegt werden mussten, hat sich in den letzten sieben Tagen um fünf auf 115 erhöht. Nachdem am 13. September erstmals seit dem 20. August kein Todesopfer beklagt werden musste, sind am Tag darauf wieder sechs Todesfälle registriert worden.

Zur besseren Aufspürung der Kontakte von Corona-Infizierten, zwecks Rückverfolgung und Durchbrechung der Infektionsketten, hat die andalusische Regierung zwei Call Center mit zusammen 20 Mitarbeitern eingerichtet. Die Call Center, die die mit der gleichen Aufgabe betreuten Gesundheitszentren unterstützen sollen, befinden sich einer im Hospital Virgen Macarena in Sevilla - zuständig für den Westen der Region - und der andere im Hospital San Cecilio in Granada - zuständig für den Osten der Region. Am 13. September haben in Andalusien außerdem 360 Covid-Fahnder des spanischen Militärs ihre Arbeit aufgenommen. Diese waren von der Landesregierung zur Verstärkung ihrer eigenen Fahndungsteams erbeten worden. Allen autonomen Regionen hatte die Zentralregierung für diese Tätigkeit insgesamt 2.000 Soldaten angeboten.

Coronavirus in Andalusien: Huelva steht am besten da, Málaga schneidet am schlechtesten ab

Erstmeldung, 12. September: Sevilla – Schon wieder hat Andalusien bei den täglichen Neuinfizierten einen neuen Höchstwert verbucht: 1.242 Infektionsfälle sind am 11. September vermeldet worden, so viele wie an keinem anderen Tag seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Einsam an der Spitze hat einmal mehr die Provinz Málaga gelegen mit 478 Neuinfizierten, gefolgt von Sevilla mit 199, Granada mit 143, Cádiz mit 136, Almería mit 97, Jaén mit 92, Córdoba mit 71 und Huelva mit 26. Hinsichtlich der Corona-Infizierten, die aktuell einer stationären Behandlung in einem Hospital bedürfen, lässt Málaga die übrigen andalusischen Provinzen mit 235 Covid-Patienten, 31 von ihnen auf der Intensivstation, ebenfalls deutlich hinter sich. Im regionalen Vergleich schneidet die Provinz Huelva, wie auch in allen anderen Parametern der Pandemie am besten ab, mit nur fünf Covid-Patienten in einem Krankenhaus und einem einzigen in Intensivbehandlung.

Andalusienweit befinden sich zurzeit 808 Covid-Patienten in einem Hospital (Stand 11. September), 18 mehr als am Vortag, da zuletzt 77 Corona-Infizierte eingeliefert werden mussten, während im Gegenzug 59 wieder entlassen werden konnten. Die Zahl der Covid-Patienten in Intensivbehandlung konnte hingegen um einen reduziert werden, da sechs Abgängen lediglich fünf Einweisungen gegenüberstanden. In den letzten sieben Tagen haben sich in Andalusien nachweislich 5.032 Personen mit Sars-CoV-2 infiziert, von denen 353 in einem Krankenhaus unter ärztliche Beobachtung gestellt und 19 sogar auf die Intensivstation verlegt werden mussten. Verstorben sind im gleichen Zeitraum 41 Corona-Infizierte. Seit Beginn der Pandemie sind in Andalusien 40.124 Infektionsfälle registriert worden. 20.162 haben das Virus bereits besiegen können, während 1.589 der Infektion erlegen sind.

Coronavirus in Andalusien: Allgemeine Verbreitung - Situation gerät außer Kontrolle

Die Fallzahlen, die zum Ende des Frühjahrs in Andalusien wie auch im Rest des Landes bereits stark abgefallen waren und ein baldiges Abflauen der Corona-Pandemie erhoffen ließen, steigen seit Juli wieder kontinuierlich an. Darüber, dass die Region von einer zweiten Infektionswelle überrollt wird, besteht schon längst kein Zweifel mehr. Trotz der Besorgnis erregenden Tendenz relativiert der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno die Daten jedoch. Andalusien weise landesweit etwa sieben Prozent der Corona-Infizierten und fünf Prozent der mit dem Virus verstorbenen Personen auf, obwohl die Region rund 20 Prozent der spanischen Bevölkerung auf sich vereine und in diesem Sommer im landesweiten Vergleich die höchsten Urlauberzahlen verbucht habe. Der Sprecher der andalusischen Regierung, Elías Bendodo, musste jüngst indes eingestehen, dass die Expansion des Coronavirus zumindest in Teilen der Provinz Málaga und zwar im Gesundheitsbezirk der Costa del Sol außer Kontrolle geraten sei. Und die Oppositionsführerin im regionalen Parlament, Susana Díaz, ist der Ansicht, dass man auch in einigen Gebieten der Provinz Almería bereits eine allgemeine Verbreitung des Virus feststellen könne.

Konstatieren muss man auf jeden Fall, dass die Auslastung der andalusischen Krankenhäuser noch längst nicht an jene von Ende März heranreicht, als sich in den Hospitälern der Region 2.708 Covid-Patienten befanden und 430 von ihnen auf der Intensivstation behandelt werden mussten. Allerdings variiert die derzeitige Auslastung in der Region zum Teil sehr stark und zwar nicht nur zwischen den einzelnen Provinzen, sondern auch innerhalb dieser. Und einige Krankenhäuser beginnen bereits an ihre Kapazitätsgrenzen zu stoßen, wobei wenigstens die Kooperation der Hospitäler untereinander gut zu funktionieren scheint. So mussten jüngst zwei Covid-Patienten vom Hospital Universitario in Puerto Real (Cádiz) in das Hospital Puerta del Mar der Provinzhauptstadt Cádiz verlegt werden, weitere Patienten könnten diesen auch noch folgen. Denn im Krankenhaus in Puerto Real sind von den insgesamt elf Intensivbetten zehn bereits belegt. Die Verlegung der Covid-Patienten erfolgte präventiv, für den Fall, dass sich ihr Gesundheitszustand plötzlich verschlechtern und eine Intensivbehandlung erforderlich machen sollte.

Coronavirus in Andalusien: Gesundheitszentren stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen

Überlastet sind die Krankenhäuser größtenteils noch nicht, weil zwar die Infektionszahlen nicht zuletzt dank der stark erhöhten Testfrequenz drastisch angestiegen sind, die allermeisten der aufgespürten Infizierten anders als im Frühjahr aber nicht schwerer erkranken oder sogar gar keine Symptome aufweisen. Sehr wohl wächst hingegen der Druck auf die Gesundheitszentren, die nun beim Kampf zur Eindämmung der Corona-Pandemie an vorderster Front stehen. Hier ist es für Patienten, die unter anderen Krankheiten als Covid-19 leiden, zurzeit ganz schwer einen Termin zu bekommen und selbst für eine telefonische Betreuung, die primär zur Anwendung kommen soll, muss man viel Geduld mitbringen und zumeist lange auf den Rückruf eines Arztes warten. Was nicht zuletzt daran liegt, dass ein Teil des Personals der Gesundheitszentren zur Aufspürung der Kontakte von Corona-Infizierten abgestellt worden ist, um die weitere Expansion des Coronavirus im Zaum zu halten, und daher für seine eigentliche Aufgabe, die Patientenbetreuung, gar nicht mehr oder nur noch teilweise abkömmlich ist.

Der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre hat die Überlastung der Gesundheitszentren eingeräumt und zugleich sehr bedauert. Eine Großteil des Personals sei nach dem schwierigen Frühjahr im Sommer in Urlaub geschickt worden, zumal man eine zweite Infektionswelle erst für den Herbst erwartet habe. Diese sei entgegen aller Voraussicht aber doch schon früher über die Region geschwappt. Aguirre versichert zwar, dass für Urlaubsvertretungen mehr Aushilfskräfte eingestellt worden seien als in vorangegangenen Jahren. Diese hätten sich aber wegen der starken Zunahme der Corona-Infizierten als unzureichend erwiesen, zumal auch die Trennung der Gesundheitszentren in zwei Bereiche, einen für Covid- und einen für Nicht-Covid-Patienten, einen größeren Arbeitsaufwand mit sich bringe. Hinzu komme, dass in den Gesundheitszentren etwa 70 Prozent aller Corona-Tests durchgeführt werden und sich das Personal auch noch um die medizinische Betreuung der Seniorenresidenzen kümmern müsse, in denen sich Infektionsausbrüche ereignet haben, sowie um die Schulen, falls in diesen Infektionsfälle registriert werden sollten. Und zusätzliches Personal zu rekrutieren sei momentan schwierig, weil die entsprechenden Jobbörsen für medizinische Fachkräfte weitgehend leer seien.

Coronavirus in Andalusien: Infektionsausbrüche in Seniorenresidenzen häufen sich

Die Seniorenheime, die schon in der ersten Infektionswelle hart getroffen worden waren, könnten in der aktuellen Entwicklung der Pandemie erneut ein schwarzes Kapitel schreiben. Nachdem die andalusische Landesregierung Anfang August noch verkünden konnte, dass alle Residenzen frei vom Coronavirus waren, haben sich mittlerweile in 98 schon wieder Infektionsausbrüche ereignet. Der Gesundheitsminister Jesús Aguirre stellt dem entgegen, dass von den insgesamt 1.107 Residenzen in der Region 91,4 Prozent nicht von Ausbrüchen betroffen seien. Dass die Situation aber schon sehr besorgniserregend sei, räumt der Minister dann aber doch ein. Dennoch müsse man feststellen, dass Andalusien auch in dieser tragischen Statistik besser davon komme, als die Mehrheit der übrigen spanischen Regionen. Von den insgesamt 1.589 Todesopfern, die das Coronavirus in Andalusien bislang gefordert habe, hätten sich 36,71 Prozent in Seniorenresidenzen ereignet, während der spanische Mittelwert bei 67,44 Prozent liege. Die gesundheitspolitische Sprecherin der oppositionellen PSOE im andalusischen Landtag, Carmen Velasco, hält dem entgegen, dass die 573 Todesfälle in Seniorenheimen bedeuten, dass seit Beginn der Corona-Pandemie in den Residenzen der Region pro Tag im Schnitt drei Heimbewohner verstorben sind.

Carmen Velasco wirft der Landesregierung vor, die Verschnaufpause zwischen der ersten und der zweiten Infektionswelle während der zweiten Frühjahreshälfte nicht dafür genutzt zu haben, um die Seniorenresidenzen aufzurüsten. Eine verbesserte, medizinische Ausstattung mit Medikamenten und Schutzausrüstungen hätten den erneuten Einzug des Coronavirus in den Heimen erschweren können. Velasco fordert außerdem, Corona-Infizierte aus den Residenzen die an Covid-19 erkrankten ausnahmslos in ein Hospital zu überweisen, unabhängig vom Alter und allgemeinen Gesundheitszustand des Betroffenen. Außerdem fordert sie noch mehr Corona-Tests für die Bewohner und die Belegschaften der Heime. Der Gesundheitsminister Jesús Aguirre stellt hierzu fest, dass alle Bewohner und Angestellten sämtlicher Seniorenresidenzen bereits vier Mal Corona-Tests unterzogen worden seien und eine fünfte Testwelle bereits vorgesehen sei, die auch die in der häuslichen Betreuung tätigen Pflegekräfte einschließen werde. Außerdem sollen ab Oktober die Grippe-Impfungen durchgeführt werden und sobald ein Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar sei, sollen in Andalusien die Bewohner und Mitarbeiter der Seniorenheime als erste geimpft werden.

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