Weihnachtsbeleuchtung in einer Straße in Granada
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Zum Jahreswechsel galten in Andalusien die gleichen Corona-Regeln wie an Weihnachten.

Gleiche Regeln wie Weihnachten

Andalusien 2021: Keine Verschärfung der Corona-Auflagen zum Jahresbeginn

  • vonJosé Antonio Nieto
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Von einer Verschärfung der Corona-Regeln zum Jahreswechsel hatte die Landesregierung abgesehen. In der jüngsten Entwicklung der Fallzahlen scheint sich das bereits negativ niederzuschlagen.

Update, 6. Januar: Die Lockerung der Corona-Restriktionen in Andalusien vor Weihnachten beginnt sich in der Evolution der Fallzahlen bemerkbar zu machen. Sowohl Infektions- als auch Patientenzahlen haben ihren Abwärtstrend beendet und weisen nun wieder eine negative Tendenz auf. Die Infektionsrate der letzten 14 Tage liegt mit 161,5 Prozent pro 100.000 Einwohner zwar noch deutlich unter dem nationalen Durchschnitt, anders als der landesweite Mittelwert steigt sie indes seit Tagen kontinuierlich an. Quasi im Schlepptau hat zuletzt auch die Zahl der Covid-Patienten in den Hospitälern der Region wieder zugenommen. Aktuell befinden sich 1.054 Corona-Infizierte in stationärer Behandlung, 218 von ihnen auf der Intensivstation (Stand 5. Januar). Zwar sind zurzeit erst 6,46 Prozent aller Krankenhausbetten und 13,45 Prozent der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt, der abermalige Trendwechsel hinsichtlich der epidemiologischen Entwicklung beitet jedoch Anlass zur Sorge.

Mehr zur aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Andalusien.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche 87.268 Quadratkilometer
HymneHimno de Andalucía
Autonomieseit 11. Januar 1982

Corona-Schutzimpfung in Andalusien: Impfkampagne läuft in der Region eher schleppend an

Währenddessen ist die Impfkampagne in Andalusien - wie auch in den meisten übrigen spanischen Regionen - eher schleppend angelaufen. Dabei will die Landesregierung bis Mitte März 900.000 Andalusier immunisieren, wofür jede Woche im Schnitt 70.000 Impfspritzen gesetzt werden müssten. In der ersten Woche aber hatten in Seniorenheimen, Krankenhäusern und Gesundheitszentren erst 26.464 Heimbewohner, Betreuer und medizinische Fachkräfte die erste von zwei Impfspritzen erhalten. Das bedeutet, dass von der ersten regulären Lieferung mit rund 71.000 Impfdosen lediglich 37,2 Prozent verabreicht wurden. Womit Andalusien sogar noch relativ gut abschneidet, denn der landesweite Durchschnitt lag gerade Mal bei 20 Prozent, mit Asturien an der Spitzte und Kantabrien als Schlusslicht.

Den Verzug erklärt der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre damit, dass die Lieferung erst mit einem Tag Verspätung, am Nachmittag des 29. statt wie vorgesehen am 28. Dezember ankam. Und in der Woche stand mit dem 1. Januar schließlich ja auch noch ein Feiertag an, an dem keine Impfungen durchgeführt wurden. Zu Beginn dieser Woche, als bereits die zweite Lieferung mit etwa 69.000 Impfdosen ankam, sei das Versäumte aber nachgeholt worden und habe man die erste Lieferung zu 90 Prozent aufgebraucht. Die restlichen zehn Prozent behalten die Gesundheitsbehörden laut Aguirre bewusst zur Sicherheit zurück. Damit soll gewährleistet werden, dass alle Personen, die bereits die erste Spritze bekommen haben, auch die zweite Dosis erhalten, selbst wenn es zu Versorgungsengpässen kommen sollte.

Entwicklung der Corona-Fallzahlen in Andalusien: Möglicher Trendwechsel zeichnet sich ab

Update, 3. Januar: Im Monat Dezember sind in Andalusien insgesamt 1.117 Personen mit Covid-19 verstorben, das sind 370 weniger als im November, dem Monat mit der bislang höchsten Sterberate. Der tragischste Tag ist der 2. Dezember gewesen, an dem allein 87 Todesfälle registriert worden waren. Die wenigsten Toten, jeweils 13, wurden am 13. und 14. Dezember vermeldet. Seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie hat diese in der Region bereits 5.158 Todesopfer gefordert: Zum Vergleich: Im Straßenverkehr sind im gleichen Zeitraum mit 2.470 nicht einmal halb so viele Menschen ums Leben gekommen.

Die aktuelle Evolution der Fallzahlen in Andalusien ist weiterhin positiv, vor allem was die Auslastung der Krankenhäuser anbelangt. Zurzeit befinden sich in den Hospitälern der Region nur noch 893 Covid-Patienten (Stand 2. Januar), 82 weniger als eine Woche zuvor. Von diesen befinden sich 206 in Intensivbehandlung, 30 weniger als sieben Tage zuvor. Die rückläufige Tendenz könnte indes schon bald umschlagen, da die Infektionsrate zuletzt wieder leicht angestiegen war auf 141,25 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner in den letzten 14 Tagen. Allerdings stammt der letzte vom andalusischen Gesundheitsministerium veröffentlichte Wert noch vom 31. Dezember.

Corona-Hotspot Gibraltar: Landesregierung schottet Gemeinden im Süden der Provinz Cádiz ab

Große Sorgen bereitet den andalusischen Gesundheitsbehörden indes die Entwicklung der Corona-Pandemie in Gibraltar. Wegen der dort zuletzt stark angestiegenen Infektionszahlen hat die britische Kronkolonie ihre Bevölkerung bereits in den Lockdown geschickt. Die Nähe zu dem neuen Hotspot treibt mittlerweile auch die Inzidenz im Umland in die Höhe. Die andalusische Landesregierung hat in Reaktion darauf acht Gemeinden des als Campo de Gibraltar bekannten Gebietes im Süden der Provinz Cádiz isoliert. Bis auf Weiteres werden die Einwohner von La Línea de la Concepción, Algeciras, Los Barrios, Castellar de la Frontera, Jimena de la Frontera, San Martín del Tesorillo, San Roque und Tarifa von der Außenwelt abgeschottet sein.

Erstmeldung, 29. Dezember: Sevilla - Die gegenwärtige Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Andalusien könnte man, so wie es auch Politiker und Gesundheitsexperten tun, als relativ stabil bezeichnen. Der Rückgang der Fallzahlen hat sich zuletzt zwar abgeschwächt, an manchen Tagen steigen Infektions- oder Patientenzahlen sogar an, aber insgesamt weisen die Werte, im Gegensatz zu anderen spanischen Regionen wie Madrid, Katalonien, Valencia oder die Balearen, nach wie vor noch einen leichten Abwärtstrend auf. Und ganz klar sinkt seit einigen Wochen die Zahl der bekannten aktiven Virusträger in der Region, aktuell sind es nur noch 29.857.

Die Infektionsrate der letzten 14 Tage liegt in Andalusien mit 135,69 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner (Stand 28. Dezember) deutlich unter dem landesweiten Mittelwert von 246,19. Landesweit stehen zurzeit nur der neue Klassenprimus Asturien und die Kanaren, die bisherige Vorzeigeregion, noch etwas besser da. Die Zahl der Covid-Patienten in den andalusischen Krankenhäusern beläuft sich auf 1.061 (Stand 29. Dezember), auf dem Höhepunkt der Pandemie am 10. November waren es 4.478 gewesen. In den Intensivstationen der Hospitäler befinden sich 225 Corona-Infizierte, der bisherige Höchststand am 18. November betrug 528. Aktuell sind auch nur 6,61 Prozent aller Krankenhausbetten und 13,74 Prozent der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt.

Coronavirus in Andalusien: Erneute Evaluation der epidemiologischen Entwicklung am 8. Januar

Vor diesem Hintergrund hat sich das Expertenkomitee, das die andalusische Regierung in der sanitären Krise berät, auf seiner jüngsten Sitzung am Montag dieser Woche dafür ausgesprochen, die Corona-Regeln vorerst nicht zu ändern. Dem Rat ist die Landesregierung auch gefolgt. So werden über Silvester die gleichen Restriktionen gelten wie zu Weihnachten. Welche das sind, können sie hier nachlesen. Ob sie wie geplant noch bis zum 10. Januar Bestand haben werden, soll indes am 8. Januar erneut einer Prüfung unterzogen werden.

Am vergangenen Sonntag ist in Andalusien derweil die Corona-Schutzimpfung angelaufen, wie auch in den anderen spanischen Regionen. In einer ersten Lieferung hatte die Landesregierung 1.840 Impfdosen erhalten, von denen 400 in Krankenhäusern und der Rest in Seniorenheimen verabreicht wurden. Als erste bekamen Antonio Yañez (83) und Pilar Martin (78), Bewohner der Residencia Beato Fray Leopoldo in Granada, die Spritze mit dem Vakzin. Noch am gleichen Tag wurden in weiteren Seniorenresidenzen sowie in Krankenhäusern aller acht andalusischen Provinzen Massenimpfungen durchgeführt. Als ersten Schritt zur Wiedergewinnung der Normalität bezeichnete der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno den Start der Impfkampagne. Moreno appellierte an die Bürger außerdem, keine Angst vor der Impfung zu haben und diese als moralische Verantwortung anzusehen.

Das andalusische Gesundheitsministerium verfügt über 177 Impfteams mit 526 Krankenpflegern, die vorab in der Verabreichung des Impfstoffes von BioNTech und Pfizer geschult worden sind. Von den Impfteams sind 73 nicht in einem Hospital oder einem Gesundheitszentrum, sondern mobil, um die Impfungen in Seniorenheimen durchzuführen. Die Impfkampagne sieht nämlich, wie vom spanischen Gesundheitsministerium vorgegeben, die Bewohner und Betreuer der insgesamt 1.707 andalusischen Residenzen in der Rangfolge als erste vor, zusammen mit jenen Ärzten und Pflegekräften, die an vorderster Front gegen das Coronavirus kämpfen. Diesen soll das Übrige im Gesundheitswesen beschäftigte Personal nachfolgen.

Impfkampagne in Andalusien: Rückkehr zur verlorenen Normalität wohl nicht vor dem Sommer

Jede Woche soll Andalusien fortan an die 72.000 Impfdosen erhalten. Innerhalb von zwölf Wochen sollen rund 864.000 Impfdosen angeliefert werden. Da zur Immunisierung zwei Spritzen verabreicht werden müssen, könnten mit diesen etwa 432.000 Andalusier geimpft werden, was gerade Mal sechs Prozent der regionalen Bevölkerung entspricht. Dennoch geht die Landesregierung davon aus, da bald auch noch weitere Impfstoffe verfügbar sein dürften, bis zum Sommeranfang die Hälfte der Einwohner immunisieren zu können. Mit einer weitgehenden Normalisierung des gesellschaftlichen Alltags wäre demnach indes nicht vor der zweiten Jahreshälfte zu rechnen, da im Winter und wohl auch im Frühjahr der Immunisierungsgrad noch relativ gering sein wird.

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