Sonnenhungrige an einem Strand der Costa del Sol.
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Mit einer geringen Corona-Inzidenz und einem hohen Immunisierungsgrad der Bevölkerung will man zum Sommer in Andalusien eine weitgehende Normalität zurückgewinnen.

Sehnsucht nach Normalität

Coronavirus in Andalusien: Ein Sommer, wie er früher einmal war?

  • José Antonio Nieto
    vonJosé Antonio Nieto
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Die Infektions- und Patientenzahlen sind in Andalusien weiter rückläufig. Die Landesregierung versprüht derweil Optimismus. Zum Sommer soll sich der Alltag wieder weitgehend normalisieren.

Update; 26. Mai: Der mit dem Ende des nationalen Notstands am 9. Mai in Andalusien eingeläutete Dreistufenplan sah eigentlich zum 1. Juni bereits weitere Lockerungen der Corona-Restriktionen vor. Weil der Rückgang der Fallzahlen in der Region zuletzt jedoch ins Stocken geraten ist, soll der Eintritt in die zweite Deeskalationsphase um eine Woche verschoben werden. Die 14-Tages-Inzidenz beläuft sich zurzeit auf 164,7 (Stand 25. Mai). Eine Woche zuvor lag die Inzidenz zwar noch bei 169,1, in den letzten Tagen ist sie aber nicht konstant immer nur gesunken. Und die Schwelle von der mittleren zur geringen Infektionsgefahr, die ein Wert von 150 markiert, scheint die Inzidenz in Andalusien nicht unterschreiten zu wollen. Ähnliches gilt für die Patientenzahlen in den andalusischen Krankenhäusern. Aktuell befinden sich in den Hospitälern der Region 899 Covid-Patienten, 154 weniger als eine Woche zuvor. Am vergangenen Freitag war ihre Zahl indes bereits auf 846 abgefallen.

Zur aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Andalusien.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
Hymne Himno de Andalucía
AutonomieSeit 11. Januar 1982

Coronavirus in Andalusien: Politik im Clinch mit Justiz wegen Abriegelung von Gemeinden

Wegen einer 14-Tages-Inzidenz über 1.000 hatte die andalusische Regierung die Abschottung von drei Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern angeordnet: La Campana (Sevilla), Castro del Rio (Córdoba) und Montefrio (Granada). In diesen Gemeinden mussten seit vergangenen Donnerstag auch Gaststätten und nicht essenzielle Geschäfte geschlossen bleiben. Für La Campana und für Castro del Rio hat der Oberste Andalusische Gerichtshof (TSJA) die Maßnahme auch abgesegnet, für Montefrio hingegen haben sie die Richter am TSJA zum wiederholten Male als unverhältnismäßig zurückgewiesen. Derweil hat auch der Tribunal Supremo, der Oberste Spanische Gerichtshof, den Widerspruch der Landesregierung gegen Ablehnung der Abriegelung von Montefrio durch den TSJA abgelehnt. Das Problem der Politik mit der Justiz hat sich indes von selbst gelöst, da die Inzidenz in Montefrío mittlerweile wieder unter 1.000 abgefallen ist.

Erstmeldung, 20. Mai: Sevilla – Andalusien marschiert weiter in Richtung “neue Normalität”, der man sich mit einem dreistufigen Deeskalations-Plan schrittweise nähern will. Noch befindet sich die Region in der ersten, am 9. Mai eingeläuteten Phase. Weitere Lockerungen der Coronavirus-Restriktionen sollen erst zum Eintritt in die zweite, am 1. Juni beginnende Phase beschlossen werden. Bis Ende Juni, erklärt der andalusische Regierungschef Juanma Moreno, sollen 70 Prozent der über 16-Jährigen zumindest eine erste Impfdosis erhalten haben, mit der bereits ein relativ hoher Immunisierungsgrad erreicht wird. Ab Juli, so Moreno, würden dann bereits “optimalere Bedingungen” vorherrschen. Das sieht auch sein Vizepräsident Juan Marín so, der hofft, dass zum Sommer das normale Leben weitgehend zurückkehren werde – für die Andalusier in ihrem alltäglichen Leben wie auch für den Tourismus, von dem die regionale Wirtschaft so sehr abhängt. Marín hat im Kabinett schließlich auch das Tourismusressort inne.

Coronavirus in Andalusien: Cádiz mit niedrigster, Granada mit höchster Inzidenz

Bis dahin ist es, wenn man bedenkt, dass wir schon 14 Monate Pandemie hinter uns gebracht haben, gar kein so weiter Weg mehr. Die Corona-Fallzahlen sinken in Andalusien auch weiterhin, obwohl sich ihr Abwärtstrend zuletzt etwas abgeschwächt hat. Die 14-Tages-Inzidenz ist mittlerweile auf 165,4 (Stand 19. Mai) abgefallen. Damit liegt sie zwar wieder über dem landesweiten Mittelwert, der sich auf 144 beläuft, vor einer Woche hatte die Inzidenz aber noch 175,1 betragen. Reduziert haben sich derweil auch die Unterschiede innerhalb der Region, wobei die Provinz Granada mit 253,4 noch immer die höchste und Cádiz mit 87,4 nach wie vor die niedrigste Inzidenz aufweisen. Nur leicht rückläufig ist die 14-Tages-Inzidenz in Málaga (127,5), während sie in Almería momentan stark abfällt (98,1).

Spürbar nachgelassen hat auch die Belastung auf die andalusischen Krankenhäuser. In den Hospitälern der Region befinden sich aktuell noch 1.025 Covid-Patienten, das sind 142 weniger als sieben Tage zuvor. Und von diesen müssen 267 auf der Intensivstation behandelt werden. 40 weniger als vor einer Woche. Von allen Krankenhausbetten sind nur noch 5,71 Prozent und von allen Intensivbetten 14,1 Prozent mit Corona-Infizierten belegt. Erfreulich ist auch der stetige Rückkgang der aktiven Virusträger. Da sich in Andalusien seit Ausbruch der Pandemie 569.622 Personen infiziert haben, von denen 527.151 wieder genesen und 9.965 verstorben sind, beläuft sich ihre Zahl derzeit auf 32.566.

Ein weiteres Anzeichen der zunehmenden Linderung der epidemiologischen Situation ist der Umstand, dass zum heutigen Donnerstag zehn der 34 andalusischen Gesundheitsdistrikte – alle sechs der Provinz Málaga, drei der Provinz Cádiz sowie einer der Provinz Almería – bereits in die Alarmstufe 1 herabgestuft wurden. Ebenso, dass sich erstmals kein Distrikt mehr in der höchsten, der Alarmstufe 4, und nur noch neun in Stufe 3 befinden. Die Anordnung außerordentlicher Restriktionen, wie die Abriegelung einer Gemeinde und die Schließung der Gaststätten und nicht systemrelevanten Geschäfte, wird derweil auch immer mehr zum Ausnahmefall. Maßgeblich hierfür ist eine 14-Tages-Inzidenz von über 1.000, wobei Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern inzwischen zumeist ungestraft davonkommen.

Coronavirus in Andalusien: Restriktionen der Landesregierung legitim oder nicht?

Abgeschottet und ohne Gastronomie müssen in Andalusien nur noch drei Gemeinden auskommen: La Campana in der Provinz Sevilla, Castro del Rio in der Provinz Córdoba und Montefrio in der Provinz Granada. Wobei die Justiz, nun wo Spanien nicht mehr dem Notstand unterliegt, in der Frage das letzte Wort hat. Und einig werden sich die Richter dabei selten. Nachdem die Oberlandesgerichte unterschiedlicher Regionen den jeweiligen Landesregierungen derartige Kompetenzen mal zusprachen und mal verweigerten, sorgte der Oberste Andalusische Gerichtshof (TSJA) jüngst für eine noch größere Verwirrung. Denn eine Kammer des Gerichtshofes erklärte die Abriegelung von La Campana für zulässig, während eine andere Kammer des gleichen Gerichts die Maßnahme für Montefrio als unverhältnismäßig ablehnte. Nun wird der Tribunal Supremo als höchste richterliche Instanz in Spanien in der Sache ein Machtwort sprechen müssen.

In Reaktion auf die Justizposse hat die andalusische Regierung eine Modifizierung des Gesetzes zur Volksgesundheit angekündigt, die aufgrund der Dringlichkeit im Eilverfahren mit nur einer Lesung im regionalen Parlement vollzogen werden soll. Damit sollen die Befugnisse des Landes bei der Bekämpfung der Pandemie erweitert werden, um juristische Unsicherheiten zu beseitigen. Bis auf die rechtspopulistische Vox, die gegen jegliche Einschränkung der Bürgerrechte wegen Corona ist, haben alle im Landtag vertretenen Parteien bereits ihre Zustimmung signalisiert. Obwohl die oppositionelle PSOE der Koalitionsregierung von PP und Ciudadanos vorwirft, nicht viel früher schon darauf hin gearbeitet zu haben, da das Verfallsdatum des nationalen Notstandes, der 9. Mai, seit langem bekannt war.

Die Maskenpflicht könnte in Spanien zumindest im Freien bald fallen. Der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre will sie indes bis zur Erreichung der Herdenimmunität aufrecht erhalten.

Die andalusische Landesregierung wirft der spanischen Zentralregierung wiederum vor, den Notstand nicht zumindest um einen weiteren Monat verlängert und die Politik im Kampf gegen die Pandemie damit unter den Vorbehalt der Justiz gestellt zu haben. Im Clinch liegen Sevilla und Madrid zurzeit indes noch in einer Reihe weiterer Fragen. Die Zentralregierung ist zum Beispiel nicht damit einverstanden, dass Pubs und Diskotheken in Andalusien bis 2 Uhr öffnen dürfen, was die Landesregierung damit rechtfertigt, dass dies größere Zusammenrottungen zu nächtlichen Trinkgelagen in der Öffentlichkeit verhindere. Die Landesregierung wiederum will verhindern, dass die Zentralregierung die Maskenpflicht im Freien schon bald lockert, da sie ihrer Ansicht nach beibehalten werden müsste, bis zumindest 70 Prozent der Bevölkerung immunisert worden sind.

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